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K.3: Der erste Kontakt

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Plötzlich wache ich auf. Nein nicht wegen meines immer wiederkehrenden Albtraums, sondern wegen dem ohrenbetäubenden Geräusch das vom Himmel kommt. Ist das schon wieder eine Bombe die da fällt. Ein heller Blitz der mich fast blind macht, lässt mich in diesen Gedanken verfallen. Ich suche schnell Schutz unter Decke und Folie. Ich weiß diese können mich nicht vor einer Atombombe schützen, nicht mal vor einer anderen Bombe, aber was soll ich denn machen? Der Lärm wird unerträglich doch dann, auf einmal hat er aufgehört. Was ist jetzt? Ich lebe noch! Also eine Bombe war das auf jeden Fall nicht. Langsam strecke ich meinen Kopf aus meiner Deckung. Ich höre etwas, sind das Schritte? Ich versuche mich leise zu verhalten, aber das Knistern der Folie könnte mich verraten. Ist es der Feind, der ebenfalls auf der Suche nach Proviant ist? Oh nein, ich habe meine Bewaffnung vorne im Gastraum liegengelassen. Das könnte jetzt aber wirklich ein Albtraum für mich werden, ohne eine Knarre dem Feind gegenüberstehen. Die Küche könnte meine Rettung sein, dort gibt es große, scharfe Messer die ich... Wäre ich überhaupt in der Lage mit einem Messer auf ein Lebewesen loszugehen, es in den Körper zu rammen und warte bis es den Verletzungen erliegt? Das ist wieder eine Frage meines Mutes. Mittlerweile denke ich, ich habe genug Mumm in den Knochen um mich auf diese Weise zu verteidigen. Ich will überleben und im Krieg überlebt immer nur der Mutigere, oder doch der Stärkere? Ich spurte also in die Küche rüber und greife mir das größte Messer, und dann noch ein zweites zur Sicherheit. Meine Fingerspitzen gleiten über die Klinge um zu überprüfen ob sie auch scharf genug sind. Ich möchte ja nicht den Effekt eines Gummimessers erzielen, sondern einen tödlichen Effekt herbeirufen. Ja, ja scharf sind sie genug, meine Fingerkuppe blutet sogar leicht. Jetzt habe ich Blut geleckt, kommt nur her ihr Verbrecher, ich werde es euch schon zeigen! Schreie ich, aber nur innerlich in meinen Gedanken, ich will sie ja nicht unbedingt herbeirufen. Ich befürchte, ich habe im Augenblick den Übermut eines Schissers. Hoffentlich hauen die bald wieder ab! Uns nach unserem Leben trachten, wo kommen wir denn dahin? Ich spüre die Anspannung in meiner Nebenniere. Ich könnte jetzt als Schaf sogar einen Wolf reißen, oder bin ich nur statt der Jäger nur das hilflose Schaf? Will ich wirklich herausfinden ob ich das Schaf im Wolfspelz bin? Ich weiß, eigentlich heißt das andersrum, aber als Wolf will ich mich wirklich noch nicht bezeichnen. So entschließe ich mich zuerst einmal still zu bleiben. Ob der Feind eine weiße Fahne des Ergebens akzeptieren würde? Mein Herzschlag spüre ich bis in den Hals als der Feind den Gastraum betritt. Es sind zwei davon. Ich kann ihre Gesichter in der Dunkelheit nicht erkennen, ich glaube sie haben Schutzmasken, oder Brillen auf. Sie sind von sehr großer Statue. Um sich mit ihnen anzulegen gehört mehr als nur Courage. Einer von ihnen wäre im Adrenalinschub vielleicht zu besiegen, aber mehrere von ihnen scheinen mir gar unbezwingbar für einen Menschen wie mich. Umso näher sie mir kommen, umso größer erscheinen sie mir. Ich glaube das mit den Messern lasse ich lieber, es wäre ein ungleicher Kampf zwischen mir und ihnen und ich bin doch nicht lebensmüde. Ich ziehe mich besser weit in die hinteren Räume zurück und warte bis sie letztendlich verschwunden sind. Hoffentlich bleibe ich auch unbemerkt. Die Messer nehme ich lieber mit mir. Wenn ich bedroht werden sollte, kann ich vielleicht einem von ihnen das Auge ausstechen und renne davon wie früher schon vor jeder Gefahr. Ich sehe durch ein Fenster, das Draußen noch mehr von ihnen herumlungern, sie suchen nach was. Aber nach was frage ich mich? Es ist zu dunkel um die Gestalten genau zu sehen, aber es dürften bestimmt fünf Mann sein. Auf leisen Sohlen durchwandere ich wieder die Küche weiter nach hinten. Soll ich mich in einem Schrank verstecken wie ein Liebhaber bei seiner Geliebten wenn der Ehemann nach Hause kommt? Nein, das ist ja der Ort an dem der Ehemann ja als erstes sucht. Na dann fällt sich unter dem Bett zu verstecken, auch schon als Option aus. Oh nein, ich unvorsichtiger Trottel, jetzt bin ich beim Rückwärtslaufen an die Bratpfanne auf dem Herd gestoßen in dem ich die Schlange zubereitet habe. Sie ist unüberhörbar auf den Boden aufgeschlagen. Nichts wie weg! Ich verstecke mich in einer Ecke des Schlafraumes abermals unter der Folie und bete unentdeckt zu bleiben. Ich halte diese mit einer Hand direkt über dem Kopf, so dass sie der Länge nach meinen gesamten Körper bedeckt. Ich komme mir vor wie ein 3D-Wandgemälde. Ich muss aufpassen, dass ich