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Clive Caravaggio wurde per Handy zu den SRD-Kollegen in den Hinterhof gerufen. Es lagen offenbar neue Erkenntnisse vor. Orry verhörte gerade einen Zeugen, dem die beiden Killer aufgefallen waren, als sie das Appartementhaus betreten hatten.

Zusammen mit Leslie und Jay sahen wir uns inzwischen im Buena Vista um. Vielleicht konnte man dort noch etwas mehr darüber erfahren, mit wem der Wäscher von East Harlem momentan verfeindet war. Anscheinend schwelte hier ein handfester Krieg unter Gangstern, von dem wir allerdings noch nicht so recht wussten, was der Hintergrund war.

„Wenn ihr mich fragt, dann hat James Gutierrez eine Scheißangst“, meinte Leslie Morell. „Fragt mich nicht, vor wem. Aber dem ist doch bei jeder unserer Frage der Schweiß ausgebrochen – und ich glaube nicht, dass es damit zu tun hatte, dass er ernsthaft befürchtete, wir hätten Beweise genug, um ihn endlich seiner krummen Geschäfte wegen vor Gericht zu bringen!“

Die Gäste im schalldicht isolierten Buena Vista hatten von der Schießerei in unmittelbarer Nähe des Clubs nichts mitbekommen.

Es wurde dort noch immer ausgelassen gefeiert.

Selbst Benny Duarte war geblieben. Er amüsierte sich mit einem halben Dutzend ziemlich leicht bekleideter Girls, die im Buena Vista als Go-go-Tänzerinnen arbeiteten. Mehrere Bodyguards hatten sich so um ihren Chef gruppiert, dass es unmöglich war, so ohne weiteres, an seinen Tisch zu gelangen. Champagnerflaschen standen auf dem Tisch. In den Gläsern sprudelte es.

Jay Kronburg stieß mich an und deutete auf einen Mann im kobaltblauen Anzug, der am Schanktisch lehnte. „Das ist unser Informant Greg Tambino“, erklärte er.

Tambino wandte den Blick zur Seite und tat so, als würde er Jay und Leslie nicht kennen. Wir ignorierten ihn ebenfalls. Andernfalls hätten wir ihn in Lebensgefahr gebracht.

„Vielleicht bringt es was, wenn wir uns mal mit Rex Hueldez unterhalten“, sagte ich.

Jay hob die Augenbrauen. „Gutierrez’ Strohmann? Ich weiß nicht…“

„Ich denke, so einer weiß mehr über seinen Boss, als dem lieb ist…“

„Lass uns doch erstmal Benny Duarte auf den Zahn fühlen“, meinte Jay Kronburg. „Und da macht es etwas mehr Eindruck, wenn wir da zusammen aufkreuzen.“

Ich zuckte die Achseln.

„Wenn du meinst, dass das was bringt.“

„Nach Tambinos Angaben hatte Duarte heute Nachmittag eine ziemlich unfreundliche Unterhaltung mit Gutierrez, die eine Go-Go-Tänzerinnen namens Dolores mitbekommen hat“, fuhr Jay fort. „Ist doch verwunderlich, dass dieser Kerl jetzt hier so seelenruhig sitzt und sich amüsiert…“

„Sieht fast so aus, als wollte er aller Welt zeigen, dass dieser Laden jetzt unter seiner Kontrolle steht“, meinte Milo.

Jay war derselben Ansicht. „Genau!“

„Dann ist Gutierrez jetzt entweder Teil von Duartes Organisation oder er will ihn auch aus dem Weg putzen!“, schloss ich.

Wir gingen an Duartes Tisch.

Er alberte gerade mit zwei leicht bekleideten Go-Go-Tänzerinnen herum.

Die Bodyguards traten uns entgegen, als wir uns dem Tisch weiter näherten. Wir zückten unsere ID-Cards.

Benny Duartes Gesicht erstarrte. Er machte ein Zeichen, woraufhin die Leibwächter zurückwichen.

„Mister Duarte, wir müssen Ihnen ein paar Fragen stellen.“

„Ich hätte eigentlich vermutet, dass die gut versorgten Staatsdiener von der Federal Plaza längst Feierabend haben!“, greinte der Schneekönig von East Harlem und lachte so dröhnend, dass er damit die Musik übertönte und sich einige der anderen Gäste etwas irritiert nach ihm umdrehten.

„Ich nehme an, dass es sich schon bis zu Ihnen herumgesprochen hat, was draußen passiert ist.“

„Tut mir leid, Mister…“

„Agent Trevellian, stellvertretender Special Agent in Charge. Auf Mister James Gutierrez ist ein Attentat verübt worden, kurz nachdem er das Buena Vista verließ…“

„…und mit Ihnen gesprochen hatte!“, ergänzte Jay.

