Читать книгу Einmal Russland und zurück - Christa Henrichmann - Страница 11
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ОглавлениеAm 21. Dezember erfahre ich von einem Reisebüro in Hamburg, mit dem Frau Stühr Kontakt aufgenommen hat, dass ich schon am 23. Dezember nach Rijasan fliegen kann. Ich telefoniere mit Bernd. Er bittet mich, zu Weihnachten doch bei den Kindern zu bleiben. Kurze Zeit später ein Anruf aus Münster. Bernds Zustand hat sich verschlechtert, er sei doch sehr unruhig. Ich solle besser erst nach Weihnachten die Reise antreten. „Lieber Gott, lasse ihn nicht sterben“, bete ich verzweifelt. Ich muss einen klaren Kopf behalten und alles für die Reise neu organisieren. Zuerst telefoniere ich mit dem Büro in Hamburg; es wird umdisponiert. Als ich meinen Reisepass hervorhole, stelle ich fest, dass er abgelaufen ist. Auch das noch! Anruf bei der Gemeinde. Der zuständige Herr ist auf Dienstreise, also wird sein Vertreter informiert. Gott sei Dank mahlen die Mühlen des Amtes heute etwas schneller als gewöhnlich. Innerhalb von drei Tagen liegt der Reisepass vor. Jetzt muss ich mich bei einer russischen Dolmetscherin kundig machen. Was soll ich mitnehmen? Brauche ich Gastgeschenke oder etwas für das Ärzteteam in Rijasan? Muss ich vielleicht sogar die Krankenhauskosten vor Ort bezahlen? Anna, eine Russin, Dolmetscherin aus Havixbeck, rät mir, möglichst viel Werbegeschenke mitzunehmen, ebenso Einwegspritzen, an denen es dort mangelt. Ich bitte bei Banken und Versicherungen um Werbegeschenke und erhalte eine ganze Reisetasche voll. Die Einwegspritzen aus Apotheken und Kliniken hat Frau Stühr für mich organisiert. Anna beruhigt mich, wegen der Kosten solle ich mir keine Sorgen machen. Das wird später mit der Krankenkasse erledigt. Meine Eltern aus dem Oldenburger Land wollen kommen und sich um Kinder und Hof kümmern. Es regnet und regnet, der Wind peitscht um das Haus. Unsere Stimmung ist gereizt, traurig, aggressiv, mitfühlend.