Читать книгу Totenstille - Sue Grafton - Страница 7
3
ОглавлениеDolan holte mich mit seinem 1979er Chevrolet um zehn Uhr zu Hause ab. Stacey saß auf der Rückbank. Dolan parkte akkurat in zweiter Reihe und stieg aus. Er trug ein dunkelblaues Sweatshirt und eine abgewetzte Bluejeans. Die Karosserie des Chevy gab ein jämmerliches Bild ab. Im Tageslicht sah ich, dass der einstmals dunkelbraune Lack oxidiert war und nun die milchige Patina eines alten Schokoriegels hatte. Die hintere Stoßstange hing schief, der linke hintere Kotflügel war zerbeult, und eine lange Delle auf der Beifahrerseite hatte die Tür nahezu unbrauchbar gemacht. Ich schaffte es, sie mittels eines heftigen Rucks aufzubekommen, der das Metall wie aus Protest aufkreischen ließ. Als ich drinnen saß, zog ich kräftig an ihr und versuchte, sie wieder zu schließen. Dolan ging um den Wagen herum, wuchtete sie zu und sorgte dafür, dass das Schloss einschnappte, indem er mit der Hüfte dagegendrückte.
»Danke«, sagte ich. Ich hatte jetzt schon Bedenken, was sein fahrerisches Können anging.
Er beugte sich durch das offene Fenster hinein und hielt Stacey die Hand hin. »Gib mir deine Pistole, dann lege ich sie in den Kofferraum.«
Stacey ächzte und verrenkte sich zur einen Seite, damit er seine Pistole aus dem Halfter ziehen und sie Dolan reichen konnte. Dolan ging nach hinten und verstaute beide Waffen im Kofferraum, bevor er auf der Fahrerseite einstieg.
Die Sitzbezüge des Autos bestanden aus einem schmuddeligen beigen Stoff, der es einem schwer machte, auf dem Sitz herumzurutschen. Also blieb ich wie festgeklebt sitzen. Ich drehte mich um, um Stacey anzusehen, der mit einem ins Kreuz gestopften Kopfkissen auf der Rückbank hockte. Die rote Strickmütze hatte er fast bis zu den Augenbrauen heruntergezogen. »Hab mir das Kreuz verrenkt«, erklärte er. »Beim Kistenschleppen letzte Woche. Ich hätte wohl lieber beherzigen sollen, was meine Mutter immer gesagt hat, nämlich die Dinger aus den Knien heraus anzuheben.«
Dolans Wanderstiefel waren voller Lehm, und davon abgefallene, waffelartig geformte Stücke lagen auf der Fußmatte auf seiner Seite. Er verstellte den Rückspiegel, um mit Staceys Spiegelbild zu sprechen. »Die hättest du mir überlassen sollen. Ich hab dir doch gesagt, dass ich mich darum kümmere.«
»Hör auf, die Glucke zu spielen. Ich bin nicht hilflos. Es ist eine Muskelzerrung, weiter nichts. Mein Ischias macht eben Ärger. Auch gesunde Leute können sich verletzen, weißt du. Es ist kein Drama.«
Im harten Tageslicht sah ich, dass seine Haut trotz der Bluttransfusion einen Graustich hatte, und durch die Flecken unter den blassen Brauen schienen seine Augen in den Höhlen zu versinken. Er war rustikal gekleidet: eine braune Cordhose, Wanderstiefel, ein rot kariertes Wollhemd und eine Fischerweste.
»Möchten Sie hier vorn sitzen?«
»Ich bleibe lieber, wo ich bin. Ich weiß vorher nie genau, wann ich mich hinlegen muss.«
»Sagen Sie einfach Bescheid, wenn Sie die Plätze tauschen wollen.«
Ich zerrte an meinem Sicherheitsgurt, der irgendwo klemmte. Es kostete mich unverhältnismäßig viel Zeit, den Mechanismus dazu zu bringen, ein Stück Gurt freizugeben, das lang genug war, dass ich es einhaken konnte. Unterdessen ließ Dolan den Wagen an, und wir fuhren los. Der Innenraum roch nach Nikotin und Hund. Dolan kam mir eigentlich nicht wie ein Hundeliebhaber vor, aber ich wollte nicht fragen. Der Fußraum war übersät mit Tankquittungen, leeren Zigarettenschachteln und mehreren Zellophantüten, die einst Kartoffelchips, Käsecracker und andere herzgesunde Knabbereien enthalten hatten.
Wir tankten direkt neben dem Freeway, dann lenkte Dolan den Wagen in den Verkehr hinaus und in nördlicher Richtung die 101 entlang. Sowie wir eine konstante Reisegeschwindigkeit erreicht hatten, drückte er auf den Zigarettenanzünder und griff nach dem Päckchen Camel, das er auf dem Armaturenbrett liegen hatte.
