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Оглавление§ 1 | Die Fragen der „Einleitung in das Neue Testament“ |
Die fünf W-Fragen
Diese Fragen zu stellen, obliegt im Kanon der Wissenschaften der sog. „Einleitung ins Neue Testament“, weswegen man auch von Einleitungsfragen spricht. Darunter versteht man traditionellerweise die Fragen nach dem Verfasser, nach der Entstehungs- und Adressatengemeinde, nach der Abfassungszeit und nach dem Abfassungsgrund einer neutestamentlichen Schrift, die man auch als die fünf W-Fragen bezeichnen kann: Wer schreibt wann, wo, wem und warum, wobei in die Antwort auf das Warum in der Regel noch eine Zusammenfassung der Theologie des jeweiligen Schreibens integriert ist. Aber heutige Einleitungswissenschaft wird sich nicht notwendig auf diesen Fragekanon beschränken können, sondern den Versuch wagen müssen, nach Möglichkeit alles für die Einzelinterpretation Notwendige bereitzustellen.
1. Die Meinungsvielfalt in den Wissenschaften als Kennzeichen der Moderne
Viele unterschiedliche Ansichten – nicht nur in der Exegese
Bevor damit begonnen wird, muss freilich auf einige Einwände gegen die vorgetragenen Ansichten eingegangen werden, damit wir uns wenigstens am Ausgangspunkt auf einigermaßen sicherem Boden befinden. Der Grund wird bei der Behandlung der Probleme im einzelnen noch, wie häufig bei antiken Texten, schwankend genug werden, wie es überhaupt ein Problem der exegetischen Wissenschaft ist, dass es zu praktisch allen Meinungen immer auch mindestens eine Gegenmeinung gibt. Allerdings sollte man sich hüten, dies für ein Spezifikum der Bibelwissenschaft zu halten. Es handelt sich dabei offensichtlich um ein Kennzeichen modernen Wissens. Ich vermute, dass man das, wenn nicht an allen Wissenschaften, so doch an vielen Wissenschaften zeigen könnte, und nenne hier nur zwei Beispiele dafür aus der Ökonomie der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts:
Während in der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik in den 90er Jahren viele Sachverständige vom englischen Wunder und vom amerikanischen Weg sprachen und damit in England das vorbildhafte Herunterfahren der Lohnkosten sowie in Amerika das ebenso vorbildliche Schaffen von zahlreichen neuen „Jobs“ in der Dienstleistungs-„Industrie“ meinten, konnte man gleichzeitig die Meinung vertreten finden, die Produktivität pro Lohnstunde sei in Deutschland höher als in England. Nach dieser Ansicht waren damals die Lohnstückkosten in Deutschland viel niedriger als in England, und was die Dienstleistungen angeht, so konnte man die Ansicht vertreten finden, man habe in Deutschland nur eine falsche Statistik. In Wahrheit wäre der Dienstleistungssektor in Deutschland in den letzten zehn Jahren viel stärker gestiegen als in Amerika, und der Unterschied bei den in Dienstleistungsunternehmen Beschäftigten habe damals zwischen beiden Ländern nur bei zwei Prozent gelegen. – Offensichtlich ist die große Meinungsvielfalt nicht nur auf die exegetische Wissenschaft beschränkt. Allerdings mag diese in der neutestamentlichen Exegese wegen der geringen Größe des Untersuchungsgegenstandes besonders ausgeprägt sein.
2. Die Bibel als Buch für Wissenschaftler und „einfache“ Leser
Das Buch für kleine Leute
Nun erhebt sich freilich nicht nur aus frommem Munde gegen die wissenschaftliche Behandlung der Bibel ein Einwand, der m. E. ernst genommen werden sollte. Die Bibel ist nicht in erster Linie ein Buch für Wissenschaftler, sondern für einfache Leser.
