Читать книгу Perry Rhodan 118: Kampf gegen die Vazifar (Silberband) - Peter Terrid - Страница 10

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»Wir antworten nicht auf die Funkanrufe!«

Amtranik blickte verdrossen auf das Häufchen Staub in seiner Hand. Es symbolisierte das Ende einer Illusion.

Seine Wut wuchs. Nichts schien ihm mehr gelingen zu wollen. Er hatte mehr damit zu tun, seine kleine Streitmacht funktionstüchtig zu halten, als ihm lieb sein konnte – zum Einsatz gegen die Feinde war es bislang nicht gekommen.

Vergebens seine Hoffnung, mit den Kristallen von Imbus den fatalen Einfluss des Margor-Schwalls zu überwinden. Was der Hordenführer in der Hand hielt, war der Rest seines Kristallbrockens. In den Schiffen der GIR-Flotte sah es nicht anders aus als in der VAZIFAR.

Auf den Holoschirmen sah Amtranik, wie gut die Waffe Armadan von Harpoons noch immer wirkte. Die zuletzt geordnete Formation der Flotte löste sich auf. Immer mehr Schiffe verließen ihren Kurs und legten sich anderen Einheiten in den Weg. Ihre Besatzungen verloren die Orientierung.

Wenn die Orbiter wenigstens die Finger von den Kontrollen gelassen hätten, dann wären die Positroniken eingesprungen, um den Kurs zu halten. Aber so gerieten zwölftausend Einheiten immer mehr zu einer Art Narrenhaus.

Amtranik stieß einen knurrenden Laut aus, als zwei Schiffe kollidierten und von heftigen Explosionen zerrissen wurden.

Zum Glück war das Ziel so gut wie erreicht.

Der Hordenführer kannte dieses System, das ein Stützpunkt der Horden von Garbesch war. Die Bastion lag auf dem zweiten Planeten.

Seit die Flotte ihre Überlichtetappe in Sonnennähe beendet hatte, wurde sie angefunkt. Amtranik dachte nicht daran, die Anfrage beantworten zu lassen.

Wütend schleuderte er den Kristallstaub zur Seite.

»Wir werden unaufhörlich angefunkt«, sagte einer der Unterführer.

»Aber wir schweigen weiterhin«, gab Amtranik zurück. »Ist festgestellt, wer sich auf dem Planeten herumtreibt?«

»GAVÖK-Leute. Es scheint nicht sehr viele Galaktiker auf dem Planeten zu geben.«

»Dann werden wir auf wenig Widerstand stoßen.«

Amtranik sah auf den Ortungsschirm. Es war hässlich, wie die Flotte überall aufbrach und in teils schon chaotisch anmutenden Flugmanövern an Imposanz verlor.

Auch an Bord der VAZIFAR gab es wieder erste Ausfälle. Die Zahl der apathisch und verwirrt Reagierenden wuchs schnell.

Amtranik fluchte.

Je schneller die Flotte landete, umso besser für alle. Weitere Schiffe vergingen in brodelnden Glutwolken.

Vielleicht schon deshalb fieberte der Hordenführer immer mehr dem Moment entgegen, in dem er den Planeten betreten konnte. Die Bastion war einst von den Horden von Garbesch angelegt worden und würde Amtraniks Machtposition erheblich verbessern.

Die Flotte näherte sich dem zweiten Planeten und wurde langsamer. Von einem geordneten Anflug konnte allerdings keine Rede sein. Die Wirkung des Margor-Schwalls wurde deutlicher. Einige Kommandanten ließen wieder beschleunigen, anstatt das Bremsmanöver zu Ende zu führen. Andere leiteten ein Linearmanöver ein und verschwanden mit ihrem Orbiterschiff im Nirgendwo.

Die erste große Einheit stürzte auf den Planeten ab. Ein gewaltiger Blitz schien die dichte Wolkendecke aufzureißen. Nur wenige Kilometer neben dem ersten Einschlag brodelte plötzlich eine zweite Explosionswolke. Weitere Schiffe drangen viel zu schnell in die Atmosphäre ein, fielen wie aufglühende Meteoriten in die Tiefe.

Amtranik schrie seine Befehle, fand aber kaum Gehör. Die Flotte entglitt ihm zusehends. Außerdem musste er schon auf der VAZIFAR eingreifen, und das wurde ihm erheblich erschwert, weil ihm jemand beständig in die Quere kam. Viele seiner Kommandoimpulse wurden von einem verwirrten Besatzungsmitglied manipuliert, und das mit teilweise katastrophalen Folgen.

