Читать книгу Rocket Science - K.M. Neuhold - Страница 7
Kapitel 2
ОглавлениеPax
Kaum, dass ich durch die Wohnungstür trete, lasse ich meine Tasche auf den Boden fallen, kicke meine Schuhe achtlos in die Ecke und lasse mich stöhnend auf meine dick gepolsterte Couch sinken. Es fühlt sich verdammt gut an, zu Hause zu sein, nachdem ich eine Woche gereist bin und meine Sicherheitssoftware an alle Technologieunternehmen verkauft habe, bei denen ich es geschafft habe, einen Termin zu bekommen. Das Verkaufen gibt mir einen gewissen Nervenkitzel, aber am Ende einer langen Woche fühlt sich meine eigene Wohnung wie der Himmel an.
Ich liebe diese Wohnung schon, seit ich das offene Raumkonzept zum ersten Mal gesehen habe, die großzügige Küche, die ins Wohnzimmer übergeht, die offenliegende Backsteinmauer, die bodentiefen Fenster im Schlafzimmer. Und ich habe mehr Platz als ein hoffnungsloser Junggeselle wie ich braucht.
Eine Woche ist vergangen, seit mein Bruder mich angerufen hat. Seinen nerdigen Freund zu babysitten, ist das Letzte, woran ich gedacht habe. Aber es ist Freitagabend, was bedeutet, dass mein Schwanz mich nach einer Dusche und einem wohlverdienten Nickerchen in die nächste Bar führen wird, damit ich jemanden finde, in dem ich mich versenken und damit den Stress der Woche vergessen kann.
Wenn ich ohnehin noch ausgehe, kann ich auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Ich kann Einstein auf einen Drink einladen und ihn dann seines Weges ziehen lassen, damit ich den Rest der Nacht genießen kann.
Ich ziehe mein Handy hervor und tippe schnell eine Nachricht.
Pax: Lass uns was trinken gehen. Der Treffpunkt ist das Twisted Cherry in der Innenstadt. Um neun Uhr.
Da ich nicht sofort eine Antwort bekomme, quäle ich mich mühsam von der Couch und mache mich auf den Weg ins Badezimmer, um zu duschen. Ich kann es nicht erwarten, dieses unangenehme Gefühl, das ich immer nach einer Reise verspüre, von meiner Haut zu waschen.
Als ich aus der Dusche trete, blinkt mein Handy mit einer ungelesenen Nachricht. Ich nehme mir Zeit, mich abzutrocknen und mir das Handtuch dann um meine Hüfte zu wickeln, ehe ich mein Handy vom Waschbeckenrand nehme und die Nachricht lese.
Einstein: Es tut mir leid, aber ich fürchte, du hast die falsche Nummer.
Ich schnaube belustigt und schüttele den Kopf, dann hebe ich mein Smartphone hoch, um ein Foto von mir selbst zu machen. Mein Haar ist nass und ohne ein Oberteil werden die bunten Tattoos, die meine Brust und Arme bedecken, zur Schau gestellt. Eine Sekunde lang frage ich mich, ob der Junge mich überhaupt erkennen oder sich an mich erinnern wird. Es ist Jahre her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ich verschicke das Bild und es wird mir sofort angezeigt, dass es gesehen wurde. Die kleinen Punkte hüpfen, deuten an, dass er etwas schreibt. Dann verschwinden sie. Ein paar Augenblicke später erscheinen sie wieder, aber ich bin es leid, auf eine Antwort zu warten, also beschließe ich, in der Zwischenzeit das geplante Nickerchen zu halten.
Ich löse das Handtuch, das ich mir um die Hüften geschlungen habe, und hänge es zurück an die Badezimmertür. Danach eile ich schnurstracks ins Schlafzimmer und krieche unter die kühlen, weichen Laken. Ehe ich die Augen schließen kann, vibriert mein Handy mit einer weiteren Nachricht.
Einstein: Paxton, hi.
