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ОглавлениеEin richtig blödes Wochenende, zog ich am Montag an meinem Schreibtisch Bilanz. Besuch von der Polizei, endlose Gespräche mit Nathalie, die auch zu nichts geführt hatten, teilnahmsvolle Anrufe von Julia und Bernie, die in den Nachrichten gehört hatten, dass der bekannte Unternehmer Hartmut Lamont von einem oder mehreren Unbekannten in seiner repräsentativen Hentinger Villa erschossen worden war (repräsentativ? Ha!), manisches Aufräumen, Putzen, Waschen und Wegschmeißen. Ich hatte tatsächlich die ganze Wohnung nach etwas abgesucht, das mich an die ersten achtzehn Jahre meines Lebens erinnerte, aber nichts gefunden. Sogar die Geburtsurkunde hatte ich mir bei Studienbeginn neu ausstellen lassen. Kein Schmuck, kein Teddy, keine Kinderbücher, kein einziger Legostein. Hatten wir eigentlich überhaupt Spielzeug gehabt? Mussten wir wohl, aber das lag alles unter einem merkwürdigen Nebel.
Nachdem meine Suche nach etwas, was ich so richtig mit Genuss vernichten konnte, erfolglos geblieben war, hatte ich mir frustriert eine große Pizza mit extra viel Knoblauch kommen lassen und schmeckte jetzt immer noch das Essen von Sonntagabend. Wenigstens war die gelbe Wand ziemlich gut gelungen.
Und hier waren alle mit bedripsten Gesichtern herumgelaufen und hatten ganz offensichtlich überlegt, ob und wie sie mir kondolieren sollten. Frau Schneider aus der Personalabteilung hatte mich eindeutig giftig gemustert, weil ich nicht Schwarz trug, aber ich hatte nur ein schwarzes Kostüm, und das brauchte ich für die Beerdigung. Irgendwann würden sie die Leiche – seltsam, an Vater als Leiche zu denken – ja wohl freigeben!
Ich brütete unkonzentriert über dem neuen Anzeigenaquise - Konzept, das mir zunehmend verfehlt vorkam, sortierte die Stifte im Köcher neu, warf zwei ausgeschriebene Marker weg, strich im Konzept einige Fehler an, blätterte durch die Post (konnte fast alles gleich ins Altpapier), spielte eine Runde Freecell, bastelte weiter an dem Konzept herum, erledigte ein paar andere Vorgänge, die eindeutig schneller gingen, und war heilfroh, als die Mittagspause nahte, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Gabi winkte mir mit Beileid-Gesicht zu, und Max, der kleine Schleimer, hielt mir höflich die Tür auf, als ich zum Aufzug strebte. Bevor ich nach draußen verschwinden konnte, kam der Chef auf mich zu und wedelte mit mehreren großen Umschlägen.
„Frau Lamont, Frau Lamont – wo wollen Sie denn hin?“
„Mittagspause?“, schlug ich vor.
„Ach so, ja... Sagen Sie... wäre es Ihnen nicht lieber, diese Woche frei zu haben? Das Anzeigenkonzept kann ja auch Herr Körner übernehmen.“
Ich warf Max einen raschen Blick zu und sah, wie er geschmerzt das Gesicht verzog. Gute Option! „Naja... wissen Sie, nachdem ich noch dauernd von der Kripo heimgesucht werde, wäre das vielleicht wirklich das Beste... aber dann würde ich einfach Urlaub nehmen, ja? Nur diese Woche, bis dahin sind die Kripoleute bestimmt schon ein gutes Stück weiter.“
„Eben. Wissen Sie, wenn die Kripo womöglich hierher kommt und ein Anzeigenkunde...“ Seine Stimme erstarb verlegen. Ich überlegte, wann schon mal ein Anzeigenkunde hierher gekommen war statt in die Anzeigenabteilung und woran man Kerner und Grünbauer ansehen konnte, dass sie von der Polizei waren, aber ich widersprach nicht. Schließlich brauchten wir wirklich jeden Kunden - und wenn Max das Konzept machte, konnte ich mich auf etwas Besseres konzentrieren.
