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Kapitel 5
ОглавлениеElijah
Die ganze Woche über warte ich darauf, herauszufinden, dass Pax mich nur verarscht, wenn er sagt, dass er sich mit mir treffen will. Es würde viel mehr Sinn ergeben, wenn sich herausstellt, dass das alles ein ausgeklügelter Scherz ist, als wenn er wirklich mit mir befreundet sein will.
Nach dem Abend, als er mir wegen Star Wars geschrieben hat, sind unsere Textgespräche häufiger geworden. Die ganze Woche über hat er mir Memes, also lustige Bilder geschickt – Science Cat scheint sein Lieblingsbild zu sein, und ich gestehe, dass mir die Wortspiele auch gefallen. Aber selbst die ständigen Nachrichten konnten meine Nerven nicht beruhigen. Es muss irgendeine Falle geben, oder nicht? Warum sollte jemand wie Pax mehr Zeit mit jemandem wie mir verbringen wollen, als er muss?
Der Gedanke trifft mich, dass Theo ihn vielleicht noch immer dazu ermuntert. Mein Magen dreht sich um und ich verziehe das Gesicht, sodass meine Mundwinkel nach unten zeigen.
»Hast du heute große Pläne?«, fragt Alex und reißt mich so aus meinen düsteren Gedanken.
»Hmm?«
»Es ist Freitagabend, du musst doch etwas Lustiges vorhaben.«
»Oh nein«, entgegne ich automatisch, ehe mir einfällt, dass ich tatsächlich Pläne habe. »Ehrlichgesagt treffe ich mich heute mit einem Fr… jemandem. Wir gehen in irgendeine Spielhalle oder so.«
»Ist er heiß?«
Mein Gesicht beginnt zu glühen und ich richte meine Aufmerksamkeit auf mein geöffnetes Lehrbuch, in der Hoffnung, dadurch einer Antwort ausweichen zu können. Natürlich ist Paxton heiß, aber es ist nicht so, als würde das etwas zur Sache tun. Es gibt Millionen von heißen Leuten auf der Welt. Ich verstehe nicht, welchen Unterschied das macht. Und warum interessiert sich Alex überhaupt dafür?
»Vielleicht gehe ich gar nicht hin. Ich muss noch viel für die Uni lesen«, sage ich unbestimmt.
»Oh, also ist er unglaublich heiß«, meint Alex mit einem wissenden Ausdruck. »Es sind immer die unglaublich heißen Kerle, die uns ganz nervös und dumm werden lassen.«
»Jeder macht mich nervös«, murmle ich und er klopft mir lachend auf die Schulter.
»Ich nicht«, stellt er fest. Seine Hand verweilt noch ein paar Sekunden auf meiner Schulter und ich frage mich, ob er versucht, mit mir zu flirten oder einfach nur sehr nett ist. Ich winde mich unter der Berührung und er kichert wieder.
»Die einzige Person, die mich nicht nervös macht, ist mein bester Freund Theo«, informiere ich ihn.
»Warum macht Theo dich nicht nervös?«
Ich zucke die Schultern, in der Hoffnung, dass die Bewegung seine Hand vertreibt, aber sie bleibt fest an Ort und Stelle. »Er lacht mich nie aus und sagt mir immer, wie er wirklich über Dinge denkt, sodass ich nie raten muss. Er ist immer für mich eingestanden, wenn mich die anderen in der Middleschool und Highschool gemobbt haben.«
»Wow, er klingt wie ein echter Traumprinz«, bemerkt Alex in einen Tonfall, den ich nicht ganz verstehe.
»Er ist einfach Theo.«
»Aha.«
»Ich weiß nicht, was das bedeutet«, murre ich irritiert. Das ist genau das, was ich meine: Die Menschen ergeben keinen Sinn und das ist frustrierend.
»Es soll gar nichts bedeuten. Ich habe nur über das nachgedacht, was du gesagt hast«, erklärt er einfach. »Wenn du mich fragst, ich finde, du solltest gehen.«
Ich werfe ihm einen neugierigen Blick zu und er unterdrückt etwas, das nach einem weiteren Lachen klingt.