Ich muss lächeln und dabei breitet sich eine seltsame Art von Zuneigung für den kleinen Nerd in meiner Brust aus. Er hat so lange gebraucht, um das hier zu tippen und zu senden?
Pax: Hi.
Einstein: Ich bin mir sicher, Theo hat es so klingen lassen, dass ich rekordverdächtig armselig wäre, aber ich versichere dir, dass du kein Mitleid mit mir haben brauchst. Ich weiß die Einladung zu schätzen, aber du musst das nicht tun. Ich sage ihm einfach, dass wir uns getroffen haben und eine tolle Zeit hatten. Dann lässt er dich in Ruhe.
Das wäre die einfachere Option, aber aus irgendeinem Grund würde ich gerne herausfinden, wie der erwachsene kleine Nerd so ist. Nennen wir es einen schweren Fall von Neugier.
Pax: Das geht nicht. Versprochen ist versprochen.
Pax: Ein Drink.
Wieder antwortet er nicht direkt, obwohl die Nachrichten als gelesen markiert sind. Es ist eine merkwürdige Situation für mich, nackt im Bett zu liegen, auf mein Handy zu starren und auf eine Nachricht zu warten, ohne dass es sich um Sexting handelt. Mein Schwanz könnte sich nicht weniger für diese Situation interessieren und trotzdem, halte ich mein Handy merkwürdigerweise weiterhin in der Hand und warte, ob Einstein sich zu einem Treffen bereiterklärt oder nicht.
Als die neue Nachricht mich endlich erreicht, beeile ich mich, sie zu öffnen.
Einstein: Na gut. Wir sehen uns um neun.
Ein triumphierendes Grinsen legt sich auf meine Lippen. Endlich kann ich mein Handy weglegen, ein Kissen an meine Brust ziehen und es mir zum Schlafen gemütlich machen.
***
Das Twisted Cherry ist gut besucht, aber ich schaffe es, einen Platz an einem freien Stehtisch zu entdecken und zu ergattern, während ich darauf warte, dass Einstein auftaucht. Meine Augen schweifen automatisch über die Menge, obwohl ich gerade neugieriger bin, den kleinen Nerd zu sehen, als einen knackigen Arsch zu finden. Bilder von ihm von vor all den Jahren kommen mir in den Kopf und bringen mich zum Lächeln. Er schien immer eine Tasche voller Schulbücher mit sich herumzuschleppen, die mehr wog als er selbst, eine dick umrandete Brille auf seiner Nase und lockiges Haar, das nie an seinem Platz war. Ich frage mich, ob er noch immer diese T-Shirts mit aufgedruckten Wissenschafts-Wortspielen oder seinen Asthma-Inhalator an einer Schnur um seinen Hals trägt, damit er ihn nicht verliert.
Bei dem Gedanken daran lache ich leise und winke einem nahe stehenden Kellner zu, um einen Drink zu bestellen, ehe ich meine Aufmerksamkeit weiter wandern lasse.
Mein Blick bleibt an einem Mann hängen, als er die Bar betritt. Er ist nicht mein üblicher Typ, aber verdammt, er ist hübsch. Sein dunkles Haar ist wild gelockt und fällt ihm bis auf die Stirn. Seine Gesichtszüge sind scharf, doch seine Lippen sehen voll und weich aus. Ich hege keine Zweifel, dass sie sich um meinen Schwanz gelegt himmlisch anfühlen würden. Er trägt Jeans, ein schwarzes T-Shirt und einen hellen Blazer, der bei jedem anderen in der Bar vielleicht fehl am Platz aussehen würde, bei ihm aber irgendwie perfekt passt.