Schmetternde Schläge hallten durch das Schiff. Für wenige Augenblicke fielen die Absorber teilweise aus, und die Bremsbeschleunigung der VAZIFAR schlug durch. Es gab Verletzte, wahrscheinlich sogar Tote.

Bis Amtranik das Problem in den Griff bekam, war das Flaggschiff der Oberfläche des Planeten schon bedrohlich nahe. Alles sah danach aus, als würde er die VAZIFAR in den Boden rammen – wie etliche andere Keilraumer, deren Landemanöver schon nicht mehr als solche bezeichnet werden konnten.

Amtranik verzögerte mit voller Schubkraft, weit mehr, als nötig gewesen wäre.

Ein unheimlicher Schlag wirbelte das Schiff herum. Die VAZIFAR dröhnte wie eine angeschlagene Glocke. Ein kleines Keilraumschiff schrammte vorbei und sackte steil in die Tiefe.

Der Havarist stürzte praktisch auf der Landebahn der VAZIFAR ab. Amtraniks Flaggschiff würde in die Explosion hineinrasen. Er versuchte auszuweichen, obwohl ringsum Dutzende andere Schiffe im Landeanflug waren, und wusste zugleich, dass er eine weitere Niederlage erlebte. Vermutlich würde er ein Drittel der Flotte einbüßen, und das schmälerte seine angeschlagene Machtposition noch mehr.

Die VAZIFAR sackte tiefer. Irgendein Beeinflusster legte für Sekunden fast alle Steuereinrichtungen lahm.

Dann war es zu spät.

Mit viel zu hoher Geschwindigkeit schlug die VAZIFAR zu Boden.

Nur langsam begriff Amtranik, dass sein Flaggschiff trotz allem weitestgehend unbeschädigt war. In der letzten Phase des Landeanflugs war auch er kaum mehr bei Sinnen gewesen.

Die Laboris und seine Horden-Orbiter kamen langsam wieder zu sich. Amtranik hatte trotzdem Mühe, sich einen Überblick zu verschaffen.

Es sah katastrophal aus, seine Flotte hatte fürchterliche Verluste erlitten. Dabei fielen die beim Absturz explodierten Einheiten weit weniger ins Gewicht als all die schwer beschädigten Schiffe, die sich wohl nie mehr in den Weltraum erheben würden.

Die Wirkung des Margor-Schwalls war verheerend gewesen. Besonders überrascht hatte Amtranik der Umstand, dass sich die Desorientierung diesmal sehr schnell eingestellt hatte. Offensichtlich war die Desorientierung nur am Anfang langsam vorangeschritten, inzwischen trat die Wirkung spontan und sehr schnell auf.

Im Schutz des Planeten war alles wieder anders. Amtranik atmete tief durch. Sein Zustand hatte sich rasch wieder gebessert, auch die Besatzung reagierte wieder normal. Ein Teil der Crew hatte inzwischen das Schiff verlassen und suchte nach Bewohnern des Planeten. Zweifellos hatten die Hordenführer, denen dieses Versteck zu verdanken war, eine Schutztruppe zurückgelassen.

Draußen wimmelte es jedoch von Tieren in den seltsamsten Erscheinungsformen. Amtranik hatte nie eine derart artenreiche Welt gesehen, auf der sich nahezu jede Lebensform ins Bestialische entwickelt hatte.

Vielleicht steckte Planung dahinter. Er zog in Erwägung, dass die Bestien eine Sicherungsmaßnahme der alten Garbeschianer gewesen sein könnten. Traf diese Überlegung zu, war der Planet hervorragend gesichert.

Die Geschöpfe der Vergangenheit setzten den Laboris der Gegenwart jedoch erheblich zu. Es gab die ersten Toten in der Gruppe des Vorbeißers.

Amtranik wollte möglichst schnell die alte Bastion erreichen. Er befahl seine Leute an Bord zurück.

Die Besatzungen aller havarierten Schiffe hatten genug damit zu tun, die mörderische Fauna und Flora zurückzuschlagen. Unablässig wurden die Horden-Orbiter von den Bestien des Dschungelplaneten angegriffen. Der ganze Planet schien sich zum Kampf gerüstet zu haben.

Amtranik ließ die VAZIFAR aufsteigen. Solange er sein Flaggschiff besaß, war der Kampf der Horden von Garbesch nicht verloren.

Die VAZIFAR ging auf Zielkurs, der Bastion des Bestienplaneten entgegen.

»Mir gefällt das alles nicht«, sagte Julian Tifflor.

Sein Gegenüber machte ein nachdenkliches Gesicht.

