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Bescheidenheit
ОглавлениеViele von Euch verstehen unter dem Begriff Bescheidenheit eigentlich, im wertenden Sinne, etwas Negatives. Es herrscht die Meinung vor, dass bescheidene Leute ihre Ansprüche immer zurückstellen, ja nicht auffallen und ein eher tristes Dasein führen.
Mit den Begriffen der Seelenqualitäten ist aber im Laufe Eurer Entwicklung vieles geschehen. Die Inhalte der Begriffe wurden zum Teil willentlich verdreht oder sie wurden in Misskredit gebracht. Das Ziel all dieser Aktionen war und ist es immer noch, Euch von diesen Qualitäten abzuhalten. So wollen gewisse Kräfte verhindern, dass sich die Menschen wieder zurück zum Ursprung begeben.
Werden diese Qualitäten nämlich nicht gelebt, ist es relativ einfach, Machtspiele, wir meinen hier persönlichen Machtmissbrauch zu inszenieren. Dies hindert Euren Weg ungemein. Daher ist es sehr wichtig, dass diese fünf Seelenqualitäten wieder den ihnen gebührenden Platz in Eurem Denken und Tun einnehmen.
Bescheidenheit heisst, in seiner Grundbedeutung, seine Hilfsmittelt gezielt und effizient einsetzen. Jeder Mensch ist mit Fähigkeiten und Hilfsmitteln in diese Inkarnation gekommen. Diese Hilfsmittel sind genau auf seine Aufgabe zugeschnitten, jeder hat das, was er für seinen Weg braucht.
Viele von Euch sind aber der Bewertung erlegen und beurteilen ihre Fähigkeiten im Vergleich mit denen von anderen als zu gering. Sie gebrauchen sie nicht oder nur unvollständig oder mit einem schlechten Gewissen, weil sie scheinbar nur so wenig zu bieten haben. Diese Tatsache entspringt aber wiederum dem Muster der Bewertung, und zwar der Bewertung aus der nur materiellen Sicht.
Bescheidenheit heisst nun, seine Fähigkeiten annehmen - im wahrsten Sinn des Wortes in die Hand zu nehmen - und damit tatkräftig seine Aufgabe anzugehen. Wer Bescheidenheit lebt, setzt seine Talente ganz gezielt ein. Er stellt sein Licht nicht unter den Scheffel, sondern er ist zur Stelle, wenn er mit seinen Fähigkeiten gefragt ist. Dies ist Bescheidenheit, seine Hilfsmittel am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, im richtigen Mass für die rechte Sache zur Verfügung zu stellen.
Oftmals wird Bescheidenheit so verstanden, dass man hinten anstehen soll. Dies ist aber falsch. Ihr sollt dort hinstehen, wo Ihr hingehört. Es entspringt wiederum Eurer Bewertung, wenn Ihr das Gefühl habt, Euch vorzudrängen. Wenn Ihr bei einer Sache die Hilfsmittel für die hinterste Position habt, dann steht hinten; wenn Ihr die Hilfsmittel für die Mitte habe, dann reiht Euch in der Mitte ein; habt Ihr aber die Fähigkeit, zuvorderst zu stehen und die Sache anzuführen, dann seid Ihr es Euch und uns schuldig, diesen Platz vorne einzunehmen.
Vielfach sucht Ihr nach allen möglichen Entschuldigungen, um nicht diesen oder jenen Platz einzunehmen. Wenn Ihr nicht an Eurem Platz seid, Eure Fähigkeiten und Hilfsmittel nicht gezielt einsetzt, dann seid Ihr am falschen Platz - ob nun vorne oder hinten, das spielt keine Rolle. Die Konsequenz daraus ist aber, dass am Platz, an dem Ihr eigentlich stehen müsstet, nun jemand anderer stehen muss. Dieser Platz ist also nicht mit der dafür ausgerüsteten Person besetzt - es ist eine Behelfslösung.
Momentan sind sehr viele Positionen nicht oder mit Personen besetzt, die dafür nicht oder nur schlecht ausgerüstet sind. Es erscheint Euch wahrscheinlich klar, dass man für eine Opernrolle einen Sänger braucht. Fehlt nun dieser aus verschiedenen Gründen, leidet das Ganze darunter, auch wenn ein Jongleur, ebenfalls ein Künstler, diese Rolle besetzt, diesen Platz einnimmt. Umgekehrt wird im Zirkus der Opernsänger in der Manege mit den Keulen auch keine gute Figur machen. Ihr seht aus diesem Beispiel, dass wohl die Fähigkeiten da sind, aber sie sind falsch genutzt, falsch verteilt.
Bescheidenheit heisst also, seine Fähigkeiten da einsetzen, wo sie gebraucht werden. Es geht nicht darum, dass Ihr nun mit Euren Fähigkeiten prahlt, sie zur Schau stellt. Prahlen, also das übertriebene zur Schau stellen ist das Gegenteil von Bescheidenheit. Eure Fähigkeiten habt Ihr bekommen, um sie zu nutzen, nicht um sie den anderen vorzuführen, um Beachtung damit zu erheischen. Diese Prahlsucht läuft den Seelenqualitäten zutiefst zuwider. Es geht darum, dass Ihr Eure Hilfsmittel annnehmt und auch gebraucht, dass Ihr sie jedesmal, wenn sie nötig sind auch einsetzt - zum Wohle des Ganzen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass Ihr Eure Talente zurückhaltet, weil Ihr eine Konfrontation mit Eurer Umgebung scheut, weil Ihr nicht zu Eurer Aufgabe und den damit verbundenen Hilfsmitteln stehen wollt. Diese falsch verstandene Bescheidenheit ist aber Eurer Entwicklung nicht förderlich. Habt keine Angst, Euren Weg mit Euren Hilfsmittel zu gehen.