Es fällt mir schwer, meine Augen von ihm zu lösen, und mein Schwanz wird in der Enge meiner Jeans hart, während ich schamlos starre. Er schaut sich mit einem etwas verlorenen Blick in der Bar um. Leicht dreht er den Kopf, unsere Blicke treffen sich und ein schüchternes, unbeholfenes Lächeln legt sich auf seine Lippen. Meine Erektion wird noch härter, als ich sein Lächeln erwidere. Die Gedanken an den kleinen Nerd, den ich hier treffen soll, lösen sich in Luft auf. Viel lieber kalkuliere ich, was die beste Methode ist, so einen süßen, kleinen Leckerbissen zu verführen.
»Paxton?«, fragt er und mein Herz rutscht mir in die Hose.
»Fuck«, murmle ich und greife nach meinem Drink.
Elijah
Ich reiße mich kurz zusammen und mein Magen rumort vor Nervosität, während Pax einen tiefen Schluck aus seinem Glas nimmt, wobei sein Adamsapfel hüpft.
Wenn ich irgendwelche Zweifel daran gehabt hätte, dass er über die Jahre hinweg irgendwie weniger attraktiv geworden wäre, hätte das Foto, das er mir vorhin geschickt hat, diese Idee im Keim erstickt. Ich hätte mich beinahe verschluckt, als dieses Bild auf meinem Display aufgetaucht ist, das Objekt meiner jugendlichen Obsession, das offensichtlich gerade aus der Dusche kam, möglicherweise sogar vollkommen nackt. Die Tattoos waren eine neuere Ergänzung und obwohl ich nicht behaupten kann, normalerweise auf Tattoos zu stehen, so sehen sie an Pax auf jeden Fall gut aus.
Ich dachte, er hätte mich erkannt, als sich unsere Blicke getroffen haben. Er hat mich angelächelt und schien sich über meine Annäherung zu freuen. Aber nach seinem wütenden Fluch bin ich mir nicht so sicher.
Ich bleibe ein paar Schritte vom Tisch entfernt stehen. Warte ab, was er als Nächstes sagen wird. Vielleicht hat er seine Meinung über das Treffen geändert. Habe ich eine Nachricht verpasst, in der er abgesagt hat? In meinen Fingern juckt es, nach meinem Handy zu greifen und nachzusehen, aber meine Nerven sind so angespannt, dass ich nichts anders tun kann, als wie ein Reh im Scheinwerferlicht dazustehen und abzuwarten.
»Du bist erwachsen geworden, Einstein. Ich hab dich anfangs nicht erkannt«, sagt er, sobald er sein Glas abgestellt hat. Mittlerweile lächelt er freundlich. Er sieht genauso aus wie in meiner Erinnerung: blaue Augen voller Humor, als lache er über einen Insider, von dem nur er weiß. Seltsamerweise fühlt es sich nicht an, als lache er mich aus, eher, als würde er mit mir lachen, als wäre ich in den Witz eingeweiht, obwohl ich ihn nicht gehört habe. Er fährt sich mit der Hand durch sein dunkles Haar, welches oben länger und an den Seiten kurz getrimmt ist. Der Look steht ihm gut.
»Wirklich?« Ich schaue an mir herab und frage mich, was an mir möglicherweise anders aussehen könnte. Sicher, ich kleide mich jetzt etwas anders. Aber abgesehen davon bin ich mir sicher, so auszusehen wie immer.
Er lacht leise, ein volles, warmes Geräusch, das einen kleinen Schauer durch mich schickt.
»Komm, wir organisieren dir was zu trinken«, schlägt er vor und winkt einen Kellner heran. Mit seinem Fuß schiebt er den nächstgelegenen Stuhl in meine Richtung, eine Einladung, sich zu setzen, wie ich vermute.
Ich warte ein paar Sekunden, evaluiere die Situation, ehe ich entscheide, ja, das ist wirklich eine Einladung, mich zu setzen. Ich lasse mich auf den Stuhl gleiten und falte meine Hände auf dem Tisch vor mir, mich ihrer bewusster als üblich. Hände sind etwas Komisches. So nützlich und doch fortwährend im Weg.
