Читать книгу Mao und das Vermächtnis von Atlantis - Mario Klotz - Страница 13
Seltsame Botschaft
ОглавлениеMao schwitzte so stark, dass ihm eiskalt wurde, trotz der dicken Decke, die über seinen Körper ausgebreitet lag. Die Träume ließen ihn unruhig über das Bett hin und her wälzen. Seine Augen zuckten stark und auf seiner Stirn breitete sich eine dicke Falte aus.
„Nicht!“, brüllte er aus Leibeskräften, obwohl er sich noch im Land der Träume befand.
Jak kam soeben an seiner Zimmertür vorbei und hörte den Schrei. Besorgt stürzte er in das Innere und fand Mao schweißgebadet vor.
Ohne zu zögern weckte er seinen Freund sanft. Verwirrt wachte dieser auf und starrte mit riesigen Augen in sein Gesicht. Mao erkannte ihn jedoch nicht. Für ihn wirkte es, als ob er in das Gesicht der jungen Frau blicken würde. Jene mysteriöse junge Frau, die ihm einst in der Ruine seines Elternhauses erschien war.
Erst nach und nach realisierte er, wo er sich befand und musste sich erst beruhigen.
„Was war los?“, fragte Jak besorgt.
Mao saß aufrecht in seinem Bett, zuckte ratlos mit den Schultern und blickte nachdenklich ins Leere. Seine Finger zitterten vor Aufregung. Er konnte nicht antworten, da er es nicht wusste und das war das Schrecklichste an der ganzen Sache.
„So schlimm wie heute war der Traum noch nie. Das ist das Einzige, was ich weiß!“, war die trostlose Antwort des Jungen und sein Blick wirkte verzweifelt.
„Soll ich hierbleiben oder willst du mit runter kommen?“, hakte Jak nach. Er wollte den Jungen nicht allein lassen.
„Ich mach mich nur kurz frisch und komm sofort nach!“, versprach Mao und schlüpfte aus dem Bett.
In seinem Kopf stellte er sich immer wieder die Frage, was sich in seinen Träumen abspielte und woher diese schrecklichen Albträume rührten. Doch er fand keine Antwort.
Jak bestand darauf, auf ihn im Zimmer zu warten. Nachdenklich hob der ältere Mann den blauen Umschlag auf, da er sich nochmals die Zeilen von Ori durchlesen wollte.
Dabei bemerkte er einen weiteren Umschlag, dessen rotes Siegel noch unversehrt war. Mit erhobenen Augenbrauen drehte er den grauen Umschlag in seiner Hand hin und her und begutachtete ihn. Vor allem das Siegel erweckte seine Neugier. Darauf war eine Schlange zu erkennen, die sich um einen Apfel schlängelte.
Er drehte sich zu Mao und erkundigte sich neugierig: „Was ist in dem Umschlag?“
Der Junge drehte sich zu Jak. Verwunderung spiegelte sich auf seinem Gesicht. Als er den Umschlag in den Händen von Jak bemerkte, meinte er verdutzt: „Woher hast du den?“
„Er lag unter dem Blauen!“, erklärte der ältere Mann.
„Was?“, wunderte sich Mao erstaunt und befahl: „Aufmachen!“
Jak folgte der Order, brach das rote Wachs auf und holte ein zerknittertes und eingerissenes Stück Pergament hervor. Als er die Zeilen überflog, gab er einen erstaunten Laut von sich und meinte: „Ich fresse einen Besen…!“
„Was ist? Los, lies bitte vor!“, verlangte Mao rasch.
Jak überreichte die Nachricht und Mao blickte auf folgende Zeilen:
„Achtung Mao, du bist in großer Gefahr! Mit dir wird ein übles Spiel gespielt, ohne dass du davon etwas mitbekommen hast.
Nichts ist so, wie es dir vorgegaukelt wurde. Du gehst gerade jemandem auf den Leim, der nicht das ist, was er vorgibt zu sein.