„Ja, wenn Sie meinen... das finde ich sehr nett von Ihnen, Herr Zwerkl.“ Ich schlug treuherzig die Augen auf. Er reichte mir die Umschläge und eine große Mappe: „Ja, und wenn Sie gerade mal Zeit haben oder sich ablenken wollen, dann wäre hier ein neues Projekt... eine Ratgeberrubrik... und hier die Sache mit der Fernsehpräsenz... ach ja, und einige Informationen, die für Sie vielleicht interessant sein könnten...“
Ich nahm alles entgegen und setzte ein tapferes Lächeln auf. Er tätschelte mir die Schulter und entfloh. Ich unterdrückte mein Grinsen, bevor ich mich zu Max umdrehte. „Na, dann komm mal mit, wegen der Unterlagen. Essen kann ich dann ja auch später.“
„Tut mir ja alles sehr Leid für dich“, murrte Max, „aber dass ich jetzt diesen Mist machen muss, finde ich schon fies.“
„Das liegt dem Zwerkl aber sehr am Herzen, da kannst du punkten. Und schau, ich hab hier schon reingeschrieben, wo meiner Ansicht nach die Fehler liegen.“
„Zur Strafe musst du dann vor die Kamera“, drohte er und nahm den Stapel Unterlagen entgegen. „Ich werde vorschlagen, dafür einen Profi zu nehmen“, entgegnete ich gleichmütig, setzte mich wieder an meinen Schreibtisch und fuhr den Rechner herunter.
Dann sah ich die Umschläge flüchtig durch. Bessere Werbung, was sonst – und einer trug nicht einmal eine Anschrift. Hatte Zwerkl mir einfach sein Altpapier eingepackt?
Ich stopfte sie alle in meine Tasche und wünschte Max frohes Schaffen, was er mit einem Grunzen quittierte. Ich musste lachen. „Da sieht man, wie hauchdünn dein viel gerühmter Charme ist! Jetzt mach dich dran, ich hab doch sowieso schon die Vorarbeiten erledigt. Und viel Vergnügen in der Sitzung. Wenn was Spannendes passiert, du hast ja meine Handynummer.“
„Wir könnten essen gehen“, schlug er vor. „Ein Arbeitsessen.“
Ich legte den Kopf schief. „Wenn deine Frau auch mitkommt?“
„Du bist so blöd!“
„Weil ich mir dieses Angebot entgehen lasse? Lieber so blöd als anders blöd. Und tschüss!“ Ich schwang mir die Tasche über die Schulter, warf einen letzten Kontrollblick auf den Schreibtisch – alles ordentlich – und verzog mich.
Frei! Eine Woche lang Urlaub! Gut, es ging vom Jahresurlaub ab, aber ich hatte sowieso keine großartigen Reisepläne gehabt, und das Wetter war strahlend schön. Außerdem konnte ich mich nicht richtig auf meine Arbeit konzentrieren, solange der Mörder nicht gefasst war. Wer wusste schließlich, ob nicht jemand hinter allen Lamonts her war?
Unangenehmer Gedanke.
Ich sollte vielleicht erst einmal was essen gehen. Auf dem Weg zum Parkplatz schaltete ich mein Handy ein, falls die Polizei wieder etwas von mir wollte; dann guckte ich tatsächlich unter mein Auto, ob jemand eine Bombe daran befestigt hatte. Da ich ohnehin nicht sicher war, ob ich eine Bombe als solche erkennen konnte, kam ich mir dabei ziemlich blöd vor, aber ein rascher Blick überzeugte mich, dass mich niemand gesehen hatte.
Beim Anlassen hielt ich kurz den Atem an, aber der Wagen sprang an wie immer und ich fuhr in die Innenstadt und quetschte mich am Fuggerplatz in eine arg kleine Parklücke. Strahlend schönes Wetter – und vor dem Dolce far niente waren tatsächlich noch Tische frei! Wenn ich eine ganze Woche frei hatte, konnte ich wieder etwas mit ordentlich Knoblauch essen – das hatte ich mir jetzt verdient, fand ich.