»Was kann ich dir bringen?«, fragt der Kellner und in meinem Kopf herrscht absolute Leere. Ich habe nie wirklich Alkohol getrunken und wenn ich doch mal etwas getrunken habe, dann habe ich normalerweise dasselbe bestellt wie Theo. Ich schiele zu Pax' Glas und dann wieder zum Kellner.
»Ich nehme das, was er hat.«
»Kein Problem. Bin gleich wieder da, Süßer.«
In der Bar ist es laut, beinahe zu laut, um sich selbst denken zu hören, doch gleichzeitig ist da diese unangenehme Stille, die sich zwischen Pax und mir ausbreitet. Mir fällt auf, dass wir zwei, obwohl ich ihn den größten Teil meines Lebens kenne, nie wirklich miteinander gesprochen haben.
Mein Hirn versucht verzweifelt, etwas zu finden, was ich sagen kann. Panik erfasst mich. Genau deshalb ist der Umgang mit anderen Menschen eine Qual. Der einzige Grund, warum ich es geschafft habe, eine Freundschaft zu Theo aufzubauen, ist, dass er gut darin war, solch ein Schweigen zu brechen.
»Also… uhm…« Ich rutsche auf meinem Stuhl hin und her und fahre die Maserung des Holzes auf dem Tisch mit meinem Zeigefinger nach.
»Ich muss sagen, ich bin etwas enttäuscht, dass du deine T-Shirts mit den Wissenschafts-Wortwitzen gegen erwachsenere Kleidung eingetauscht hast«, erklärt er mit einem Hauch Belustigung und mein Gesicht wird knallrot.
Ich kann nicht fassen, dass er sich an die Shirts erinnert, die ich früher immer getragen habe. Und jetzt fühlt es sich wirklich so an, als würde er mich auslachen.
»Bitte mach dich nicht lustig über mich.« Die Worte überraschen mich, als sie mir fest über die Lippen kommen, auch wenn sie kaum mehr als ein Flüstern sind. »Ich weiß, dass du dich nur aus Mitleid mit mir triffst. Aber sei nicht grausam.«
Er runzelt die Stirn und seine Augenbrauen ziehen sich zusammen.
»Ich habe mich nicht über dich lustig gemacht«, sagt er. »Ich mochte die T-Shirts wirklich, die waren lustig.«
»Oh.« Ich weiß nicht, wie das möglich ist, aber mein Gesicht wird noch wärmer.
»Also, erzähl mir etwas über dich, Einstein. Du bist eindeutig nicht mehr der kleine Nerd, an den ich mich erinnere.«
Es ist schon das zweite Mal, dass er mich Einstein genannt hat. Ich kenne den Spitznamen noch von früher, aber ich kann nicht glauben, dass er sich noch daran erinnert, was dafür sorgt, dass ich mich frage, ob er sich an meinen richtigen Namen erinnert. Wäre ich nicht schon so peinlich berührt, würde ich nachfragen.
»Da gibt es nicht viel zu erzählen.« Ich zucke die Schultern. »Ich bin in einem Doktorandenprogramm für Luft- und Raumfahrttechnik an der CalTech. Aber ich denke, dass du das bereits weißt. Das ist auch schon alles.«
»Das kann doch nicht alles sein«, widerspricht er mir. »Was ist mit Hobbys, Freunden, tiefsitzenden Unsicherheiten, die du unbedingt bei einem Drink teilen willst, obwohl wir beide wissen, dass das zu schnell zu viel Info ist?«
»Ähm, nein zu allen drei Sachen.« Der Kellner kommt mit meinem Getränk zurück und rettet mich so vor Folgefragen. Ich greife nach dem Glas und hebe es an meine Lippen, nur um zu prusten, sobald der erste Schluck meine Kehle erreicht.
Pax lacht wieder und ich erwäge, mich auf dem Absatz umzudrehen und wegzurennen, ehe ich mich noch weiter blamieren kann. Leider wäre das ebenso erniedrigend. Er winkt den Kellner zurück und ich lächle verlegen.