Stacey rief: »Hey! Reiß dich zusammen. Du hast einen Krebspatienten auf dem Rücksitz.«
Dolan verstellte erneut den Rückspiegel, damit er Staceys Gesicht sehen konnte. »Das hindert dich aber offensichtlich nicht daran, deine Pfeife zu rauchen.«
»Die Pfeife dient nur der Entspannung. Aber bei den Unmengen, die du rauchst, stirbst du noch vor mir.«
»Schwachsinn«, knurrte Dolan, ließ die Zigaretten aber liegen.
Stacey tippte mir auf die Schulter. »Sehen Sie? Der Typ passt auf mich auf. Das würde man nie von ihm denken.«
Dolans Lächeln war kaum wahrnehmbar, doch es machte seine Gesichtszüge weicher.
Hinter Colgate verliefen Eisenbahngleise und Landstraße parallel zum Meer. Im Norden ragten düster und grau die Santa Ynez Mountains auf, die dicht mit niedriger Vegetation bewachsen waren. Es gab kaum Bäume, und die Umrisse der unteren Hänge beschrieben ein welliges Grün. Ein Großteil der Topographie war durch massive Erdrutsche gekennzeichnet, und Sandstein und Schieferreste erstreckten sich meilenweit. Dolan und Stacey führten ein Gespräch, das aus Jäger- und Anglerlatein bestand – endlose Schilderungen all der Kreaturen, die sie geschossen, gefischt, gefangen und geschnappt sowie ausgenommen, gehäutet und nach Hause geschleppt hatten. Männer finden so was ja unheimlich anregend.
Wir fuhren an der öffentlichen Strandanlage entlang, wo es Campingparzellen aus nebeneinander liegenden Asphaltrechtecken gab, die verdächtig an Parkplätze erinnerten. Wohnwagen und Wohnmobile standen ordentlich in Reih und Glied wie Klaviertasten, während ihre Besitzer Picknicktische und -stühle aus Aluminium aufklappten und ihre tragbaren Grills anheizten – das alles auf Flächen, die wesentlich kleiner waren als die Gärten, die sie zu Hause hatten. Die Kinder würden sich mit Hot Dogs und Kartoffelchips voll stopfen, im Meer herumtollen und sich dann mit klebrigen Haaren und Körpern, die eingesalzen waren wie kleine Kabeljaufilets, im Wagen schlafen legen. Bei Dolan und Stacey löste der Anblick der aufgereihten Camping-Fahrzeuge die Erinnerung an einen weiteren ungelösten Mordfall aus – zwei Teenager, die an einem abgelegenen Strandstück erschossen worden waren. Danach vertrieben sie sich die Zeit damit, auf verschiedene Stellen hinzuweisen, wo frühere Mordopfer abgelegt worden waren. Im Bezirk Santa Teresa gab es eine ganze Reihe solcher Stellen.
Ein paar Kilometer hinter Gull Cove nahm Dolan die Ausfahrt und fuhr in westlicher Richtung auf dem California I weiter. Ich merkte, wie mich die vorbeiziehende Landschaft schläfrig machte. Hier wogten die Hügel dahin, getupft mit zerzausten Ansammlungen der dunkelgrünen Eichen, die sich übers Land zogen. Der Himmel war blassblau und nur von zartesten Wolken marmoriert. Die Luft roch nach den heißen, mit Butterblumen gesprenkelten und von der Sonne ausgetrockneten Weiden, auf denen gelegentlich Rinder grasten.
Die zweispurige Straße wand sich nach Nordwesten. Von Zeit zu Zeit führte sie durch unregelmäßige, hoch aufragende Felsengründe. Auf einem dieser Streckenabschnitte war vor zweiunddreißig Jahren ein riesiges Felsstück den Abhang heruntergedonnert, als wir gerade vorbeifuhren, und hatte die Windschutzscheibe des Autos meiner Eltern zertrümmert. Ich saß hinten, spielte mit meiner papierenen Puppe und sah erbost drein, weil ich ihr gerade das linke Pappbein am Knöchel abgeknickt hatte. Die unbezwingbare Wut einer Fünfjährigen wallte in mir auf, weil ihr Fuß jetzt ganz krumm und lahm aussah. Ich wollte gerade zu heulen anfangen, als einer der beiden Erwachsenen entsetzt aufschrie. Vielleicht war das herabstürzende Felsstück auf seinem Weg nach unten kurz zu sehen gewesen, als es in einem rasanten Strom aus kleineren Steinen und Erdreich nach unten kullerte. Die Zeit reichte nicht, um zu reagieren. Die Wucht des Felsstücks durchschlug die Windschutzscheibe, zertrümmerte meinem Vater Schädel und Brustkorb und tötete ihn auf der Stelle. Das Auto brach nach rechts aus, schlitterte außer Kontrolle dahin und krachte gegen die felsige Anhöhe.
