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VIII. Kapitel

62.

1. Denn auch Paulus macht offenbar der Philosophie in seinen Briefen keine Vorwürfe, sondern verlangt nur, daß, wer die Höhe des Gnostikers erreicht hat, nicht mehr auf die Stufe der griechischen Philosophie herabsinke, indem er diese bildlich als „Uranfänge der Welt“4054 bezeichnet, da sie gewissermaßen nur die Anfangsgründe enthält und nur eine Vorstufe zur Wahrheit ist.

2. Deshalb sagt er auch in dem Schreiben an die Hebräer zu denen, die vom Glauben wieder zum Gesetz umkehren wollten: „Ihr habt es wieder nötig, daß man euch darin unterweise, was die Anfangsgründe der Offenbarungsworte Gottes sind, und seid dahin gekommen, daß ihr Milch statt fester Nahrung nötig habt.“4055

3. Ebenso sagt er auch zu den Kolossern, die sich aus dem Heidentum bekehrt hatten: „Seht zu, daß euch niemand als Beute fortschleppe durch Philosophie und eitlen Trug, der sich auf menschliche Überlieferung, auf die Elementarmächte dieser Welt und nicht auf Christus gründet“,4056 indem er euch verlocken will, wieder zur Philosophie, zu der nur die Anfangsgründe enthaltenden Lehre, zurückzukehren.

4. Und wenn jemand behaupten sollte, daß die Philosophie von den Griechen vermöge menschlicher Klugheit erfunden worden sei, so finde ich doch, daß die Schrift sagt, die Klugheit sei von Gott gesandt.

63.

1. Jedenfalls hält der Psalmendichter die Klugheit für das größte Geschenk und bittet um sie mit dem Wort: „Dein Knecht bin ich; mache mich klug!“4057

2. Und vielleicht erbittet David die Mannigfaltigkeit der Erkenntnis, wenn er schreibt: „Güte und Bildung und Erkenntnis lehre mich; denn ich habe deinen Geboten vertraut.“4058

3. Es ist aber zugestanden, daß die Bündnisse (die beiden Testamente) vollgültig sind und den Würdigeren gegeben werden.

4. Jedenfalls sagt der Psalm wieder von Gott: „An keinem (anderen) Volk hat er so getan, und seine Rechte hat er ihnen nicht geoffenbart.“4059 Der Ausdruck aber „er hat nicht so getan“ zeigt, daß er zwar etwas getan hat, aber nicht so. Offenbar steht das Wort „so“ zum Vergleich mit dem Vorrang, der uns zuteil geworden ist; der Prophet hätte sonst doch wohl einfach sagen können „er hat nicht getan“, ohne das Wörtchen „so“ hinzuzufügen.

5. Ferner sagt auch Petrus in der Apostelgeschichte: „In Wahrheit erkenne ich, daß Gott nicht die Person ansieht, sondern daß in jedem Volk jeder, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, ihm angenehm ist.“4060

64.

1. Also ist es nicht erst mit der Zeit dazu gekommen, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern es ist von Ewigkeit her so, und ebensowenig hat sein Gutestun zu irgendeiner Zeit angefangen; aber es ist auch nicht auf bestimmte Örtlichkeiten oder auf bestimmte Menschen beschränkt; denn sein Gutestun ist nichts, was es nur mit einem Teil zu tun hätte.

2. „Öffnet mir Tore der Gerechtigkeit!“, so heißt es; „ich will durch sie einziehen und den Herrn preisen. Dieses ist das Tor des Herrn; Gerechte werden hier einziehen.“4061

3. Barnabas4062 aber erläutert das Wort des Propheten und fährt fort: „Da nun viele Tore geöffnet sind, so ist das Tor zur Gerechtigkeit das Tor in Christus, und selig sind alle, die hier hineinziehen.“4063

4. Den gleichen Sinn hat auch jenes Prophetenwort: „Herr über viele Gewässer“,4064 nicht nur über die verschiedenen Bündnisse, sondern auch über die verschiedenen Arten der Unterweisung, sowohl derer, die bei den Griechen zur Gerechtigkeit führen, als auch derer bei den Barbaren.

5. Deutlich bezeugt aber bereits auch David die Wahrheit, wenn er in einem Psalm sagt: „Die Sünder sollen in das Totenreich hinabgescheucht werden, alle die Heidenvölker, die Gottes vergessen.“4065

6. Sie können aber offenbar nur den vergessen, dessen sie früher eingedenk waren, und nur den verstoßen, den sie gekannt hatten, bevor sie ihn vergaßen. Also hatten auch die Heidenvölker eine undeutliche Vorstellung von Gott.

65.

