Читать книгу Tochter der Diebin - Bo R. Holmberg - Страница 11
ОглавлениеDie Sonne war gnädig gewesen.
Es war Abend, und Jon Sigfridsson wanderte zwischen seinen Heuschobern herum und fühlte durch die Öffnungen für den Wind das trocken knisternde Heu, das seine Tiere den Winter über am Leben halten sollte.
Bald war alles Heu eingebracht, und wenn das Glück auf seiner Seite war, würde der Regen auf sich warten lassen. Dann gab es genug für die Tiere. Er zog den Duft nach dem frischen Heu ein und erinnerte sich an Sommer mit verfaultem, schwarz gewordenem Heu, das nach brüllenden, mageren, sterbenden Kühen roch.
Aber diesmal würde er Glück haben.
Ja, das Leben war gut zu leben.
In einem Graben lagen seine Birkenschuhe, und er schob die Füße hinein. Er hatte sich zu einem Abstecher ins Dorf entschlossen, und warum nicht zum Gasthof.
Es waren die letzten Tage im Juli, und solche Wärme und Sonne wie sie in diesem Monat hatten ertragen müssen, hatte er noch nicht erlebt, soweit er sich erinnern konnte. Die Landschaft hier war offen, Äcker und Wiesen wie eine Flickendecke, links von ihm murmelte das Flüsschen und dort war der Teich mit dem Wasser, das die Säge und die kleine Wassermühle treibt.
Weit dort hinten tauchte der Gasthof auf, und weiter entfernt sah er die Kirche und den Glockenturm. Wie eine Zwiebel kam ihm die Spitze des Turms vor.
Jetzt ging Jon mit wohligem Glücksgefühl auf das Dorf zu. Und plötzlich hatte er den Gedanken, er müsse jemandem davon etwas abgeben. Unten am Waldrand duckte sich die Bootsmannskate, und Kerstin fiel ihm ein. Mager war sie, und Beine hatte sie wie ein Kalb. Und große, erschrockene Augen, deren Blick nicht leicht einzufangen war.
Aber arbeiten konnte sie, mit der Harke war sie wahrhaftig flink. Und leicht hatte sie es bestimmt nicht.
Er bog vom Weg ab und ging auf die Kate zu. Kein Leben, keine Bewegung konnte er entdecken. Trotzdem klopfte er an die windige Tür. Kerstin selbst öffnete ihm, er musste sich bücken, um in das Halbdunkel zu gelangen. In der Feuerstelle schwelte ein Feuer, und Anna rührte in einem schwarzen Topf. Auf dem Fußboden saßen die zwei kleinen Kinder und starrten ihn an.
Der Tisch war mit Holztellern und Holzlöffeln gedeckt. Anna nahm den Topf von der Eisenkette und stellte ihn beiseite, wischte sich die Hände an der Schürze ab, kam mit flammendem Blick auf ihn zu.
Was wollte er hier? Kam er im Auftrag des Lehnsmannes?
Sie stand vor ihm, die Hände in die Hüften gestemmt.
Er wehrte ihre Haltung ab. «Ich bin wegen Kerstin gekommen«, sagte er. «Mit der Heuernte sind wir ja bald fertig, und da hab ich mir gedacht ...«
Eigentlich hatte er gar nichts gedacht. Nur ein verirrter Gedanke hatte ihn hierher geführt. Aber jetzt kehrte sein Wohlwollen zurück.
»... dass sie bei uns bleiben könnte. Jedenfalls den Winter über. Zum Melken. Was sagt sie dazu?«
Kerstin stellte sich vor ihre Mutter und knickste.
Doch, das würde sie gern, wenn sie zu Hause wohnen bleiben könnte.
»So hab ich es mir auch vorgestellt«, sagte er. «Dann bleibt es also dabei.«
Kerstin knickste noch einmal und hielt ihren Blick auf Jon Sigfridssons gerichtet.
Anna stand am Feuer, bewegte nicht einmal den Kopf, sah aus, als ob sie etwas sagen wollte, bückte sich jedoch rasch nach dem Feuerholz und legte ein paar Scheite auf.
Jon nickte Kerstin noch einmal zu, drehte sich um und verließ die kleine Kate.
Mit einem wohligen Glücksgefühl ging er hinunter zum Dorf ins Gasthaus. Erst als er sich in den lärmenden Haufen drängte, um sich einen Platz zu suchen, fiel ihm der Geruch in der Kate wieder ein.
Jetzt erkannte er ihn. Schaffleisch hatte sie in dem großen Topf gekocht.
Aber woher hatte Anna Ersdotter so etwas bekommen?