»Darf ich fragen, was dich beunruhigt, Tiff?«

»Die Ruhe.« Der Erste Terraner machte eine Geste der Ratlosigkeit. »Ich werde misstrauisch, wenn die Dinge sich allzu erfreulich entwickeln.«

»Zum Beispiel?«

Unwillkürlich sah Tifflor zu dem Holoschirm hinüber, der die Position der sechs gigantischen Raumschiffe im Bereich des Solsystems zeigte.

»Es gibt keine Schwierigkeiten mit den Sporenschiffen der ehemaligen Mächtigen«, sagte Mutoghmann Scerp, der erste Mann der GAVÖK.

»Trotzdem ...«

Scerp lächelte. »Punkt zwei?«, fragte er.

Tifflor zögerte kurz. »Jen Salik, der Mann, dem wir das Ende der Orbiter-Krise zu verdanken haben – vorläufig.«

»Was heißt vorläufig?«

»Er kann seine Meinung jederzeit ändern.«

»Ich verstehe dich.« Scerp nickte langsam. »Du hast lange Zeit geduldig und voll Sorge das Messer an der Kehle gespürt. Nun kommt einer, pfeift einmal laut, und das Messer ist verschwunden. Du wirst jetzt von einer ganz normalen Sorge gequält: Wenn dieser Pfeifer stärker ist als die Orbiter, wozu wird er im Zweifelsfall fähig sein?«

»Es geht nicht um mich, es geht ...«

»Ich weiß, dass persönliche Rücksichtnahmen in der Politik fremd sind«, sagte Scerp besänftigend.

»Also gut.« Tifflor lächelte. »Mich überfällt stets Besorgnis, wenn ich eine derartige Machtfülle in einer einzigen Hand sehe. Grundsätzlich bin ich mit der Entwicklung der Dinge mehr als zufrieden. Die Orbiter-Gefahr ist gebannt. Und von Alurus wissen wir, dass es keine Weltraumbeben mehr geben wird – wir werden weder die Sporenschiffe noch die Keilschiffflotten für eine Evakuierung einsetzen müssen. Das alles hört sich sehr viel besser an als noch vor wenigen Wochen, gewiss.«

Der Neu-Arkonide lächelte verhalten. Mutoghmann Scerp kannte Tifflor gut genug, um zu wissen, dass der Erste Terraner sich niemals zu voreiligen Entschlüssen würde verleiten lassen.

»Jen Salik als Einzelner hat eine zu große Machtfülle«, murmelte Tifflor.

»Die hatte Perry Rhodan auch.«

Tifflor schüttelte den Kopf. »Die hatte Perry nicht, jedenfalls nicht unkontrolliert. Wir hatten zu jeder Zeit in den letzten eineinhalb Jahrtausenden eine demokratisch legitimierte Abgeordnetenversammlung, der Perry Rhodan Rechenschaft schuldete und die ihn im Zweifelsfall binnen Kurzem aus Amt und Würden hätte entlassen können. Auch die Macht des ersten Mannes der GAVÖK unterliegt demokratischer Kontrolle. Wer aber kontrolliert Jen Salik?«

Es gab tatsächlich keine Instanz, die Salik kontrollierte.

»Wir werden uns auf das zugleich zuverlässigste und unvollkommenste Kontrollinstrument verlassen müssen, das es gibt«, sagte Scerp zögernd.

»Und das wäre?«

»Jen Saliks Gewissen.«

»Das bleibt abzuwarten.« Tifflor wiegte den Kopf.

In der Sekunde meldete sich die Vermittlung. »Ein Gespräch für Mutoghmann Scerp!«

Die beiden Männer wechselten einen raschen Blick.

»Stellen Sie durch!«, bestimmte Tifflor.

»Endlich!«, rief ein Sprecher. Die Verbindung war nicht stabil genug, die Tonqualität schwankte.

»Ich habe verzweifelt versucht, Sie zu finden, Scerp«, sagte der Sprecher, ebenfalls ein Neu-Arkonide. »Wir sind auf Einmuure.«

»Ich höre«, sagte Scerp.

»Wir haben einen Notruf aufgefangen.«

»Quelle?«

»Bullauge«, antwortete der Sprecher. »Der Name klingt seltsam, stammt aber nicht von mir. Auf dem zweiten Planeten, Shourmager, Zweitname Bestienrummel, unterhalten wir eine Station, schwach besetzt.«

Scerp nickte. Sein Gegenüber hatte die lobenswerte Eigenschaft, seine Informationen kurz und knapp vorzutragen. Scerp und Tifflor mochten solche Gesprächspartner gleichermaßen.

