Читать книгу Ich bleib noch ein bissl - Otto Schenk - Страница 8
Vorwort
ОглавлениеEs gibt einen Sketch von Gerhard Bronner, der gar nicht zu seinen berühmten Sketchen gehört, aber für mich ein prägendes Wort enthält.
Der Sketch beginnt so: Ein mäßig begabter Komponist und ein Begleiter sollen ein Couplet – oder ein Chanson – liefern. Die zwei müden Herren treffen sich, einer sitzt schon am Klavier, und Bronner fragt seinen Partner: »Host du ein’ Einfall?«
»Nein.«
»Ich auch nicht.«
»Also fang mer an.«
Mit dieser Einstellung bin ich an alle meine Arbeiten herangetreten. Ich hatte keinerlei Einfall und aus tiefer Unlust kam der innere Befehl: »Also fang mer an.«
Der Titel dieses Buches ist eigentlich eine Frechheit. Von wem kann ich verlangen, dass er mich noch ein bissl bleiben lässt? Was ist ein bissl? Was ist überhaupt die verbleibende Zeit? Und das Ganze ist geradezu ein blöder Witz, wenn das bissl, nachdem ich dies hier diktiert habe und das Buch in den Druck kommt, schon vorbei sein sollte. Ich glaube nicht, dass ich es ernst meine mit dem bissl, sondern dieses bissl ist schon eine aparte Zumutung an das Schicksal und eine kokette Bescheidenheit, die nicht ganz aufrichtig ist.
Und »Ich bleib«? Das Bleiben ist ja etwas anderes als leben. Leben tut man doch nur, solange man lebt. Und bleiben tut man manchmal länger als man lebt. Und dann will ich auch nicht nur ein bissl bleiben, wenn ich nicht mehr lebe. Also bleib ich halt noch ein bissl.