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Signa und Tierfelle
ОглавлениеFeldzeichen, die signa, sind z. B. auf dem Grabrelief des Pompeius Asper dargestellt (Abb. 11, 12). An diesem Signum ist ein Schild mit der Aufschrift COH.III.PR. angebracht. Das Signum besteht aus Corona, Namensschild, Skorpion, Mauerkronen, Imago, Viktoria, Adler und einer Speerspitze. Anders als bei den Legionen waren die signa der Prätorianer mit dem Portrait bzw. der Büste des Kaisers (imago) geschmückt. Dass mehrere imagines an einem Signum vorkommen können, zeigt, dass auch Angehörige des Kaiserhauses hier dargestellt waren. Die Prätorianerstandarte am Bogen der Argentarii aus dem Jahr 204 n. Chr. bestätigt diese These. Dort ist Caracalla und ein später zerstörtes Bildnis Getas an einer Standarte angebracht. Die Rangfolge der Bildnisse ist hier von oben nach unten zu lesen: Erst der Kaiser, dann die Angehörigen des Kaiserhauses; darunter auch Frauen. Die Loyalität der Soldaten galt also nicht nur den Imperatoren selbst, sondern auch ihren Familien und in besonderem Maße auch den weiblichen Angehörigen, die für den Fortbestand des Kaiserhauses standen. Es gibt allerdings auf frühkaiserzeitlichen Feldzeichen, die eindeutig den Legionen zuzuordnen sind, Porträts von Männern und Frauen. Solche Feldzeichen mit imagines scheinen spätestens in flavischer Zeit von den Stangenfeldzeichen aller Einheiten außer denen der Prätorianer verschwunden zu sein, was wohl als Ausdruck der besonderen Nähe zwischen Kaiser und Garde angesehen werden kann. Anhand der Anbringung eines imago am signum kann man zumindest für die Zeit ab den Flaviern also gut die signiferii der Prätorianer von denen der Legionen unterscheiden. Bei den Legionen und den Auxiliaren gab es spätestens ab dieser Zeit einen eigenen imaginifer, während es einen solchen nach heutigen Erkenntnissen weder bei den Prätorianern noch bei den equites singulares augusti, den cohortes urbanae und den cohortes vigilum gab. Die Einführung der imagines bei den Legionen und Auxiliaren diente in sakraler Hinsicht als Vertretung für den Kaiser, der weder den jährlich zu erneuernden Treueeid entgegennehmen noch die notwendigen Opferriten durchführen konnte. Die imagines waren die symbolischen Stellvertreter des nicht persönlich anwesenden Imperators.
Abb. 11: Prätorianer der Gruppe Cohors I. Praetoria beim Römerfest „Salve Abusina“ in Eining, Deutschland.
Der Feldzeichenträger der Prätorianer unterschied sich auch insofern von den Feldzeichenträgern der Legionen, als er nicht nur ein Bärenfell (Wölfe sind nicht sicher nachzuweisen) trug, sondern auch das Fell von Raubkatzen. Das Tragen von Raubkatzenfellen war womöglich ein Privileg der Prätorianer, was ihren Status als Elitetruppe unterstreicht (Abb. 13). An Fellen kann es nicht gemangelt haben. Nero ließ bei einem einzigen Auftritt in der Arena 300 Löwen durch seine Gardereiter erlegen (Cassius Dio 61, 9). Noch zu Diokletians Zeiten waren die pelles leoninae und leopardinae keine sehr kostspieligen Objekte (Höchstpreiserlass 7, 39 – 41).
Abb. 12: Grabplatte für Pompeius Asper (Centurio cohortis III praetoriae) In diesem Rahmen ist der Text rechts und links von einem Signum eingerahmt. In der Mitte befindet sich ein weiteres Feldzeichen, der aquila. Die corona hinter dem Adler gehört zu den dona militaria (Auszeichnungen), die links vom Adler abgebildet sind. Dort sind vier armillae, neun phalerae dargestellt.
Rechts vom Adler sind die Hühner des Pullarius, der kein Soldat war, in einer Kiste abgebildet.
Der Text lautet: Für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Aniensis, den Centurio der Legio XV Apollinaris, dann Centurio der Cohors III. Praetoria, dann Primus Pilus der Legio III. Cyrenaica, dann Praefectus Castrorum der Legio XX Victrix, hat Atimetus, sein Freigelassener, der Pullarius, das Grabmal errichtet für sich selbst und für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Collina, seinen eigenen Sohn, und für Marcus Pompeius Asper, des Marcus Sohn, aus dem Stimmbezirk Collina, seinen jüngeren Sohn und für Cincia Saturnina, seine Gattin.
Malerei von Angi Delrey nach dem Original aus Rom, Palazzo Albani – Del Drago.