Der Aufprall schleuderte mich nach vorn und quetschte mich gegen den Fahrersitz. In diesem engen Käfig aus zerdrücktem Metall leistete ich meiner Mutter in den letzten, langen Momenten ihres Lebens Gesellschaft. Heute weiß ich, was für ein Gefühl es aus ihrer Perspektive gewesen sein muss. Sie war so schwer verletzt, dass sie außerstande war, sich ohne höllische Schmerzen zu bewegen. Sie konnte mich wimmern hören, doch es war ihr unmöglich, herauszufinden, wie schwer ich verletzt war. Sie sah, dass ihr Mann tot war, und wusste, dass sie ihrerseits nicht weit davon entfernt war. Sie weinte und schluchzte vor Trauer. Nach einer Weile verstummte sie, und ich weiß noch, dass ich das für ein gutes Zeichen hielt, da ich nicht wusste, dass sie ihren Körper verlassen hatte und davongeschwebt war.
Dolan machte einen Schlenker, um einem Backenhörnchen auszuweichen, das direkt vor uns über die Fahrbahn gehuscht war. Instinktiv streckte ich eine Hand aus, um mich abzufangen, und sah dann wieder auf die Straße, während ich meine Gefühle mit der Geschicklichkeit eines Vivisektionisten abspaltete. Das ist ein Trick von mir, der vermutlich auf diese frühen Jahre zurückgeht. Ich versuchte, mich wieder auf die Unterhaltung zu konzentrieren, nachdem ich zu spät bemerkt hatte, dass ich angesprochen war.
Dolan fragte: »Hören Sie uns zu?«
»Sicher. Entschuldigung. Ich habe nur das Letzte nicht mitgekriegt.«
»Ich war gerade bei diesem Typen, diesem Frankie Miracle, von dem wir gestern Abend geredet haben. Er ist bei einer Routine-Verkehrskontrolle bei Lompoc herausgezogen worden. Der Saftsack hatte ein kaputtes Rücklicht, und als die Kollegen das Kennzeichen überprüfen, kommt heraus, dass der Wagen als gestohlen gemeldet ist und vom Sheriffbüro Los Angeles County gesucht wird. Galloway liest ihm seine Rechte vor und wirft ihn ins Kittchen. Gleichzeitig wird der Wagen in die Polizeigarage geschleppt. Als sich Galloway hinhockt, um seinen Bericht zu schreiben, liest er die Fahndungsmeldung, in der steht, dass die rechtmäßige Besitzerin des Fahrzeugs Opfer eines Mordes geworden ist. Er geht noch mal rüber ins Gefängnis, erklärt Frankie, dass er unter Mordverdacht steht, und liest ihm erneut seine Rechte vor. Zwei Tage danach gehen Stacey und ich auf Rotwildjagd und finden das Mädchen.«
»Genau, wenn das Rücklicht nicht gewesen wäre, hätte Frankie schon in Oregon sein können und wir hätten ihn vielleicht gar nicht mit der Sache hier in Verbindung gebracht.«
»Was ist mit der Waffe? Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals erwähnt worden wäre.«
»Wir haben das Messer nie gefunden, aber der Leichenbeschauer meinte, den Verletzungen nach zu urteilen muss die Klinge mindestens zwölf Zentimeter lang gewesen sein. Gerüchten zufolge hatte Frankie etwas Ähnliches bei sich, allerdings nicht mehr, als wir ihn hochgenommen haben.«
»Wahrscheinlich hat er es weggeworfen oder vergraben«, sagte Stacey »Die Gegend dort oben ist unwegsam. Ein Such- und Rettungsteam ist angerückt und hat eine Rastersuche veranstaltet, aber rein gar nichts gefunden.« Er beugte sich vor, tippte Con auf die Schulter und zeigte auf eine Seitenstraße, die etwa hundert Meter vor uns rechts abzweigte. »Da ist es. Direkt nach der Brücke da vorn.«
»Glaubst du? Meiner Erinnerung nach war es noch ein Stück weiter, bei einem weißen Zaun aus drei Latten.«
»Oh. Gut möglich. Da könntest du Recht haben.«
Dolan hatte von siebzig Stundenkilometern auf vorsichtige fünfundzwanzig abgebremst. Die beiden spähten zu einer zweispurigen Schotterstraße hinüber, die eine Kurve beschrieb und dann außer Sichtweite verschwand. Offenbar kam sie ihm nicht bekannt vor, denn Stacey sagte: »M-m. Versuch’s mal nach der nächsten Kurve. Womöglich sind wir aber schon vorbeigefahren.« Er drehte sich um und schaute aus dem Rückfenster.
Schließlich wendete Dolan, und wir kehrten um und fuhren erneut langsam dahin, bis sie sich über die Stelle geeinigt hatten. Dolan bog in eine Nebenstraße ab, die über dem rissigen Asphalt gekiest war und den Umrissen eines flachen Hügels folgte. Direkt vor uns sah ich die Stelle, wo sich die Straße Y-förmig teilte. Ein abgeschlossenes Tor versperrte den Zugang zu dem Grundstück mit seinen »Zutritt für Unbefugte verboten«-Schildern. Rechts vor dem Tor stand ein Jeep.