»Zeitweise hatten wir auch zwei Kurierschiffe im Orbit. Eines meldet, eine Flotte von mehreren tausend Einheiten greife Shourmager an. Der größte Teil der Invasionsflotte sei bereits gelandet.«

»Standort?«

»Östlicher Sektor. Von Sol mehr als siebzehntausend Lichtjahre entfernt. Nicht eben der bestbesuchte Bereich der Milchstraße.«

Scerp zwinkerte verblüfft.

»Was gibt es auf Shourmager zu holen?«

»Jede Menge Ärger mit wilden Tieren«, antwortete der GAVÖK-Mann von Einmuure. »In der Meldung ist von keilförmigen Schiffen die Rede.«

»Orbiter!«, sagten Tifflor und Scerp gleichzeitig.

»Mehr Informationen liegen nicht vor.«

»Besteht noch Verbindung?«

»Shourmager antwortet nicht mehr.«

Scerp dankte mit einem Nicken und trennte die Verbindung. Er sah Tifflor an.

»Martappon!«, sagte der Erste Terraner nur.

Die Verbindung war schnell hergestellt. Nach kurzer Zeit erschien ein sehr müde aussehender Jen Salik in der Bildübertragung.

»Was gibt es?« Der ehemalige Klimaingenieur gähnte. Mit beiden Händen fuhr er sich durchs Haar. »Hier ist tiefe Nacht.«

»Tut mir leid«, sagte Tifflor. »Ich habe Neuigkeiten für Sie. Auf einer Welt namens Shourmager findet gerade eine Orbiter-Invasion statt.«

Jen Salik war schlagartig hellwach.

»Das gibt es nicht!«, protestierte er. »Ich habe die Orbiter fest im Griff.«

»Die Nachrichten sind eindeutig. Es soll sich um Tausende von Einheiten handeln.«

Tifflor hatte es nicht anders erwartet, desgleichen Scerp. Salik traf die Feststellung spontan: »Der Garbeschianer und die GIR-Flotte! Wo liegt dieser Planet – in der Nähe des Sonnensystems?«

»Eine völlig unbedeutende Welt in der Eastside, an die achtzehntausend Lichtjahre von uns entfernt.«

»Was will der Garbeschianer dort?«, fragte Tifflor.

»Ich weiß dafür nur eine Erklärung«, antwortete Salik. »Wahrscheinlich müssen wir Shourmager als das Martappon des Garbeschianers bezeichnen – ich kann mir keinen anderen Grund vorstellen, weshalb der Hordenführer mit der gesamten Flotte erscheint.«

Eine bedeutungsvolle Pause entstand.

Seit einigen Tagen wusste Tifflor, dass Amtranik einen geheimen Stützpunkt aufsuchen wollte.

Amtranik hatte den Jagdklub keineswegs übersehen, dafür war er zu vorsichtig. Ihm waren die festungsartigen Gebäude auf dem gerodeten Land sofort aufgefallen, dennoch hatte er die VAZIFAR nicht in unmittelbarer Nähe landen lassen. Er konnte nicht wissen, was für Geheimwaffen möglicherweise existierten.

Aus dem gleichen Grund verzichtete er darauf, das Schiff in dem Tal abzusetzen, in dem er die uralte Bastion der Horden von Garbesch vermutete.

Infolgedessen ließ er die VAZIFAR zwischen beiden Positionen landen – und stand vor den nächsten Fragen. Amtranik war sicher, dass die ungeheure Artenvielfalt des Planeten keineswegs naturgegeben war, sondern eine Abwehrmaßnahme der früheren Hordenführer.

Es war ihm kaum möglich, einfach den Talkessel und die Bastion aufzusuchen, dann hätte er die GAVÖK-Leute aus der Siedlung im Nacken gehabt. Ob sie ihm angesichts der überall lauernden Bestien und der weit verteilten Horden-Orbiter überhaupt gefährlich werden konnten, blieb abzuwarten. Dennoch konnte er nicht sicher sein, dass die GAVÖK nicht dennoch alle Kräfte mobilisierte und zu einem Überraschungsangriff auf die VAZIFAR ausholte.

Die Reihenfolge seines Vorgehens stand also fest. Er musste erst die Siedlung erobern, danach die Verteidiger des Tales besiegen und zuletzt die Bastion aufsuchen.

Er registrierte, dass sich etwas verändert hatte, und überflog die Kontrollen. Nichts Bedeutsames war zu sehen, aber ... Versuchte eine Horde großer Bestien tatsächlich, die VAZIFAR zu umzingeln? Mehr noch, einzelne der Riesentiere nahmen sogar Anlauf und rammten ihre klobigen Leiber gegen den Schiffsrumpf.