das eine Messer, das ich auch in dieser Hand halte, nicht fallen lasse und mich damit selber skalpiere. Die Feinde sind in die Küche geeilt um nach mir zu suchen. Doch ich war schneller als sie und konnte mich rechtzeitig verstecken. Ich höre das Schnaufen und wie sie mit ihrer Nase riechen. Sie riechen wahrscheinlich noch das lauwarme Fett, das noch in der Pfanne war. Mein Großvater hatte eine große Nase und wenn er was erschnupperte hat sich das auch eigenartig angehört, aber so etwas habe ich noch nie gehört. Diese Feinde sind sehr vorsichtig, ich habe sie noch kein einziges Sterbenswörtchen miteinander sprechen gehört. Ich höre ihre Schritte, ich glaube das einige das Haus über die Türe in den Hinterhof verlassen, einer von ihnen ist aber noch im Gebäude und ich glaube seine Schritte kommen mir immer näher. Ich halte die Luft an damit sich die Folie nicht bewegt und knistert, aber wie lange halte ich das aus? Als Kind konnte ich die Luft maximal zwei oder drei Minuten anhalten. Das war noch im Schwimmtraining, doch seitdem habe ich es nie wieder gemacht, außer mein Vater hatte einen unangenehmen Pups von sich lassen, dann bin ich aber schnell ins Freie gestürmt. Diese Option ist in diesem Moment aber keine Option, wenn ich weiterleben möchte. Die Schritte treten immer weiter an mich ran, statt dass sie sich entfernen. Lange halte ich es nicht mehr aus, ich spüre wie mir langsam schwindelig wird und sich der Schweiß auf meiner Stirn sammelt. Dieses Mal ist es noch schlimmer, weil es sich hierbei um Angstschweiß handelt. Wenn ich jetzt in Ohnmacht falle bin ich dem Feind genauso ausgeliefert, wie wenn ich davon laufe. Ich würde wenn ich nach vorne falle, direkt in seine Arme fliegen. Er würde mir wahrscheinlich gleich seine Pranken in den Leib stoßen. Die Möglichkeit die mir bleibt, sind die scharfen Messer. Ich spüre, dass der Feind direkt vor mir steht und mich unter der Folie vermutet und vielleicht sogar meinen Angstschweiß mit seinem Zinken wahrnimmt. Wenn er sie von mir reißt, werde ich ihm ohne eine Gnade zu kennen und ohne zu zögern die Messer in Brust und Schädel rammen. Ja, eines in den Schädel und das andere weit und tief in seine Brust. Ob er auch sein Herz an der richtigen Stelle trägt wie ich auch? Ich habe die Messer fest im Griff und ich spüre wie aus Angst nun auch noch meine Hände zittern. Ich muss wenigstens die eine Hand, die die Folie hält still halten. Bitte verschwinde du widerliche Kreatur! Hoffe ich, denn vielleicht halte ich es noch zehn Sekunden aus, doch dann muss ich nach Luft schnappen. Ich höre etwas, wie wenn der Feind sich belustigen würde, aber nicht über mich, nein sondern über seine doofe Visage im Spiegelbild der Alufolie. Wahrscheinlich bist du so hässlich, dass bei deinem Anblick sofort jeder Spiegel von selbst zerspringen würde. Ich halte es nicht mehr aus. Luft, ich brauche Luft! Gerade als ich aus meiner Deckung springen will, wird durch ein komisches Geräusch, ein Rufsignal der Feind in sein Fluggerät, oder was es auch sein mag zurück gerufen. Nur noch wenige Wimpernschläge ausharren, bis der Feind das Haus verlassen hat, dann kann ich mein Versteck verlassen. Jetzt! Ich ächze nach Luft, ich hyperventiliere fast, meine Hände und Beine sind verkrampft und fühlen sich taub an, ich falle vor Erschöpfung zu Boden, während ich noch nach Luft schnappe. Sehe nun wieder das Licht, das auch bei des Feindes Ankunft war. Robbe mich auf allen Vieren zum Fenster, denn ich will sehen was das für ein Flugzeug ist. Ich halte geblendet die Hand vor Augen, doch ich kann es nicht erkennen. Es steigt dem Himmel empor bis es schließlich als kleiner Lichtpunkt ganz verschwindet. Wo ist es hin, in welcher Höhe fliegt es denn? Ich kann es in dieser klaren Nacht bei den ganzen funkelnden Sternen einfach nicht mehr ausmachen. Ich versuche mich wieder zu beruhigen, jetzt wird mir klar in welcher Todesgefahr ich mich eigentlich befand und zu was ich fähig gewesen wäre. Meine Todesangst hat mich sehr lange die Luft anhalten lassen, beinahe wie ein Apnoetaucher in unsäglicher Tiefe. Der Druck, der zu diesem Zeitpunkt auf meinen Brustkorb und meiner Lunge lastete, fühlt sich bei solch einem Sporttaucher ohne Beatmungshilfe bestimmt nicht anders an. Ich habe es überlebt, man habe ich verdammtes Schwein gehabt. Ich schau mich um, ob die Feinde etwas zurückgelassen haben, das vielleicht mehr über sie verrät. Doch dem ist nicht so, nein im Gegenteil etwas ist verschwunden. Sie werden sich jetzt wundern was verschwunden ist. Nicht etwa meine Waffen, oder mein Marschgepäck, oder sonst irgendwelche Sachen aus dem Gebäude. Alles ist noch an Ort und Stelle wo und wie es vorher war. An diesen Sachen hatte der Feind Null Interesse. Ich kann es kaum glauben was ich da sehe als ich das Haus verlasse, sie