Ich machte es mir unter einem orangen Sonnenschirm gemütlich, orderte Spezi, Rucolasalat mit Parmesan und spaghetti alio e olio und packte dann diese ominösen Umschläge wieder aus.
Tatsächlich fast nur Mist. Was sollte ich mit dem Hinweis auf einen neuen Online-Wirtschaftsdienst anfangen? Ihn besprechen? Und das da, das war doch bloß ein Reiseprospekt – Camargue, die berühmten weißen Pferde, Arles – ach ja, und die Teilnahme an einem Kurs für Wirtschaftsfranzösisch. Ich konnte Französisch, verflixt! Der dritte, unbeschriftete Umschlag enthielt zwei Webseitenausdrucke, die sich mit unseren Publikationen befassten. Recht freundlich, fand ich. Gut so!
Ich schichtete um und packte den Camargue - Krempel in den jungfräulichen Umschlag. Bei Gelegenheit in den nächsten Papierkorb, den Rest konnte ich mir ja noch mal anschauen.
Mit wem hatte Vater überhaupt noch Kontakt gehabt? Was hatte er eigentlich den ganzen Tag getrieben – außer im Garten herumgewerkelt? Zugegeben, der Garten war sehr schön angelegt, soweit man das aus dem Fenster des Arbeitszimmers sehen konnte. Hinausgedurft hatte ich schon lange nicht mehr.
Smaragdfarbene Rasenflächen, streng nach Farbwirkung angelegte Beete, besonders schön der Rosenhügel im Hintergrund, geschickt platzierte Sträucher, die im Frühling und Sommer üppig blühten... aber konnte das einen Menschen ausfüllen? Vor allem, wenn er die Pracht nie jemandem zeigte? Nicht einmal Passanten hatten etwas davon, dafür war die dunkelgraue Mauer zur Straße hin zu hoch. Und wer kam da auch schon vorbei... alle drei Tage mal ein Spaziergänger, wenn es hochkam.
Hatte er wenigstens selbst im Garten gesessen und sich an seinem Werk gefreut? Oder nur gegraben und gejätet und ansonsten in seinem muffigen Arbeitszimmer hinter den Spitzengardinen von Großmutter Rose gebrütet, über die Undankbarkeit seiner Kinder, den Tod seines Sohnes, die Härte des Schicksals? Ich wusste eigentlich gar nichts über ihn.
Peinlich.
Nein, er hatte ja nie etwas von sich preisgegeben, und wenn man mal fragte, wurde man angefahren. Also fragte man eben nicht mehr. Ich wusste ja nicht einmal, woran unser Bruder Andi gestorben war. Vage erinnerte ich mich an einen quäkenden Säugling und dann an nichts mehr. Er musste also schon als Baby gestorben sein, da war ich... vier? fünf? gewesen. Nein, fünf nicht, dann wüsste ich wohl noch mehr davon. Vier, höchstens. Oder dreieinhalb. Ja, dreieinhalb. Davor wusste ich gar nichts mehr.
Vielleicht sollte ich mir mal notieren, welche Fakten mir überhaupt präsent waren! Also: Vater, Mutter, drei Kinder, eins davon gestorben, keine Ahnung, wann genau und woran (1977, 1978?). Hieß Andi.
Mutter gestorben oder verschwunden, als ich neuneinhalb war. Vor zwanzig Jahren, also 1984. Im Sommer. Kein Grab auffindbar. Das sollte die Polizei aber rauskriegen können! Schwester Nathalie gut bekannt, studiert Mathematik und Wirtschaft für Lehramt, wohnt in einer WG hinter der Uni, zweiundzwanzig, nett und vernünftig. Abgehakt.
Vater Besitzer eines mittelständischen Unternehmens, bis 2000/2001 (das genaue Datum sollte ich noch rauskriegen können), dann Verkauf und Rückzug in den Ruhestand. Alleineigentümer? Gesellschafter? Was war das überhaupt gewesen? KG, AG, GmbH? Auch nachsehen! Probleme beim Verkauf?
