Читать книгу Marionette des Teufels - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 22

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„Meinst du, er hat Recht?“

„Womit?“

„Womit wohl? Mit seiner Vermutung, dass Wallenstein nur zufällig in Passau gelandet ist.“ Auch nachdem Brauser längst zu Hause war saßen Franziska und Hannes noch immer an ihren Schreibtischen und brüteten über Brausers Vermutung. „Warum nicht? Immerhin haben wir nichts gefunden, was auf etwas anderes schließen lässt.“

„Jetzt stell dir das doch mal vor.“ Franziska hob die Hände, um ihre Geschichte zu untermauern. „Du fährst auf einen Rastplatz, um dir einen Kaffee zu holen. Und wenn du zurückkommst, dann stehen da ein paar Typen vor deinem Auto und zwingen dich einzusteigen, was du brav machst. Und natürlich machst du auch kein großes Aufheben, wenn du eine Spritze voller Luft in die Venen gepumpt bekommst.“ Sie ließ ihre Hände erschöpft auf die Tischkante fallen und sah Hannes abwartend an.

„Stimmt, es müsste in der Öffentlichkeit passiert sein, noch dazu an einem Freitag. Da sind die Autobahnen nämlich voll und die Rastplätze bestimmt auch.“

Hannes blätterte in der Akte Wallenstein, bis er das Gesuchte gefunden hatte. „Und außerdem hatte er laut Obduktionsbericht keinen Kaffee getrunken, sondern einen Chartogne-Taillet. Trinkst du so was am Rastplatz?“

„Ich weiß nicht, ob ich so was überhaupt schon mal getrunken habe.“ Franziska trommelte nervös mit ihren Fingern auf der Unterlage herum, so, als müsse sie über diese Tatsache lange nachdenken. „Ich glaube nicht, dass man sich von einem Unbekannten eine Spritze setzen lässt. Die war ja auch nicht klein. Eine tödliche Menge sind mindestens vierzig Milliliter.“

„Er war immerhin gefesselt.“

„Stimmt, obwohl er eine Waffe hatte und …“

„… er sich hätte wehren können, bevor er gefesselt wurde. Richtig.“ Hannes nickte zufrieden, sie waren sich einig. Weiter aber waren sie nicht.

„Schau doch mal in der Akte, ob es irgendwelche Quittungen gab, Toilettenbenutzung oder so.“

„Negativ. Und eigentlich hatten wir das alles auch schon mal.“

„Eben. Wir müssen davon ausgehen, dass Wallenstein einen Grund hatte, um nach Passau zu kommen, und dass er seine Mörder eventuell auch gekannt hat. Denn wenn es rein zufällig geschehen ist und die Täter längst über alle Berge sind, dann finden wir sie nie.“

„Warum so resigniert? Wir haben die Waffe, also lass uns einfach abwarten, was bei der Laboruntersuchung herauskommt. Vielleicht sind ja da Fingerabdrücke drauf.“ Abrupt unterbrach Hannes seine Ansprache, er hatte das Gefühl, Franziska höre ihm gar nicht zu.

„Ich sag dir was“, sie beugte sich weit nach vorn, um Hannes besser in die Augen sehen zu können, „das ist Brausers Fall, da soll er sich mal schön selbst seine Gedanken drüber machen. Unser Fall heißt Sophia Weberknecht, und mit der sind wir auch noch kein Stück weiter.“

Sie stand auf und suchte nach einem Müsliriegel in ihrer Tasche, gerne hätte sie auch Hannes einen spendiert, aber sie fand nur einen und ihr Magen knurrte. Nachdem sie ihn, ohne auf Hannes zu achten, aufgegessen hatte, nahm sie die Unterhaltung wieder auf.

„Wie denn auch?“ Franziska imitierte die alte Nowak, „sie war ja so ein nettes Mädchen!“

„Und sie konnte so toll Geige spielen!“ warf Hannes in hoher Fistelstimme ein.

„Ja, und zuverlässig war sie, und immer pünktlich am Bus!“ Das sollte Schaffroths Stimme sein.

„Nein, wir haben uns immer gut verstanden. Krach gab es nie. Wir sind Schauspieler, wir morden auf der Bühne, aber doch nicht in Wirklichkeit!“

„Ach, und: Bei ihrem Aussehen dachte ich ja, die Burschen würden bei ihr Schlange stehen.“ Auf einmal wurde Franziska ernst. „Haben sie aber nicht, und die, die kamen, kamen scheinbar heimlich, unauffällig, nachts.“

„Stimmt!“ Auch Hannes war wieder ernst. „Wie lichtscheues Gesindel.“

„Sie kamen in der Nacht, wie der Mann, der sie umgebracht hat, und ich bin mir sicher, es war ein Mann.“ Franziska stand erneut auf und suchte im Zimmer herum. „Hast du irgendwas zu essen? Ich verhungere gleich. Mir ist schon ganz schlecht!“

„Wir könnten Pizza bestellen.“

„Nein, das dauert ja auch wieder so lange. Ich denke, wir machen Schluss und knöpfen uns morgen die Theaterleute vor, bis sie uns sagen, was sie wirklich über Sophia Weberknecht wissen. Einzeln sind die bestimmt nicht mehr so abgeklärt, meinst du nicht?“

„Ich weiß nicht, wir können es nur versuchen.“

***

Marionette des Teufels

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