haben alle Leichen aus dem Erdreich wieder ausgebuddelt und mitgenommen. Das tote Pärchen das sich erhängte, sogar der verkohle Frauentorso ist weg und die andere Frau mit dem eingeschlagenen Schädel. Es ist unfassbar! Was wollen sie mit den Leichen? Untersuchen, oder gar verspeisen? Ist der Feind ein Aasfresser? Vielleicht stehen sie aber auch auf Frischfleisch und essen nur das was gerade angeboten wird. Da bin ich jetzt aber froh, nicht in irgendeinem Kochtopf gelandet zu sein. Die Nacht ist noch nicht vorüber, deshalb werde ich mich nochmals schlafen legen. Aber diesmal bin ich etwas vorsichtiger und stelle gleich mein Gewehr neben meine Schlafstelle. Aber irgendwie bekomme ich jetzt kein Auge mehr zu, aus Angst der Feind könnte wiederkehren. So habe ich immer ein offenes Auge auf die Umgebung gerichtet. Vor Schrecken bin ich nur noch einmal aufgesprungen und habe in der Küche nachgesehen. Es war nicht schlimmes, es war nur eine kleine Maus die sich über die winzigen Fleischstückchen hermachte, die noch in der Pfanne klebten. Jetzt wird es mir wieder eisig kalt, mümmle mich wieder in Decke und Folie ein und irgendwie bin ich dann doch eingeschlafen. Ich erwache, lasse vor Müdigkeit die Augen noch geschlossen. So etwas wie Tropfen sind an meinen Backen, das hat mich geweckt und außerdem ist es bereits hell geworden. Die Sonne sticht längst wieder vom Himmel. Ich kann meine Augen immer noch nicht öffnen. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen habe, doch eines weiß ich genau, es geht mir ziemlich beschissen. Alle meine Knochen und Glieder tun mir unerträglich weh und ich kann mich kaum noch rühren. Merkwürdig, die Tropfen auf meinen Wangen bewegen sich in die falsche Richtung, rauf statt runter. Da stimmt doch was nicht? Ich öffne langsam und geblendet die Augenlider. Da sitzt etwas auf meinem Jochbein und blickt mir direkt in Pupille. Jetzt pickt es auch noch in meine Iris, so als wolle es meinem Auge Flüssigkeit entziehen. Es ist ein verdammter Käfer der seit längerem schon mein Gesicht belagert. Ich schrecke auf und mit einem Reflex schlage ich nach ihm, doch er rettet sich auf den Fußboden. Oh mein Gott, da sind ja mindestens eins bis zwei Dutzend von den Krabblern. Ich bleibe auf dem Bett sitzen und winkle die Beine an, damit die Kakerlaken mich nicht erreichen und an mit hoch klettern können. Was wäre gewesen, wenn einer dieser Mistdinger mir im Schlafe in den Mund gekrochen wäre und ich ihn vielleicht noch verschluckt hätte? Nicht auszumalen was mit mir geschehen wäre, wenn sie es geschafft hätten in meinen Bauch zu krabbeln um ihre Brut in mir abzulegen, so wie ich es mal in einem B-Movie gesehen habe. Sie irgendwann aus ihren Eiern schlüpfen und mich von innen her auffressen, sie sich dann aus frischen Wunden und Öffnungen überall aus meinem Körper herausfressen und das vielleicht noch bei lebendigem Leibe. Ekelig, ekelig! Nur raus hier, fernab von diesen Biestern. Aber dazu brauche ich erst mal die Kraft um mich zu erheben. Haben alle Käfer überhaupt Eier zur Brut? Ich weiß nur, dass Insekten wie Kakerlaken die widerstandsfähigsten Lebewesen der Erde sind, sie überleben einen Atomangriff mit Bravur, und breiten sich in Population rasch wieder aus. Autsch, ich habe einen Muskelkater der sich durch meinen gesamten Körper zieht. Meine Muskeln sind total übersäuert. Sie fühlen sich an, wie nach einer durchzechten Nacht einer Techno-Party, in der ich die ganze Nacht auf Speed durchgetanzt habe. So denke ich mir es, denn ich war noch nie auf so einer Party. Da habe ich glaub´ auch nichts versäumt. Es ist ein mieses Gefühl und wenn ich daran denke was ich gestern alles erlebt und was ich gegessen habe, dreht sich mir der Magen um. Nein, er dreht sich nicht nur um, er entleert sich gerade. Es ist nicht nur ein böser Traum gewesen, es ist die wirkliche Realität in der ich mich befand und noch immer befinde. Eine üble Realität mit der ich mich weiter auseinandersetzen darf und muss um am Leben zu bleiben. Es schmerzt schon allein die Füße wieder vom Bett auf den Boden zu bringen. Also die Matratze ist auch nicht gerade für die gesündeste Wirbelsäule vorgesehen. Wäre das ein Hotel, würde ich mein Geld wieder zurück verlangen. Igitt, jetzt machen sich die Käfer auch noch über mein Erbrochenes her. Warum muss ich das alles noch mitbekommen? So fertig habe ich mich noch nie gefühlt. Jetzt weiß ich wo die Grenzen meines Körpers liegen. Sie liegen genau hier. Aber allem desto Trotz, hier kann ich nicht bleiben, das hätte auch keinen Sinn. Wir Menschen beziehen die Lebensenergie durch Nahrung und Wasser und hier finde ich bestimmt nichts mehr davon. Ich versuche einen klaren Gedanken zu fassen, verschränke die Hände hinter dem Kopf. Mein Ziel vor Augen, die Küste! Aber wie dort