»Heute Abend. Du solltest dich mit dem heißen Kerl treffen. Selbst wenn du in Theo verliebt bist, heißt das nicht, dass du dich nicht mit anderen Kerlen treffen kannst, bis ihr zwei zueinander findet.«
»Was?«, stottere ich und meine Augenbrauen springen in die Höhe, während ich versuche, seine Worte zu verstehen. »Wenn ich in Theo verliebt bin?«
»Na ja, ja. Es klingt irgendwie so, als…«
»Nein«, unterbreche ich ihn, schüttele meinen Kopf und lächle aufgrund der schieren Absurdität. »Theo ist mein Freund. Das ist alles.«
»Was ist dann das Problem mit dem heißen Typen?«
»Da gibt es kein Problem. Ich hasse es einfach, soziale Kontakte zu pflegen, und es war eine lange Woche. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Kraft für einen Abend habe, an dem ich mich durchgehend darum sorge, etwas Dummes zu sagen oder zu tun.« Das Geständnis überrascht mich. Es ist genau so etwas, das ich normalerweise nur Theo anvertrauen würde, aber Alex hat meine Abwehrmechanismen mit seiner lächerlichen Theorie durchbrochen.
»Weißt du, was ich mache, wenn ich befürchte, etwas Dummes zu sagen?«
»Was?«, will ich wissen.
»Ich sage absichtlich etwas wirklich Dummes, um es hinter mich zu bringen. Wenn er darüber lacht, weiß ich, dass wir ein schönes Date haben können, und ich kann mich entspannen. Wenn er komisch reagiert, denke ich mir eine Entschuldigung aus und sehe zu, dass ichwegkomme.«
Mein Mund öffnet sich, als ich die schiere Unverfrorenheit dieser Taktik in Betracht ziehe. Ich rücke die Brille auf meiner Nase nach oben, als sie herunterzurutschen droht. Er sagt absichtlich etwas Dummes in dem Wissen, dass jemand anderes es hört?
»Das ist… wow, wenn ich mir nicht sicher wäre, vor Scham in Flammen aufzugehen, würde ich das sowas von probieren.«
»Heiße die Scham willkommen«, rät er mir. »Es hat noch nie jemanden umgebracht.«
»Du meinst, nicht, dass du weißt«, stelle ich klar. »Trotzdem danke für den Tipp.«
»Kein Problem.« Endlich lässt er meine Schulter los und ich seufze erleichtert.
Pax
Ich lehne mich gegen die raue Backsteinfassade der Spielhalle, während ich auf Elijah warte. Ich scrolle durch mein Handy, schaue mir die Chatgespräche der vergangenen Woche an und lächle. Stück für Stück ist er aus sich herausgekommen und ich bin gespannt zu sehen, wie er heute Abend drauf sein wird. Wird er ohne Alkohol und ohne ein Display als Puffer wieder der schüchterne, errötende Elijah sein oder der Elijah, der mich als Idiot betitelt, wenn wir diskutieren?
Ich erhasche einen Blick auf ihn. Mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen läuft er die Straße entlang, seine Schultern hochgezogen, als versuche er, sich klein zu machen, damit niemand anderes auf der Straße ihn bemerkt. Und es scheint zu funktionieren, denn die Leute drängen sich an ihm vorbei, ohne einen zweiten Blick an ihn zu verlieren. Wie irgendjemand ihn übersehen kann, verstehe ich einfach nicht.
Er sieht nicht großartig anders aus als letzte Woche und trägt einen anderen modischen Blazer über einem einfachen Shirt, dazu eine Jeans. Sein Haar ist gekämmt, anders als an dem Morgen, als ich ihm Frühstück vorbeigebracht habe, und ich stelle fest, dass ich vermisse, wie wild seine Locken waren, als er offensichtlich gerade erst aus dem Bett gefallen ist. Ich wette, nach einem harten Fick sieht er unglaublich aus. Der Gedanke trifft mich wie ein Schlag in den Magen und raubt mir für ein paar Sekunden den Atem, ehe Elijahs Augen meine finden und ich mich dazu zwinge, ihn anzulächeln und vorzugeben, dass sich keine Vorfreude zwischen meinen Beinen einstellt.
»Hey«, grüßt er mich nervös.
»Hey, Einstein, schön, dich zu sehen.«
Er blinzelt mich mit einem Hauch Verwunderung in den Augen an, als könnte er nicht glauben, dass es wirklich schön ist, ihn zu sehen. Es bricht mein Herz, dass er sich so fühlt, und ich verstehe plötzlich, wieso mein Bruder seinen Freund so umsorgt. Elijah hat etwas an sich, das dafür sorgt, dass man ihn vor der großen, bösen Welt beschützen will.
»Wie war dein Flug?«, fragt er, als ich ihn in die Spielhalle scheuche.