Amtranik verließ die Zentrale. Er winkte etliche Laboris hinter sich und befahl ihnen, sich zu bewaffnen. Gleich darauf verteilte er sich auf mehrere Schleusenbereiche.

Der Ring der Bestien war dichter geworden.

Inzwischen hatten sich mehr Tiere gesammelt. Kleine, wendige Räuber fegten blitzschnell heran, sie schnappten nach allem, was ihnen vor die Mäuler kam. Allerdings zogen sie sich auch sehr schnell zurück, als sich zeigte, dass die Laboris noch härter zuschlagen konnten.

Aus der Höhe stürzten gefiederte Jäger herab und vergingen im Sperrfeuer der Verteidiger.

Die gewaltigen Panzerechsen, gegen deren Größe Amtranik sich klein und unbedeutend vorkam, trampelten alles nieder, was ihnen vor die massigen Leiber kam. Zudem bewiesen sie eine erstaunliche Beweglichkeit.

Mindestens einhundert Tiere hatten sich mittlerweile zusammengerottet. Nebeneinander stapften sie auf die VAZIFAR zu.

Doch unvermittelt blieben die Riesenechsen stehen. Nur zwei schoben sich sehr langsam weiter vorwärts.

Amtranik hob seine schwere Waffe.

Erst zehn Schritt vor dem Hordenführer hielten die beiden Echsen an. Eine Zeit lang standen sie da wie erstarrt, dann stießen sie leise, wimmernde Laute aus und sanken zu Boden.

In diesem Moment verstand Amtranik.

Die gepanzerten Riesen waren übrig geblieben von der Wachmannschaft der Bastion. Sie allein hatten die Erinnerung an die Horden von Garbesch bewahrt, in ihren Hirnen war nicht alles in Vergessenheit geraten. Und sie hatten, ein Zeichen ihrer Intelligenz, Amtranik als denjenigen erkannt, dem sie gehorchen mussten.

»Steht auf!«, sagte Amtranik.

Vielleicht waren sie früher erheblich intelligenter gewesen. Davon ging der Garbeschianer aus. Wahrscheinlich hatte man sich mit ihnen verständigen können, doch jetzt reichte ihr Verstand gerade aus, seine Befehle zu verstehen.

Die beiden mächtigen Echsen richteten sich jedenfalls gehorsam auf.

»Bewacht mein Schiff!«, verlangte Amtranik.

Der Anführer der Horde stieß ein ohrenbetäubendes Brüllen aus. Die anderen Giganten setzten sich in Bewegung.

Nur flüchtig dachte Amtranik daran, dass er sich möglicherweise in höchster Gefahr befand. Wer sagte ihm, dass die Kolosse nicht eigene Pläne verfolgten? Er umklammerte die Waffe fester.

Die Panzerechsen umstellten das Schiff. Dabei kamen einige von ihnen dem Hordenführer und den Laboris so nahe, dass ein einziger wuchtiger Angriff genügt hätte, nur ein Herumwerfen ihrer massigen Leiber, um Amtranik und seine Leute zu erschlagen.

Nichts dergleichen geschah.

Die Drachenhorde bildete einen Ring um das Schiff, und aus dem Dschungel kamen weitere Panzerechsen heran und verstärkten den Schutzwall.

Amtranik war durchaus zufrieden. Er zog seine Laboris zusammen und befahl, ihm zu folgen.

»Dass uns das ausgerechnet jetzt passieren muss«, polterte Callon. Der Überschwere war mehr als erregt.

»Niemand kann vorhersagen, wann ein Hyperfunkgerät den Dienst einstellt«, gab Karvist scharf zurück.

Die Stimmung im Jagdklub »Drachenblut« war mehr als gereizt. Nach Schätzungen der Beobachter waren an die 12.000 Raumschiffe entweder schon auf Shourmager niedergegangen oder hingen noch in eigenwilligen Orbits. Angesichts dieser Drohung würden wohl die beiden GAVÖK-Raumer nicht so schnell zurückkehren. Callon hatte Informationen, dass die Schiffe sich vor der Flotte in Sicherheit gebracht hatten. Ob sie wirklich zutreffend waren, vermochte er jedoch nicht festzustellen.

»Wir müssen die Verbindung wieder zusammenflicken«, stellte er mit Nachdruck fest.

»Das weiß ich«, gab der Unither zurück. Seit Stunden versuchte er, das defekte Gerät zu reparieren.

Im Jagdklub war eine illustre Gesellschaft versammelt. Aus allen Winkeln der Yanthur-Platte hatten sich Jäger in die Gebäude des Klubs geflüchtet.