Beschäftigung im Ruhestand: Gartenbau und Töchter nerven. Hatte er uns eigentlich gehasst oder konnte er mit Kindern/Frauen nur nichts anfangen? War die Ehe mit unserer Mutter gut gewesen? Hatte er Freunde gehabt? Andere Interessen? Sich für irgendwas eingesetzt? Ob Frau Zittel davon etwas wusste? Aber auch das musste die Polizei machen, uns beiden würde sie nicht mal die Uhrzeit verraten.
Hatten wir noch andere Verwandte? Hatten unsere Eltern Geschwister gehabt? Ich wusste ja wirklich gar nichts! Vielleicht fand sich ja in der Villa oder beim Anwalt so was wie ein Familienstammbuch? Nathalie würde es brauchen, wenn sie sich zum Staatsexamen anmeldete.
Ich hätte beinahe ein Waisenkind sein können, so wenig wusste ich über meine Familie. Warum hatte Vater mir – uns – das alles verschwiegen? Desinteresse? Hass? Gehörten wir für ihn nicht dazu? Hatte er irgendeine soziale Störung gehabt? Ja, vielleicht hatte er einfach eine Macke gehabt... Trotzdem wollte sich bei mir keine versöhnlichere Stimmung einstellen: Ein erwachsener Mensch konnte so was doch nicht an zwei kleinen Mädchen auslassen!
Genug gegrübelt, beschloss ich, als mein Essen kam, und griff gierig zur Gabel. Sehr lecker, hier sollte ich öfter essen gehen! Ich schaffte den Salat und die Hälfte der Spaghetti, dann konnte ich plötzlich nicht mehr. Mir war geradezu übel – Salmonellen oder der Gedanke an der Mord? Keine Salmonellen, schließlich hatte ich weder Eier noch Huhn gegessen. Komisch, ich hatte nicht gewusst, dass ich so empfindlich war. Etwas gereizt zahlte ich, stand auf und sah mich recht unentschlossen um. Vielleicht sollte ich eine Runde spazieren gehen, um das Essen wieder abzutrainieren... Genau, es war sicher bloß zu fett gewesen! Sonst aß ich schließlich nicht so viel Öl und Käse. Oder war das doch ein Anfall von Pietät? Ich doch nicht.
Um den Fuggerplatz herum gab es genügend Laden für einen kleinen Schaufensterbummel. Vielleicht hatten sie ja schon erste Herbstklamotten dekoriert und ich konnte sehen, ob ich irgendetwas dringend brauchte, um im Herbst nicht völlig daneben auszusehen. Wahrscheinlich versuchten sie es bloß wieder mal mit Schokoladenbraun – aber ablenken würde es mich auf jeden Fall. Heimfahren konnte ich immer noch.
Mein Handy blieb stumm – keine Mitteilung, kein Anruf, den ich überhört hatte. Ich steckte es wieder in meine Umhängetasche; dann schritt ich munter aus. Auf einen Papierkorb sollte ich achten, um diesen Camargue-Kram loszuwerden!
Grässliche Klamotten, stellte ich schon nach wenigen Minuten fest. Außerdem war es in den baumlosen Altstadtgassen fürchterlich heiß, wenigstens auf der Straßenseite mit den jeweils besseren Geschäften. Auf der Schattenseite, wo die Luft zwar muffig, aber erträglicher war, fanden sich Vinotheken, Sportgeschäfte, ein ziemlich spießiger Wollladen, ein paar leere, staubige Schaufenster mit neonfarbenen Aufklebern eines Immobilienmaklers (jaja, die Wirtschaftskrise) und einige zweifelhafte Kneipen, aus denen es nach Zigarettenrauch und altem Fett roch.
Ich verzog mich schließlich in die Avenariusgasse, in der sich gerade ein üppiger Stau bildete, weil jemand versuchte, einen ziemlich großen BMW in eine ziemlich kleine Parklücke zu quetschen. Ich warf einen mitleidigen Blick auf das peinlich schräg stehende Auto und erstarrte: 3333 – war das nicht der Typ, der mir aus Vaters Haus entgegengestürzt war?