Ich warne dich! Du umgibst dich mit dem Bösen, mit dunklen Mächten und Dämonen und schwebst in Lebensgefahr. Ich weiß noch nicht warum du in diese Sache hineingezogen wurdest, doch die Situation ist sehr gefährlich. Traue niemandem!
Such auf keinen Fall nach dem Vermächtnis, es birgt ein schreckliches Geheimnis, vor dem ich dich und den Rest der Menschheit bewahren muss. Es darf auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen und SIE dürfen es schon gar nicht in die Finger bekommen! Pass auf dich auf!
Ein wahrer Freund.“
„Was?“, rief der Junge und dabei überschlug sich seine Stimme.
Mao konnte es nicht fassen und blickte seinen Freund verdutzt an und fragte: „Was soll das?“
Jak sah ihn ratlos an und überlegte. Mao fielen weitere Fragen ein, auf die er keine Antworten fand: „Wer hat die Warnung für mich geschrieben und wie kam sie in das Zimmer?“
Auch auf diese Fragen konnte Jak nur mit den Schultern zucken und meinte: „Wir werden es wohl so schnell nicht erfahren. Deshalb sollten wir auf der Hut sein. Und nun lass uns runtergehen.“
Während sie in das Wirtshaus schlenderten, hatte Mao für eine der Fragen, die durch seinen Kopf schwirrten, eine Antwortmöglichkeit: ‚Vielleicht habe ich den Umschlag selbst mit dem Blauen von Ori mitgenommen. Es könnte ihn vorher jemand in die Tasche des Pferdes gesteckt haben. Aber wer und woher weiß der Unbekannte, dass ich in Gefahr bin? Er kennt sogar meinen Namen und behauptet ein wahrer Freund zu sein.‘
Da all die Grübelei nichts half begaben sie sich auf den Weg nach unten. Im Wirtshaus herrschte reger Betrieb. Bän saß mit einem älteren Mann, den Mao nicht kannte, an einem Tisch und unterhielten sich. Deshalb beugte er sich zu Jak und erkundigte sich: „Wer ist das?“, und deutete auf den Unbekannten.
Dieser saß lässig auf einen Sessel, seine dunkelbraunen Haare hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden, wodurch seine zu groß geratene Nase noch größer wirkte.
Es war seltsam. Mao hatte kaum Vorurteile gegenüber andere Menschen, doch auf den ersten Blick war ihm dieser Mann unsympathisch und er fand ihn narzisstisch. Und der Junge sollte recht behalten.
Während er den Mann musterte, klärte Jak ihn auf: „Das ist Aro. Er ist der Bruder der Wirtin und ist auf Besuch hier. Wir haben ihn während unseres Ausfluges kennengelernt.“
„Aha!“, äußerte der Junge und zeigte sein Desinteresse an dem Mann.
„Hallo Mao!“, rief ihm sein Freund zu: „Šchade, dašš du nicht mitgekommen bišt, eš hätte dir šicherlich šehr gefallen.“, bedauerte dieser.
„Jaja!“, murmelte Mao und ließ dabei Aro nicht aus den Augen. Dieser erwiderte seinen Blick, doch keiner der beiden wollte sich zuerst vorstellen. Es wirkte, wie ein schweigender Machtkampf.
Bän bemerkte von all dem nichts und stellte die beiden gegenseitig vor.
Der Junge hoffte in diesem Moment, dass sein Freund nichts von ihren Erlebnissen oder Vorhaben gegenüber Aro erwähnt hatte. Zögerlich reichten sie sich die Hand zur Begrüßung.
„Hab ich soeben etwas von Rosen gehört?!?“, nahm Jak das Gespräch auf, um die seltsame Atmosphäre etwas aufzulockern. Als er sich setzte, wanderten seine Augen zu dem unsympathischen Mann.
„Nein, wir sprachen doch nicht über Rošen. Aro hat mir šoeben etwaš über daš Reiten beigebracht. Wie man bequemer im Šattel šitzt. Šehr hilfreich für mich und vor allem für mein Hinterteil!“, scherzte Bän.
„Ach so! Fein, fein!“, schmunzelte Jak.
„Was wollen Sie trinken?“, unterbrach sie Ela, die sich nun ihrem Tisch zuwandte.