»Grässlich«, sagte einer am Fenster. »Es regnet.«

Callon hätte den Witzbold am liebsten niedergeschlagen. Für lose Reden hatte er kein Verständnis.

»Überall wird gekämpft«, fuhr der Mann am Fenster fort. »Bestien gegen Bestien, Orbiter gegen Bestien, und bald werden wir gegen die Orbiter bestehen müssen.«

»Wie groß mag die Besatzung eines Keilschiffs sein?«, fragte ein hagerer Plophoser.

»Hundert, zweihundert, keine Ahnung ...«

»Ich gebe gern ein paar von meinem Anteil ab.« Der Plophoser seufzte.

»Ich frage mich weit mehr, was dieses Heer auf Bestienrummel will«, sagte Callon.

»Vielleicht haben sie vor, sich mit Mountvadors Gurs zu unterhalten«, stellte jemand im Hintergrund fest. Dröhnendes Gelächter brandete auf.

Karvist stieß einen wütenden Laut aus. Sein Rüssel hing schlaff herab. »Aussichtslos«, sagte er niedergeschlagen. »Ich brauche Ersatzteile aus einem der Raumschiffe.«

Niemand lachte mehr. Der kleine Raumhafen, auf dem noch zwei Zubringerschiffe standen, war nicht sehr weit entfernt. Aber womöglich doch zu weit. Auf Bestienrummel herrschte Großkampftag, so hatte es ein Jäger erst vor Kurzem formuliert.

»Wer kommt mit?«, fragte Callon und fügte sofort hinzu: »Nicht alle. Ich brauche nur ein paar Leute.«

Er wählte einige der Besten aus, kaltblütige Männer, die ihre Waffen zielsicher anzuwenden wussten. Ihnen stand die Hölle bevor, das war nicht mehr Jagdalltag, sondern sogar für Bestienrummel eine Ausnahmesituation.

Callon rüstete acht Männer und sich selbst aus. »Ich fürchte, dass die Orbiter versuchen werden, den Jagdklub zu stürmen«, stellte er nebenbei fest.

»Damit rechne ich ebenfalls.« Karvist wirkte aufgeregt. Der junge Unither war von seinem Ziel, mit dreißig Jahren genug für den Rest seines möglichst langen Lebens verdient zu haben, in diesen Stunden weiter entfernt als jemals zuvor. Sehr viel wahrscheinlicher war, dass er nicht einmal sein momentanes Vermögen würde verbrauchen können.

»Vermutlich ist die GAVÖK informiert«, sagte Callon. »Falls aber nicht, wenn keine Hilfe kommt, ist dieses Spiel für uns alle verloren. Uns bleibt also gar keine Wahl. Im günstigsten Fall werden wir in einigen Stunden mit den Ersatzteilen für den Hyperkom zurück sein. Ohnehin werden wir versuchen, vom Schiff aus einen GAVÖK-Außenposten zu erreichen.«

Callon verließ mit seiner Gruppe den Klub.

Ein Brummbeutler griff an. Für die Verhältnisse Shourmagers war dieses Tier geradezu harmlos. Mit einem Fausthieb streckte der Überschwere das nur zwei Meter große und behäbig wirkende Tier nieder.

»Trotzdem wird es gleich lustig, nicht wahr?«, fragte der Blue, der zu dem Team gehörte. Üyütikiip war einer der besten Schützen, die Callon je erlebt hatte.

»Allerdings«, stieß Callon hervor. »Jetzt geht der Tanz los.«

Der Blue zwitscherte vergnügt. Mit terranischem Wortwitz kamen die Tellerköpfe sehr oft nicht klar. Sie nahmen vieles wörtlich, was übertragen oder ironisch gemeint war. Callon brauchte infolgedessen einige Sekunden zu viel, um dem Blue klarzumachen, was er tatsächlich gemeint hatte.

Dieser kurze Aufenthalt verzögerte das Eindringen in den Dschungel jedoch um den entscheidenden Moment. Callon sah auf der anderen Seite des um die Gebäude herum gerodeten Bereichs eine Bewegung, die ihn innehalten ließ.

Der Überschwere kannte so ziemlich alles, was sich in der Umgebung des Jagdklubs herumtrieb. Das gehörte einfach zu seinem Beruf, immerhin musste er dafür sorgen, dass selbst leichtfertige Jäger überlebten.

Diese Art von Bestien hatte Callon aber nie zuvor gesehen. Die Tiere schlichen sehr vorsichtig heran, als folgten sie einem gemeinsamen Plan.

Callon stockte der Atem, als er sah, dass die Bestien moderne Energiewaffen trugen. Trotzdem: Er durfte nicht zögern, musste mit seinem Trupp weiter.