hingelangen? Langsam mache ich mir auch Gedanken darüber, ob das alles so funktionieren wird wie ich mir das auch vorstelle. Jetzt werde ich mich mal etwas umsehen, denn ich hatte alles ja nur in der Dämmerung und im Dunklen gesehen. Die Tankstelle hatte oben die Fremdenzimmer in dem der eine oder andere nächtigte und badete. Aber bis auf Seifen oder Handtücher ist hier nichts übrig geblieben. Na toll, ein Kamm, für eine glatt gestriegelte Frisur. Ich erblicke mich im Spiegel und betrachte mich minutenlang. Ich sehe "SCHEISSE" aus! Wer ist der junge schmutzige und asslige Mann dort im Spiegelbild, bin das wirklich ich? Ich fahre mit dem Kamm durch meine zerzausten Haare. Jetzt könnte ich wirklich mal eine Dusche gebrauchen, ich stinke schlimmer unter den Achseln als Nachbars Lumpi wenn er stundenlang im Regen spazieren ging. Ich drehe den Wasserhahn der Badewanne auf, aber der gibt genauso wenig Wasser von sich wie unten. So findet der Morgenmantel der dort in der Garderobe hängt für mich heute keine Verwendung. Ich durchstöbere alle Schubladen und Schränke und in der Küche unten werde ich fündig. Ich finde einen großen Kanister mit kostbarem Wasser in einem Unterschrank. Ich habe Glück, er ist fast voll gefüllt. Es war wahrscheinlich als Reserve gedacht, falls die Wasserversorgung mal nicht funktioniert, so wie jetzt eben. Das ihn bis jetzt noch kein Plünderer mitgenommen hatte. Wahrscheinlich lebte das Pärchen noch als der letzte hier auftauchte und sie haben ihr Hab und Gut mit allen Mitteln verteidigt. Erst als sie überhaupt keinen Ausweg mehr sahen haben sie sich erhängt. Ich nehme meinen Geigerzähler zur Hand und halte ihn gegen den Kanister. Das Wasser ist ebenso radioaktiv kontaminiert, aber es hält sich in einem gewissen Grenzwert, das glaube ich zumindest. Ich nehme den Kanister mit nach draußen, entnehme ihm ein wenig Wasser und wasche mein Gesicht mit der gefundenen Seife, die ich mir einheimste. Eine Wohltat. Soll ich auch den Rest meines stinkenden Körpers waschen, oder spare ich es lieber ein als lebensrettendes Trinkwasser auf? Es ist zwar kontaminiert und ich weiß, wenn ich es zu mir nehme, tue ich mir und meinen Zellen nichts Gutes damit. Was bleibt mir denn anderes übrig? Zudem weiß ich ja noch nicht, wie die bisher aufgenommene Strahlung meinen Körper betroffen hat. Ich wasche mich jetzt lieber mal, vielleicht habe ich ja nochmals Glück und finde Frischwasser. Ich möchte ja nicht, dass mich das nächste Mal der Feind gleich durch meinen Gestank aufspüren kann. Aber vielleicht meidet er mich ja auch lieber, denn wer will denn schon ein übel riechendes Fleisch, das mehr verdorben als lecker riecht. Gerade als ich mich der Kleidung entledigen wollte mache ich eine phänomenale Entdeckung. Unter einem zusammengefallenen Schober ist ein Pick-up begraben, dessen Chrom des Kühlergrill in der Sonne blitzt. Ein Geschenk des Himmels wenn er jetzt auch noch laufen würde. Mit viel Kraftaufwand lege ich den Wagen frei, doch starten kann ich ihn nicht. >>Der Autoschlüssel, wo ist der Autoschlüssel?<< Ich sehe unter der Sonnenblende nach. >>Nein hier ist er nicht.<< Ich schlage mir mit der Handfläche gegen die Stirn. "Ich Idiot, wo bewahrt ein Mann seine Autoschlüssel auf? Na in der Hosentasche!" Da die Leichen vom Feinde ja mitgenommen wurden, kann ich mir die Arbeit den toten Mann auszugraben ja letztendlich sparen. Wenn er die Autoschlüssel wirklich bei sich hatte, ist er nun auch im Besitz des Feindes. Die können mit dem Schlüssel zwar nichts anfangen, doch haben sie damit meinen Weg zu einem funktionierenden Fahrzeug erschwert, denn selbst mit dem Kurzschließen der Elektrik habe ich keinen Erfolg. Ich bin zwar kein Automechaniker, aber mit der Elektronik von solchen Oldtimern habe ich normalerweise kein Problem. Sie ist schlicht und einfach. Ich suche den Fehler, es ist bestimmt die Sicherung der Benzinpumpe defekt. Nein, sie ist herausgenommen worden, merkwürdig. Kein Problem, ich könnte die Sicherungspole mit einem Stück Aluminiumfolie überbrücken. Ich gehe wieder zurück zum Haus und finde auf dem Boden einen herumliegenden Nagel, das ist noch besser. Jetzt kann ich nur hoffen das Benzin im Tank und die Batterie nicht entladen ist. Ich drücke diesen in den leeren Schacht der Sicherungsleiste. Es schlägt einen kurzen Funken und danach, Bingo, angesprungen! Doch der Tank ist fast leer. Was mache ich mir denn Gedanken, ich stehe hier an einer Tankstelle. Ich fahre vor an die Zapfsäule, doch nichts tut sich. Abgeschaltet oder Sprit aufgebraucht. Das wäre ja auch viel zu schön gewesen, ein Pit-Stop, an dem es in einer Endzeit auch noch reichlich Treibstoff gibt. So etwas gibt es höchstens in der Werbung, oder in einem Endzeitroman. Jetzt sehe ich, dass ich mir umsonst Sorgen gemacht habe, denn auf