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PRÄKAMBRIUM
ОглавлениеVOR ETWA 4,6 MILLIARDEN JAHREN bildete sich die Erde aus einer Wolke interstellaren Staubs. Dies markierte den Beginn eines enormen geologischen Zeitalters, das Präkambrium genannt wird. Damals hätte ein Zeitreisender geglaubt, auf einem fremden Planeten gelandet zu sein. Ein verzeihlicher Irrtum, da der geringe Sauerstoffgehalt der Luft das Atmen unmöglich gemacht hätte und weder Tiere noch Pflanzen vorhanden waren. Vom Weltraum aus betrachtet, gab es die uns heute vertrauten Kontinente nicht; Form und Position der Landmassen waren vollkommen anders.
Das Präkambrium dauerte vier Milliarden Jahre, also achtmal länger als das darauffolgende Phanerozoikum, und war eine Zeittiefgreifender Umweltveränderungen. In den ersten 500 Millionen Jahren war die Erde aufgrund fortgesetzter Meteoriteneinschläge extrem ungastlich. Als der Meteorsturm schließlich nachließ, stabilisierte sich die Oberfläche unseres Planeten. Flüssiges Wasser und Kohlendioxid waren vorhanden, aber der Sauerstoffgehalt war sehr niedrig. Vor wahrscheinlich 3,9 Milliarden Jahren entstand unter diesen Bedingungen das Leben. Allerdings sind die ältesten bekannten Fossilien mit nur 3,45 Milliarden Jahren beträchtlich jünger. Diese winzigen Fossilien ähneln modernen Cyanobakterien und stellen nur eine von vielen Mikroorganismen-Arten dar, die im Präkambrium erfolgreich waren. Biofilme aus Bakterien und Cyanobakterien banden Sediment und bildeten so geschichtete Strukturen, die Stromatolithen. Erst da entstanden Fossilien, die so groß sind, dass man sie leicht erkennt. Die Stromatolithen sind ein Charakteristikum des Präkambriums. Sie erlebten ihre Blütezeit vor etwa 1,25 Milliarden Jahren und sind auch heute noch an bestimmten Orten, wie der Shark Bay in Westaustralien, zu finden.
Bakterien und Cyanobakterien erzeugen ihre Lebensenergie auf unterschiedliche Weisen. Einer dieser Prozesse ist die Photosynthese, bei der Sauerstoff in die Atmosphäre gelangt. Der Sauerstoff, der von Präkambrium-Organismen produziert wurde, wurde anfangs von dem im Meer gelösten Eisen aufgenommen. Das oxidierte Eisen sank in Form der Mineralien Hämatit und Magnetit auf den Meeresboden und bildete dort großflächige Bänder. Viele dieser kommerziell wichtigen Ablagerungen entstanden vor 2,4 Milliarden Jahren während der „Großen Sauerstoffkatastrophe“. Als das Eisen nahezu vollständig gesättigt war, sammelte sich der Sauerstoff im Meer und in der Atmosphäre. Der steigende Sauerstoffgehalt bereitete den Weg für fortgeschrittenere Organismen mit großen, mehrzelligen Körpern, wie Pilze, Pflanzen und Tiere. Die Stromatolithen gingen zurück, da sie von Tieren auf der Suche nach Futter abgeweidet wurden.
Wann genau komplexe Tiere auf der Erde auftraten, ist nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Der Abgleich der Unterschiede in den Molekülsequenzen von heutigen Tieren brachte einige Biologen zu der Überzeugung, dass es Fossilien großer Tiere schon in einer Milliarde Jahre altem Gestein geben müsse. Jedoch stammen die bislang ältesten derartigen Fossilien aus dem Ediacarium (635–542 Millionen Jahre) am Ende des Präkambriums. Zu diesen Funden zählen auch auf wundersame Weise erhalten gebliebene Embryonen und einige seltsam gefaltete größere Fossilien.
Vor 600 Millionen Jahren