Читать книгу Schulsozialarbeit in der Schweiz (E-Book) - Ueli Hostettler - Страница 8
Оглавление1.5 Befragung zu den Kooperationsformen
1.5.1 Vorgehen
Aufgrund der unklaren Datenlage zur Zahl der Schulsozialarbeitenden und der Schulen mit einem Schulsozialarbeitsangebot in der Deutschschweiz, die die Ziehung einer repräsentativen Stichprobe als nicht realistisch erscheinen liess, haben wir uns entschlossen, eine Gesamterhebung vorzunehmen. Dabei sind alle Schulsozialarbeitenden, von denen wir Kenntnis erhalten konnten, einbezogen und kontaktiert worden. Dafür haben wir zuerst die Grundgesamtheit der Schulsozialarbeitenden, die an Schulen mit einem entsprechenden Angebot zum Erhebungszeitpunkt tätig waren, möglichst genau bestimmt. Eine erste Schätzung der Bruttostichprobe konnte aufgrund der Angaben von Gschwind (2014) vorgenommen werden. Weitere mögliche Informationsquellen, lokale und regionale Register, sind in den letzten Jahren oft nicht ausreichend aktualisiert worden (z.B. http://schulsozialarbeit.ch), und auch kantonale Listen erforderten zusätzliche Recherchen, da die Schulsozialarbeit unterschiedliche Anbindungsformen aufweist. Darüber hinaus ist die Schulsozialarbeit ein sehr dynamisches Arbeitsfeld, in dem laufend neue Stellen geschaffen werden. Deshalb musste das Forschungsteam über zeitlich aufwendige Abklärungen für alle Kantone bestehende Daten aktualisieren oder überhaupt erst entsprechende Listen erstellen und die Kontaktangaben, die für die Rekrutierung der Schulsozialarbeitenden unabdingbar waren, zusammentragen. Dazu wurden auch in der gesamten Deutschschweiz die auf der Gemeinde- oder Gemeindeverbandsebene zuständigen Stellenleitenden der Schulsozialarbeit kontaktiert und um Teilnahme der unterstellten Schulsozialarbeitenden an der Studie gebeten. Der grosse Aufwand hat sich gelohnt. Er hat zusammen mit der Tatsache, dass vorgängig bei den Stellenleitenden die Erlaubnis eingeholt wurde, dazu beigetragen, dass wir eine hohe Rücklaufquote generieren konnten.
Mit diesen gesammelten Kontaktdaten konnte in einem zweiten Schritt die Telefonrekrutierung gestartet werden. Als Erstes erhielten die Stellenleitenden der Schulsozialarbeitenden per E-Mail eine Projektinformation und wurden danach telefonisch kontaktiert. Beim Telefonat wurden mögliche Fragen zum Projekt beantwortet und um die Kontaktangaben der Schulsozialarbeitenden gebeten. Dieses Vorgehen, Erstkontakt per E-Mail und anschliessende Kontaktierung per Telefon, wiederholte sich bei den Schulsozialarbeitenden. Am Telefon wurden jeweils Fragen geklärt und die Teilnahme an der Studie besprochen. Bei Schulsozialarbeitenden, die für mehrere Schulhäuser zuständig waren, wurde eines der Schulhäuser durch Würfeln zufällig ausgewählt. Die Schulsozialarbeitenden wurden gebeten, alle Antworten zum Fragebogen explizit auf dieses Schulhaus zu beziehen. Dabei wurden nur Schulhäuser in die Zufallsstichprobe einbezogen, bei denen die Schulsozialarbeit mindestens 10 Prozent (einen halben Tag) anwesend ist. Gleichzeitig wurden auch Namen und Kontaktdaten der Schulleitung am zufällig ausgewählten Schulhaus erfragt.
Als Nächstes wurde dann die zuständige Schulleitung kontaktiert und um Teilnahme gebeten, wobei das gleiche Vorgehen wie bei den Schulsozialarbeitenden angewendet wurde. Bei Ko-Leitungen wurde ebenfalls per Würfelentscheid eine Auswahl getroffen. Mit der Schulleitung wurde zudem die Teilnahme der Lehrpersonen abgeklärt.
