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3.3 Die Rolle der Lehrkraft

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Lehrkräfte können die vorgestellten Mechanismen für sich nutzen, um die akademische, aber auch soziale Entwicklung jedes einzelnen Schülers bzw. jeder einzelnen Schülerin zu unterstützen bzw. negative Einflüsse durch die Peers abzuschwächen. Im Folgenden werden für jeden Mechanismus beispielhaft zentrale Möglichkeiten aufgezeigt.

Für den Mechanismus des Modelllernens können Lehrkräfte über einen motivierenden Unterricht und über das Schaffen einer sozialen Situation im Klassenzimmer, in der für jeden Schüler und jede Schülerin das Grundbedürfnis nach sozialer Eingebundenheit befriedigt wird (Deci & Ryan, 2000), die Auftretenswahrscheinlichkeit erwünschter Verhaltensweisen, wie z. B. eine engagierte Mitarbeit im Unterricht, erhöhen. Dies ermöglicht, dass erwünschte Verhaltensweisen von anderen Schülerinnen und Schülern in der Klasse vermehrt beobachtet werden können (Aneignungsphase). Zum anderen werden Schülerinnen und Schüler in der Klasse auch mit höherer Wahrscheinlichkeit die beobachteten Verhaltensweisen in das eigene Repertoire übernehmen (Ausführungsphase), wenn sie wahrnehmen, dass die gezeigten Verhaltensweisen des Modells eine positive Konsequenz erfahren. Zum Beispiel können Lehrkräfte durch Lob für erwünschte Verhaltensweisen (positive Verstärkung) bewirken, dass Schülerinnen und Schüler (Modelle) vermehrt solche Verhaltensweisen zeigen und dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass andere Schülerinnen und Schüler diese Verhaltensweisen in ihr eigenes Repertoire übernehmen. Zentral ist, dass Lehrkräfte ein größeres Augenmerk darauflegen, erwünschte Verhaltensweisen positiv durch z. B. Lob zu verstärken, als ausschließlich unerwünschte Verhaltensweisen immer wieder zu sanktionieren (Moore et al., 2009).

Weiter können Lehrkräfte die Präferenz von Jugendlichen, Informationen mit Gleichaltrigen auszutauschen, für die Vermittlung von Lerninhalten nutzen. So kann die Lehrkraft Schülerinnen und Schüler in Lerntandems bzw. größere Lerngruppen einteilen. In diesem Zusammenhang spielt das Peer-Tutoring eine wichtige Rolle. Dieses bezieht die Peers als gleichberechtigte Wissensvermittlerinnen und Wissensvermittler mit ein, die ihren gleichaltrigen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden Lerninhalte vermitteln, mit ihnen einüben, wiederholen und ggf. nochmals erklären (Utley, Mortweet & Greenwood, 1997). Die Bedeutsamkeit des Peer-Tutorings, die Schulnoten von Schülerinnen und Schülern positiv zu beeinflussen, bestätigte sich in zahlreichen Studien (Bowman-Perrott et al., 2013). Mögliche Prozesse, die diesen Lernzuwachs erklären können, sind z. B., dass sich Schülerinnen und Schüler im Peer-Tutoring – im Vergleich zu herkömmlichen Lernsettings – eher trauen, Fragen zu stellen (Cheng & Ku, 2009).

Eine Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler mit geringerer Wahrscheinlichkeit dysfunktionale Peernormen (z. B. eine negative Einstellung zu schulischen Inhalten) übernehmen, besteht im Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern. Ergebnisse zeigten, dass sich Schülerinnen und Schüler, die sich von ihren Lehrkräften gut verstanden fühlten, weniger von der Einstellung ihrer Clique beeinflussen ließen als Schülerinnen und Schüler, die keine gute Beziehung zu ihren Lehrkräften hatten (Vollet, Kindermann & Skinner, 2017). Eine kontraindizierte Methode, um negative Einflüsse von Peernormen auf die Motivation zu reduzieren, wäre z. B. das bewusste Wegsetzen nur einzelner Schülerinnen und Schüler von ihrer Peergruppe. Zum einen werden dadurch Schülerinnen und Schüler von ihren wichtigen Bezugspersonen isoliert, was wiederum negative Auswirkungen auf ihre soziale Eingebundenheit haben kann. Zum anderen fühlen sich dadurch Schülerinnen und Schüler möglicherweise von ihren Lehrkräften weniger verstanden, was sich wiederum negativ auf die Beziehung zur Lehrkraft auswirken kann (Furrer, Skinner & Pitzer, 2014).

Zu der Frage, wie möglichst viele Schülerinnen und Schüler von einer guten sozialen Einbindung in der Klasse für ihre Motivationsentwicklung profitieren können, erbrachte eine Studie von Gest, Madill, Zadzora, Miller und Rodkin (2014) erste Hinweise darauf, dass isolierte Schülerinnen und Schüler sich nach einer Zeit besser sozial eingebunden fühlten, wenn Lehrkräfte in ihrem Unterrichtshandeln die Beliebtheit der einzelnen Schülerinnen und Schüler berücksichtigten. In diesem Zusammenhang zeigte eine Studie von van den Berg, Segers und Cillessen (2012), dass ein Neuarrangement der Sitzordnung auf Basis der Beliebtheitseinschätzung ein probates Mittel sein kann, isolierte Schülerinnen und Schüler besser zu integrieren. Es wurde dabei so vorgegangen, dass unbeliebte Schülerinnen und Schüler mit beliebten Schülerinnen und Schülern zusammengesetzt wurden. Nach der Veränderung der Sitzordnung waren Außenseiterinnen und Außenseiter besser integriert und das Klassenklima verbesserte sich ebenfalls. Diese Maßnahmen setzen allerdings voraus, dass Lehrkräfte die Peerbeziehungen in der Klasse richtig einschätzen können. Eine Studie von Harks und Hannover (2017) liefert hierzu erste Hinweise, nach denen Lehrkräfte etwa 30 % der Sympathiebeziehungen in einer Klasse korrekt einschätzen konnten. Dabei war die Einschätzungsqualität höher, wenn Lehrkräfte auch glaubten, für die Qualität der Peerbeziehungen mitverantwortlich zu sein. Eine weitere Möglichkeit, der Isolation von Schülerinnen und Schülern vorzubeugen und so präventiv einer geringen sozialen Einbindung entgegenzuwirken, ist die Einführung von Klassenregeln zum sozialen Umgang miteinander. Durch Implementation solcher Regeln können Lehrkräfte einen wertschätzenden Umgang unter den Schülerinnen und Schülern fördern (Korpershoek et al., 2016).

Aufwachsen mit Anderen

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