Man darf bei aller Wissenschaftlichkeit der Bibelarbeit in der Exegese in der Tat nicht übersehen, dass die Bibel nicht für die Wissenschaft und die an ihrem Betrieb Beteiligten geschrieben ist, sondern ein Buch für die kleinen Leute ist, das auch für diese verstehbar sein muss. Von daher kann man die Meinung vertreten, der Bibelwissenschaft dürfe es nicht darum gehen, möglichst viele Kenntnisse über die Entstehung, den Anlass, den Verfasser und die Abfassungszeit der neutestamentlichen Schriften anzuhäufen, sondern sie habe die Aufgabe, dem Leser der Bibel ohne großes Vorwissen zu einer Begegnung mit der Bibel zu verhelfen.
Analogie: Literatur und Literaturwissenschaft
Anforderungen für Unterricht und Predigt
Dazu lässt sich dreierlei sagen:
a) Diese Art der Bibellektüre ist nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig, denn nicht alle Bibelleser können Theologie studieren, und die Zahl der Bibelleser wird hoffentlich immer die Zahl der Theologiestudierenden um ein Vielfaches übersteigen. Zu fragen bleibt freilich, ob die erwähnten Vorkenntnisse die Begegnung mit der Bibel verhindern oder ob sie diese nicht sogar erleichtern und ihr zu größerer Tiefe verhelfen.
b) Das Problem ist zwar bei der Bibel aufgrund der Inspiration ein besonderes, es stellt sich aber in der Literaturwissenschaft auf analoge Weise. Es ist von daher durchaus sinnvoll und dient der Kontrolle der eigenen Überlegungen, einmal zu fragen, wie die Literaturwissenschaft mit der analogen Fragestellung umgeht. Auch bei der Literatur gibt es beides, die unmittelbare Begegnung mit dem Werk und dessen wissenschaftliche Aufarbeitung, und man wird mit Sicherheit nicht sagen können, dass letztere die erstere hindert, vielmehr gilt: Letztere läutert, reinigt und befruchtet die unmittelbare Lektüre, sie zeigt z. B. Bezüge innerhalb des einzelnen Werkes oder des Gesamt-Oeuvres desselben Autors auf, die bei der unmittelbaren Lektüre in der Regel nicht in den Horizont auch des gebildeten Lesers kommen, macht auf Ähnlichkeiten mit und Differenzen zu anderen Werken aufmerksam usw. und verhilft so zu einem vertieften Verständnis des jeweiligen Buches.
c) Wie der Deutschlehrer im Literaturunterricht ein Drama oder eine Kurzgeschichte nicht ausschließlich aufgrund einer bloß subjektiven Begegnung behandeln kann, so auch der Religionslehrer nicht die Bibel, jedenfalls im Normal-fall. Damit soll die existentielle Dimension im Religionsunterricht gerade nicht unterschätzt werden, aber ein Bibelunterricht, der ausschließlich auf reiner Begegnung mit der Bibel beruhte, würde sicher ebenso zu kurz greifen wie ein Religionsunterricht, der ausschließlich die Ergebnisse der Wissenschaft behandelt und die existentielle Dimension vollkommen ausschließt. Wenn Predigt und Religionsunterricht nicht in die absolute Subjektivität und damit letztlich in Unverbindlichkeit absinken wollen, müssen sie – nicht immer, aber doch in der Regel! – zu intersubjektiven Ergebnissen kommen – und das ist hinsichtlich der Auslegung der Heiligen Schrift Aufgabe der Bibelwissenschaft. Dass die Aufgabe, zu intersubjektiven Ergebnissen zu gelangen, nicht immer gelingt, steht auf einem anderen Blatt, dürfte aber ein Kennzeichen des modernen Wissenschaftsbetriebes sein, das die Exegese, wie angedeutet, mit anderen Wissenschaften teilt.
3. Die Bedeutung der sog. Einleitungsfragen für ein zutreffendes Verständnis der Bibel
Vernachlässigung des Werkes?