1. Und so viel hierüber. Vieler Dinge kundig muß aber der Gnostiker sein,4066 und da ja die Griechen nach dem Vorgang des Protagoras lehren, daß es auf jede Rede eine Gegenrede gibt,4067 muß er auch die Worte bereit haben, die gegen solche Gründe vorzubringen sich geziemt.4068

2. Denn die Schrift sagt: „Wer da viel redet, wird auch vieles dagegen hören.“4069 „Wer wird das Gleichnis des Herrn verstehen, als wer weise und verstänig ist und seinen Herrn lieb hat?“4070

3. „Mag“ daher ein solcher „gläubig sein, mag er fähig sein, Erkenntnis auszusprechen, mag er weise sein in Unterscheidung von Reden, mag er gewaltig in Werken, mag er heilig sein; denn um so demütiger muß er sein, je größer er zu sein scheint“,4071 sagt Clemens in dem Brief an die Korinther.

4. Er ist ein Mann der Art, daß er jenem Gebote gehorcht: „Und reißt die einen aus dem Feuer heraus und habt Mitleid mit denen, die sich in Zweifeln befinden!“4072

5. Das Winzermesser ist freilich in erster Lienie dazu bestimmt, die Schößlinge zu beschneiden; aber wir benützen es auch, um Ranken, die sich ineinander verhängt haben, zu trennen und Dornen abzuhauen, die mit den Weinreben zusammengewachsen sind, an die man nicht leicht herankommen kann. Das steht aber alles in Beziehung mit dem Zurechtschneiden der Schößlinge.

6. Andererseits ist der Mensch in erster Linie zur Erkenntnis Gottes geschaffen, aber er bestellt auch das Land und treibt Feldmeßkunst und Philosophie, wovon das eine für das Leben, das andere für das richtige Leben, das dritte aber dafür von Bedeutung ist, daß man sich um die Kunst des Beweisens bemüht.

66.

1. Wer indessen behauptet, daß die Philosophie vom Teufel ausgegangen sei, soll auch daran denken, daß die Schrift sagt, der Teufel nehme die Gestalt eines „Lichtengels“4073 an. Zu welchem Zweck? Offenbar, um als Prophet aufzutreten. Wenn er aber in der Gestalt eines Lichtengels weissagt, so wird er doch wohl Wahres sagen.

2. Wenn er Worte weissagt, die eines Engels und des Lichtes würdig sind, so wird er auch Nützliches dann weissagen, wenn er die Art eines fremden Wesens an sich nimmt, indem er diesem in seiner Tätigkeit ähnlich wird; mag er in Wirklichkeit auch von anderer Art sein, weil bei ihm der Grundcharakter durch seinen Abfall bestimmt ist.

3. Denn wie könnte er jemand täuschen, wenn er nicht zuerst durch wahre Worte das Vertrauen des Wißbegierigen gewinnen und ihn so erst später in die Lüge verstricken würde?

4. Überdies würde es sich auch erweisen, daß er die Wahrheit kennt, wenn auch nicht mit vollem Verständnis, aber doch so, daß er ihrer nicht ganz unkundig ist.

5. Demnach ist die Philosophie nicht unwahr, wenn auch der Dieb oder der Lügner die Wahrheit nur deswegen sagt, weil er in seiner Tätigkeit die Art eines fremden Wesens an sich genommen hat; und darf auch nicht wegen dessen, der spricht, törichterweise auch das von ihm Gesprochene von vorneherein verurteilen (ein Grundsatz, der auch hinsichtlich derer zu beachten ist, die gerade jetzt als Propheten genannt werden); man muß vielmehr untersuchen, ob sich das Gesprochene mit der Wahrheit verträgt.

67.

1. Wir dürften aber wohl nicht im Irrtum sein, wenn wir auch schon ganz allgemein sagen, daß alles für das Leben Notwendige und Nützliche von Gott zu uns gekommen sei, daß aber die Philosophie den Griechen auch noch in höherem Maß gleichsam als ein ihnen eigenes Vermächtnis gegeben worden sei, da sie eine Vorstufe der auf Christus beruhenden Philosophie ist, wenn auch die Anhänger der griechischen Philosophie ihre Ohren gegen die Wahrheit verschließen, indem sie die Sprache der Barbaren geringschätzen oder sich auch vor der Todesgefahr fürchten, die nach den Staatsgesetzen den Gläubigen droht.

2. Wie aber bei der Philosophie der Barbaren, so wurde auch bei der griechischen Unkrautsamen von dem mithineingesät, dessen besondere Tätigkeit es ist, Unkraut anzubauen. Deshalb sind bei uns zugleich mit dem fruchtbaren Weizen die Irrlehren mitaufgewachsen,4074 und andererseits sind die Prediger der Gottesleugnung des Epikuros und der Lust und alles dessen, was sonst gegen die richige Lehre in die griechische Philosophie hineingestreut wurde, unnütze Früchte, die nichts mit der von Gott den Griechen geschenkten Saat zu tun haben.