»Und wo ist nun der Grayson-Steinbruch?«, erkundigte ich mich nach dem Leichenfundort, wie er im Polizeibericht ausgewiesen war.
»Rechts um die Kurve und dann noch etwa vierhundert Meter«, antwortete Dolan. Als er am Straßenrand hielt und die Handbremse anzog, stieg ein älterer Herr in Jeans, Cowboystiefeln und Lederhut aus dem Jeep. Er war klein und stämmig und hatte einen Schmerbauch à la Weihnachtsmann, der gegen die Knöpfe seines Westernhemds drückte. Mit ausgeprägtem Hinken kam er zu uns herüber. Dolan stellte den Motor ab und stieg aus.
Stacey murmelte: »Das ist Arne Johanson, der Vormann der Ranch. Ich habe ihn angerufen, und er hat sich bereit erklärt, sich hier mit uns zu treffen und uns das Tor aufzusperren.«
Bis sich Stacey vom Rücksitz geschält hatte, war ich auf der Beifahrerseite ausgestiegen und hatte die Tür mit einem Hüftschwung zugeschlagen. Sowie Dolan im Freien stand, zündete er sich eine Zigarette an.
Stacey ging auf den alten Mann zu und schüttelte ihm die Hand. Mir fiel auf, dass er sich darum bemühte, dynamisch zu wirken. »Mr. Johanson. Wirklich nett von Ihnen. Ich bin Stacey Oliphant von der Sheriffbehörde hier im Bezirk. Sie erinnern sich wahrscheinlich nicht daran, aber wir sind uns im August 1969 schon mal begegnet, als die Tote gefunden wurde. Das ist Lieutenant Con Dolan von der Polizei Santa Teresa. Er hat mich damals begleitet. Wir zwei waren zum Jagen hier oben, als wir auf das Mädchen gestoßen sind.«
»Sie sind mir gleich bekannt vorgekommen. Schön, Sie zu sehen.«
»Danke. Freut uns, dass Sie uns helfen.«
Der Blick des Alten wanderte in meine Richtung. Meine Anwesenheit schien ihn zu erstaunen. »Hätte gern ’nen Ausweis gesehen, wenn’s Ihnen nichts ausmacht.« Dies sagte er zwar zu den Männern, doch sein Blick verharrte auf mir.
Stacey schob die Jacke beiseite und ließ das Abzeichen an seinem Gürtel sehen. Darauf war zwar vermerkt, dass er im Ruhestand war, doch Johanson schien das nicht zu bemerken, und Stacey fühlte sich offenbar nicht verpflichtet, ihn darauf hinzuweisen. Dolan rollte die Zigarette in einen Mundwinkel, holte das aufklappbare Lederetui mit seinem Abzeichen heraus und hielt es ihm hin. Während sich Johanson vorbeugte und es studierte, zog Dolan eine Visitenkarte hervor und reichte sie ihm. Johanson steckte die Karte in seine Hemdtasche und musterte mich verschmitzt.
»Sie gehört zu uns«, erklärte Dolan.
Ich war selbstverständlich bereit, ihm eine Abschrift meiner Lizenz zu zeigen, doch Dolans Beschützerhaltung gefiel mir, und so fand ich, dass ich es mir sparen konnte. Als der alte Mann erneut Blickkontakt zu mir suchte, schaute ich weg. Ich hielt ihn für einen Ewiggestrigen, einen alten Knacker, der fand, dass Frauen in die Küche gehörten, nicht hinaus in die »reale« Welt, Seite an Seite mit den Männern. Er musste über achtzig sein. Seine Augen waren klein und wässrig blau, sein Gesicht von der Sonne gegerbt, mit tiefen Falten und stachligen Barthaaren, die sich weiß von der ledrigen Haut abhoben. Er richtete den Blick auf Dolans Zigarette. »Damit wäre ich an Ihrer Stelle vorsichtig. Hier oben herrscht Brandgefahr.«
»Ich passe schon auf.«
Johanson nahm einen Schlüsselbund heraus, und wir marschierten alle vier zu dem metallenen Tor mit dem alten Vorhängeschloss hinüber. Sein Gang war schwankend, was eine alte Verletzung vermuten ließ. Vielleicht hatte er in jungen Jahren sein Geld als Rodeoreiter verdient. Er wählte einen Schlüssel aus, drehte ihn im Schloss und zog es von der Spange. Dann stieß er das durchhängende Tor zur Seite, bis es an einem Punkt angelangt war, wo es im Gras stecken blieb. Wir gingen alle vier hindurch, Dolan und Stacey voran, ich direkt hinter ihnen und Johanson als Letzter.
»Es waren zwei Polizisten, die sie gefunden haben, als sie hier auf die Jagd gehen wollten«, sagte er. Offenbar hatte er Staceys Hinweis auf ihre damalige Begegnung entweder überhört oder vergessen.