»Meh.« Ich zucke die Schultern. Normalerweise fliege ich zwei Mal die Woche, also fällt mir da meist nichts Besonderes auf, wenn es keine großartigen Probleme gibt. »Da war ein heißer Flugbegleiter, der fast den ganzen Flug über mit mir geflirtet hat.«
»Sowas passiert auch nur dir«, murmelt er und schüttelt den Kopf, während ich lache.
»Aww, bist du eifersüchtig, kleiner Nerd? Würde es dir helfen, wenn ich dir sage, dass es eine Frau war und ich nicht mal ansatzweise interessiert war?«
»Ich bin nicht eifersüchtig«, behauptet er, doch die Anspannung weicht aus seinen Schultern. Aber ich entscheide mich, nicht weiter darauf einzugehen.
»Bist du bereit, in Pac-Man besiegt zu werden?«, erkundige ich mich und nicke in Richtung des nächstgelegenen Spielautomaten.
»Du träumst wohl«, entgegnet er und flitzt zu dem Spielautomaten.
Tatsächlich besiegt Elijah mich bei Pac-Man, dafür schlage ich ihn bei Space Invaders, also ist das in Ordnung für mich.
»Also, kein fester Freund. Was hat es damit auf sich? Bist du zu beschäftigt damit, ein Genie zu sein, oder was?«, frage ich, um ein Gespräch aufzubauen, als wir eine Pause vom Spielen machen und uns hinsetzen, um fettiges Bar-Essen zu bestellen.
Die Röte, die in Elijahs Wangen kriecht, ist die Frage definitiv zu hundert Prozent wert.
»Ich habe nicht… ähm…« Er nestelt an den Knöpfen seines Blazers und schaut überall hin, nur nicht zu mir.
»Bin ich in ein Fettnäpfchen getreten? Theo hat mir gesagt, dass du schwul bist. Hat er mir nicht alles erzählt? Bist du asexuell und ich gerade schwer von Begriff oder so?«
Schließlich schaut er mich an und schüttelt heftig den Kopf. »Nein, ich bin nicht asexuell oder aromantisch oder so. Ich date einfach nicht.«
»Warum nicht?«
Elijah stößt ein humorloses Lachen aus. »Weil die Menschen einfach keinen Sinn ergeben. Da sind so viele Dinge, die man sagen oder tun soll, um jemandem zu zeigen, dass man interessiert ist, aber niemand hat mir je gesagt, was das für Dinge sind. Und die Menschen lügen, nicht nur mit ihren Worten, auch mit ihrem Lächeln oder ihren Augen. Sie geben vor, dich zu mögen, nur damit sie hinter deinem Rücken über dich lachen oder deine Hausaufgaben abschreiben können.«
Mein Herz bricht für ihn und seine Worte treffen mich auf einer persönlicheren Ebene, als ich mir eingestehen möchte.
»Also hast du nie… äh… jemanden gedatet?«, frage ich so vorsichtig, wie ich kann. Ich bin mir sicher, dass es mich nichts angeht, aber ich bin trotzdem neugierig.
»Ich habe gerade gesagt, dass ich das nicht gemacht habe«, antwortet er und schaut mich an, als wäre ich ein Idiot. Dann flackert Verständnis in seinen Augen auf. »Du redest gerade von Sex, richtig?«
Ich lache schnaubend in mein Glas Limo, das ich gerade an meine Lippen gehoben habe, um etwas zu trinken. Ich greife nach meiner Serviette und putze mir damit den Mund ab. »Ja, ich meinte Sex.«
»Ich bin eine Jungfrau«, erklärt er sachlich. »Es ist nichts falsch daran, Jungfrau zu sein.«
»Ich habe nicht behauptet, dass es so ist.«
»Ach bitte, ich wette, dass du die Art Kerl bist, der jedes Wochenende einen anderen hübschen Mann in seinem Bett hat«, unterstellt er mir. Seinen bissigen Unterton könnte ich beinahe mit Eifersucht verwechseln.
»Das ist nicht sehr höflich. Wenn ich dich nicht dafür verurteile, keinen Sex zu haben, ist es nicht wirklich fair von dir, mich dafür zu verurteilen, was in meinem Schlafzimmer geschieht.«
Er errötet erneut. Diesmal ist es ein dunkleres Rot, das unendlich befriedigend ist.
»Du hast recht, das ist nicht fair von mir«, stimmt er mir zu.
