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S. Paul

Meine tägliche Morgenlektüre war die englischsprachige Tageszeitung „The Indian Express“. Allmählich fiel mir auf, dass ab und an Fotos abgebildet waren, die nicht nur fotografisch herausragten, sondern gleichzeitig das Leben Indiens exemplarisch einfingen (wenngleich meistens ohne Bezug zum Tagesgeschehen, so als ob sie es souverän missachten wollten). Ich ertappte mich dabei, dass ich nach einiger Zeit, noch vor dem Überfliegen der Schlagzeilen die Zeitung durchblätterte, um auf solch ein Foto zu stoßen, das mich dann auch regelrecht „ansprang“. Und immer wieder fand ich im Kleingedruckten den Namen desselben Fotografen: S. Paul. Alle folgenden 4 Fotos erschienen im „Indian Express“. Autor: S. Paul.

Zeitungsausschnitte aus dem „Indian Express“. Fotos: S. Paul


Fastenbrechungsfest „Id Mubarak“ – Delhi – Silhouette


Partielle Sonnenfinsternis über Delhi

Kinderarbeit und „Id“-Gebet in der „Großen Moschee“



Was lag näher, als in einer Buchhandlung nach einem Bildband dieses Fotografen zu fragen? Die Überraschung war groß, als es beim ersten, zweiten und wiederholten Male sorry hieß, so einen Bildband gebe es nicht. Schließlich sprach ich mehrere bekannte Journalisten und Fotojournalisten an. Ja, das sei eigenartig, ließ ich mir erzählen. Er sei seit vielen Jahren Leiter der Photothek der Zeitung Indian Express, werde von allen Journalisten als Ausnahmefotograf hoch verehrt, habe sich aber jenseits der Einzelveröffentlichungen in der Zeitung noch nie bereit erklärt, seine Fotos weder in einer Ausstellung noch in einem Bildband einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Die Herausforderung, diesen Ausnahmefotografen zur ersten Fotoausstellung seines Lebens zu bewegen, führte – wenn auch nach intensiven Gesprächen – schließlich zu einem Erfolgserlebnis: Er ging auf meinen Vorschlag ein und stellte seine besten Fotos erstmals öffentlich im Goethe-Institut, dem Max-Müller-Bhavan Neu-Delhis aus. Er war damals etwa 60 Jahre alt, hatte bei internationalen Fotowettbewerben wiederholt erste Preise gewonnen, zu denen oft ganze hochprofessionelle Fotoausrüstungen gehörten. Doch blieb ihm seine Leica die Lieblingskamera. Als nun konkret die Auswahl der rund 30 Fotos anstand, die wir in dem Ausstellungsraum zeigen konnten, wurde offenbar, dass sein Archiv etwa 380.000 s/w-Fotos umfasste. Seine rund 80.000 Farbfotos erwähnte er nur nebenbei; er wollte kein Farbfoto in der Ausstellung haben.

Unerwartet und unvorstellbar groß war die Anzahl der Besucher! Nicht nur, dass sich bei der Eröffnung mehr Menschen im Raum drängten, als je zuvor, sondern vor allem weil sich danach Tag für Tag über die Dauer der gesamten Ausstellungszeit Schlangen von Menschen vor dem Institut bildeten, um in die Fotoausstellung Einlass zu finden.

Ich vermittelte S. Paul weiter ans IfA (Institut für Auslandsbeziehungen) in Stuttgart, das seine Fotos in 3 Ausstellungen in Deutschland zeigte und dazu einen ansehnlichen Katalog herausbrachte.


Monsunregen, (Foto: S. Paul)

S. Paul beteuerte mir wiederholt seinen lebenslangen Dank dafür. Wir sahen uns noch ein paar Mal, nachdem ich längst nicht mehr in Indien arbeitete. Zudem durfte ich mir meine liebsten Fotos in 30 x 40 cm- und 50 X 70 cm-Abzügen auswählen und erhielt das Recht auf ihre Reproduktion, das ich jetzt ger- ne wahrnehme. Die Fotos haben uns viele Jahre lang begleitet, einige hingen durchgehend an der Wand neben den vielen Arbeiten Coras.

Indien denkt anders - eine interkulturelle Begegnung

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