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Wenig später tummelten sich um das Buena Vista herum die Kollegen der Scientific Research Division, der City Police unsere eigenen Leute. Was Don Gavin und Allan Salionowsky anging, so konnte man nur noch ihren Tod feststellen. Ich habe mein Leben dem Kampf gegen das Verbrechen gewidmet und dies auch nie bereut. Don und Allan hatten dich derselben Sache verschrieben wie Milo, Clive, Jay und all die anderen, die im FBI Field Office an der Federal Plaza ihren Dienst verrichten - allen voran unser Chef Mister Jonathan D. McKee. Aber Don und Allan waren gar nicht erst dazu gekommen, ihren Traum in die Wirklichkeit umzusetzen.

Aber ich nahm mir vor, dafür zu sorgen, dass ihr Tod nicht sinnlos bleiben würde…

Der verletzte Killer, den wir festgenommen hatten, verweigerte zunächst jede Aussage. Die Kollegen der City Police nahmen ihn nach Rikers Island mit, wo er in der dortigen Gefängnisklinik behandelt werden konnte.

Es war unwahrscheinlich, dass er bereit war, über seine Hintermänner zu sprechen.

Er trug einen Führerschein unter dem Namen Robin Carlos.

Der Name war echt, wie sich herausstellte. Sein Komplize, der unsere Agenten erschossen hatte und bei dem Feuergefecht mit ihnen selbst ums Leben gekommen war, hieß laut seiner Papiere Rick Mendoza. Beide waren wegen mehrfacher Körperverletzung und Drogenhandel vorbestraft.

Mit dem Killer, der Ray Azzaro auf dem Gewissen hatte, waren jedoch beide in keinem Fall identisch. Allein die Schuhgrößen reichten schon aus, um das sicher auszuschließen.

Letztlich waren die beiden nur Handlanger für jemand anderen gewesen.

Fragte sich nur, wer der große Unbekannte war, der es auf den Wäscher von Harlem abgesehen hatte.

Gutierrez war in diesem Zusammenhang alles andere als auskunftsfreudig.

Wir nahmen uns Gutierrez vor, nachdem sich ein Notarzt des Emergency Service um seine Platzwunde gekümmert hatte.

„Ich nehme an, Sie haben ein Büro oder dergleichen, wo wir uns ungestört unterhalten können“, sagte ich.

„Wenn es sein muss.“

„Es muss sein, Mister Gutierrez. Und nachdem wir mitgeholfen haben, Ihnen Ihr Leben zu retten, wäre das mindeste, was wir erwarten können etwas Kooperation.“

Gutierrez machte eine wegwerfende Handbewegung. Ich ahnte schon, dass uns seine Vernehmung nicht all zu viel weiterbringen würde. „Nur in Anwesenheit meines Anwaltes“, erklärte er schließlich.

„Es steht Ihnen frei, Ihren Anwalt anzurufen“, erwiderte ich.

Zwanzig Minuten später hatte er Clive Caravaggio und mich in ein Separee geführt.

Der Anwalt ließ auf sich warten.

„Ihr Anwalt heißt doch nicht zufällig Jeffrey Watson?“, fragte ich.

Gutierrez sah mich mit überraschtem Gesichtsausdruck an und grinste dann verlegen.

„Hey, G-man, dies ist ein freies Land, falls Sie davon noch nichts gehört haben sollten! Ich kann mich durch den Anwalt meines Vertrauens vertreten lassen – oder gibt es dagegen neuerdings irgendein Gesetz, dessen Verabschiedung ich nicht mitbekommen habe?“

„Es ist nur eine interessante Verbindung“, stellte ich klar.

Ein Anwalt, der zusammen mit seinen Kanzleipartnern plötzlich reich geworden war, ein Geldwäscher-König, dessen Mann fürs Grobe auf den Stufen des Gerichtsgebäudes erschossen worden war.

Und jetzt dieses Attentat…

Ich brachte das alles noch nicht auf einen Nenner. Die entscheidenden Fakten waren uns bisher unbekannt, davon war ich überzeugt.

Watson traf nach einer halben Stunde in.

„So schnell sieht man sich wieder“, sagte ich.

Er grinste schief. „Mein Mandant wird Ihnen keinerlei Aussagen unterschreiben.“

„Vielleicht machen Sie Ihrem Mandanten mal klar, dass jemand offensichtlich keine Kosten und Mühen scheut, um ihn auszuschalten und er selbst wohl offensichtlich nicht in der Lage ist, sich entsprechend zu schützen“, erklärte Clive Caravaggio etwas gereizt.

„Ich bin Ihnen sehr dankbar, Gentlemen, dass Sie im richtigen Augenblick zur Stelle waren, um das Schlimmste zu verhindern“, erklärte Gutierrez in einem verbindlichen Tonfall. „Aber Ihre Annahme, dass dieser Mordanschlag etwas mit einem meiner Geschäfte zu tun hat, ist vollkommen unhaltbar.“

„Ich kann mich nicht erinnern, dass das hier jemand getan hätte!“, erwiderte ich.

„Aber daran gedacht haben Sie!“, antwortete Gutierrez etwas ärgerlich. Zornesröte kennzeichnete jetzt sein Gesicht.

Wir mussten schließlich einsehen, dass es keinen Sinn hatte, Gutierrez weiter zu bearbeiten. Wahrscheinlich hing es damit zusammen, dass er sich selbst mehrerer ziemlich schwerwiegender Straftaten hätte bezichtigen müssen, wenn er offen mit uns über die Bedrohung gesprochen hätte, mit der ihn ein Unbekannter verfolgte.

Wir gaben es schließlich auf.

Gutierrez ließ sich von einem Taxi abholen. Wir hatten keinerlei Handhabe, das zu verhindern und ihn zur Kooperation zu zwingen. Schließlich lag aktuell nichts gegen ihn vor. Der Sender, den Josy an Gutierrez’ schrottreifem Wagen befestigt hatte, würde uns nichts mehr nützen können.

Wir bestanden darauf, ihn zu seinem Taxi zu bringen und deponierten auch dort einen Sender.

Schließlich wollten wir über seinen Aufenthaltsort informiert sein. Gutierrez gab uns zwar eine Wohnung in der Elizabeth Street als gegenwärtige Residenz an, aber dort tauchte er nie auf, wie sich später herausstellte.

„Wir können nur hoffen, dass Mister McKee beim District Attorney eine Rundumüberwachung sämtlicher Telefonanschlüsse bei Gutierrez zustimmt!“, knurrte Milo, nachdem wir allein waren.

„Die Schwierigkeit dürfte sein, überhaupt auch nur einen einzigen Anschluss zu finden, der offiziell auf seinen Namen läuft“, gab ich zurück. „Bei dem Kerl läuft doch alles über Strohmänner! Und Nachrichten tauscht er über Prepaid Handy aus!“

„Auf jeden Fall wird es verdammt schwer werden“, stimmte ich zu.

Dass wir Gutierrez unterschätzt hatten, zeigte sich schon wenig später.

Noch am Abend erfuhren wir nämlich über den Taxifahrer, dass Gutierrez sich einfach nur bis zur nächsten Subway-Station gefahren und dort vermutlich in einen Zug gestiegen war.

Der Wäscher von Harlem ließ sich einfach nicht gern in die Karten schauen…

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