Читать книгу Hannibal Mayer - Der Zug der Elefanten - Fabian Vogt - Страница 14
August 2005 - Südafrika 8. August 2005
ОглавлениеAfrika. Der zweitgrößte Kontinent der Erde - nach Asien. Dreißig Millionen Quadratkilometer Landfläche mit fast einer Milliarde Einwohnern. Und mit fünfhunderttausend Elefanten. Eine Welt für sich. Ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, Religionen und Ideale.Wüste, Regenwald, Savanne und Vulkane. Und ich sitze in elftausend Metern Höhe im Nachtflug von Frankfurt nach Johannesburg. 22.40 Uhr von Rhein-Main. Fensterplatz. 21K.Vor mir Hühnchen mit Reis. Sieht aber genauso aus wie das Steak meines Sitznachbarn.
Der Himmel ist wolkenlos. Eine unglaubliche Aussicht. Hin und wieder tauchen zwischen den dunklen Flächen Lichter auf. Manchmal nur ein Punkt, manchmal ein Band oder ein ganzes Meer - Zeichen einer Siedlung oder einer Stadt. Ich stelle mir vor, dass jedes dieser Lichter für eine Familie oder einen einzelnen Menschen steht, der da sein Leben möglichst sinnvoll gestalten will. Da unten, da tobt die nackte Existenz, da spielen sich in diesem Moment Schicksale, vielleicht sogar Dramen, ab. Mehr, als ein Schriftsteller je beschreiben oder erdenken könnte.
Unter mir wird gerade geliebt und gehasst, gibt es Hunger und Völlerei, Angst und Hoffnung,Verzweiflung und tiefen Frieden. In dieser Nacht schlafen überall in diesen Hütten und Palästen Frauen mit ihren Männern. Einige werden dabei leidenschaftliche Erfüllung erfahren, andere nur ihre Pflicht tun - und einige den HIV-Erreger übertragen bekommen, diese heimtückischste Geißel des schwarzen Erdteils. Die Lebenserwartung in Afrika liegt bei siebenundvierzig Jahren. Ohne Aids wären es zweiundsechzig.
Vom nördlichsten Punkt des Kontinents, dem Cape Blanc in Tunesien, bis zum Cape Agulhas in Südafrika sind es knapp achttausend Kilometer - eine Strecke, die ich mit der Boing 747 in knapp zehn Stunden hinter mich bringe. In dieser Zeit schaue ich sprachlos hinunter und frage mich, wie jemand ernsthaft eine Hollywood-Komödie im Bordprogramm anschauen kann, wenn unter uns all diese viel aufregenderen Geschichten zu erahnen sind.
Gegen 6.00 Uhr werde ich dann doch müde. Und fange an zu grübeln.Warum sitze ich hier eigentlich? Ich liebe Afrika. Ja.Aber ist Hannibals Vorhaben nicht einfach ein Irrsinn? Worauf lasse ich mich da ein? Die Strecke, die ich gerade in einer Nacht hinter mich bringe, soll ich ernsthaft auf dem Rücken eines Elefanten zurücklegen - über Monate?
Zwei Wochen zuvor hatte mich der Abenteurer nachts aus dem Bett geklingelt. Gegen 2.00 Uhr morgens.