Dolan brummte eine unverständliche Erwiderung, die den Alten jedoch nicht in seiner Redseligkeit zu bremsen schien. »Wir haben Wildschweine auf dem Grundstück. Der Besitzer lässt ab und zu Jäger rein, um die Herde klein zu halten. Wildschweine sind aggressiv. Ich hab schon erlebt, wie sie kehrtgemacht und direkt auf mich losgegangen sind, bis ich eine blutige Schramme im Bein hatte. Bösartige Biester, das kann ich Ihnen sagen. Penisse wie Rasierklingen, hab ich mir sagen lassen. In der Paarungszeit quiekt das Weibchen derart, dass einem die Haare zu Berge stehen.«
»Übrigens waren Lieutenant Dolan und ich diejenigen, die die Leiche gefunden haben. Wir wollten eigentlich jagen gehen.«
»Sie beide. Tatsächlich? Ja, leck mich doch. Ich hätte schwören können, dass ich Sie von irgendwoher kenne.«
»Wir sind alle ein bisschen älter geworden.«
»Allerdings. Ich bin selbst siebenundachtzig, geboren am ersten Januar neunzehnhundertnullnull. Hab mir vor kurzem die Hüfte gebrochen, als mein Pferd auf mich draufgefallen ist. Es ist nicht besonders gut verheilt. Heutzutage können sie einem ja das alte Gelenk rausnehmen und ein anderes einbauen. Wenn das mit der Hinkerei nicht aufhört, besorge ich mir vielleicht wirklich ein nagelneues. Sagen Sie mal, worum dreht sich das Ganze überhaupt? Ich bin nicht ganz im Bild.«
Stacey antwortete: »Die Sheriffbehörde überarbeitet ein paar alte Akten und nimmt sie erneut unter die Lupe. Wir rollen den Fall in der Hoffnung noch mal auf, ihn jetzt aufklären zu können.«
»Und weshalb kommen Sie hier rauf?«
»Wir wollten den Fundort sehen, damit wir uns ein konkreteres Bild zu den Berichten machen können. Die alten Fotos vom Fundort sagen uns nicht, wie das Gelände angelegt ist, wie die relativen Distanzen sind und dergleichen. «Das war wieder Stacey gewesen. Bislang hatte ich kein Wort gesagt.
Johansons Blick wanderte erneut mit notdürftig verhohlener Neugier zu meinem Gesicht. »Das kann ich verstehen. Ich habe meinen Sohn mit hergebracht, als sie die Leiche aus der Schlucht geholt haben. Er war vierzehn und fand es große Klasse, immer per Anhalter zu fahren, wenn er irgendwohin musste. Ich wollte, dass er sieht, wie er enden kann.«
»Sie haben einen so jungen Sohn?«, sagte ich und bemühte mich, nicht übermäßig erstaunt zu klingen.
Der Alte grinste und gab dabei den Blick auf schwarze und schiefe Zähne frei. »Zwei sogar«, antwortete er. »Ich bin fünfmal verheiratet gewesen, aber ich hatte nie Kinder, bis zur letzten Runde. Der jüngere ist gestern zweiunddreißig geworden. Ich habe ihm Arbeit auf der Ranch besorgt. Der andere ist ein Nichtsnutz. Aber wahrscheinlich muss ich mir sagen, dass fünfzig Prozent ein Erfolg waren, statt dass fünfzig Prozent misslungen sind.«
Dolan warf seine Zigarette zu Boden und trat die Glut sorgfältig aus. »Glauben Sie, dass sie so umgekommen ist? Dass jemand sie mitgenommen und schließlich erstochen hat?«
»Das wäre meine Vermutung. Man ist ja nie dahinter gekommen, wer sie war. Ein Jammer, wenn Sie mich fragen. Die ganzen Jahre haben ihre Eltern nie erfahren, was mit ihr passiert ist. Wahrscheinlich glauben sie immer noch, sie kommt irgendwann heim, und dabei hat sie hier gelegen, die Kehle von einem Ohr zum anderen durchgeschnitten.«
»Das Mädchen zu identifizieren ist ein Teil dessen, was wir erreichen wollen«, sagte Stacey.
Dolan zündete sich bereits die zweite Zigarette an. »Danke, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben, Mr. Johanson. Sie haben sicher zu tun, und wir wollen Sie nicht aufhalten. War nett, dass Sie uns hier empfangen haben.«
»Gern geschehen. Machen Sie sich wegen mir keine Gedanken. Ich tappe einfach mit, bis Sie fertig sind, und schließe dann das Tor wieder ab.«
»Wir brauchen nicht lang. Und wir schließen gern das Tor wieder ab, wenn wir gehen.«
»Das Warten macht mir nichts.«
Stacey und Dolan wechselten einen Blick, doch keiner sagte auch nur noch ein Wort, während sie die restliche Strecke zum Rand des Abhangs zurücklegten.