Sollte ich jetzt an die Scheibe klopfen und fragen Entschuldigung, aber haben Sie zufällig meinen Vater erschossen? Keine gute Idee, fand ich und verzog mich in einen Hauseingang, um abzuwarten und nachzudenken.
Schließlich stand der Wagen einigermaßen gerade in der Lücke, Stoßstange an Stoßstange, und das Hupkonzert ebbte ab. Ein Mann stieg aus, sah sich flüchtig um (er war´s, eindeutig!), fischte einen Aktenkoffer vom Rücksitz, ließ die Zentralverriegelung piepen und verschwand in dem Haus, neben dem ich auf der Lauer lag.
Was nun?
Ich betrachtete mir das Haus: klassizistische Fassade, aber innen nagelneu, man sah es durch die Glastür. Morberg, Steuerkanzlei und Wirtschaftsprüfer.
Hm.
Von Morberg hatte ich natürlich schon gehört, dort ließ die Leisenberger feine Gesellschaft ihre Steuererklärungen machen. Ich machte sie lieber selbst, das war billiger und ging schneller. Arbeitete er etwa dort?
Das ließ sich ja rauskriegen - ich sah unentschlossen in meine Tasche und fand den Camargue-Umschlag: sehr gut! Entschlossen drückte ich die Glastür auf und wandte mich an das Mädchen hinter dem Empfangstisch: „Entschuldigung, hier ist gerade jemand reingegangen, groß, dunkelhaarig, mit Aktenkoffer...“
„Ja?“
Ganz schön misstrauisch, die Kleine!
„Ihm ist draußen was runtergefallen, der Umschlag hier. Ich weiß ja nicht, vielleicht ist das wichtig...“ Ich versuchte, harmlos und diensteifrig zu gucken, und anscheinend funktionierte es: Sie seufzte. „Typisch Sternberger! Ich werd´s ihm raufschicken lassen. Vielen Dank!“
„Keine Ursache“, antwortete ich bescheiden und machte, dass ich nach draußen kam. Sternberger also. Wenn sie ihn nicht verwechselt hatte, hieß das. Sternberger. Das sagte mir leider gar nichts, aber es war doch immerhin ein Anfang.
Anfang wofür? Das konnte ich mir später überlegen. Sternberger... und er arbeitete bei Morberg. Also ein Betriebswirt wie ich, wenn auch sicher mit anderen Schwerpunkten; Steuerrecht und Betriebsprüfungen hatten mich noch nie vorrangig interessiert.
Irgendwie kam mir der Name bekannt vor. Vielleicht lag´s ja bloß daran, dass ich ihn in den letzten zwei Minuten so oft vor mich hingemurmelt hatte, aber vielleicht kannte ich ihn ja wirklich? Wie wär´s, wenn ich heimginge und mal ein bisschen im Internet herumsurfte? Vielleicht kriegte ich ja doch noch was heraus.
Was sollte ich eigentlich machen, wenn ich über diesen Sternberger etwas fand, meinetwegen etwas Verdächtiges? Ihn an Kerner und Grünbauer weiterreichen oder ihn mir selbst vornehmen? Weiterreichen war ein bisschen blöd – ach übrigens, ich hab da doch was gesehen... Dafür war´s jetzt wohl ein klein wenig zu spät.
Und selbst vornehmen... Was haben sie eigentlich am Freitag bei meinem Vater gewollt? Dann zog er mir vielleicht auch noch eins über! Oder ihn einfach kennen lernen (er war wirklich ein hübscher Kerl) und ihn dann diskret aushorchen? Das klang nach einem guten Plan, aber ich hatte im Leben noch niemanden ausgehorcht, diskret oder indiskret, ich wusste gar nicht, ob ich das konnte. Wohl eher nicht, durch übermäßige Raffinesse hatte ich mich noch nie ausgezeichnet. Mist! Da fand man mal was raus und dann steckte man in der gleichen Sackgasse wie vorher fest.
Am besten weiterschnüffeln und dann weiterplanen - vielleicht passierte ja etwas, was mich aus diesem Dilemma befreite?