Читать книгу Die ewige Geliebte | Erotischer Roman - Eva Gold - Страница 3
ОглавлениеGeld gegen Sex
In meiner Steuererklärung für das Jahr 2015 ist in Zeile 177 ein Umsatz aus Lieferungen und sonstigen Leistungen in Höhe von 54.571 Euro eingetragen. Die Vorsteuerbeträge aus Rechnungen anderer Unternehmen betragen 3.371,35 Euro. Das ist das Ergebnis der Steuerberatungsgesellschaft Kölner Allee.
»Wir müssen noch Kosten kreieren, die wir vom Gewinn abziehen können. Alles, was Sie so gebraucht haben. Kleidung oder auch Zubehör. Dann können wir bei jedem Termin, an dem Sie im Hotel übernachtet haben, eine Pauschale von 12 Euro für Verpflegung ansetzen. Sie müssten mir nur sagen, an welchen Terminen das der Fall war.«
Ich setze mich an meinen Schreibtisch und nehme ein Blankopapier aus der Schublade des Druckers. Ich überschreibe die Seite mit Kosten 2015. Danach folgt eine Tabelle:
Friseur: 150 Euro im Monat * 12 = 1.800 Euro
Kleider: 450 Euro
Kondome, Strümpfe etc.: 5 Euro * 99 Termine = 495 Euro
Fitnessstudio: 60 Euro im Monat ab März = 10 * 60 = 600 Euro
Kosmetik: 50 Euro im Monat = 600 Euro
Schönheitsoperationen: 2.000 Euro für die Botoxspritze in die Stirn und das Aufpolstern einer unschönen Narbe am oberen Außenschenkel mit Calciumapatit.
Sie haben richtig gelesen. Kondome, Strümpfe etc. Ich bin im Nebenjob Escortgirl. 99 Termine – das sind 99 Abende, die ich in diesem Jahr mit einem jeweils anderen Mann verbracht habe. Sie glauben, das geht nicht? Ich sage Ihnen: Es geht. Und ich werde Ihnen nun erzählen, wie so etwas geht.
Ich darf mich zunächst vorstellen. Mein Künstlername ist Annett und laut meiner Sedcard auf der Homepage meiner Escortagentur bin ich Ende zwanzig, weil die Nachfrage dann größer ist.
Die meisten Gäste kaufen mir dieses Alter sofort ab, denn ich habe gute Gene, eine Topfigur und für die unschönen Stellen eben eine gute Schönheitschirurgin. Und wenn doch mal ein Gast mein richtiges Alter schätzt, nachdem er mir tief in die Augen geblickt hat, weiß ich, dass ich es mit einem echten Frauenkenner zu tun habe, und das Date beginnt mit einem angenehmen Gefühl.
Ich arbeite im High-End-Bereich und kassiere pro Stunde 250 Euro. Die Gäste buchen mich, weil ich Ihnen das biete, was Ihre Frau zu Hause nie tun würde. Besuche ich die Gäste zu Hause, liege ich in ihrem Ehebett, ohne dass die Frauen jemals davon erfahren.
Ob ich ein schlechtes Gewissen habe? Nein. Es ist ein Job. Ich trenne Gefühle und Körper, das ist die Kunst. Ich bin freundlich, stehe auf die sexuellen Vorlieben, die mein Gast bevorzugt, und bin die leichte und leidenschaftliche Gefährtin für die einsamen Stunden auf einer Geschäftsreise, für den späten Sonntagnachmittag im Eigenheim oder die Kompensation für jeden Ehestreit. Ich bin die, die Frauen hassen, und die, die in Männerträumen die Hauptrolle spielt. Mein Erfolg liegt jedoch nicht an meinem Silikonbusen oder meinen exorbitant teuren Dessous. Ich bin das nette Mädchen von nebenan, keiner aus meinem normalen Leben würde mir eine solche Tätigkeit zutrauen. Deshalb ist es so einfach für mich, ihr nachzugehen. Mein zweiter Pluspunkt: meine Bildung. Ja, richtig. Es geht im Escort nicht nur um puren, animalischen und schnellen Sex.
Meine Gäste buchen mich, weil sie sich mit mir unterhalten, eine geistreiche Konversation führen können. Männer, die von einem Meeting oder einem langen Tag auf der Messe kommen, wollen sich mit mir wie mit einer echten Freundin unterhalten. Beim Abendessen frage ich sie: »Wie war dein Tag?« Diese Gäste wollen eine Idee von der Person hinter meiner Fassade bekommen. Natürlich habe ich mir dazu eine Geschichte zurechtgelegt. Ich erzähle ihnen, dass ich noch studiere und keine Lust auf Kellnern habe. Außerdem verdient man damit einfach mehr und schneller Geld.
Diese Ehrlichkeit macht die Männer an, macht sie heiß. »Du bist das bekannteste Escort der ganzen Stadt!«, hörte ich vor einigen Monaten von einem meiner ersten Gäste.
»Wirklich!?«, antwortete ich überrascht. Ich wusste zwar, dass ich beliebt und sehr nachgefragt war, aber die bekannteste? Es ist wichtig, nicht allzu viel darüber zu wissen, wie die Menschen wirklich über mich denken. In dem Bereich habe ich Scheuklappen, ganz klar, sonst könnte ich so nicht arbeiten.