der Ladefläche stehen gut gesichert einige Kanister, die Benzin beinhalten könnten. Ich klettere auf die Ladefläche des Wagens und schnuppere am Inhalt der vollen Kanister. Tatsächlich es ist der gewünschte Sprit. Ich nehme an, dass der Wagen schon bereit stand und dann nicht benutzt wurde, weil er wie jetzt nicht anspringen wollte. Ist das jetzt Glück, oder ist das wirklich alles für mich so vorbestimmt. Langsam könnte ich es glauben. Mein Glück war das Pech des Paares, der Mann hatte bestimmt den Fehler am Fahrzeug nicht gefunden, aber dabei war er bestimmt auch der Mechaniker dieses Pit-Stops und er hätte nach so einem Fehler doch bestimmt zuerst gesucht. Es hatte vermutlich andere Gründe. Vielleicht hatte er die Sicherung sogar selbst entfernt, weil wie ich vermute, seine Frau... . Moment mal, die junge verkohlte Frau, womöglich war sie die Tochter der beiden und die andere Frau vielleicht auch, oder sie war nur eine Freundin der Tochter. Es könnte einen Streit zwischen ihnen gegeben haben, weil diese Frauen vorhatten zu verschwinden, er aber hier nicht seine Existenz zurück lassen konnte und er es schlichtweg nicht akzeptierte, dass sie ihn verlassen wollten. Er am Ende schließlich wutentbrannt und von allen guten Geistern verlassen wie ein Tyrann ausflippte und seine Tochter mit Benzin übergoss und anzündete. Er zwang seine Frau sich zu erhängen und erhängte sich dann gleich neben ihr. So könnte es sich abgespielt haben. Als Sherlock Holmes könnte ich mich auch noch gut machen. Wenn es sich tatsächlich so zugetragen haben sollte. Es wäre eine bittere Tragödie mit einem unfassbaren, ausweglosen Ende. Die andere Frau wollte bestimmt flüchten in die Weite der Steppe, aber... . Ach was mach ich mir noch Gedanken über andere? Ich stecke ja selber in großen Schwierigkeiten und weiß nicht, ob ich überhaupt morgen selbst noch lebe. Ich befülle den Tank und es passt nicht ganz ein Drittel des zweiten Kanisters hinein. Der Erste allerdings wurde komplett leer. Ich schraube die Deckel der Kanister wieder zu. Das ist bestimmt genug Benzin um mich ein paar hundert, oder gar tausende Meilen von hier fortzubringen. Näher an mein Ziel, von dem ich nicht weiß, was mich dort überhaupt erwartet. Ich sammle noch ein paar Dinge im Gebäude ein, die mir möglicherweise noch hilfreich sein könnten. Ich nehme die Decke, die Alufolie und ein wenig Werkzeug mit und verstaue es ebenfalls auf der Ladefläche. Auch die Pfanne und die Gewürze finden den Platz dort. Wer weiß, vielleicht gibt es ja mal wieder eine Schlange als Abendmenü, oder ein anderes Reptil oder ein Wirbeltier das sich mir freiwillig ergibt. Wasser habe ich leider keines mehr im Gebäude gefunden, so bleibt mir nur dieser eine Kanister. Aber ich komme mit Sicherheit des Weges wieder an eine Tankstelle und kann dort nach weiterem Wasser suchen. Ich verstaue alles fest und sicher auf der Ladefläche des Pick-ups mit Gummispanner und Seilen, denn ich will ja schließlich kein einziges Teil meiner wertvollen Fracht verlieren wenn es dann mal über raues Gebiet geht. Noch ein letzter Blick zurück, dann setzte ich das Auto in Bewegung und eine weite Reise ins Ungewisse, die noch vor mir liegt, beginnt. Ich fahre Tag und Nacht. Ab und zu mache ich eine Pause um mir und dem Wagen eine Ruhepause zu gönnen. Ich muss der Kiste ebenso Wasser in seinen Kühler geben, sowie ich mir selbst ein paar Schlucke vom Nass gönne. Manchmal kommt es mir im Dunkeln vor, dass wieder etwas vom Himmel scheint. Dann fahre ich sofort zur Seite und schalte die Beleuchtungen aus. Ich starre zum Himmel und erst als ich keinen Feind ausmachen kann setze ich die Fahrt fort. Ich möchte keine Zeit mehr verlieren, ich muss fündig werden, fündig nach einer Bestätigung, dass ich nicht der einzige hinterbliebene zivilisierte Mensch auf dieser öden Weltkugel hier bin. Ich würde mich über nichts mehr freuen, als ein wenig Gesellschaft zu haben, denn die Einsamkeit macht bekanntlich verrückt, irre und verursacht eine Schizophrenie und ich will keiner dieser Schitzos sein, die ständig mit sich selbst in einem verbalen Kampf stehen. Es vergehen weitere Tage und Nächte, noch und nöcher und mittlerweile ist der letzte Kanister des Treibstoffes fast aufgebraucht. Die Tankuhr lässt nichts Gutes erhoffen Die Klimaanlage schalte ich ab, denn sie verbraucht viel zu viel Sprit. Durch beide Fenster lasse ich nun den Fahrtwind hinein, doch ich bin schon bald total in Schweiß gebadet und geregnet hat es seit ewig auch nicht mehr. Ich ertrage meinen ekligen Körpergeruch kaum noch selber. Meine Haut ist rau vom Salz das ich ausgeschwitzt habe, wie Schmirgelpapier fühlt sich es an. Ich würde alles dafür geben, nackt durch eine Autowaschanlage zu springen und dies im kompletten Vollwaschgang. Nur die versiegelnde