Johanson trottete hinter uns her. »Damals gab’s hier kein Tor. Ich schätze, der Kerl ist auf und ab gefahren, hat nach ’ner Stelle Ausschau gehalten, wo er sie abladen kann, und sich dann den Platz hier ausgesucht. Von dem Steinbruch hat er wohl nichts gewusst. Auf der Straße ist zu jeder Tageszeit viel Verkehr. Leute, die zur Grube unterwegs sind. Bei schlechtem Wetter ist das anders. Da stellen sie den Betrieb ein, wenn es zu mies wird.«
»Es wundert mich, dass sie nicht von einem von Graysons Angestellten gefunden worden ist«, sagte Stacey
»Weil sie gerochen hat?«
»Genau.«
»Könnte ja trotzdem sein. Viele von den Jungs sind aus Mexiko. Denen war es wichtig, nicht aufzufallen, vor allem, wenn die Polizei ins Spiel kam. Wahrscheinlich haben sie gedacht, es wäre ein Hund, falls sie überhaupt was gerochen haben. Dass es ein ermordetes junges Mädchen war, wäre ihnen garantiert als Letztes eingefallen.«
Dolans Erwiderung war unverbindlich, vielleicht, weil er hoffte, so den Fortgang des Gesprächs abzublocken. Indem er Johanson ignorierte, kletterte er ein paar Schritte den Abhang hinab. Der Boden schien weich zu sein, obwohl seine Oberfläche staubbedeckt war. Dolan fasste ein Stück weiter unten am Abhang mit dem rechten Fuß Tritt, blieb mit den Händen in den Jeanstaschen stehen und studierte das Gebüsch. »Sie hat ungefähr da gelegen. Damals waren die Sträucher hier in der Gegend viel dichter.«
»Die haben wir wegen der Feuerpolizei ausgedünnt«, erklärte Johanson. »Sie kommt meistens zweimal im Jahr. Der Besitzer schneidet die Sträucher erst, wenn man ihm droht. Zu knickrig.«
»Bei der Feuergefahr hier oben darf man das Gestrüpp nicht ignorieren«, sagte Stacey, wie immer ausgesucht höflich.
»Nein, Sir. Genau, was ich auch immer sage. Allerdings stehen jetzt mehr Bäume da. Damals, als das Mädchen hier runtergeschmissen worden ist, gab’s den da und den da noch nicht. Sind beides schwarze Akazien. Wachsen wie Unkraut. Ich würde sie ja selbst fällen, aber der Besitzer will nichts davon hören. Bloß Eichen fass ich nicht an. Nicht für Geld und gute Worte würde ich eine fällen, es sei denn, sie ist von innen her verfault.«
Dolan und ich ignorierten ihn. Ich sah Dolan zu, wie er den Abhang wieder hinaufstieg, stehen blieb und den Teil des Highway I musterte, der von unserem Standort aus sichtbar war. »Ich vermute, dass er rückwärts hier reingefahren ist und dann den Kofferraum aufgemacht hat. Wahrscheinlich hat er die Malerplane dazu benutzt, um die Leiche das kurze Stück von dort nach hier zu ziehen. Die Plane war auf der einen Seite massiv verschmutzt, und man konnte eine Spur durch das Gebüsch sehen, wo die Sträucher von dem Gewicht platt gedrückt worden waren.«
»Früher sind immer Jugendliche zu Petting-Partys hier reingefahren«, sagte Johanson. »Montagfrüh lagen überall Pariser, schlaff wie Schlangenhäute. Deshalb haben wir ja das Tor eingebaut, um Autos fern zu halten.«
Ich sah Stacey an. »War sie in die Plane eingewickelt?«
»Zum Teil. Wir glauben, dass er sie woanders ermordet hat. Im Gras waren zwar Blutflecken, aber nicht einmal annähernd so viel, wie es hätten sein müssen, wenn sie hier verblutet wäre. Wahrscheinlich hat er die Plane genommen, damit es im Kofferraum keine Flecken gibt.«
Dolan sagte: »Wenn wir damals schon diese neuen High-Tech-Geräte gehabt hätten, hätten wir garantiert massenhaft Spuren gefunden. Haare, Fasern, vielleicht sogar Fingerabdrücke. Das war alles andere als ein sauberer Mord. Er hatte einfach nur Glück. Kein Mensch hat den Mord beobachtet, und kein Mensch hat ihn gesehen, als er sie hier über den Abhang geworfen hat.«
Johanson wurde wieder munter. »Ein Anwohner hier in der Nähe – C. K. Vogel heißt er – ich weiß nicht, ob Sie sich daran erinnern, aber C. K. hat am achtundzwanzigsten Juli morgens einen hellen VW auf der Straße da drüben stehen sehen. Über und über mit Peace-Zeichen und psychedelischem Hippie-Zeugs bemalt. Meinte, der wäre um elf Uhr abends immer noch dagestanden. Mit Vorhängen an den Fenstern. Gedämpftes Licht im Inneren. Am nächsten Morgen war er weg, aber C. K. hat gesagt, der wäre ihm seltsam vorgekommen. Ich glaube, er hat im Sheriffbüro angerufen und es gemeldet, nachdem das Mädchen gefunden worden war.«
Dolans Skepsis war unverkennbar, obwohl er sich um Höflichkeit bemühte – keine leichte Aufgabe für ihn. »Hat vermutlich nichts damit zu tun, aber wir gehen der Sache nach.«
»Hat außerdem gesagt, er hätte ein Cabrio gesehen. Womöglich hat der Killer das gefahren. Rot, soweit ich mich entsinne, mit ’nem Kennzeichen aus einem anderen Bundesstaat. An Ihrer Stelle würd ich auf jeden Fall mit ihm reden.«
»Danke für die Information«, sagte ich. »Ich werd’s mir notieren.«
Johanson sah mich interessiert an. Auf einmal schien ihm ein Licht aufzugehen: Ich war Polizeisekretärin und begleitete die wackeren Ermittler, um ihnen die Mühsal der ganzen Büroarbeit zu ersparen.
