Читать книгу Einmal Russland und zurück - Christa Henrichmann - Страница 16
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ОглавлениеIch treffe mich mit Boris, unserem Freund, im Café gegenüber vom Regierungsviertel, dem Kreml. Boris Lubanow leitet, als stellvertretender Bürgermeister, die Geschicke von Rijasan, meiner Heimatstadt. Er erzählt mir von der Abordnung der Jäger aus Münster. Einer der Männer ist schwer erkrankt. Valera, der Mann meiner Kollegin Nina, steht den Gästen als Dolmetscher zur Verfügung. Er erzählt mir, dass die Frau des Erkrankten kommt und als Gast eine ständige Begleitung benötigt. Bevor wir weitere Einzelheiten klären können, wird Boris am Telefon verlangt und muss zurück ins Büro. Hoffentlich wird mir die Aufgabe übertragen und nicht Nina, die ebenfalls als Dozentin im Bereich Germanistik tätig ist. Es wäre schön, mich wieder einmal mit einer Deutschen in ihrer Muttersprache zu unterhalten, Redewendungen kennenzulernen und mein eigenes Wissen zu überprüfen, da es schon einige Jahre her ist, seit ich mit einer Delegation in die DDR fahren konnte. Ich erzähle Nina von meinem Wunsch. Sie meint, das sei kein Problem, zumal ihr Mann schon als Dolmetscher im Krankenhaus eingesetzt ist. Vielleicht könne sie einfach zu einem Treffen mit der Deutschen dazukommen. Dann würden wir beide davon profitieren.
Das Büro erteilt mir den Auftrag, dem deutschen Gast als Dolmetscherin zur Verfügung zu stehen.
Herr Andrej Solschenet vom Exekutivkomitee, Leiter aller Kliniken, soll mich samt Fahrer und Dienstwagen nach Moskau begleiten. Gleich morgen früh werden wir aufbrechen. Die Fahrt wird etwa vier Stunden dauern, es sind etwas über zweihundert Kilometer bis zum Flughafen. Die Maschine aus Ostberlin landet um dreizehn Uhr.
Es ist noch sehr früh, als wir aufbrechen. Ich setze mich in den Fond des Autos und versuche noch ein wenig zu schlafen.