Читать книгу Am Anfang war Ägypten - Michael Höveler-Müller - Страница 48
Horus-Seth Chai-sechemui (ca. 2734–2707 v. Chr.)
ОглавлениеSeth Peri-ib-sens Nachfolger und vielleicht auch dessen Sohn verbindet nun die beiden getrennten Mächte wieder in seiner Person. Dazu schafft er einen weiteren einmaligen Titel, in dem nun beide Wesenheiten miteinander vereint waren: Horus-Seth Chai-sechem (Die Macht erscheint), den er bald leicht aber bedeutungsvoll zu Chai-sechemui (Die Beiden Mächte erscheinen) variiert. Der häufige Beiname Nebui-hetep-em-ef (Die beiden Herren sind in ihm zufriedengestellt) unterstreicht das Ergebnis, das der König durch seine Politik erreicht hat. Versöhnt der erste Herrscher der Dynastie noch laut seines Namens die beiden Mächte Horus und Seth, erscheinen sie rund 150 Jahre später zufriedengestellt in und durch die Person des Chai-sechemui.
Die erste schwere Krise des ägyptischen Königtums ist überwunden, doch sie hat einen hohen Preis gefordert. Zwei sitzende Statuetten des Königs stammen aus Hierakonpolis und sind die ersten Königsplastiken, deren Herkunft gesichert ist. Sie zeigen Chai-sechemui thronend mit eng anliegendem Mantel und Weißer (oberägyptischer) Krone. Seine rechte Hand ruht, zur Faust geballt, auf seinem rechten Knie; die linke Hand liegt in der Beuge des rechten Arms. Eine der Figuren befindet sich heute in Oxford und ist aus Kalkstein gearbeitet (Ashmolean Museum, Inv.-Nr. E 517), die andere ist aus grünem Schiefer und in Kairo ausgestellt (Ägyptisches Museum Kairo, JE 32161). Auf beiden Basen sind schmerzhaft verrenkte bzw. leblose Körper von Besiegten eingeschnitten, die als Feinde des Nordens bezeichnet sind. Zahlenangaben der Gefallenen sind an beiden Statuetten angebracht und nennen einmal 48.205 (Oxford) und auf der anderen Figur 47.209 – es ist möglich, dass die Statuen zu zwei verschiedenen Anlässen gestiftet werden, um für den Sieg nach zwei Schlachten zu danken. In diesem Fall wären während der Kriege fast 100.000 Gegner gestorben, was bei einer geschätzten Gesamtbevölkerung von knapp unter einer Million 10 % der Einwohner ausgemacht hätte. Ein Jahr trägt unter Chai-sechemui sogar den vielsagenden Namen Jahr des Kampfes gegen die nördlichen Feinde, womit die Darstellungen an den Statuen als historisch anzusehen sind.
Abb. 11 Abydos. Das Grab des Chai-sechemui (2. Dynastie) in Umm el-Qaab vereint die abydenische Tradition des Kammergrabes mit der Idee des in Saqqara neu entwickelten Galeriegrabes. Im Hintergrund ist der in Abydos beherrschende Wadi-Ausgang zu erkennen, in dem die frühen Ägypter den Eingang ins Jenseits vermutet haben dürften.
In Abydos befindet sich ein Grab aus Lehmziegeln, das Chai-sechemui im ersten Friedhof der Pharaonen bei Umm el-Qaab anlegen lässt (Abb. 11). In einer ersten Bauphase ist diese Anlage der seines Vorgängers nicht unähnlich, doch es folgen Erweiterungen durch zahlreiche nördliche und südliche Magazintrakte und auf diese Weise wird das in Saqqara entwickelte Galeriegrab in verkleinertem Maßstab in die Nekropole von Umm el-Qaab übertragen. Die Sargkammer ist mit Kalkstein ausgekleidet, doch vermutlich ist der König niemals in dieser Anlage beigesetzt worden und nutzt sie als Scheingrab (Kenotaph) im heiligen Friedhof seiner Vorfahren und Vorgänger. Das Lehmziegelgrab dient, ebenso wie der gewaltige Talbezirk – der noch heute, etwa 4700 Jahre nach seiner Errichtung, eine Höhe von bis zu 11 m besitzt (Abb. 9) – nur einer ideellen Scheinbestattung. Das Königsgrab von Chai-sechemui dürfte ein Galeriegrab gewesen sein, das in Saqqara, unmittelbar westlich der Pyramide seines Nachfolgers und vielleicht Sohnes Djoser, in der Nachbarschaft der übrigen Galeriegräber der 2. Dynastie (Abb. 10, 12) zu suchen ist.