Kann damit die Bedeutung der Bibelwissenschaft für Religionsunterricht und Predigt als erwiesen gelten, so ist damit noch lange nicht gezeigt, dass auch die genannten fünf Fragen, um die sich die Einleitung ins Neue Testament insbesondere bemüht, für das Verständnis der biblischen Schriften von Bedeutung sind. Daher muss vor dem Einstieg in die Arbeit noch gefragt werden: Warum ist es von Bedeutung für das Verständnis einer Schrift, den Verfasser, die Adressaten, die Zeit, den Ort und den Grund der Abfassung zu kennen? Die Antwort auf diese Fragen galt bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts in Exegese und Literaturwissenschaft als unproblematisch, weil die Einsicht allgemein verbreitet war, dass solche Kenntnisse zu einem besseren Verständnis eines Literaturstückes verhelfen. Seitdem wurde diese Fragestellung z. T. als eine Vernachlässigung des literarischen Werkes, seiner Strukturen etc. verstanden und deswegen die ganze Aufmerksamkeit für das Werk selbst und nicht für solche Vorfragen gefordert. Hatte E. Staiger dagegen schon darauf hingewiesen, dass es keinen Sinn mache, das gesammelte Wissen der vergangenen Literaturwissenschaft einfach über Bord zu werfen, so kann des weiteren darauf verwiesen werden, dass für die Antike sehr häufig zur Beantwortung dieser Fragen keine andere Möglichkeit als die Exegese der Werke selbst besteht. Schon von daher steht der Wert dieser Fragestellung für das Verständnis der Werke außer Frage.
Beispiel: Gal 1,11 f.
Der Nutzen einer solchen Fragestellung soll hier noch anhand zweier Beispiele demonstriert werden:
a) In Gal 1,11 f. ist zu lesen: „Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.“ Unmittelbares Verstehen würde hier annehmen, Paulus habe sein Evangelium in dieser Offenbarung erhalten und aufgrund der ihm in dieser Offenbarung übergebenen Lehrinhalte habe Paulus, der den historischen Jesus ja nicht gekannt hat, ohne weitere Einführung durch die Apostel oder die anderen Zeugen Jesu seine Botschaft verkündigt. Interpretiert man aber diesen Text in voller Kenntnis der Entstehungsverhältnisse des Galaterbriefes und berücksichtigt, dass Paulus sich hier gegen judaisierende, also das gesetzesfreie Evangelium des Paulus bekämpfende Gegner wehrt, die ihm Abhängigkeit von den Jerusalemer Aposteln vorwerfen, so entsteht ein völlig anderer Eindruck von Paulus und seiner Verkündigung. Diese judaisierenden Gegner waren nach der Abreise des Paulus in das galatische Missionsgebiet eingedrungen und hatten Paulus vorgeworfen, er weiche trotz besserer Belehrung durch die Urapostel von deren Lehre ab und passe das Evangelium an, um bei den Heiden leichter zum Erfolg zu kommen. Paulus habe an sich von den Uraposteln die Notwendigkeit der Befolgung des Gesetzes übernommen und diese auch bislang vertreten, habe sie aber offensichtlich nun aufgegeben, um bei den Heiden größere Erfolge zu erzielen.
Diesen Vorwürfen tritt Paulus mit dem Argument entgegen, dass er sein Evangelium – von der Gesetzesfreiheit! – gerade nicht durch Belehrung von seiten der Apostel, sondern unmittelbar von Gott empfangen hat. Paulus führt also nicht einfach seine ganze Verkündigung auf Gott zurück und er lehnt es auch nicht ab, mit seinem Evangelium überhaupt auf Tradition zu basieren – dem würden auch 1 Kor 11, 23 ff. und 15,3 ff. widersprechen –, sondern er führt das Charakteristische seines Evangeliums, dass Gott in Jesus Christus eine neue Heilsinitiative zugunsten der Menschen ergriffen hat und dass diese Initiative Juden und Heiden in gleicher Weise gilt, auf die ihm unmittelbar zuteil gewordene Offenbarung zurück.
