Читать книгу Mao und das Vermächtnis von Atlantis - Mario Klotz - Страница 34
Im Schatzraum der Schätze
ОглавлениеTekk befand sich noch immer in der Vorhalle der Zitadelle, in dem sich die Schatzkammer des keltischen Häuptlings befand. Er überlegte, ob er die Übung erledigen oder sich auf eigene Faust umsehen sollte. Doch dies ließ er lieber bleiben, da er bemerkte, wie die Wächter ihn im Auge behielten.
Deshalb stellte er den Klotz aus Ton auf einen wuchtigen Tisch, der an einer Wand stand. Konzentriert fuhr er sich durch seine grellorangen Haare und atmete einmal tief durch und versuchte aus dem Ton einen Raben zu formen. Er sammelte seine druidischen Kräfte und startete den ersten Versuch, doch nichts geschah.
‚Ich muss meine Kraft besser bündeln!‘, schoss es ihm energisch durch den Kopf. Der Wiggo schloss seine Augen und stellte sich seinen Raben vor. Augenblicklich tauchte vor seinem geistigen Auge der Klotz aus Ton auf.
Nun bemühte er sich seine Aufmerksamkeit darauf zu legen, was von dem Ton weg musste, um die Form eines Raben zu erhalten. Der Junge konzentrierte sich so sehr, dass ihm Schweißperlen auf die Stirn traten.
Als er seine Augen öffnete, erkannte er, dass etwas von dem Tonwürfel abgebröckelt war. Mit einem erleichterten Lächeln im Gesicht genoss er seinen Teilerfolg.
Tekk legte seine Hände auf den Ton und begann von vorne. Er spürte direkt, wie unter seinen Fingern die Teile wegbrachen, und als er seine Gedanken beendet hatte, öffnete er seine Augen und bewunderte die kleine Statue. Sie war kein Meisterwerk, jedoch sehr gut gelungen, fand der Junge.
Er blickte zu der Tür, durch die der Fürst verschwunden war und wartete darauf, dass dieser zurück kam. So stand er eine Weile da, doch Anuk kam nicht zum Vorschein. Deshalb begab er sich auf die Suche nach ihm. Vielleicht hatte er noch eine Übung für den Jungen parat.
Schnell hastete er die Treppe nach oben und spürte die bohrenden Blicke der Wächter in seinem Rücken, doch zum Glück hielt ihn keiner auf. Erleichtert erreichte er die Tür und öffnete sie. Dahinter erstreckte sich eine große Halle, in der sich hunderte große Regale befanden, in denen sich Bücher und Pergamentrollen dicht nebeneinander drängten.
Der Raum strahlte in allen Farben und Tekk spürte, dass er voller Magie war. Dies ging von dem Fürst der Druiden aus, auf den Tekk nun seine ganze Aufmerksamkeit richtete.
Anuk stand mit dem Rücken zum ihm, so dass er das Eintreffen des Jungen nicht bemerkt hatte. Seine Haare und sein Umhang flatterten durch einen heftigen Wind. Die mächtigen Fenster der Halle waren jedoch verschlossen. Der Wind und das Licht strahlten von einer Kristallkugel aus, die vor dem Fürst auf dem Tisch lag.
Anuk befand sich in einem Freudetaumel. Er streckte beide Hände nach oben und hatte die Finger zu seiner Faust geballt. Überglücklich rief er die Worte: „Endlich, nach all der Zeit, hab ich es gefunden!“
Plötzlich bemerkte Anuk, dass er nicht mehr alleine war. Er warf ein Tuch über die Kugel und drehte sich energisch um. Sofort erlosch die Magie im Raum. Von dem Licht und dem Wind war keine Spur mehr zu erkennen. Die Halle wirkte plötzlich düster und grau.
„Was tust du hier?“, erklang die wütende Stimme seines Meisters. Tekk bemerkte, dass Anuk sehr verärgert über sein Auftauchen war. Erschrocken blickte er ihn an und brachte kein Wort hervor.
Anuk sprach voll Zorn weiter: „Hab ich dir nicht eine Aufgabe gegeben und dir erklärt, dass ich mich konzentrieren muss.“
Da der Junge keine Antwort wusste, hob er schnell die Hand, in der er den Raben hielt.
„Was?“, rief der Fürst überrascht, als er das Tier aus Ton bemerkte: „Du bist bereits fertig!“, und fügte schmunzelnd hinzu: „Du erstaunst mich immer wieder!“
Die Wut des alten Mannes war verflogen und er lächelte den Jungen an, worüber dieser sehr erleichtert war.
Anuk entfernte das Tuch und steckte es in seinem Habit ein. Die Kristallkugel hielt er zu der Spitze seines Druidenstabes. Tekk konnte kaum glauben was er nun sah. Die Äste des Stabes flochten sich um die Kugel und alles verschmolz ineinander. Nun griff der Fürst nach dem Ring, der sich auf dem Tisch befand, auf der die Kristallkugel gelegen war und steckte diesen auf seinen Mittelfinger.
Tekk hatte den Ring schon mehrmals bemerkt, doch schenkte ihm bisher keine Beachtung. Nun nahm er ihn jedoch genauer in Augenschein und erkannte die druidischen Symbole darauf, während Anuk sprach: „Nun gut! Wenn du schon einmal hier bist, dann heiße ich dich herzlich willkommen, im Schatzraum der Schätze.“
Tekk blickte sich um und meinte etwas enttäuscht: „Ich dachte, hier befindet sich Gold und Schmuck, oder so etwas.“
„Das gibt es auch in den Räumen nebenan. Aber diese Halle ist für mich der wertvollste Ort von allen. Materieller Reichtum macht vielleicht kolossal, aber Wissen verleiht Macht. Und in diesen Regalen findest du das bedeutendste Wissen, das es überhaupt gibt. Hier befinden sich Briefe, Bücher, Papyrusrollen und Manuskripte, von den wichtigsten Menschen unserer Geschichte. Darin stehen Dinge, von denen wir nichts wissen, ja nicht einmal davon zu träumen wagen. Es heißt nicht umsonst, Wissen ist Macht. Deshalb müssen wir dankbar sein, denn auch das Wissen der Druiden ist das, was uns mächtig macht.“, äußerte der Fürst und seine Augen begannen dabei vor Ehrerbietung zu funkeln.
Tekk hörte jedoch nur mit einem Ohr zu. Seine Gedanken kreisten um die Situation, wie er in den Raum gekommen war. Was war das für ein Experiment, das Anuk durchgeführt hat? Was hat er nach all der Zeit gefunden? Doch danach fragen traute er sich nicht, er war froh, dass der Wutanfall so schnell verflogen war.