»Wir hatten keine Chance, an Bord eines der Zubringerschiffe zu gelangen.« Callon schüttelte den Kopf, als müsse er sich selbst klarmachen, dass es wirklich so gewesen war. »Wir konnten nur noch hierher ausweichen.«

Mountvador, der Chef-Wissenschaftler der Ara-Station, schaute ihn nachdenklich an. »Sie sind intelligent geworden, nicht wahr? Die Echsen werden uns ebenbürtig.«

Der Ara blickte verdrossen auf den Interkom. Es gab keine Verbindung zum Jagdklub. Callon ging davon aus, dass Karvist und die anderen Jäger sich vor den Angreifern abgesetzt hatten. Vieles veränderte sich.

Callon wischte sich übers Gesicht. »Ihre These, dass die Gurs eine gewisse Form von Intelligenz aufweisen, ist beängstigend wahr. Die Zubringer werden von den Echsen bewacht«

»Vielleicht können wir doch mit ihnen reden«, sagte der Ara.

»Unsinn!« Callon wehrte scharf ab. »Sogar das große Kastenschiff der Fremden wird von Gurs umlagert. Irgendwie haben sie es geschafft, die Panzerechsen vollkommen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ich habe es ausprobiert – die Bestien warten nur ab. Sie haben keine Anstalten gemacht, sich auf mich zu stürzen.«

»In der Tat. Ein Gur, der sich einen solchen Leckerbissen entgehen lässt, kann einfach nicht intelligent sein.«

Callon sah den hageren Wissenschaftler entgeistert an, dann erst verstand er, dass Mountvador seinen eigenen Standpunkt ironisch angriff.

»Wie seid ihr überhaupt zu uns gekommen?«, fragte der Ara. »Zwischen dem Jagdklub und dem Tal liegen mehr als einhundert Kilometer Dschungel.«

Callon deutete auf zwei Männer. »Damon und Arbogast sind mehr auf eigene Faust unterwegs, sie jagen mit der Kamera.« Er schüttelte sich. »Immerhin verfügen sie über einen Shift. Zwei von meinen Leuten sind inzwischen mit dem Flugpanzer unterwegs, um Versprengte aufzunehmen. Wir sollten am Eingang des Tales eine eigene Verteidigungslinie aufbauen – nur für den Notfall.«

»Was heißt Notfall?«, wollte Ath-Vrilov wissen.

»Ich weiß es selbst noch nicht«, antwortete Callon. »Ich frage mich nur, was die Fremden von uns wollen. Auf Bestienrummel gibt es nichts, aber auch gar nichts zu holen. Tausende von Schiffen, doch kein erkennbarer Grund für eine solche Invasion.«

»Früher oder später wird Hilfe eintreffen«, sagte der Ara.

»Wahrscheinlich später ...« Der Überschwere stand vor der Transparentwand und sah hinaus.

Der Landeplatz in der Nähe der wissenschaftlichen Station war übersät mit ausgeglühten Wrackteilen. Ein abstürzendes kleines Keilraumschiff hatte die Korvette der Wissenschaftler zermalmt.

»Der Shift kommt!«, rief der Blue schrill.

Callon nickte. Er hatte den näher kommenden Flugpanzer ebenfalls entdeckt.

Wenige Minuten später standen die Überlebenden des Jagdklubs in der Station der Aras. Keiner dachte jetzt noch an die Streitigkeiten vergangener Tage.

»Der Klub existiert nicht mehr«, sagte Karvist wütend. »Wir konnten uns nicht lang halten, dann wurden wir abgedrängt. Zwei Tote mussten wir im Kampf gegen die Langbeinigen zurücklassen. Jetzt nähern sich diese Wesen dem Karrosgo-Tal. Sie sind unheimlich schnell und werden wohl bald hier sein.«

»Was können wir dagegen tun?«, fragte Callon.

»Nichts.« Der Ara schüttelte den Kopf. »Das wäre die erste Möglichkeit. Wir verteidigen uns mit allen Mitteln – das ist der zweite Weg, aber wohl entschieden zu wenig. Die dritte Lösung sehe ich darin, dass wir schnellstens verschwinden. In den Bergen gibt es genügend Verstecke, bis eine GAVÖK-Flotte eingetroffen ist.«

Unwillig verzog Callon das Gesicht. »Die Sache hat einen Haken«, stellte er fest. »Wir sind nur ein paar Dutzend. Und bei dem Versuch, unser Leben zu retten, würden vielleicht Tausende von GAVÖK-Leuten den Tod finden.«

»Du meinst ...«

»Dass Mutoghmann Scerp zähneknirschend einsehen wird, dass eine Schlacht um Shourmager das Schlimmste wäre, auf das er sich einlassen darf.«

