Читать книгу Robust! - Gerald Moser - Страница 22
2 Komplexität – verloren in der Vielfalt der Vielfalt Es ist kompliziert – die Vielfalt als Herausforderung
ОглавлениеEin Unternehmer unternimmt etwas. Das macht ihn aus. Das ist schließlich das Wesen des Unternehmers. Und er tut das, was er macht, immer und vollständig auf eigenes Risiko. »He has skin in the game«, würde der Amerikaner das sehr treffend ausdrücken. Dabei sollten wir nicht vergessen: Gerade in kleinen Unternehmen kann die gesamte Anzahl der Aufgaben, die ein Unternehmer tagein, tagaus zu erledigen hat, überwältigend groß sein. Sehen Sie sich dazu doch einmal die folgende Liste mit den vielfältigen »To‐dos« an, die für alle Unternehmer regelmäßig abzuarbeiten sind.
Kontakt zum Steuerberater halten, Steuerfragen klären, Jahresabschluss organisieren und besprechen, dafür sorgen, dass die benötigten Unterlagen regelmäßig und pünktlich zur Verfügung stehen.
Werkzeuge und sonstige Materialien besorgen und instand halten.
Genehmigungen organisieren und verwalten.
Stakeholder betreuen (Bürgermeister, Gemeinde, Banken, Nachbarn, Schulen).
Verkaufen, neue Kunden akquirieren, bestehende Kunden bei Laune halten.
Geld eintreiben und auf die Liquidität achten.
Büroarbeiten diverser Natur erledigen: sich um administrative Tätigkeiten kümmern, die Arbeit der Mitarbeiter kontrollieren.
Mitarbeiter einschulen.
Betriebsmittel besorgen und verwalten.
Kunden besuchen.
Kundenprobleme lösen und vorher über die Lösungen nachdenken.
Neue Produkte und Lösungsansätze entwickeln.
Lieferanten finden, pflegen und betreuen.
Mitarbeiter suchen, finden, einstellen, verwalten.
Kalkulieren, Angebote erstellen und versenden, neue Verträge verhandeln.
Werbemaßnahmen ergreifen, um das Unternehmen bekannt zu machen.
Social‐Media‐Aktivitäten nachgehen.
Homepage pflegen.
Bankengespräche führen, um die Finanzierung kümmern, Kreditlinien überwachen.
Fahrzeuge kaufen, verwalten und servicieren.
Krankenkassenangelegenheiten erledigen, Mitarbeiter anmelden und abmelden, eventuelle Stundungen beantragen.
Nachdenken und kreativ überlegen, was könnte morgen für die Firma wichtig sein?
Buchhaltung erledigen, Unterlagen zusammenstellen, Belege sammeln, Rechnungen korrekt ausstellen, den Jahresabschluss begleiten.
Mit den Kammern Kontakt halten und deren Veranstaltungen besuchen.
Hobbys pflegen, und zwar die eigenen! (Speziell dieses »To‐do« sollte niemals an letzter Stelle stehen!)
Ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben, disziplinäre Probleme lösen.
Reklamationen bearbeiten, Kunden besänftigen, Mitarbeiter bei der Stange halten, Probleme analysieren.
Administrative Tätigkeiten und den gesamten Schriftverkehr erledigen, E‐Mails lesen und verfassen.
Mitarbeiter einteilen, Planungen erstellen.
Steuern rechtzeitig begleichen und als Ansprechpartner im Falle von Finanzamtsprüfungen fungieren.
Investitionen kalkulieren, die Anschaffungen durchführen und die Finanzierung sicherstellen.
Kontakte zur Gewerbebehörde herstellen, Anlagengenehmigungen einholen, die entsprechenden Bescheide und Auflagen verwalten.
Kontakt zum Arbeitsinspektorat halten.
Qualitätskontrolle sicherstellen und überwachen.
Einkaufsabläufe optimieren und Einsparungspotenziale identifizieren und realisieren.
Geschäftslokal gestalten, pflegen, erneuern.
Regelmäßige Besprechungen und Meetings abhalten.
Uff! Da wird mir selbst beim Schreiben ganz anders ob dieser unendlich scheinenden Vielfalt an Aufgaben. Im Laufe der Zeit häuft sich auf diese Weise eine Liste an Tätigkeiten an, die für eine Person kaum zu bewältigen sind, geschweige denn überhaupt noch im Überblick gehalten werden können. Und diese Liste erhebt noch lange keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie ließe sich noch endlos lange fortführen.
Dazu kommt, dass sich jedes Unternehmen in einer anderen Lebensphase befindet und je nachdem zusätzliche und andere »Tasks« anfallen, wie zum Beispiel:
Das Unternehmen wurde erst kürzlich gegründet und ist rasch gewachsen.
Es handelt sich um ein etabliertes Unternehmen, das schon lange Jahre existiert, nun aber ein wenig stagniert und frische Impulse braucht.
Das Unternehmen existiert schon lange und steht nun vor einem Generationswechsel.
Es gibt natürlich noch viele andere Phasen und Situationen, in denen sich ein Unternehmen befinden kann. Jede dieser Lebensphasen erfordert andere Herangehensweisen und Maßnahmen, damit das Unternehmen robust bleibt oder den Zustand der Robustheit erlangen kann. Schließlich geht es darum, dass das Unternehmen lange überlebt und dabei vielen Widrigkeiten trotzt. Sie sind als Inhaber ja kein Investor. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Wenn aber Ihre gesamte Energie durch die Erledigung der täglichen Aufgaben verbraucht wird, dann bleibt nur wenig Kraft, Zeit und Energie übrig, um sich mit jenen Maßnahmen zu beschäftigen, die notwendig sind, damit sich das Unternehmen auf dem Pfad der Robustheit weiterentwickeln kann.
Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern haben in der Regel bereits Strukturen geschaffen, in denen die vorhandene Arbeitslast vernünftig delegiert werden kann. Dort gibt es dann zumindest für Teilbereiche Spezialisten, die den Unternehmer oder die Unternehmerin unterstützen können. Kleinere Unternehmen tun sich da schon wesentlich schwerer. Und so kommt es, dass die meisten Unternehmer schon lange nicht mehr das machen, was sie eigentlich am besten können und was sie ja am liebsten tun. Der Grund, warum sie überhaupt Unternehmer geworden sind: nämlich um etwas zu unternehmen, das ihre Firma und damit andere Menschen weiter voranbringt!