Der Wind drehte sich leicht und blies mir Dolans Rauch ins Gesicht. Ich stellte mich auf die windabgewandte Seite.
»Etwas über Miracle habe ich zu erwähnen vergessen«, sagte Stacey. »Als wir noch mal zur Polizeigarage gegangen sind und Frankies Wagen durchsucht haben, haben wir Spuren von Erdreich in den Fußmatten gefunden, die mit dem Erdreich von dem Abhang hier identisch sind. Dummerweise sagen die Experten, dass es unmöglich ist, diese Probe von Bodenproben aus anderen Steinbrüchen in Kalifornien zu unterscheiden. An der Westküste finden sich die umfangreichsten Meeresablagerungen weltweit.«
»Den Bericht habe ich gesehen. Jammerschade«, erwiderte ich. »Was hat Frankie gesagt, als Sie ihn verhört haben?«
»Er hat uns eine lange, verworrene Geschichte darüber aufgetischt, wo er angeblich gewesen ist. Hat behauptet, er sei in der Gegend wandern gewesen, aber das konnten wir nicht erhärten.«
Dolan sagte: »Er war total high, als sie ihn aufgegriffen haben. Gras oder Koks. Das steht nicht auf dem Haftblatt. Er soll ein Methedrin-Freak sein, hab ich gehört.«
»Damals war doch jeder unter dreißig total high«, sagte ich.
Mr. Johanson räusperte sich, da er für seinen Geschmack schon zu lang aus der Unterhaltung ausgeblendet geblieben war. »Wo Sie schon mal da sind, möchten Sie vielleicht auch den Rest des Anwesens sehen. Das ist die letzte Ranch dieser Größe. Es dauert nicht mehr lang, dann reißen sie das alte Haus ab. Wahrscheinlich teilen sie es dann in Parzellen auf, so weit das Auge reicht.«
Ich wollte spontan ablehnen, aber Dolan konnte sich offenbar für die Idee erwärmen. »Ich hab’s nicht eilig. Mir ist’s recht«, sagte er und warf Stacey einen Blick zu. Stacey gab achselzuckend seine Zustimmung und sah mich fragend an.
»Klar«, sagte ich. »Ich habe nichts dagegen. Sind wir hier fertig?«
»Fürs Erste schon. Wir können ja jederzeit wiederkommen.«
Johanson ging auf sein Gefährt zu. »Am besten nehmen wir den Jeep. Die Straße ist von den schweren Regengüssen neulich überall aufgerissen. Bringt doch nichts, unter Ihrem schicken Wagen Staub und Schotter aufzuwirbeln.«
In meinen Ohren klang das abfällig. Ich sah Dolan an und wartete auf eine Reaktion, doch er stimmte der Einschätzung des Alten offenbar zu.
Wir setzten uns in den Jeep, Stacey auf den Beifahrersitz, Dolan und ich auf die Rückbank. Die Sitze waren mit rissigem Leder bezogen, und alle Plastikfenster waren entfernt worden. Johanson ließ den Motor an und löste die Handbremse. Das Fahrzeug besaß keine Stoßdämpfer mehr. Ich fasste nach oben und packte den Überrollbügel, an den ich mich klammerte, als wir ruckartig und stoßweise die von tiefen Furchen durchzogene Schotterstraße hinaufzufahren begannen. Genau wie ich klammerte sich Stacey an den Rahmen des Jeeps, um einen Halt zu haben, zuckte aber immer wieder vor Schmerz zusammen, wenn ihm die Stöße in sein lädiertes Kreuz fuhren.
Das Gras zu beiden Seiten war struppig. Zu unserer Linken erhob sich eine Anhöhe, die nach oben hin flach auslief und eine Tafel bildete, auf der mehrere schwere Maschinen standen. Ein Großteil des restlichen Grundes war gerodet und terrassiert worden, weite Geröllfelder ohne jede Auflockerung durch Grün. »Das ist der Steinbruch«, erklärte Johanson im Brüllton, um das Klappern und Quietschen des fahrenden Jeeps zu übertönen.
