Читать книгу Mao und das Vermächtnis von Atlantis - Mario Klotz - Страница 15
Maos Zusammenbruch
ОглавлениеAro hatte nun auch die Aufmerksamkeit von Mao. Seine Augen fixierten den Jungen direkt, als er schilderte: „Es ist noch nicht so lange her. Ich selbst war jedoch nicht dabei - meine Schwester hat es mir erzählt. Zuerst hab ich ihr nicht geglaubt. Doch als es mir weitere Gäste bestätigten, musste ich mir eingestehen, dass vielleicht etwas Wahres dahinter stecken musste. Und nach diesem Vorfall eben, bin ich mir sicher.
Die alte Hexe, wie sie hinter ihren Rücken genannt wurde, hatte schon einmal so einen Anfall gehabt. Er wurde mir genauso geschildert, wie es sich eben zugetragen hat. Ich muss zugeben, dass ich total erschrocken war, als sie angefangen hatte zu kreischen. Genau wie in den Berichten.
Damals hatte sie ebenfalls den Tod vorhergesagt. In jener Nacht hat sich ein Gast in den Weinkeller geschlichen. Er wurde am nächsten Morgen erhängt vorgefunden. Das Schaurigste kommt allerdings erst.
Den Hocker, den der Mann benutzt hatte, befand sich auf seinem ursprünglichen Platz auf der anderen Seite des Raums. Seine Fußabdrücke waren jedoch deutlich darauf zu erkennen. Die Fenster und die einzige Tür waren jedoch von innen verschlossen.
Und deshalb rate ich euch, nicht darüber zu scherzen und Witze zu reißen, ihr solltet die dunklen Mächte nicht herausfordern.“
„Solche Geschichten gibt es überall und meistens stellen sie sich als Hirngespinst heraus. Andererseits habe ich selbst schon viele unerklärliche Phänomene miterlebt und deshalb würde auch ich mich hüten, darüber zu scherzen.“, riet auch Jak.
Mao gab keinen Laut von sich, er hatte soeben etwas Fürchterliches entdeckt. Etwas, das sein Herz bis zum Hals schlagen ließ. Er fühlte sich wie in einem Albtraum, der wahr geworden ist. Es traf den Jungen deshalb wie ein Keulenschlag, da er nicht damit gerechnet hatte.
Mit traurigen Augen drehte er sich nochmals um und beobachtete den Tisch, der sich auf der anderen Seite hinter seinen Rücken befand. Dieser war ihm bis jetzt entgangen.
Er wollte sicher sein, dass er sich nichts Falsches einbildet hatte. Nun bekam er die Gewissheit, dass es tatsächlich so war, wie er es beim ersten Blick aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte!
An dem Tisch saßen zwei Männer und ein Mädchen. Es handelte sich um Ros, die er bis eben nicht bemerkt hatte. Er glaubte bis zu diesem Zeitpunkt, dass sie sich in ihrem Zimmer befand und sich schlafengelegt hatte. Nun wurde er jedoch eines besserem belehrt!
Doch das wäre alles nicht so schlimm gewesen. Das herzbrechende war für Mao das Verhalten des Mädchens, in das er sich so verliebt hatte.
Ros strahlte über das ganze Gesicht. Ihre rehbraunen Augen leuchten vor Freude und Glück. Sie war so wunderhübsch anzusehen, dass Mao nicht mehr wegsehen konnte.
Zugleich breitete sich ein seltsames Ziehen in seiner Brust aus, das ihn fast in Ohnmacht versetzte.
Dieser Schmerz in seiner Brust, diese Leere im Herzen, er konnte sich nicht mehr lange zurückhalten. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte er gegen die Tränen an. Eifersucht und Liebeskummer überschwappten seinen Körper und es quälte ihn mehr, als jeder körperliche Schmerz es vermochte.