Wachsbeschichtung würde ich weglassen. Ist hier denn nirgendwo ein See in dem man schwimmen kann? Hat die Atombombe denn alle Wasserreserven verdampft und nur diese öde, sandige, steinige Wüste hier zurück gelassen? Alles deutet auf eine nicht mehr bewohnbare Gegend hin, in dieser bestimmt kein Gras mehr wächst, Getreidekorn mehr gedeihen und keine Felder mehr bestellt werden kann. Trostlos, alles trostlos! Wohin ich auch blicke nur Sand, Gestein oder abgebrannte Autowracks und dergleichen. Auch skelettierte Tierkadaver sind keine Seltenheit. Ob sie verdurstet sind, der Wüste zum Opfer fielen, oder ob sie gejagt und erlegt wurden, kann ich nicht aus meinem Fahrzeug erkennen. Ich würde alles geben, um ein saftiges, gut durch gegrilltes Steak mit Country Potatoes und einer feinen, leckeren und würzigen Soße serviert zu bekommen. Ich würde in letzter Zeit vieles für allesmögliche geben, um möglichst viel dafür zu bekommen. Das war jetzt ein wunderbarer Satz mit viel Sinn aber wenig Verstand. Wenn ich in nächster Zeit nicht verrückt werden, also nicht vollkommen überschnappe und ich bei klarem Sinne bleibe, ich auf einen Ochsen treffe, ja dann werde ich diesen eigenhändig erlegen um mir diesen einen Traum vom saftigen Steak zu erfüllen. Ich hätte die Gewürze aus der Tankstelle mitnehmen sollen, oder habe ich sie sogar? Doch sicher, sogar die Pfanne habe ich irgendwo auf der Ladefläche verstaut. Oder? Ich glaube ich leide schon an Alzheimer, aber ich habe doch glatt vergessen was das ist! Auch wenn ich nichts mehr in die Pfanne kriege sollte, so nützt sie mir vielleicht doch noch, und zwar wenn ich sie dem Feind über den Schädel haue. Eigentlich hätte ich auch ein paar Gabeln und Löffel aus der Küche mitnehmen sollen. Töpfe und Tassen, wenigstens ein paar Gläser wären irgendwann auch von Nutzen denke ich. Hm, und der tolle flauschige Morgenmantel, warum habe ich mir den bloß nicht mitgenommen? Der Mensch ist normalerweise ein Sammler, aber irgendwie ist dieser Zwang an mir vorbeigegangen. Was unseren Vorfahren schon in der Steinzeit von Vorteil war habe ich missachtet. Gut die Gewürze und die Pfanne habe ich mit, aber auch die anderen Sachen mitzunehmen das mir Nütze wäre, ja das muss ich mir angewöhnen. Ich bin eben kein geborener Plünderer. Die Messer wollte ich noch einpacken, doch ich habe sie in der Küche dort liegen lassen. Mein Pech, umzudrehen und sie zu holen wäre jetzt nur eine weitere verlorene Zeit auf meiner Reise ins Ungewisse. Wie soll ich denn einen Ochsen ohne passendes Werkzeug zerteilen? Mit einem Schraubendreher und einem Gabelschlüssel ist es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich kann nicht erwarten, dass ein Tier freiwillig in die Pfanne hüpft. Sehr nützlich wären sie schon gewesen, ich kann ja kein Tier in die Pfanne hauen, wenn ich es nicht zuvor ausgenommen habe, ich meine ein Hühnchen oder ein Beuteltier oder so etwas Ähnliches. Ich hätte eh' nicht von mir gedacht, dass ich mal ein lebendes Tier töten kann wie ein Metzger und es mir anschließend selbst zubereite. Gut es war eine Schlange, aber was ist, wenn mir ein Häschen über den Weg läuft und mich mit seinem niedlichen Stuppsnäschen und seinen herzigen Augen anblickt, könnte ich es dann auch? Ich glaube das brächte ich nicht übers Herz, auch wenn ich am Verhungern wäre, geschweige denn ein anderes Tier zu töten, wenn es mich vorher mit seinem niedlichen Blick angesehen hat. Ich kann nichts umbringen was mich vorher angesehen hat, das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn es weiß, dass ich sein Mörder bin, der sein Leben nimmt, fühle ich mich sauschlecht. Nie und nimmer könnte ich das! Und mit dem kleinen Schweizer Überlebensmesser in der Grundausstattung des Marschgepäcks, wird es mir wohl erst recht kaum gelingen. Damit kann ich höchstens die Hornhaut von den Füßen rubbeln die durch das viele Laufen in letzter Zeit an mein Gebein angewachsen ist. Ich weiß nicht, irgendwie fühle ich mich so, so, so, so anders als früher, denn ich mache mir weniger Gedanken um dies und jenes, ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Ja was bleibt mir auch anderes übrig? Ich sehe es am besten als ein Abenteuer an, aus dem ich hoffentlich auch einen Ausweg finden werde. Nur ich weiß nicht wo, wann und wie? Der Sprit im Tank ist fast aufgebraucht. Die Kanister die ich während den Stopps immer ein geleert habe, sind es ebenso nach der langen Fahrt. In keiner der vielen Tankstellen die am Wegesrand lagen, habe ich weder Trinkwasser noch Sprit gefunden. Doch ich hatte eine gute Idee um das Wasser etwas schmackhafter zu machen. Ich habe aus einer Tankstelle etwas mitgenommen, einen Trinkbecher in den ich Fruchtbonbons gegeben habe, die haben sich im Wasser aufgelöst und es mit einem herrlichen fruchtigen