Als er nichts mehr sagt, hebe ich meine Limo an meine Lippen und trinke einen Schluck, jetzt, da mir keine Gefahr droht, sie zu inhalieren.
»Ich könnte dir helfen, wenn du willst«, biete ich ihm beiläufig an.
»Was meinst du?« Da ist wieder dieser misstrauische Ausdruck in seinen Augen.
Ich zucke die Schultern und bin mir selbst nicht ganz sicher, was ich gemeint habe, als mir das Angebot über die Lippen gekommen ist, ohne vorher überhaupt darüber nachzudenken. »Wenn du Unterricht darin haben möchtest, wie man flirtet oder wie man erkennt, welche Kerle dafür empfänglich sind, aufgerissen zu werden.«
»Ich bin mir sicher, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin«, sagt er. »Ich will deine Zeit nicht verschwenden.«
»Meine Zeit verschwenden? Du glaubst, ich halte es für Zeitverschwendung, freitagabends in Gaybars herumzuhängen und mit süßen Typen zu flirten?«
Elijahs Gesichtsausdruck verdüstert sich etwas und seine Schultern fallen herab. »Es tut mir leid, dass ich dich davon abgehalten habe. Ich habe dir gesagt, dass ich keine Mitleidsfreundschaft brauche. Geh und flirte mit jemandem. Mach dir keine Sorgen um mich.«
»Ich mache mir keine Sorgen um dich und das hier ist kein Mitleid«, wende ich ein. Ich verbringe gerne Zeit mit dir und ich glaube, dass es Spaß machen würde, gemeinsam nach Typen Ausschau zu halten. Aber wenn du nicht interessiert bist, können wir es dabei belassen.«
Die Kellnerin bringt unser Essen und wir beide stürzen uns darauf und lassen das Gespräch erst einmal auf sich beruhen. Ich würde gerne sehen, wie Elijah etwas lockerer wird und das Selbstvertrauen findet, von dem ich mir sicher bin, dass es sich unter seiner schüchternen Schale versteckt, aber ich werde ihn zu nichts zwingen.
Wir spielen noch ein paar Stunden lang Spiele, jeder von uns gewinnt ein paar. Elijah entspannt sich zunehmend, je weiter der Abend fortschreitet, bis er derselbe lockere, sarkastische Mann ist, mit dem ich mich letztes Wochenende getroffen habe. Nur ohne den ganzen Alkohol.
Ein Gähnen kommt mir über die Lippen und ich schaue auf die Uhr, verwundert, dass wir es fast bis zur Schließung der Spielhalle geschafft haben.
»Oh wow, es ist schon spät«, sagt er. »Ich sollte mich vermutlich auf den Heimweg machen.« Er beißt sich auf die Unterlippe und sieht unsicher aus. Wenn das jemand in einer Bar gewesen wäre, hätte ich anhand seiner Körpersprache vermutet, dass er versucht, den Mut aufzubringen, um mich in seine Wohnung einzuladen. Aber das hier ist Elijah.
Er bestellt sich ein Taxi und ich warte gemeinsam mit ihm darauf. Als das Auto am Straßenrand hält, lächelt er mich schüchtern an und öffnet die hintere Tür, um einzusteigen. Er hält inne, ehe er die Tür schließt, und schaut mich wieder ganz nervös und mit einem Hauch Interesse an. Ich wette, dass er genau so schauen würde, wenn ich ihn unter mir hätte, nackt und verzweifelt. Mein Schwanz bewegt sich an meinem Bein und wird hart, als meine Gedanken ohne meine Erlaubnis unanständig werden.
»Ich werde es tun«, sagt er mir und für einen verrückten Moment glaube ich, dass er meine Gedanken lesen kann und sich damit einverstanden erklärt, all die dreckigen Dinge zu tun, die mir durch den Kopf geschossen sind.
»Was tun?«, frage ich, wobei meine Stimme rauer klingt als geplant.
»Das Flirten. Du kannst es mir beibringen… natürlich nur, wenn du das wirklich willst.«
Ich blinzle und schüttele den Schleier aus Lust ab, der mir das Gehirn vernebelt. »Oh ja, natürlich.«
Langsam stiehlt sich ein Lächeln auf seine hübschen, pinken Lippen, ehe er die Autotür schließlich zuzieht und mir einmal kurz durchs Fenster zuwinkt, ehe das Taxi wegfährt und mich mitten in der Nacht erregt und verwirrt an einer Straßenecke zurücklässt.