»Können wir etwas Cola zu dem Whisky bekommen, damit er leichter runtergeht?«, erkundigt sich Pax, gibt mein Glas zurück und zwinkert mir zu.
»Sicher doch«, sagt er Kellner, nimmt das Glas und verschwindet in der Menge.
»Oh mein Gott, er wird mir vermutlich ins Getränk spucken, weil ich so viele Schwierigkeiten mache«, lamentiere ich.
»Ein bisschen Spucke hat noch niemanden umgebracht«, argumentiert er. Mein Kiefer sackt herab. »Ich mache nur Spaß. Ich bin hier Stammkunde, ich verspreche, dass er dir nicht ins Getränk spucken wird.«
Der Kellner kehrt mit meinem überarbeiteten Drink schnell zurück und wie sich herausstellt, hilft die Cola wirklich, dass der Whisky leichter runtergeht.
***
Ich bin mir nicht sicher, wie lange wir an der Bar saßen und wie viele Drinks ich hatte, aber mein Hirn fühlt sich irgendwie schwammig und leicht an und meine Zunge scheint ein Eigenleben zu führen.
»Und ich habe all die Jahre über gedacht, du wärst klug«, necke ich ihn und beobachte, wie sich Belustigung auf Pax' Gesicht ausbreitet. Sein ehemals ordentliches Haar hängt ihm jetzt zerzaust in die Stirn, seine Wangen sind gerötet. Ich vermute, das liegt am Alkohol.
»Ich bin klug«, entgegnet er. »Ich habe meinen Abschluss in Ingenieurwesen als Klassenbester gemacht. Nur weil ich mich entschieden habe, in den Vertrieb zu gehen, heißt das nicht, dass ich nicht klug bin.«
»Wenn du klug wärst, wüsstest du, dass der Millenium Falke auf keinen Fall einen Kessel-Flug in weniger als zwölf Parsec machen könnte. Es hat das am wenigsten aerodynamische Design, das ich je gesehen habe.«
»Nicht aerodynamisch?«, wiederholt er ungläubig. »Hast du schon mal eine Frisbee gesehen? Die sind sehr wohl aerodynamisch.«
»Eine Frisbee ist kein Raumschiff. Da müssen andere Dinge beachtet werden«, argumentiere ich.
»Du hast recht. Wenn man bedenkt, dass die Raumfahrzeuge in Star Wars dazu in der Lage sind, in Lichtgeschwindigkeit zu reisen, würde ich sagen, dass die Aerodynamik nicht einmal das ist, was wirklich zählt. Was man berücksichtigen müsste, ist die Photodynamik.«
Mir fällt die Kinnlade herab, da mir zu Recht die Worte fehlen.
»Des Weiteren«, fährt Pax fort, bevor er innehält, um den Rest seines Getränks hinunterzuschütten. »Wenn du dir Hintergrundinfos zu Star Wars anschaust, wirst du feststellen, dass ein Parsec eine Längeneinheit ist, keine Zeiteinheit. Dementsprechend kann man vermuten, dass Han nur Scheiße erzählt hat, um wichtig zu klingen, anstatt die tatsächlichen technischen Eigenschaften des Millenium Falken aufzuzählen.«
»Wow«, murmle ich noch immer vollkommen verblüfft. »Alkohol macht mich eindeutig dumm und außerdem bist du ein totaler Nerd«, necke ich ihn und lasse die Überraschung in meiner Stimme mitschwingen. »Ich meine, ich weiß, dass du klug bist, aber du bist ein Nerd.«
»Halt die Klappe«, sagt Pax lachend.
»Weiß das sonst noch jemand oder bist du vollkommen ungeoutet?«, frage ich mit gespielter Unschuld.
»Ich bin kein Nerd. Star Wars ist totaler Mainstream«, behauptet er.
