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Geburt/Kindheit

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Franz Fuchs erblickte am 12.12.1949 in seinem Elternhaus in Gralla bei Leibnitz (Steiermark) als erstes von zwei Kindern das Licht der Welt. Seine Eltern waren, entgegen der damals üblichen Tradition, zum Zeitpunkt seiner Geburt nicht miteinander verheiratet. Jedoch stellte diese besondere Situation, laut späteren Aussagen, keine Bürde für ihn dar; im Gegenteil: Er sah sich selbst als „Ehestifter“ der beiden an und war mit Stolz erfüllt, als sich seine Eltern 1953 das Ja-Wort gaben. Schwangerschaft und Geburt verliefen ohne Komplikationen. Während seiner ersten drei Lebensjahre arbeitete sein Vater, gelernter Fassbinder, bei einer Orgelbaufirma in Vorarlberg, was dazu führte, dass sich, neben der Mutter, vermehrt auch die Großmutter um den Jungen kümmerte. „Er müsse halt dort arbeiten, wo es Arbeit gebe“, rechtfertigte sich der Vater.

Trotz dieser Umstände versuchte er das Naheverhältnis zu seiner Frau aufrechtzuerhalten, indem er ihr regelmäßig Liebesbriefe schrieb. Das innige Familienverhältnis beschrieb Franz Fuchs später so, dass er des Nachts immer zu seinen Eltern ins Bett und im „Spalt“ zwischen ihnen schlafen durfte.

Festzuhalten sei an dieser Stelle, dass er selbst seine Kindheit und die Elternhaussituation als recht glücklich beschrieben hatte. Trotz der finanziell recht bescheidenen Situation reichte es bei Familie Fuchs immer für eine warme Mahlzeit pro Tag. Er sei in der Kindheit im Rahmen der Möglichkeit verwöhnt worden, z. B. habe es auch immer Süßigkeiten gegeben, so Fuchs. Darin lag für ihn ein Stück Geborgenheit. Während sich beide Elternteile, trotz ihrer vielen Arbeit, fürsorglich um die beiden Kinder kümmerten, übernahm der Vater in den ersten Jahren die klassische Rolle des Familienoberhauptes, was sich in den späteren Jahren insofern änderte, als dass sich die Mutter als bestimmend, durchsetzungsfähig, nicht sehr sensibel und als der dominantere Part herauskristallisierte, welche trotz ihrer rauen Herzlichkeit und Fürsorge kaum Widerspruch duldete.

Schmunzelnd erzählte Franz Fuchs hierzu: Als der Vater im Garten gehackt und die Mutter das große Wort geführt habe, sei es ihm (dem Vater) zu dumm geworden und er habe gesagt, sie solle sich doch auch eine Hacke nehmen, statt ständig herum zu dirigieren. Bis zu Franz‘ Pubertät sei der Vater sehr gut und wohlwollend zu ihm gewesen. Im Laufe der Jahre lernte der Junge jedoch seine eigenen Meinungen zu vertreten, worüber sich sein Vater – der in der Familie eine untergeordnete Rolle einnahm und als weich sowie emotional weniger belastbar galt - laut Franz ärgerte. Dies hatte zur Folge, dass das Verhältnis zwischen ihnen von da ab als angekratzt zu bezeichnen war.

Im Gegensatz zu anderen bekannten StraftäterInnen verlief Franz Fuchs‘ Kindheit in einer geborgenen Atmosphäre in der Kleinwirtschaft seiner Eltern, die über ein paar Schweine, Hühner, Katzen und Kaninchen verfügten. Nichtsdestotrotz griffen sowohl Großmutter als auch Mutter in Erziehungsfragen bisweilen auf Schläge zurück, was jedoch der Liebe von Franz Fuchs - insbesondere seiner martialischen, pragmatischen und lebenstüchtigen Großmutter gegenüber - keinen nennenswerten Abbruch tat. Im Gegenteil: Er bewunderte das traditionelle Wissen um Heilkünste, spezielle Angewohnheiten und Eigenschaften der sehr lebhaften und bodenständigen Frau, die Jahre später an Krebs verstorben ist. Franz Fuchs, der als Kind rötliche Haare hatte, erinnerte sich, dass er mit vier Jahren von ihr auf einen Sessel gestellt wurde, um den Rosenkranz vorzubeten, als der dortige Dechant zu Besuch war.

Angesichts des fehlenden Kindergartens in Gralla, suchte Franz Fuchs keinen Hort auf. Obwohl er gelegentlich mit den Dorfkindern Fußball spielte, hatte er insgesamt nur eingeschränkten Kontakt zu anderen Kindern, wobei er früh lernte sich durchzusetzen. Als er im Alter von vier bis fünf Jahren von einem Mädchen eine Ohrfeige bekam und ihn seine Oma ermahnte, dass er sich dies als Bub nicht gefallen lassen und sich wehren müsse, habe er dem Mädchen laut seiner Aussage sofort „Saures“ gegeben. Der Vorfall führte dazu, dass er von diesem Zeitpunkt an seine Interessen stets vehement vertrat. Abschließend kann festgehalten werden, dass er in relativ einfachen, bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist.

Der Briefbombenattentäter Franz Fuchs

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