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Deutsche Auswanderer

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Jedes Jahr am 6. Oktober begehen die USA den „German-American Day“. Paraden, Volksfeste und andere Veranstaltungen erinnern an das vielfältige deutschamerikanische Erbe. Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Am 6. Oktober 1683 landete in der Delaware Bucht an der Ostküste das deutsche Segelschiff „Condor“. An Bord: 13 deutsche Familien aus dem Krefelder Raum, protestantische Mennoniten, die ihren Glauben in ihrer Heimat nicht mehr frei ausüben konnten. Sie gründeten unter der Führung ihres Glaubensbruders Franz Daniel Pastorius die erste deutsche Siedlung auf amerikanischem Boden – Germantown.


An der europäischen Besiedelung des nordamerikanischen Festlandes waren Deutsche Auswanderer von Anfang an beteiligt, und bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein bildeten sie noch vor den Briten, Iren und Italienern sogar die stärkste Einwanderergruppe. Der größte Teil der deutschen Einwanderer kam in der Zeit zwischen der Deutschen Revolution von 1848/49 und dem Ersten Weltkrieg 1914–18; ihren Höhepunkt erreichte die deutsch-amerikanische Migration im Jahre 1882, in dem etwa 250.000 Deutsche einreisten.


Das Hauptziel der frühen deutschen Einwanderung war Pennsylvania. Dort wurde 1683 die erste deutsche Siedlung auf dem Boden der heutigen Vereinigten Staaten gegründet.


3.606.651 Einwohner Pennsylvanias gaben bei der Volkszählung 2006 an, deutschstämmige Vorfahren zu haben. Mit einem Anteil von 29,0% an der Gesamtbevölkerung stellen die Deutschstämmigen damit die größte Bevölkerungsgruppe des Bundesstaates dar.


Deutschsprachige Einwanderer, die Pennsylvania Dutch, unter ihnen Mennoniten und Amische ließen sich vor allem im Süden, besonders im Lancaster County, nieder. 1683 wurde Germantown gegründet. Berks County wurde im 18. Jahrhundert überwiegend von evangelischen Deutschen besiedelt.


Bereits im Jahr 1775 bestand ein Drittel der Bevölkerung Pennsylvanias aus deutschstämmigen Bewohnern. Sie waren überwiegend Lutheraner, Reformierte, Amische, Mennoniten und Anhänger anderer protestantischer Glaubensrichtungen. Die Deutschamerikaner in Pennsylvania entwickelten eine eigene Sprachform auf der Basis pfälzischer Dialekte, das Pennsylvania Dutch, das vereinzelt auch heute noch gesprochen wird. Andere bedeutende deutsche Siedlungen gab es in Nordamerika zur Kolonialzeit in New York und Virginia.


Die größte deutsche Einwanderungswelle gab es zwischen 1848 und dem Ersten Weltkrieg, als über sechs Millionen Deutsche in die USA einwanderten. Die meisten davon kamen aus ökonomischen Gründen, andere wurden aufgrund ihres Glaubens oder – wie die Forty-Eighters – aufgrund ihres politischen Engagements verfolgt, wieder andere wollten dem Wehrdienst entgehen.


Die deutschen Einwanderer hatten als Europäer das Glück, in den USA nicht – wie z. B. die chinesischen Einwanderer – als Fremde diskriminiert zu werden. Infolgedessen fügten sie sich in der jungen amerikanischen Gesellschaft schnell ein und gelangten in vielen Fällen zu ähnlichem wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss wie die englischen Einwanderer. Zu Rückschlägen kam es während des Ersten Weltkrieges, als Deutschamerikaner verdächtigt wurden, mit den Mittelmächten zu sympathisieren. Viele Deutschamerikaner reagierten auf diesen Druck mit einer demonstrativen Anpassung an den englischen kulturellen „Mainstream”.


Ein weiterer deutsch-amerikanischer Migrationsschub erfolgte nach der Errichtung der Hitler-Diktatur ab dem Jahre 1933. Viele Akademiker verließen das Deutsche Reich, weil sie dort nicht mehr arbeiten konnten; bald suchten viele Deutsche auch deshalb Zuflucht in den USA, weil im Deutschen Reich unter der Hitler-Diktatur ihr Leben bedroht war. Andererseits wurden während des Zweiten Weltkrieges Tausende von Deutschen, die in den Vereinigten Staaten lebten, interniert. Nach Kriegsende bewiesen viele Deutschamerikaner ihre Solidarität mit der alten Heimat, indem sie CARE-Pakete ins verwüstete Deutschland schickten.


Noch heute ziehen viele Deutsche in die USA um. An die Stelle der Armutsmigration und der Flucht vor Verfolgung ist inzwischen allerdings eine Arbeitsmigration insbesondere von Wissenschaftlern getreten, die in den USA günstigere Karriere-, Arbeits- und Forschungsbedingungen suchen, als sie im deutschen Sprachraum vorfinden. Auch die Unterscheidung von „Auswanderung“ und einem temporären Arbeitsaufenthalt im Ausland ist heute sehr fließend geworden.


Die Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten

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