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2. Kapitel

Dringende Bankgeschäfte zwangen Paul, in den nahegelegenen Ort St. Génis zu fahren. Nach seinem Bankbesuch war es bereits nach zwölf Uhr, sodass es keinen Sinn mehr machte, noch den Lebensmittelhändler im oberen Teil der Kleinstadt aufzusuchen.

Er wusste, dass im Süden Frankreichs alle Geschäfte von zwölf bis vierzehn Uhr geschlossen haben. Ausgenommen die großen Supermärkte, die es aber hier nicht gab.

Deshalb entschloss er sich, im Restaurant „Le Carrefour“ zu Mittag zu essen. Auf dem Weg dorthin fiel ihm wieder ein, wie er dieses Restaurant kennengelernt hatte.

Nachdem er ins Roussillon gezogen war, glaubte er, wie jeder Tourist oder Neuankömmling, dass man in einem Restaurant am besten auf der Straßenterrasse sitzt, um seine Mahlzeit einzunehmen.

Also ging er in das „Le Carrefour“ und setzte sich vor dem Restaurant auf einen der unbequemen und wackeligen Plastikstühle, bestellte nach der Karte das Essen sowie eine Flasche Côtes du Roussillon und eine Karaffe Wasser.

Die Pastete gab es in Form von zwei Scheibchen auf einem kleinen Teller. Das Fleisch des Hauptganges war hart und nicht mehr richtig heiß. Dafür musste er einen ordentlichen Preis zahlen und rechnete sich aus, dass er nicht oft so essen gehen könne.

Trotzdem wiederholte er diese Besuche in unregelmäßigen Abständen. Nach ungefähr zwei Wochen fragte der Wirt, ein kleiner dicker Mann mit viel zu kurzen Hosen, Hosenträgern und einem karierten Hemd, ob er denn seine Mahlzeit nicht im Restaurant einnehmen und die „plat de jour“ bestellen wolle.

Hocherfreut willigte er ein und wurde neben dem Billardtisch in der Nähe der Toilette platziert.

Als „plat de jour“ gab es drei Hauptgerichte zur Auswahl. Die Pastete wurde ihm in einer großen Tonschüssel gereicht. Allerdings war kaum noch etwas an Pastete, die er sich aus der Schüssel kratzen konnte, vorhanden. Der Rotwein, ebenfalls ein Côtes du Roussillon, wurde ohne besondere Bestellung als offener Wein in einem Tonkrug gereicht. Nur das Dessert war portioniert. Zu seiner größten Überraschung war das Menü auch noch finanziell erschwinglich.

Auf der Terrasse vor dem Restaurant hatte er zwischen Touristen gesessen, jetzt waren seine Tischnachbarn Franzosen. So ging das wiederum zwei Wochen lang. Danach fragte ihn der Wirt nach seinem Namen und ob er hier länger bleiben würde.

„Ich habe das Mas Ferrol gekauft und bleibe hier“, sagte Paul.

„Nein Monsieur, das ist eine Ruine! Was haben sie damit vor?“

„Nichts Besonderes. Ich will das Mas renovieren und darin wohnen“, antwortete er.

„Sie haben Mut, das muss man ihnen lassen. Der letzte Eigentümer war überall bekannt und konnte viel trinken.“

„Das habe ich auch schon gehört und bemerkt. Es gibt viele leere Flaschen.“

„Ich wünsche ihnen jedenfalls viel Glück und Erfolg“, sagte der Wirt schrie in die Küche: „Bernadette, hör mal, unser neuer Gast, Monsieur Paul, hat das Mas Ferrol gekauft und will es wieder bewohnbar machen.“

Aus der Küche kamen nur unverständliche Laute und damit war die Angelegenheit zunächst erledigt.

Als er das nächste Mal ins „Le Carrefour“ kam, begrüßte ihn der Wirt mit „monsieur Paul“ und „ça va“, und wies ihm einen Platz am hinteren langen Tisch zu. Der Wirt zählte die Varianten der „plat de jour“ auf und fragte, was er essen wolle. Der Wein war nicht mehr portioniert, die Pastete kam in einer frischen und vollen Schüssel und das Fleisch wurde erst gebraten, nachdem der Wirt es in der Küche abrief. Der Preis allerdings hatte sich nicht mehr geändert. Nur die Mengen waren größer geworden und er konnte so viel Wein trinken, wie er wollte.

An diesem langen Tisch im hinteren Teil des Restaurants saßen die Einwohner von St. Génis. Sie kamen, setzten sich, ohne zu fragen auf die freien Plätze und fingen an zu schwatzen.

Erst jetzt gehörte er dazu und war einer von ihnen. Jedermann grüßte ihn und fragte das übliche „ça va“. Der Wirt erfragte den Fortschritt seiner Renovierungsarbeiten und die anderen Einwohner waren danach ebenso informiert.

An einem Samstag kam ein älterer, ergrauter Herr an den langen Tisch im „Le Carrefour“ und setzt sich neben Paul.

„Pardon, ich heiße Henri. Ich habe gehört, sie sind Deutscher und haben das Mas Ferrol gekauft. Bitte betrachten sie mich nicht als aufdringlich. In der Schule habe ich die deutsche Sprache gelernt. Ich würde mich erfreuen, wenn ich bei sie überprüfen könnte, ob ich diese Sprache noch beherrsche.“

Aus dieser ersten Begegnung war eine besondere Freundschaft geworden.

Ein Mas im Roussillon

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