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Eine schwere Entscheidung

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Feierabend! Ich fahre ganz langsam nach Hause. Vor dem Gespräch mit Dieter fürchte ich mich. Als ich in die Strasse einbiege, sehe ich sein Auto bereits vor dem Haus stehen. Er hat also meinen Zettel gefunden und ist tatsächlich schon zu Hause. Plötzlich wird mir übel.

“Ach, da bist du ja Minimaus“, höre ich ihn aus der Küche rufen, als ich die Haustür öffne.

Minimaus, diesen Spitznamen hat er mir verpasst. Er scheint bester Laune zu sein.

Der Tisch ist gedeckt. Dieter hat gekocht. Kochen kann er richtig gut. Seit ich mit ihm zusammen bin, bekomme ich nur die leckersten Dinge zu essen. Er war mal Koch. Warum hat er das nur aufgegeben und ärgert sich jetzt mit einem eigenen Laden rum?

Er kommt auf mich zu, nimmt mir meine Handtasche ab und dirigiert mich an den Esstisch. Ob er was ahnt? Er muss doch auch gemerkt haben, dass es nicht mehr so ist wie am Anfang.

“Komm, setz dich. Ich habe heute den Laden einfach früher zugesperrt. Gekocht hab ich auch für uns.“

Ich habe keinen Hunger, ich will nichts essen! Ich will das nur endlich hinter mich bringen!

“Dieter, ich muss mit dir reden. Über uns.“

“Wir essen erstmal und dann reden wir. Wie war dein Tag?“

Merkt der Mann denn wirklich nicht, was mit mir los ist? Normalerweise sieht man mir alles an.

“Dieter, bitte, es ist wirklich wichtig! Ich möchte nichts essen.“

Er verzieht seinen Mund zu einer schmalen Linie und presst die Lippen aufeinander.

“Na gut, wenn es dir sooo wichtig ist. Was hast du auf dem Herzen?“, fragt er und sieht mich erwartungsvoll, mit ängstlichen Augen an.

Ich hole tief Luft. Wo soll ich anfangen? Wie kann ich ihm das Ende unserer Beziehung begreiflich machen, ohne ihn zu verletzen?

“Dieter, ich möchte mit dir über unsere Beziehung reden. Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns trennen. Ich weiß, du hast mir die Welt zu Füßen gelegt und ich darf in deinem wundervollen Haus leben, aber ich kann so nicht mehr weiter machen. Du hast nie Zeit für mich! In letzter Zeit habe ich dich kaum zu Gesicht bekommen. Wenn du nach Hause kommst, schlafe ich schon. Ich will nicht mehr!“

Es ist raus. Gefühlte 100 Kilo fallen von mir ab. Den ganzen Tag hatte ich Angst vor diesem Moment. Ich habe es wirklich getan! Ich habe unsere Beziehung beendet!

Er schaut er mich ungläubig an.

“Das ist nicht dein Ernst!“

“Du kannst doch nicht behaupten, dass für dich alles in Ordnung war in letzter Zeit, oder?“

“Minimaus, du kannst nicht gehen! Ich lasse dich nicht gehen! Ich weiß, ich habe wenig Zeit, aber ich liebe dich! Du hast mich verzaubert. Du kannst doch nicht einfach so, mir nichts dir nichts, Schluss machen! ICH LASSE DICH NICHT GEHEN!“

Oh nein, genau davor habe ich mich den ganzen Tag gefürchtet. Da sind sie wieder, meine Bedenken. Mache ich wirklich das Richtige? Eigentlich geht es mir doch gut bei Dieter. Jede andere Frau würde mir wahrscheinlich einen Vogel zeigen! Ich habe doch alles, sogar mehr als das, ich lebe im Luxus bei Dieter.

“Geld ist nicht alles!“, höre ich meine innere Stimme sagen.“Willst Du weiter im goldenen Käfig sitzen? Meistens allein! Sex hast Du auch kaum! Du bist ein Gefühlsmensch. Hör auf dein Herz.“

Als ob das alles so einfach ist! Ich bin 29 Jahre alt und will nicht wieder von vorne anfangen. Auf der anderen Seite, was kann schon passieren? Endlich fühle ich mich wieder lebendig.

Ich merke, wie ich wütend werde.

“Was heißt, ich lasse dich nicht gehen? Du kannst mich nicht einsperren. Ich gehöre dir nicht! Ich werde mir eine Wohnung suchen und wollte dich fragen, ob ich solange noch hier wohnen darf, bis ich was gefunden habe.“

Dieter schaut mich trotzig an.

“Wenn du gehen willst, dann geh gleich. Aber glaube nicht, dass du angekrochen kommen kannst, wenn du es dir anders überlegst. Vorbei ist vorbei!“

Das hat gesessen. Mit so einer Reaktion hätte ich rechnen müssen. Da kommt der Skorpion sofort durch. Wie bei einem Kleinkind, dem man sein Spielzeug wegnehmen will. Wir sind erwachsen! Warum kann man die Sache nicht vernünftig mit ihm klären? Ich stehe auf, angle mir meine Reisetasche vom Schrank herunter und verschwinde im Schlafzimmer. Er folgt mir.

“Es tut mir leid“, stammelt er verzweifelt hinter mir. “Bitte geh nicht! Ich werde mir mehr Zeit nehmen.“

Ach plötzlich! Wie oft haben wir darüber diskutiert. Sein Laden steht nun mal an erster Stelle. Das versteh ich ja auch, irgendwie.

„Du kannst so lange hier wohnen, wie du möchtest. Bitte denke noch mal darüber nach!“, bettelt er weiter.

Herrgott noch mal, wie soll ich da eine Entscheidung treffen, wenn ein erwachsener Mann mich so anbettelt. Ich muss raus hier! Nachdenken! Alleine und in Ruhe!

Hilfe, fast 40!

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