Er musste mit ansehen, wie das Mädchen, das er über alles liebte, immer näher zu einem anderen Mann rückte, während sie sich liebevoll unterhielten und sich gegenseitig anlächelten.
Mit geröteten Augen beobachtete er, wie Ros nach der Hand des Mannes griff und sie zärtlich berührte.
‚Ach, sie ist so süß!‘, dachte er und Bilder eines Kusses breiteten sich in seinen Gedanken aus. Nun wurde es zu viel für den Jungen! Er hielt es nicht mehr aus.
Hastig sprang er auf und entschuldigte sich murmelnd. Er war noch nicht einmal bei der Tür angekommen, als dicke Tränen der Trauer und des Schmerzes über seine Backen kullerten. Der Schmerz in seiner Brust drückte ihm die Luft ab, der Stich in seinem Bauch ließ ihn beinahe erbrechen. Seine Gedanken kreisten nur noch um Ros.
Bän bemerkte erst jetzt, dass sich sein Freund seltsam verhielt und eilte ihm nach. Doch als er vor die Tür trat, war Mao bereits verschwunden.
Voll Sorge sprang Bän Stufe für Stufe nach oben und klopfte an die Zimmertür seines Freundes: „Waš išt mit dir, Mao?“
Mao musste sich konzentrieren, damit seine Stimme nicht weinerlich und bebend klang und meinte nur: „Bin müde!“
„Kann ich dir irgendwie helfen?“, ließ Bän nicht locker. Er spürte, dass etwas mit seinem Freund nicht stimmte.
„Nein, ich brauche nur Ruhe. Amüsiere dich bitte weiter und sorg dich nicht um mich, ich brauche nur etwas Schlaf!“, log Mao.
„Okay, aber wenn du mich brauchšt, hol mich!“, bot sein Freund an.
„Gut, danke!“, erwiderte Mao. Als der Junge bemerkte, dass sein Freund nicht mehr vor der Tür stand, lehnte er sich gegen die Wand und sank zu Boden.
Den Kopf auf seinen Knien und die Arme um die Beine geschlungen, wippte er langsam vor und zurück. Nun überkamen Mao alle Gefühle: Trauer, Wut, Eifersucht und die innere Einsamkeit.
Am meisten setzte ihm jedoch der Schmerz des Verlustes zu. Die Ungerechtigkeit des Schicksals, des Lebens - oder wie man es immer nennen will - dass Ros nicht wie er fühlte, zu ihr hingezogen, vertraut, wohl und glücklich in ihrer Umgebung.
Zitternd am ganzen Körper schossen die Tränen aus seinen Augen. Ihm war schlecht und schwindelig, seine ganze positive Kraft war wie verflossen.
Wie hunderte Nadelstiche spürte er den Schmerz in seiner Mitte und die unendliche zerstörerische Leere in seinem Bauch. Die innerliche Kälte breitete sich auf seinen ganzen Körper aus.
Völlig erledigt musste der Junge alles langsam verdauen. Noch am vorherigen Abend hatte er Ros beobachtete. Das Mädchen war einfach zuckersüß anzusehen, als sie vor dem Kamin saß und auf ihrer Flöte spielte. Nun verdrängte das Bild, als sie mit einem glücklichen Lächeln verliebt in die Augen eines Fremden blickte und sie zärtlich seine Hand streichelte, die Erinnerungen.
Mao ärgerte sich am meisten über sich selbst: Wie konnte er nur glauben und hoffen, dass Ros auch in ihn verliebt sei?!?
Eigentlich hat er es schon immer geahnt, doch er wollte es nicht wahrhaben. Er träumte weiter von einer gemeinsamen Zukunft - doch nun zerriss die brutale Wahrheit seine Hoffnungen.
All seine Träume und Pläne, die er für sie geschmiedet hatte, die ihm Wärme und Kraft schenkten, waren von einem Moment auf den anderen vor seinen Augen zerbröckelt. Er fühlte sich plötzlich mutterseelenallein.