Geschmack versehrt. Ganz habe ich die Wahrheit über das Wasser aber nicht vergessen, die Wahrheit dass ich mit jedem Schluck den ich davon trinke mein Leben verkürze, da es radioaktiv kontaminiert ist. Mit was genau weiß ich nicht, ist mir mittlerweile auch schon egal, denn es ist immer noch besser als hier an Ort und Stelle zu verdursten. Irgendwie habe ich mich jetzt mit meinem Schicksal abgefunden, dass es die Welt die es früher einmal gab´ nicht mehr existiert. Das überall eine Gleichheit herrscht, eine Gleichheit, die trostlos und sich menschenleer gestaltet. Dies macht mich sehr traurig. Langsam glaube ich wirklich, ich sei der einzige Mensch auf diesem Planeten. Meine Familie nie wieder zu sehen und in der Gewissheit zu sein, dass sie es nicht überlebt haben. Ich verdränge jeden Gedanken daran. Die Hartkekse schmecken gar nicht so übel, wenn man sie in zuvor in das Wasser taucht, sie nehmen den Geschmack der Bonbons an. Dann ist es tatsächlich so weit, der Abendhimmel zieht sich mit Wolken voll. Es beginnt ein starker Regen, die Fenster meines Fahrzeuges beschlagen und ich wische sie ab, doch eine weite Sicht ist nicht mehr möglich, deshalb stoppe ich den Wagen. Der Regen ist so stark und ich denke fast, dass er das Autodach durchbrechen könnte, weil es so einen Höllenlärm verursacht, als er auf das Blech auftrifft. Der ausgetrocknete Boden saugt die Wassermassen in sich auf und wer weiß, vielleicht umspült das Wasser einen im Boden tief vergrabenen Samen, der zum Leben erweckt wird und nach geraumer Zeit hier an dieser Stelle eine junges, grünes Pflänzchen, das dann aus dem Wüstenboden ragt und wächst. Oder es entsteht sogar eine ganze Oase, an dieser sich Tiere sammeln werden um ihren Durst zu stillen. Ein Feuerwerk von Blitzen erhellt die Nacht, so könnte ich sogar die Scheinwerfer des Autos abschalten und ich würde genug von der Straße sehen ohne in den Graben zu fahren, wenn mich der Starkregen nicht daran hindern würde. Jetzt habe ich eine Idee, ich ziehe meine gesamte Kleidung aus, denn dieser Regen ist genauso effektiv wie eine Dusche eines Luxushotels. Den Regen auf der Haut zu spüren ist phantastisch. Ich schmeiße die Kleider auf den Fahrersitz. Ich genieße jeden Wassertropfen der meine Haut berührt. Es sind viele Tropfen und in Nullkommanichts, bin ich so durchnässt als würde ich tatsächlich unter einer Brause stehen, es fehl mir nur noch an Seife. Moment Mal, die habe ich doch noch in meiner Hosentasche. Ich habe sie dort reingesteckt als ich den Pick-up fand. Das hat also die ganze Zeit so in mein Gedärm gedrückt. Egal, jetzt ist es wunderbar sie zu haben. Ich seife mich damit vollständig ein. Ist das schön und wohltuend, ein wirklich herrliches Gefühl. Meine Überlegung ist meine Kleidung in den Regen zu legen damit sie etwas frischer duften. Aber wie sollte ich sie dann wieder trocken kriegen, jetzt in der Nacht und bei Regen? Denn wenn ich heute Nacht eventuell auf jemanden treffen sollte, der ebenso die atomare Katastrophe überlebt hat wie ich, dann sollte mich diese Person nicht unbedingt entkleidet wie einen perversen Exhibitionisten auf einem Autositz vorfinden. Das Ergebnis wäre noch erschreckender, wenn es zumal noch ein Mädchen wäre. Sie würde wohl auf der Stelle flüchten, ohne überhaupt ein Sterbenswörtchen mit mir gewechselt zu haben. Andernfalls, auf stinkende Kerle stehen die Mädels ja auch nicht und ein Deo habe ich auch nicht im Gepäck. Aber es gibt ja auch die andere Art von Damen, die mich sogar so vernaschen würden, sie ohne langes Gerede mich einfach hernehmen und… ja das könnte mir gefallen. Wer braucht ein Deo, wenn er so eine duftende Seife hat. Ich muss es immer wiederholen, es ist eine Wohltat mit der Seife den Dreck und den alten Schweiß von meinem Körper zu waschen. Ich kann die Brause zwar nicht wärmer stellen, doch so kalt ist der Regen jetzt auch nicht. Nein, er ist im Gegenteil recht warm und angenehm. Was ist das den jetzt, ich kann es nicht fassen? Mein Glied scheint sich in Erregung zu versetzen, ohne dass ich es eigentlich will! Bin ich denn wirklich pervers, haben mich meine augenblicklichen Gedanken etwa erregt? Ich habe schon lange nicht mehr an mir herumgespielt und die Tinte auf dem Füller sollte auch mal entsorgt werden. Es ist die Atmosphäre der Erleichterung die hier existiert und da ist es auch schon vorbei. Hoffentlich hat mich keiner gesehen, wer denn auch? Ich seife auch meine Kleidung ein, auch sie soll einen etwas entspannteren Geruch annehmen. Ich denke ich werde hier bis zur Morgenstunde eine Rast einlegen, wenn die intensive Morgensonne ein paar Stunden direkt drauf brennt, könnte sogar die Kleidung schon getrocknet sein. Meine Kleidung hänge ich über den Frontstoßfänger des Pick-ups, dann kann der Regen die Seife auswaschen. Verdammt, ich