Nachdem die beiden bestellt hatten, widmete sich die Tochter des Hauses den nächsten Gästen zu.
Aro ergriff wieder das Wort und gab zum Besten, was er alles über das Reiten wusste. Er sprach so arrogant, dass Mao nicht mehr zuhören konnte und sich wegdrehte und seine Aufmerksamkeit etwas Anderem widmete.
Seine Augen blickten von Tisch zu Tisch und er beobachtete einige Gäste, die sein Interesse geweckt hatten, etwas genauer.
Da war eine uralte Frau, die ganz alleine an einem Tisch in der finstersten Ecke saß und leise vor sich hin murmelte. Sie wirkte angsteinflößend und Mao dachte: ‚Dieser Frau möchte ich nicht allein in der Nacht begegnen!‘
Diesen Eindruck verursachten das pechschwarze verfilzte Haar, das unter einem dreckigen Kopftuch hervorquoll, die ekelige Warze auf der Nase und vor allem die kalte Aura, die sie ausstrahlte.
Ein paar Tische weiter hockte ein dicker Mann mit langem schwarzem Haar, der die ganze Zeit heimlich Wip beobachtete. Immer wenn sich der Hausherr in seine Richtung drehte, tat der Gast so, als ob er seine Fingernägel bearbeiten würde. Was Mao ebenfalls irritierte, war, dass er alleine einen Tisch besetzte.
Hinter ihm befand sich ein Tisch, der voll besetzt war. Wenn sich der Junge nicht täuschte, umrundeten den Tisch Aristokraten. Sie waren ein eigenartiges Volk, das jedoch sehr vermögend war. Er hatte gehört, dass es in der Stadt ein eigenes Aristokratenviertel gab, da diese Menschen nur unter Ihresgleichen bleiben wollten. In ihre Kreise wurde man nur aufgenommen, wenn man den richtigen Wohlstand und das richtige Ansehen besaß.
Alle unterhielten sich aufgebracht und es war nicht zu überhören, dass sie eine hitzige Diskussion führten. Einer von ihnen beschwerte sich, dass eine kostbare Jadestatue, die eine Frau ohne Hände darstellte, gestohlen worden ist. Die anderen sprachen aufgebracht auf den Mann ein.
Nur einer von ihnen wirkte geistesabwesend. Er integrierte sich nicht in das Gespräch, sondern hielt sich absichtlich zurück. Seine Augen waren auf ein Ziel gerichtet, das er nicht außer acht ließ.
Als Mao dem Blick folgte musste er lächeln. Der Mann schien sich in Ela verguckt zu haben. Es fiel ihm auch der Streit bei ihrer Ankunft wieder ein. Wenn Mao sich nicht täuschte, war er der andere Mann, der bei ihrer Ankunft in die drohende Eskalation verwickelt war. Dieser Sig wollte ihm mit der Faust ins Gesicht schlagen und er hätte es getan, wenn der Wirt nicht dazwischen gegangen wäre. Den Grund des Streits hatte der Junge aber nicht erfahren.
Mao beobachtete nun das hübsche Mädchen. Ela legte gerade eine Pause ein und trank Wasser. Bei all dem Wirbel im Wirtshaus schien sie einen Tagtraum zu haben. Ein zufriedenes Lächeln spiegelte sich auf ihrem Gesicht wieder, während ihr Blick ins Leere starrte und sie sich kurz verträumt über ihren Bauch strich.
„Waš meinšt du dazu, Mao?“, nahmen seine Ohren von Weitem wahr und als er nicht reagierte, schupste ihn jemand von der Seite an.
„Hallo Mao! Waš išt mit dir?“, erkundigte sich Bän verunsichert und wollte ihm einen weiteren Stups verpassen.
„Äh, was wolltest du wissen?“, hakte Mao nach, da er keine Ahnung hatte, worüber die anderen gesprochen hatten. Doch sein Freund kam nicht dazu, ihm eine Antwort zu geben, denn plötzlich geschah etwas, mit dem keiner gerechnet hatte.