»Ja, aber zu wissen, dass ein Parsec eine Längeneinheit und keine Zeiteinheit ist, ist nicht Mainstream.«
»Hast du Hunger?«, fragt er und lenkt so vom Thema ab, anstatt meine Aussage zu würdigen.
Mein Magen knurrt bei der Frage.
»Ich verhungere« sage ich, stehe auf und schwanke auf meinen Beinen. »Verdammt, ich bin viel zu betrunken.«
Pax erhebt sich elegant. Er hatte mindestens genauso viel wie ich, aber er verträgt Alkohol eindeutig besser. Er legt seinen Arm um meine Schultern und zieht mich an ihn. Mein ganzer Körper erhitzt sich bei dem Kontakt.
»Es gibt einen unfassbar guten Burrito-Laden auf der anderen Straßenseite. Komm mit.«
Pax
Wessen Idee auch immer es war, einen nachts geöffneten Burrito-Laden zwischen all den Bars der Straße zu eröffnen, war eindeutig ein Genie. Ich habe keine Ahnung, ob die Burritos überhaupt gut sind, da ich noch nie nüchtern einen gegessen habe, aber ich weiß, dass sie nach den Unmengen an Alkohol genau das Richtige sind.
»Was schmeckt hier denn?«, fragt Einstein und schaut hoch zur Speisekarte, während er hin und her schwankt.
»Setz dich, ich hole das Essen.«
Er taumelt zum nächsten Tisch, ohne zu protestieren, und ich gebe unsere Bestellung auf. Während ich darauf warte, dass unsere Burritos fertig sind, behalte ich ihn im Blick. Es wird schnell klar, dass ich nicht der Einzige bin, der glaubt, dass er verdammt süß ist. Ein Tisch voll Männer, die aus dem Twisted Cherry kommen, beäugen ihn und tauschen, da bin ich mir sicher, anzügliche Kommentare. Ich frage mich, welcher der Jungs an dem Tisch sein Typ wäre – oder ob es überhaupt einer wäre. Theo hat mich immerhin darum gebeten, ihm dabei zu helfen, Kontakte zu knüpfen, deshalb ist dieser Gedanke wichtig. Das sage ich mir zumindest.
Sobald unser Essen fertig ist, schnappe ich mir die Tabletts und trage sie zu unserem Tisch.
»Hier, für dich, kleiner Nerd«, sage ich und stelle sein Tablett vor ihm ab. Er schaut mich stirnrunzelnd an.
»Erinnerst du dich an meinen Namen?«, fragt er misstrauisch.
»Elijah«, schnurre ich. Der Alkohol in meinem Blut entfesselt meine flirtende Seite mit voller Kraft. Aber ich weigere mich, mich näher damit zu beschäftigen, wie sein Name von meiner Zunge rollt oder wie süß er ist, wenn seine Wangen sich röten.
»Oh«, sagt er schüchtern, greift nach seinem Burrito und beginnt zu essen, ohne noch etwas zu sagen.
»Das hat Spaß gemacht; das sollten wir wiederholen«, erkläre ich, während ich mich über meinen eigenen Burrito hermache. Die Worte sind auch für mich überraschend, aber sobald sie über meine Lippen kommen, erkenne ich, dass es die Wahrheit ist. Nachdem er etwas lockerer geworden ist, war es eine lustige Nacht, obwohl ich am Ende niemanden aufgerissen habe, um ihn mit nach Hause zu nehmen.
»Sich betrinken und Burritos essen?«, fragt er.
»Es muss nicht exakt das hier sein, aber so das allgemeine Konzept – abhängen, was trinken, essen, eine Bindung aufbauen, die man irgendwann vielleicht Freundschaft nennen kann.«
Und da ist die Röte wieder.
»Ja, das klingt gut«, stimmt er zu, die Augen fest auf sein Essen gerichtet, während sich ein schüchternes Lächeln auf seine Lippen schleicht.
»Gut.«