habe nicht mal ein Handtuch um mich zu trocken, jetzt verfolgt mich wieder der Gedanke an den Morgenmantel, den ich Depp nicht ins Gepäck mitnahm. Ich klettere auf das Heck des Pick-ups und öffne die Planenvorrichtung, so werde ich nicht die ganze Nacht geduscht, wenn es doch die gesamte Nacht regnen sollte, denn ich werde hier oben schlafen, so kann ich meine Beine richtig ausstrecken und bin nicht so eingepfercht wie in der Fahrgastzelle. Teil meines Marschgepäcks ist auch einen Schlafsack, in dem ich es mir gemütlich machen werde. Darüber lege ich noch die eine Wolldecke und die Alufolie die ich mitgenommen hatte. So werde ich nachts nicht auskühlen, wenn es richtig kalt werden sollte. Ich lege mich jetzt in meinen Schlafsack. Man ist der vielleicht kratzig auf der nackten Haut. Bei Mutter war immer alles sehr weich und hat gut gerochen. Aber dieses Militärzeug ist wirklich eine Zumutung, es hat wohl noch nie einen Weichspüler gesehen und es riecht so furchtbar nach stinkigen Socken. Eins ist sicher, hier rein würde ich nie eine Braut bekommen. Ich nehme die Decke und ziehe sie in den Schlafsack, sie ist weicher und wohliger zur Haut. Jetzt ist es gemütlicher und so gut ist es mir schon lange nicht mehr gegangen, ich fühle mich wirklich wohl, befreit vom Schmutz und Salz das lange genug die Poren meiner Haut verstopfte. Ich dufte vom beigemengten Parfüm der Seife frisch und angenehm, nicht mehr so nach ekelhaftem altem Schweiß. Die Decke und sogar der Schlafsack nehmen den Duft in sich auf und geben ihn immer wieder an meine Nase ab, unterstützt von der windigen Luft, die der Regen mit sich bringt. Wunderbar riecht der Stoff jetzt nach Seife, er erinnert mich an die frühe Kindeszeit, als meine Mutter mich immer badete. Es gab Schaumwölkchen so hoch wie das Empire State Building in diesen ich mich immer versteckte. Es war einfach toll, sehr schön war die Zeit! Sofort denke ich wieder an etwas anderes, denn ich weiß welche Gedanken sonst folgen werden und diese sind wie immer traurig, deshalb möchte ich diese üblichen Gedanken erst gar nicht mehr an mich heran lassen, zu sehr belastet mich alles. Ich schnuppere lieber ein wenig am Stoff der Wolldecke und höre dem prassenden Regen zu. Die Blitze sind sehr hell und der Donner lässt kaum auf sich warten. Also ist das Gewitter jetzt so ziemlich über mir. Früher hat meine Mutter immer sehr große Angst vor Gewittern. Sie sagte, wenn ein Blitz unser Haus trifft, gerät es in Feuer und brennt ab. Dass es dann aber mal ein Lichtblitz einer nuklearen Waffe ist, dass eine Feuerwalze alles in Brand setzte, hätte wohl niemand gedacht. Ob sie zuhause waren? Jetzt denke ich schon wieder an sie, das ist eine Sache, die man nicht so einfach von sich weisen kann. Ich erhoffe mir morgen einen ergebnisreicheren Tag als heute. Vielleicht werde ich aber auch in den nächsten Minuten vom Blitz getroffen und sterbe? Das wäre aber eigentlich auch nicht so schlimm, dann wäre alles schnell vorbei und ich von diesem Leid und dem Überlebenszwang erlöst. Aber ich glaube so viel Glück werde ich wohl kaum haben. Ich habe doch selten Glück. Die Blitze am Himmel sind so grell, selbst wenn ich meine Augen geschlossen halte ist es taghell. Von dem Donnergrollen gar nicht zu sprechen, das macht jetzt sogar mir Angst. Hoffentlich kann ich auch einschlafen. Jetzt kommt mir es in den Sinn, was ich gerade gemacht habe und schrecke auf. Ich habe minutenlang im Regen geduscht, im Regen der stark radioaktiv verseucht sein muss und jetzt ist auf diesem Wege Strahlung noch tiefer in meinen Hautporen eingedrungen. Ich bin viel zu müde um mir jetzt den Geigerzähler an die Brust zu halten, das kann bis morgen warten, denn ändern kann ich sowieso nichts mehr daran. Was geschehen ist, ist geschehen und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, sei es die Strahlung in meinem Körper, oder gar der gesamte Krieg. Sporadisch rubble ich mir die Feuchtigkeit mit der Decke von der Haut, um vielleicht doch schlimmeres zu verhindern. Ich mache mir noch viele Gedanken und versuche abermals alles zu verarbeiten. Dann muss ich halt die Decke und den Schlafsack bis zum Halse verschließen, damit ich einiges der Radioaktivität wieder ausschwitze. Ich habe mich mit Seife gewaschen, wie ist aber der Effekt einer Seife, wenn man sich im Regen mit nuklearen Teilchen wäscht? Ich bin zu müde, wirklich zu müde um weiter zu denken, die lange Fahrt hat mich doch sehr ausgepowert. Schließlich verzieht sich das Gewitter und ich kann nun doch wunderbar ins Land der Träume versinken. Ich kann so gut schlafen, dass sogar die immer wiederkehrenden Albträume ausbleiben. Ich bin frisch geduscht und die frische Luft hat wohl vieles ausgemacht.

Erde:... Tag X.

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