Entstehung des Textes und seine Interpretation
Kenntnis der Entstehungsverhältnisse, hier insbesondere des Anlasses des Briefes, hat also unmittelbare Konsequenzen für die Interpretation. Dabei gilt es freilich, den sog. hermeneutischen Zirkel zu beachten: Zugang zu den Entstehungsverhältnissen einer Schrift bekommt man bei den neutestamentlichen Schriften, wie wir noch sehen werden, in der Regel allein durch die Interpretation dieser Schrift. Hat man sich über die Entstehungsverhältnisse mit Hilfe einer ersten Interpretation Rechenschaft abgelegt, so wird dies die weitere Interpretation der Schrift befruchten, und durch diese wird wieder ein noch besseres Verständnis der Entstehungsverhältnisse ermöglicht usw., wenn nicht durch solche bessere Einsicht in den Text und seine Entstehungsverhältnisse die anfängliche Interpretation in Frage gestellt wird und einer besseren und angemesseneren Platz machen muss.
Beispiel: Mt-Evangelium
b) Wer unbefangen und ohne größere Vorkenntnisse an das Matthäusevangelium herangeht, wird dessen Texte in der Regel unmittelbar zu verstehen versuchen. Wer aber, durch Bibelwissenschaft geschult, weiß, dass das Matthäusevangelium wenigstens in gewisser Weise eine Neuausgabe des Markusevangeliums ist (s. dazu unten § 3), der wird die matthäischen Veränderungen der Markus-Vorlage aufsuchen und unter besonderer Berücksichtigung dieser Veränderungen den Text zu interpretieren versuchen. Dass dieses letztere Verfahren in der Lage ist, den Exegeten vor manchem Irrweg zu bewahren, dürfte deutlich sein, und insofern ist der Vorteil dieses Verfahrens unmittelbar einleuchtend.
Die Bedeutung der W-Fragen für die Interpretation
Beide Beispiele dürften zeigen, dass eine Interpretation der biblischen Texte, die deren Ursprungssituation in Rechnung stellt, den Texten gerechter wird als der unmittelbare Zugriff. Das ist im übrigen natürlich auch in der Literaturwissenschaft bekannt und anerkannt, man spricht dort in diesem Zusammenhang vom situativen Kontext. Man denke nur an die berühmten Beispielsätze: „Der Hund ist bissig“, oder: „Es zieht“, die je nach Situation ganz Unterschiedliches zum Ausdruck bringen können und sollen. Man kann mit einer solchen Bemerkung vor einem Hund warnen, in bestimmten Situationen kann dieser Hinweis aber auch eine Empfehlung sein, gerade diesen Hund auszuwählen. „Es zieht“ kann eine Aufforderung sein, die Tür doch bitte schnell zu schließen oder einfach auf eine gewisse Ungemütlichkeit im Raum hinweisen.
An einem anderen Beispiel verdeutlicht einleuchtend R. L. Rohrbaugh die Bedeutung der Fragestellung nach dem Entstehungsort eines Evangeliums. Er verweist auf die prozentual viel geringere Bildung auf dem Land – er rechnet mit 2–4 % der Bevölkerung auf dem Lande, die lesen und/ oder schreiben konnte (vgl. dazu unten § 12 Exkurs 1) – und demonstriert daran die Bedeutung der Frage, ob das Markusevangelium in Rom oder eher im syrisch-galiläischen Raum verfasst worden ist. Je nachdem musste der Verfasser des Evangeliums von ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen und auch ganz andere literarische Mittel zum Verständnis des Textes einsetzen. Im ländlichen Raum musste das Evangelium ganz überwiegend vorgelesen werden, und diese Tatsache erfordert eine andere Vorgehensweise von seiten des Autors als eine Lektüre, die für das private Studium geschaffen wird.