»Er kann diese Riesenflotte nicht einfach übergehen«, warf Karvist ein. »Die Orbiter sind aus irgendeinem Grund unsere Feinde. LFT und die GAVÖK werden sich auf jeden Fall mit dem Problem auseinandersetzen müssen.«

»Mag sein«, gab Callon zu. »Ich frage: Wer will hierbleiben und um die Station kämpfen?«

»Hier lagern die Ergebnisse jahrelanger intensiver Forschung«, sagte Mountvador. »Wir müssen versuchen, diese Informationen zu retten – aber das können wir nicht, sobald wir die Station zum Schlachtfeld machen.«

»Ich mache einen Änderungsvorschlag.« Callon knurrte gereizt. »Wir ziehen uns in die Berge zurück, und sobald die Langbeinigen im Tal sind, machen wir die Falle zu. Wir können den Eingang zum Karrosgo-Tal absperren, dazu sind wir auch vom Waffentechnischen her in der Lage.«

Die rasche Abstimmung ergab, dass die Mehrheit für den Vorschlag des Überschweren war.

Mehrere Gleiter der wissenschaftlichen Station und der Shift überquerten den Fluss, danach führte der Kurs in nördliche Richtung. Nie zuvor war dem Überschweren Callon aufgefallen, was für eine perfekte Falle das Tal darstellte.

Die Berge ringsum ragten bis zu zweitausend Meter hoch auf, der Zugang über den Pass war gut abzuriegeln.

Callon ließ die Fahrzeuge in einiger Entfernung vom Pass niedergehen. Den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen kostete zwar Zeit, schützte aber davor, von den heranrückenden Gegnern frühzeitig bemerkt zu werden.

»Dort sind sie!« Karvist deutete mit dem Rüssel auf etliche Punkte, die sich am jenseitigen Flussufer bewegten. Die langbeinigen Fremden kamen tatsächlich sehr schnell voran.

»Ich möchte wissen, was die hier wollen.«

Callon zählte, als er ein Fernglas zu Hilfe nahm, an die achtzig dieser Wesen, die in unglaublich schnellem Lauf dem Fluss folgten und auf diese Weise zwangsläufig die Station der Aras erreichen mussten.

Er wartete, bis er die Fremden gerade noch erkennen konnte, dann gab er das Zeichen zum Weitergehen.

Die Gruppe marschierte bis zu der Engstelle, an der der Fluss schäumend den Fels durchschnitt und sich in der Weite der Yanthur-Platte verlor.

Amtranik hatte zwar bemerkt, dass sich die Besatzung der kleinen Festung in den Dschungel zurückgezogen hatte, sie aber gewähren lassen. Diese Leute interessierten ihn nicht.

»Schneller!«

Amtranik lief an der Spitze seiner Laboris. Er war zuversichtlich, in der Bastion alles vorzufinden, was er brauchte. War der Stützpunkt der Horden von Garbesch erreicht, würden die Schwierigkeiten ein Ende haben.

Ihn wunderte, dass er auf keinen Widerstand stieß. Sich kampflos zu entfernen war nicht die Art seiner Gegner. Allerdings konnten sie auf dieser Welt nicht zahlreich sein.

Er folgte dem Fluss. Einigen Unterlagen in der eroberten Festung hatte er entnommen, dass es in dem Talkessel eine weitere Station der Gegner gab. Sie musste bald erreicht sein.

Tatsächlich erschienen die Gebäude schon wenig später vor ihm. Nichts regte sich im Umfeld der Doppelkugel.

Amtranik fragte sich, ob die Anlage verlassen worden war. Oder wartete eine Falle auf ihn?

Der Hordenführer schickte drei Laboris in die Station. Sie würden herausfinden, ob die Doppelkugel präpariert worden war. Kamen sie lebend wieder heraus, hatte es sich nicht um eine Falle gehandelt.

Tatsächlich kamen die Laboris bald wieder zum Vorschein.

Amtranik schickte einen zweiten Trupp hinein. Es gab so raffinierte Fallen, die erst beim zweiten Betreten zuschnappten – speziell konstruiert, um so vorsichtige Wesen wie ihn zu töten.

Das Ergebnis fiel nicht anders aus. Erst jetzt betrat Amtranik selbst die Kuppeln. Sie waren leer, bargen nichts für ihn Interessantes.

Immerhin: Der letzte Hordenführer war überzeugt, dass er das Tal gefunden hatte, in dem sich die garbeschianische Bastion befand.

Perry Rhodan 118: Kampf gegen die Vazifar (Silberband)

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