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Vorwort

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Vorwort

»Mühsam gelernt – kurz gemerkt – schnell vergessen!« Geht es auch anders? Eine fremde Sprache lernen – und das noch mit Spaß!

Wie lernt ein Kind? Wie lernt ein Erwachsener? Wie lernt man Fremdsprachen? Wissenschaftlich gesehen lassen sich viele Lerntheorien anführen, die in die eine oder andere Richtung weisen. In Bibliotheken und im Internet finden sich Standardwerke, Praxisführer und Lernplattformen, die Tipps oder gar Lernweisheiten anpreisen. So geht der Behaviorismus von Lernreizen aus, die, mechanistisch konditioniert oder operant formuliert, zu einem angestrebten Verhalten bzw. Lernerfolg führen sollen. Angeboren oder gelenkt (mittels Versuch und Irrtum, mit oder ohne Belohnung/Bestrafung) folgt der Lernerfolg. Im Gegensatz dazu stellt der Kognitivismus das bewusste und aktive Denken, die Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt in den Vordergrund. Lernen entwickelt sich danach durch selbstgesteuertes Denken und Einsicht. Der Konstruktivismus – und damit sind wir schon nahe an der heutigen Zeit angelangt – wiederum betont die individuelle Wahrnehmung. Der Lernende muss das Problem und die angemessenen Lösungswege selbst finden, selbst konstruieren. Kinder und Erwachsene unterscheiden sich danach in ihrem Lernverhalten, zumal sie jeweils über individuelle Bedingungen, über eigene Vorerfahrungen und über mehr oder weniger reiches Vorwissen und eigene Erfahrungswelten verfügen.

Ohne weitere Exkurse auszuführen, lässt sich festhalten: Lernen ist individuell. Lernen hängt vom Lerntypus, von gemachten Lernerfahrungen und Lernwelten ab. Lernen kann aber jede und jeder! Fremdsprachen sind lernbar! Auch wenn es am Anfang etwas schwerfällt. Das vorliegende Werk Karin Holensteins führt den Leser auf Lernwege zur Fremdsprache. Getreu dem Credo von Vera F. Birkenbihl, dass sich Lernen unbewusst ergibt bzw. ergeben kann, dass Lernen auch passiv möglich ist und dass Lernen – insbesondere das Lernen von Fremdsprachen – Spaß macht, werden konkrete Anwendungsbeispiele vorgestellt. Der Lernende selbst steht immer im Zentrum! Die Lehrende, der Lehrende rundet nur das Arrangement ab. Sicherlich beeinflusst sie/er das Lernen, fördert oder hemmt es. Ob aber schnell und eingängig gelernt wird, liegt beim Lernenden, bestimmt von seiner Motivation, seiner Einstellung und seinem Willen.

Vera F. Birkenbihl, ohne Zweifel die Doyenne der Bildungswelt der Neuzeit, entwickelte und sammelte wertvolle Ansätze und vor allem einfach umsetzbare Lerninstrumente. Ihre dezidierte – vielleicht da und dort etwas zu kritische – Haltung bewegte das klassische Schulsystem. Ihre Empfehlungen zur Gestaltung des Lernkonzepts, ihre sehr anschaulichen und im Lernalltag sehr eingängigen Neuro-Mechanismen (einfach gesagt: die Grundbedürfnisse des Lernens) sowie ihre Non-Learning Learning Strategies (einfach gesagt: Lernwege) leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lerneffizienz und zum Lernerfolg insgesamt. Zudem kann man Vera F. Birkenbihl im Kern beipflichten: Lernen macht Spaß! Lernen kann jede und jeder! Und dies unabhängig von Alter und Herkunft.

Karin Holenstein steht in der Nachfolge von Vera F. Birkenbihl. Sie übersetzt die Neuro-Mechanismen für das Lernen von Fremdsprachen. Praktikable Vorschläge, die sie sich aus ihrer langjährigen Erfahrung als Lehrerin und Sprachcoach erworben hat, sind das Ergebnis. Das vorliegende Werk verdeutlicht, wie »gehirngerecht« einfach gelernt werden kann. Der »Viersprung« von Dekodieren, aktivem Hören, passivem Hören und Aktivitäten ist pragmatisch. Die vorgestellten Instrumente, wie Begriffe erklären, Kategorisieren, Lückentexte, eignen sich nicht nur für den Einzellernenden, sondern auch für Gruppen. Karin Holenstein beschreibt viele Beispiele aus dem Schulalltag. Sie lässt Lernende, Kinder wie ältere Lernende, und weitere Lehrpersonen zu Wort kommen. Ihre Lerntipps liefern Ansatzpunkte und Anregungen für Lehrpersonen, die wiederum ihren Schülerinnen und Schülern das Lernen erleichtern. Besonders erwähnenswert ist in ihrem Buch, dass sie die Birkenbihl-Methode auf die jeweilig in einer Schule eingesetzten Lehrmittel anwendet. Sie erbringt damit den Beleg, dass bestehende Lehrmittel angereichert werden können. Dies erlaubt effektiveres Sprachenlernen. Lernerfolg sowie ökonomische Rahmenzwänge lassen sich so in Einklang bringen.

Abschließend noch ein inniger Wunsch aus meiner Sicht: Die Sprache des anderen zu verstehen, diese gar zu sprechen, bietet Austausch, Dialog und Einsicht in die Kultur des Gegenübers. Eine fremde Sprache zu lernen, zeugt von Weitsicht und Empathie. Es braucht dazu sicherlich Durchhaltevermögen. Wenn man dann den »Lernberg« erklommen hat, eröffnen sich neue Horizonte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Mut, diese Lernchance anzupacken! Es liegt nur an Ihnen.

St. Gallen, Januar 2013

Prof. Dr. oec. HSG Lukas Scherer, Fachhochschule St. Gallen

Gehirn-gerechtes Sprachenlernen (E-Book)

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