Die Befragung der Schulsozialarbeitenden und der Schulleitungen erfolgte mit einem Online-Fragebogen (mittels der Software «Unipark»). Für die Befragung der Kollegien standen den Schulen drei unterschiedliche Vorgehensweisen zur Auswahl. Schulleitungen, die sich für die Befragung per Online-Fragebogen entschieden, stellten uns die E-Mail-Adressen der Lehrpersonen zur Verfügung. Die Lehrerinnen und Lehrer wurden dann mit einer Informationsmail und einem individuellen Link zum Ausfüllen des Fragebogens eingeladen. Schulleitungen, die sich dafür entschieden, die Lehrpersonen die Fragebogen an einer Sitzung (Lehrpersonenkonferenz) ausfüllen zu lassen, erhielten ein Paket mit Papierfragebogen, die die Lehrpersonen dann in einem neutralen und verschlossenen Briefumschlag der Schulleitung zurückgaben, die anschliessend die Rücksendung veranlasste. Schulleitende, die sich dafür entschieden, den Lehrpersonen die Fragebogen auszuteilen und sie individuell ausfüllen zu lassen, erhielten zusätzlich zu den Papierfragebogen bereits vorfrankierte Antwortumschläge, die die Lehrpersonen für die Rücksendung nutzen konnten.
1.5.2 Stichprobe
Für die Gesamterhebung zu den Kooperationsformen wurden 1059 Schulsozialarbeitende der Deutschschweiz identifiziert, die im Zeitraum zwischen August 2016 und Dezember 2017 berufstätig waren (Bruttostichprobe). Sie wurden kontaktiert und um Teilnahme an der Studie gebeten. Schliesslich konnte der Link zur Online-Befragung an 858 Personen gesendet werden (Nettostichprobe). Insgesamt nahmen 811 Schulsozialarbeitende an der Befragung teil und füllten einen Fragebogen aus, was einer sehr hohen Rücklaufquote von 94.5 Prozent bezogen auf die Nettostichprobe respektive von 76.6 Prozent bezogen auf die Bruttostichprobe entspricht (siehe Tabelle 2). Das Spektrum der Gründe, warum sich kontaktierte Schulsozialarbeitende gegen eine Teilnahme entschieden, reichte von Zeitmangel über Abwesenheit wegen Krankheit, Weiterbildung oder Mutterschaft bis hin zu fehlendem Interesse.
Weiter wurden die 858 Schulleitenden (Bruttostichprobe), die für die Schulen verantwortlich waren, wo die Schulsozialarbeitenden zum Erhebungszeitpunkt tätig waren, kontaktiert und um Teilnahme an der Studie gebeten. An 596 Schulleitende konnte ein Link zur Online-Befragung gesendet werden (Nettostichprobe). Davon füllten insgesamt 546 Schulleitende den Fragebogen aus. Dies entspricht, bezogen auf die Nettostichprobe, einem Rücklauf von 91.6 Prozent. Gründe für die Nicht-teilnahme waren bei Schulleitung und Lehrpersonen Zeitmangel, Schutz der Lehrpersonen vor Überlastung, Teilnahme an anderen Studien oder Evaluationen, andere Prioritäten oder fehlendes Interesse an der Befragung.
Die Schulleitenden wurden auch gefragt, ob sie ihr Kollegium bitten würden, an der Studie teilzunehmen. In 360 Fällen konnten wir so ebenfalls die Lehrpersonen befragen. Das heisst weiter, dass wir für 360 Schulen über Datensätze von allen drei Berufsgruppen verfügen und diese auch auf der Einzelschulebene triangulieren können. Weil in keinem Fall nur das Kollegium, nicht jedoch die Schulleitung befragt werden konnte, konnten wir für Einzelschulen, in denen alle drei Berufsgruppen teilnahmen, einen Rücklauf von 65.9 Prozent erzielen. In diesen Schulen konnten wir insgesamt 14068 Lehrpersonen zur Befragung einladen. Davon nahmen 6273 schliesslich an der Befragung teil, was einem Rücklauf von 44.6 Prozent entspricht.
Tabelle 2: Stichprobe der Befragung zu den Kooperationsformen
Akteur /-innen | Grundgesamtheit (Bruttostichprobe) | Zur Online-Befragung eingeladen (Nettostichprobe) | Realisierte Stichprobe | Rücklauf Bruttostichprobe (%) | Rücklauf Nettostichprobe (%) |
---|---|---|---|---|---|
Schulsozialarbeitende | 1059 | 858 | 811 | 76.6 | 94.5 |
Schulleitungen | 858 | 596 | 546 | 63.6 | 91.6 |
Lehrpersonen | – | 14068 | 6273 | – | 44.6 |
Schulen, bei denen alle drei Berufsgruppen befragt werden konnten | – | 546 | 360 | – | 65.9 |