68.

1. Diese wollüstige und selbstsüchtige Weisheit nennt der Apostel „Weisheit dieser Welt“,4075 insofern sie nur die Dinge dieser Welt und das, was sich auf sie bezieht, lehrt und dementsprechend den hier waltenden Herrschern zur Fürsorge übertragen ist. Deshalb ist diese Philosophie, die es nur mit einem Teilgebiet zu tun hat, auch nur auf die Elemente beschränkt, während sich das wahrhaft vollkommene Wissen über die Welt hinaus erhebt und sich mit den geistigen und den noch höheren geistlichen Dingen beschäftigt, „die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und die in keines Menschen Herz gekommen sind“,4076 bevor der Meister uns die Lehre darüber klarlegte, indem er das Allerheiligste und auf noch höherer Stufe das, was noch heiliger ist als jenes, denen offenbarte, die in echter und nicht gefälschter Weise Erben der von dem Herrn gewährten Kindschaft sind.

2. So wagen wir es denn, zu behaupten (es handelt sich nämlich hier um den gnostischen Glauben), daß aller Dinge kundig und im Besitz eines nicht wankenden Verständnisses auch für die uns unverständlichen Dinge alles zu erfassen fähig sei der wahre Gnostiker von der Art, wie es Jakobus, Petrus, Johannes, Paulus und die übrigen Apostel waren.

3. Denn voll von Erkenntnis ist die Weissagung, da sie vom Herrn gegeben und wieder durch den Herrn den Aposteln klar ausgelegt worden ist. Und vielleicht ist die Erkenntnis die Wesensart einer vernünftigen Seele, die sich durch Übung dazu vorbereitet, daß sie durch die Erkenntnis in den Stand der Unsterblichkeit aufgenommen werde. Denn beides sind Kräfte der Seele, das Erkennen und das Wollen.

69.

1. Das Wollen erweist sich aber als eine Bewegung, der eine Zustimmung zu einer Annahme vorausgeht.4077 Denn bei jedem, der eine Handlung beginnen will, ist zuerst die Kenntnis der Handlung vorhanden, und dann erst kommt das Wollen.

2. Wir müssen auch hierbei noch an folgendem festhalten: Da nämlich das Erlernen dem Handeln zeitlich vorangeht (denn von Natur erlernt der Handelnde zuerst das, was er tun will) und die Kenntnis aus dem Lernen, das Tun aus dem Wollen entsteht und auf das Wissen das Wollen folgt, das dem Tun vorangeht, so dürfte die Kenntnis Anfang und Ursache jeder vernünftigen Handlung sein, so daß sie allein mit Recht als das kennzeichnende Wesen jeder vernünftigen Seele bezeichnet werden kann.

3. Denn in der Tat ist das Wollen gewissermaßen eine Erkenntnis, die sich mit Rücksicht auf die vorhandenen Umstände bewegt, die Erkenntnis dagegen gerade dies, nämlich die Eigenschaft der Seele, eines oder mehreres von dem Vorhandenen zu sehen, wenn sie aber zur Vollkommenheit gelangt ist, alles Vorhandene zu sehen.

70.

1. Freilich sagen manche, der Weise sei überzeugt, daß manches unbegreiflich sei; das hat zur Folge, daß er auch davon einen klaren Begriff hat, nämlich den, daß das Unbegreifliche unbegreiflich sei.

2. Das ist aber ein Gedanke, der keinen besonderen Wert hat und sich bei solchen findet, die nur einen geringen Scharfblick haben; denn solche Leute bezeichnen es als sicher, daß einiges unbegreiflich sei. Jener Gnostiker aber, von dem ich spreche, begreift selbst das, was den übrigen unbegreiflich zu sein scheint, weil er glaubt, daß dem Sohne Gottes nichts unbegreiflich ist und daher auch nicht von seiner Lehre ausgeschlossen bleibt. Denn derjenige, der aus Liebe zu uns litt, dürfte uns doch nichts von dem vorenthalten, was zur Lehre der Erkenntnis gehört.

3. Dieser Glaube wird also zu einem unerschütterlichen Beweis, da von dem durch Gott Überlieferten die Wahrheit nicht zu trennen ist.

4. „Wenn aber jemand auch nach reicher Lebenserfahrung Verlangen trägt“, so ist es der Schüler der Weisheit, der „das Vergangene kennt und das Zukünftige zu erschließen weiß; er versteht sich auf künstlich geformte Aussprüche und auf die Lösung von Rätseln; Zeichen und Wunder erkennt er im voraus, und er weiß, was das Ende von kurzen und langen Zeiträumen sein wird.“4078

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