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Prolog Oakley

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Glück. So oder so ähnlich nannten es die meisten Veteranen, die vorzeitig und nur verwundet aus dem Kriegsgebiet wieder nach Hause geschickt wurden. Glück, da sie noch lebten. Glück, weil sie zurück in ihre Heimat und zu ihren Familien durften. Glück, das sich für mich nicht wie Glück anfühlte, seit ich nach zwei langen Jahren im Ausland die Schwelle des Hauses überquert hatte, das einst mein Zufluchtsort gewesen war – mein Zuhause. Glück, das keines war. Nicht mehr. Denn etwas hatte sich verändert. Etwas, das mich härter traf, als es eine Handgranate oder ein gezielter Schuss in den Kopf je getan hätte.

Es roch noch immer nach frisch gebackenen Muffins und gemähtem Rasen, genau so wie bereits vor drei Stunden, als ich in meinem alten Elternhaus angekommen war. Einem kleinen Häuschen in einer ebenso winzigen Kleinstadt irgendwo in der Einöde Iowas, das mir früher einmal Schutz und Sicherheit gegeben hatte. Jetzt schien alles anders.

Meine Mutter starrte mit verlorenem und leerem Blick auf die zerknüllte Schürze in ihrem Schoß, die sie noch immer fest in ihren Händen hielt. Mein Dad hingegen tat alles dafür, um den Anschein zu erwecken, dass alles beim Alten war. Nach wie vor. Und die letzten zwei Jahre nie passiert und ich niemals weg gewesen wäre.

Meine Eltern sahen älter aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Müder. Die vielen tiefen Falten in ihren Gesichtern konnten nicht verbergen, wie es ihnen tatsächlich ging. Auch wenn sie über all die Zeit, in denen ich in Afghanistan stationiert gewesen war, immer beteuert hatten, dass alles bestens sei und es ihnen gut ginge. Jetzt wusste ich, es war nicht so. Sie hatten mich belogen. Vermutlich, um mich nicht zu beunruhigen. Um mir die Sorgen zu nehmen. Doch dafür waren sie jetzt umso größer, und meine Wut ... sie schien in diesem Moment grenzenlos.

So sehr ich mich darauf gefreut hatte, endlich wieder nach Hause kommen zu dürfen und meine Familie in die Arme schließen zu können, so wenig ertrug ich den Anblick meiner Eltern gerade. Zu tief saß der Schmerz, der sich beinahe nach Verrat anfühlte. Dabei verstand ich durchaus, weshalb sie mich über all die Zeit belogen hatten. Ich verstand, wieso sie mir in unseren kurzen Telefonaten oder sogar in den Briefen, die meine Mutter und ich uns geschickt hatten, nie ein Wort darüber verloren hatten. Ich verstand es. Das tat ich wirklich. Doch das machte es kein bisschen erträglicher.

Sie hatten mich belogen und im Ungewissen gelassen – im Ungewissen darüber, was mit meiner kleinen Schwester passiert war. Violet war weg. Verschwunden. Und niemand wusste bis heute, wo sie war oder was mit ihr geschehen sein könnte. Sie schien wie vom verdammten Erdboden verschluckt. Und das Schlimmste daran: Alle um mich herum hatten anscheinend bereits aufgegeben, nach ihr zu suchen. Niemand hatte auch nur die geringste Ahnung, es gab keinen einzigen Verdacht oder ein winziges Indiz, wo sie stecken könnte.

Ob sie überhaupt noch am Leben war.

Der Gedanke daran zerriss mich innerlich. Und die Hilflosigkeit, die mich lähmte, wechselte sich mit der Wut und Enttäuschung ab, die ich meinen Eltern gegenüber empfand.

In meinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Und ich war nicht mehr imstande, meiner Mutter oder gar meinem Vater in die Augen zu sehen. Schon gar nicht, so zu tun, als wäre Violet noch hier und es wäre eine wunderbare und ganz normale Familienzusammenführung, nachdem ich endlich aus dem verfluchten Krieg zurück war.

Ich wollte nur noch weg, wollte allein sein und meine Gefühle irgendwie sortieren und unter Kontrolle bringen. Genau so, wie es mir bei der US-Army beigebracht worden war. Und wenn ich das geschafft hatte, gab es für mich nur noch ein einziges Ziel: Ich musste Violet finden. Um jeden Preis, und wenn ich dafür bis ans Ende der Welt gehen und dort nach ihr suchen musste. Ich würde sie finden und nach Hause bringen. Ich musste einfach. Und wenn ich doch scheiterte, sollte mich der Teufel höchstpersönlich holen und zur Hölle jagen.

Two Moments

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