Ich beugte mich vor und richtete meine Kommentare an seinen Hinterkopf. »Ehrlich? Das sieht ja aus wie eine Kiesgrube. Ich hatte mir hohe Kalksteinwände vorgestellt.«
»Andere Art von Steinbruch. Das hier ist Tagebau. Im Grayson-Steinbruch wird Kieselgur abgebaut. Da, ich hab eine Probe. Schauen Sie sich’s mal an.« Mit einem Auge auf der Straße bückte er sich, nahm einen Stein vom Fußboden des Jeeps und reichte ihn mir über die Lehne nach hinten. Der Stein war rau, kalkweiß und etwa so groß wie eine Brotscheibe mit unregelmäßigen Rillen in der Rinde. Ich gab ihn Lieutenant Dolan weiter, und er wog ihn wie ich in der Hand, da er verblüffend leicht war.
»Was haben Sie gesagt, ist das?«, fragte ich.
»Kieselgur.«
Ich merkte, wie mir ein unbehaglicher Schauer über den Rücken lief, als er mit seiner Erklärung fortfuhr. »Kieselgur ist eine Ablagerung, die hauptsächlich aus den kieselsäurehaltigen Panzern von Kieselalgen besteht. Das ganze Gebiet hier lag in grauer Vorzeit unter Wasser. Demzufolge, wie man’s mir erklärt hat, haben sich die Meerestiere von Kieselalgen ernährt, die es hier in Kolonien gegeben hat. Jetzt wird es pulverisiert und als Schleifmittel oder manchmal auch als Absorptionsstoff benutzt.«
Stacey erhob die Stimme über das Knirschen der Reifen. »Ich hab’s früher immer genommen, um Bier zu filtern, wenn ich zu Hause welches gebraut habe.«
Die Straße begann anzusteigen, und der Jeep kämpfte sich bergauf, bis wir schließlich um eine Kurve fuhren und das alte Haus in Sichtweite kam – wuchtig, verfallen, ein viktorianisches Überbleibsel in Bedrängnis. Es war nicht zu übersehen, dass der Bau einst prächtig gewesen war, doch nun schlängelte sich von allen Seiten Unkraut und Buschwerk heran, überwucherte den Garten und begrub den zerbrochenen Holzzaun unter sich. Jahrelange Vernachlässigung hatte die Nebengebäude baufällig werden lassen, sodass jetzt nur noch die rohen Steinfundamente sowie da und dort Stöße umgestürzter und verfaulender Balken übrig geblieben waren.
Das Haus selbst war ein zweistöckiger weißer Holzbau, flankiert von je einem einstöckigen Anbau auf beiden Seiten. Es gab vier Veranden, die Schatten und geschützte Belüftung boten, sodass Türen und Fenster bei jedem Wetter offen gelassen werden konnten. Eine Veranda zog sich über die Vorderseite des Hauses, über ihr eine zweite. Eine kleine Aussichtsplattform saß auf dem Dach. Die zahlreichen in Paaren angeordneten Fenster waren schmal und dunkel, und viele der Scheiben wiesen jene Art von gezackten Löchern auf, die Steinewerfer verursachen, wenn sie einen Treffer landen.
Johanson gestikulierte zu dem Haus hin, verringerte aber kaum das Tempo. »Steht schon seit Jahren leer. Ich wohne im Gärtnerhäuschen auf der anderen Seite der Scheune«, brüllte er.
Ich wandte unwillkürlich den Blick ab, als wir am Haus vorbeifuhren und auf mehrere Gebäude zuhielten, die an einer schattigen Stelle weiter vorn standen. Scheune, Geräteschuppen, Gewächshaus. Es gab Laubengänge aus Weinstöcken, die so knorrig waren wie Stricke. Verwitterte Holztische standen unter den Spalieren. Ich hatte das Gefühl, als bliese es mir kalt den Nacken hinab.
Johanson hielt vor einem windschiefen Holzhäuschen. Dahinter konnte ich eine grob gezimmerte Scheune sehen, die sich zur einen Seite neigte, und noch weiter hinten folgten endlose Holzzäune mit drei Querlatten.
Ich beugte mich erneut vor und legte Johanson eine Hand auf die Schulter. »Entschuldigen Sie, aber was haben Sie gesagt, wer der Besitzer ist?«
Er stellte den Motor ab, bevor er sich umwandte. »Mrs. LeGrand. Eigentlich sollte ich Mrs. Kinsey sagen, um ganz genau zu sein. Sie ist Witwe, muss mittlerweile über neunzig sein. War mit Burton Kinsey verheiratet, dem Mann, der den Steinbruch von ihrem Dad gepachtet hat. Er hat sein Vermögen mit der Grube gemacht, obwohl das Ganze von Rechts wegen ihr gehört hat, als der alte Herr gestorben ist ...«
Ich hörte bereits nicht mehr zu, und die Stille in meinem Kopf schien so tief zu sein wie eine vorübergehende Taubheit. Er sprach von meiner Großmutter mütterlicherseits, Cornelia Kinsey, geborene Cornelia Straith LeGrand.