Literaturwissenschaft und synoptischer Vergleich
Auch die Notwendigkeit und Angemessenheit des synoptischen Vergleichs (s. dazu unten § 3) lassen sich mit Hilfe der Literaturwissenschaft aufzeigen:
H. R. Jauss hat im Zusammenhang mit der Entstehung eines Werkes vom „Erwartungshorizont“ gesprochen, der sowohl den Autor als auch den Hörer / Leser tangiert. Man kann das schön, um wiederum bei einem Beispiel aus der Antike zu bleiben, am Elektra-Stoff verdeutlichen, der im fünften Jahrhundert v. Chr. gleich dreimal bearbeitet worden ist, nämlich durch Aischylos, Sophokles und Euripides. Eine Interpretation z. B. des Dramas des Euripides als des wahrscheinlich letzten dieser drei Verfasser (vgl. dazu Latacz) ohne Berücksichtigung der Dramen der Vorgänger würde völlig übersehen, dass sowohl der Autor als auch der Zuschauer des Dramas unter dem Einfluss der Bearbeitungen des Stoffes durch die Vorgänger an das letzte Werk herangingen, dass also ihr Erwartungshorizont stark von dem der Vorgängerdramen beeinflusst war und dass die Kritik des Euripides an Aischylos eben nur auf der Basis des Dramas des letzteren verstanden werden kann. Das gleiche dürfte zumindest teilweise auch für die Evangelien gelten.
Als Ergebnis unserer Überlegungen können wir festhalten: Obwohl die Verfasser der neutestamentlichen Schriften sicher nicht in erster Linie für Bibelwissenschaftler ihre Werke verfasst haben, sind das Wissen um die Entstehungsverhältnisse einer Schrift und die Kenntnis ihrer Quellen für deren Verständnis von großer Bedeutung. Insofern dürften auch die im Folgenden zu behandelnden Probleme hinsichtlich der Entstehungsverhältnisse der neutestamentlichen Schriften für deren besseres Verständnis von Nutzen sein.
Allerdings stoßen wir bei der Beantwortung dieser Fragen bezogen auf die neutestamentlichen Dokumente auf Schwierigkeiten, die man sich kaum vorstellen kann, wenn man von heutigen Texten herkommt. Wir werden sehen, dass es zwar durchaus sinnvoll ist, die erwähnten Fragen zu stellen, dass aber die Antworten häufig weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das ist im übrigen nicht nur bei den Texten des Neuen Testaments, sondern auch bei vielen anderen Texten aus der Antike der Fall und hängt mit vielen Ursachen zusammen, von denen hier nur zwei genannt werden sollen. Zum einen sind die Umstände der Abfassung der Schriften häufig kaum oder gar nicht überliefert, und es gibt oft auch keine unabhängigen Nachrichten über die Verfasser bestimmter Schriften aus der Antike. Wenn man sich klar macht, dass uns von vielen Schriften zwar Verfasser und Titel bekannt sind, die Werke aber verlorengegangen sind, so kann man diese Schwierigkeit sicher gut ermessen. Zum anderen ist unser Begriff von Literatur mit dem damaligen kaum vergleichbar.
Man kann sich diesen Unterschied sehr schön an dem Beispiel eines berühmten Arztes aus der Antike verdeutlichen, der durch ein Riesenwerk bekannt geworden ist und der einst ein fremdes Buch unter seinem Namen „veröffentlicht“ fand (Galen, 2. Jh. n. Chr., vgl. Scripta minora Vol. II, ed. I. Müller, S. 98) – eine heute im Zeichen des Copyright und des Urheberrechtsschutzes völlig unmögliche Sache, an der man erkennen kann, durch welchen Abstand die literarischen Produktionsbedingungen der Antike von denen der Gegenwart unterschieden sind.
Literatur
JAUSS, H. R., Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft, in: ders., Literaturgeschichte als Provokation (stb 418) Frankfurt 1973; LATACZ, J., Einführung in die griechische Tragödie, Göttingen 1993; ROHRBAUGH, R. L. s. Lit. zu § 5; SCHMITZ, T. A., Moderne Literaturtheorie und antike Texte, Darmstadt 2002; STAIGER, E., Die Kunst der Interpretation. Studien zur deutschen Literaturgeschichte (dtv WR 4078) München 1974.