„Und da sehen Sie einen Zusammenhang?“ Er lachte noch einmal dröhnend und legte dabei seine mächtigen Pranken um die schmalen Schultern der beiden Go-Go-Tänzerinnen.

„Sie sind heute schon mal hier gewesen – und da gab es ziemlich handfesten Streit zwischen Ihnen und Gutierrez!“, schnitt ihm Jay Kronburg das Wort ab.

Duartes Gesichtszüge veränderten sich. Unterhalb seines linken Auges zuckte unruhig ein Muskel.

Er fing plötzlich an zu schwitzen und lockerte den obersten Hemdknopf. „Wer hat Ihnen das gesagt? Dieser Gutierrez, von dem Sie sprachen?“

„Jetzt behaupten Sie nur noch, dass Sie James Gutierrez gar nicht kennen!“, sagte ich eisig.

Dabei bemerkte ich, dass Greg Tambino uns die ganze Zeit über aufmerksam beobachtete.

„Verzieht euch mal, ihr Hübschen“, wandte er sich an die beiden Girls. „Ich glaube, ihr habt sowie bald euren Auftritt.“

Die jungen Frauen gehorchten.

„Dolores!“, wandte sich Duarte an eine der beiden, die durch ihr dichtes, schwarz gelocktes Haar auffiel, dass ihr das bis zum Po hinunterreiche. Ihre Figur war eine Schwindel erregende Silhouette und das knappe Kostüm zeigte davon mehr, als es verbarg.

Dolores drehte sich zu ihm um und hob fragend die Augenbrauen.

„Wir sehen uns nachher noch, mí guapa, no?“

„Sí, Senor Duarte!“

„Du kannst Benny zu mir sagen, Baby!“

Die beiden Girls rauschten davon.

Benny Duarte machte eine großspurige Geste und deutete auf die freien Plätze am Tisch. „Setzen Sie sich, Senores! Dann können wir die Sache aus der Welt schaffen.“

Wir setzten uns.

Mir fiel auf, dass Dolores kurz bei Greg Tambino stehen blieb. Die beiden wechselten ein paar Worte, dann ging sie weiter zu dem auf einem Podest befindlichen Metallkäfig, in dem sie tanzen sollte.

„Wie geht es Gutierrez?“, fragte Duarte. „Ich hoffe es ist ihm nichts Ernsthaftes passiert.“

„Seien Sie unbesorgt“, erwiderte ich. „Den Umständen entsprechend.“

„Das freut mich“, erwiderte er ölig.

„Worum ging es bei Ihrem Streit heute Nachmittag?“, wollte ich wissen.

„Wer sagt, dass es den überhaupt gegeben hat? Behauptet Gutierrez das?“

„Wir wissen es und das reicht.“

„Wenn Sie das sagen…“ Duarte verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Hören Sie, ich habe mit dem Anschlag nichts zu tun. Und wenn es doch so wäre, dann könnten Sie mir niemals nachweisen….“

Er grinste und hielt das offenbar für eine witzige Bemerkung.

„Ich verspreche Ihnen eins, wenn Sie etwas mit der Sache zu tun haben, finden wir es heraus. Darauf können Sie Gift nehmen.“

„Ich bekomme jetzt richtig Angst, G-man!“

„Das sollen Sie auch!“

Einige Augenblicke herrschte Schweigen.

Duarte funkelte mich böse an.

Ich schien ihm richtig die Laune verdorben zu haben. Er hatte jetzt nicht einmal mehr Augen für die schwingenden Hüften von Dolores, die gerade ihr Bestes gab, um dem Publikum einzuheizen.

Ich beugte mich etwas vor. „Hören Sie, wenn wir jetzt Ihre Männer filzen, werden wir mit Sicherheit ein paar Waffen finden, deren Besitz im Staat New York reglementiert ist. Ich schlage vor, Sie machen jetzt doch noch eine Aussage über Ihren Streit von heute Nachmittag.“

Benny Duarte atmete tief durch. Sein aufgeschwemmtes Gesicht wurde dunkelrot.

Ich hatte es offenbar geschafft, ihn richtig ärgerlich zu machen. Aber das beruhte in diesem Fall durchaus auf Gegenseitigkeit.

„Es gab ein paar geschäftliche Dinge, die dringend geklärt werden mussten, das ist alles“, behauptete Duarte.

„Etwas genauer hätten wir das schon gerne.“

„Tut mir leid, aber ich wüsste nicht, dass Sie das etwas angeht. Holen Sie ihn doch her, dann wird er Ihnen bestätigen, dass wir unsere Meinungsverschiedenheiten vollkommen ausräumen konnten.“

Solange Gutierrez nicht mit uns kooperierte, hatten wir nichts in der Hand. Wir drehten uns im Kreis.

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