Читать книгу Wild Guide Österreich - Hansjörg Ransmayr - Страница 12
ОглавлениеStilvoll wohnen in der Gartenoase
17 Schreiners Salettl
Herzstück des Schreiner’schen Gastronomie-und Beherbergungsbetriebs ist der fast schon paradiesisch anmutende Garten. Inmitten von Rosen, Lorbeersträuchern, Kräutern und Blumen befindet sich denn auch das aus dem frühen Biedermeier stammende Salettl. Dieses wurde mit geöltem Eichenboden, Vollholzmöbeln und modernen Geräten ausgestattet und stilsicher zu einem einzigartigen Hide-Away renoviert. Wenn man auf der gemütlichen Terrasse bei einem gepflegten Glas österreichischen Weins sitzt, könnte man angesichts der ländlichen Anmutung ringsum fast vergessen, dass man sich inmitten einer Großstadt befindet.
Auch kulinarisch sind Schreiners mit ihrer Wirtshausküche in Wien ganz vorn mit dabei, wovon nicht zuletzt eine vorwiegend mit modern interpretierten Klassikern erkochte Gault-Millaut-Haube zeugt. In den Genuss des gastronomischen Know-hows und der authentischen Wiener Gastfreundschaft kommen auch Übernachtungsgäste, die sich auf ein legendär gutes Frühstück mit allerlei selbst gezogenen, geernteten und zubereiteten Köstlichkeiten freuen können. Mithin wichtigste Zutat ist aber bei alledem die ruhige Lage. Kein Wunder, dass Stammgäste sich immer wieder gern zum Durchatmen und Genießen in das Salettl in der Gartenoase zurückziehen (www.schreiners.cc).
GPS: 48.20193, 16.34175
Anfahrt: Neubaugürtel, ab auf Westbahnstr. 42
Genussvoll lustwandeln
18 Naschmarkt(-touren)
Zwischen Rechter und Linker Wienzeile und somit an einer der wichtigsten westlichen Wiener Haupteinfahrten gelegen, ist der Naschmarkt mit 2,3 ha der größte innerstädtische Markt der Donaumetropole. Wochentags bieten hier an die 170 etablierten Marktler ihre Waren feil, an Samstagen kommen mit den Bauern der Umgebung und dem angrenzenden Wiener Flohmarkt noch jede Menge weiterer Standler hinzu. Der sowohl olfaktorische wie auch visuell und kulinarisch bunte Mix des Naschmarkts bietet inmitten der Großstadt eine Genussinsel mit langer Geschichte. Schon früh gelangten in die einst bedeutende Residenzstadt Waren aus aller Welt, darunter ehemalige Exotika wie Kaffee oder Bananen und wohl auch süße Naschereien.
Auch heute noch macht das selbstverständliche Nebeneinander von typischen Wiener Spezialitäten und solchen aus fernen Ländern den Reiz des Naschmarktes aus. Da preist man am Stand von Wiener Original Gurken-Leo genauso wortreich seine saure Ware an wie an jenem von Dr. Falafel Humus oder Kichererbsenbällchen. Bei der Fülle des vorhandenen Angebotes tut es gut, von kundigen Genussexperten, die als Markt-Insider mit ihren Gästen zielsicher die echten Schmankerl des Marktes ansteuern, geführt zu werden. Neben Kostproben bekommt man bei den etwa zweieinhalbstündigen Führungen noch viel Hintergrundwissen, Rezepte und Anekdoten mit auf den Weg (www.gtour.at).
GPS: 48.1984, 16.36311
Anfahrt: Zwischen rechter und linker Wienzeile.
Klein, aber fein
19 Kleinster Weingarten
Neben den großen Wiener Weinbaugebieten in Döbling, Ottakring und Floridsdorf gibt es am Schwarzenbergplatz den einzigen bewirtschafteten Weingarten im Stadtzentrum. Glaubt man den nicht immer ganz vertrauenswürdigen, weil oft weinseligen mündlichen Überlieferungen der Altvorderen, dann wurde dieser Weingarten bereits während der Habsburgermonarchie angelegt. Wie damals üblich und heute durchaus wieder modern, wurde der Weingarten als gemischter Satz bepflanzt. Von den etwa 70 Reben entfallen rund ein Drittel auf Grünen Veltliner und der Rest auf diverse andere Sorten. An seinem prominenten Standort direkt neben dem würdigem Palais Erzherzog Viktor wird der mit nur rund 100 m2 kleinste Weingarten Wiens von einer prunkvollen Steinmauer umgrenzt und vom Weingut Mayer am Pfarrplatz bewirtschaftet.
Alljährlich im Oktober findet hier die sogenannte Bürgermeisterlese statt, bei der nicht nur Wiens Bürgermeister, sondern auch die Inhaber des Weinguts und andere Prominente medienwirksam für wohltätige Zwecke zur Rebschere greifen. Anfang Dezember wird nämlich der gesamte Ertrag des Stadtweingartens – zumeist rund 60 Flaschen Wein – im Wiener Rathaus zugunsten der wohltätigen Aktion „Licht ins Dunkel“ versteigert.
GPS: 48.20111, 16.37512
Anfahrt: Schwarzenbergplatz 2, 1010 Wien
Mozarts letzte Ruhestätte
20 Friedhof St. Marx
Aufgrund der Josephinischen Seuchen- und Hygieneverordnungen mussten 1784 außerhalb der damaligen Stadtmauern fünf „communale“ Friedhöfe neu errichtet werden. Von diesen ist der St. Marxer Friedhof der einzige noch erhaltene und mit seinem morbiden Charme trotz seiner heute etwas lauten Lage zwischen den Stadtautobahnen einen Besuch wert.
Eine der berühmtesten Persönlichkeiten, die auf dem St. Marxer Friedhof ihre letzte Ruhestätte fand, war Wolfgang Amadeus Mozart. Nach seinem Tod am 5. Dezember 1791 endete der Trauerzug vorschriftsgemäß am Stubentor, und der geniale Komponist wurde ohne Zeugen in einem schmucklosen Schachtgrab beigesetzt. Als um 1808 herum Constanze das Grab ihres verstorbenen Gatten besuchen wollte, konnte es, da auch der Totengräber inzwischen verstorben war, nicht mehr lokalisiert werden. Auch spätere Versuche, das Grab eindeutig zuzuordnen, scheiterten, es wird jedoch im Bereich der dritten oder vierten Schachtgräberreihe vermutet. Schließlich wurde ein Denkmal gestaltet, das 1891 auf den Wiener Zentralfriedhof überführt wurde. In St. Marx, der eigentlichen letzten Ruhestätte des Komponisten, stellte der Friedhofswärter aus nicht mehr benötigten Bestandteilen anderer Gräber ein schlichtes Grabmal zusammen, das auf dem letzten Biedermeierfriedhof Wiens noch heute zu besichtigen ist. Am besten eignet sich dazu die Zeit der Fliederblüte von April bis Mai.
GPS: 48.18382, 16.40322
Anfahrt: Leberstr. 6, 1030 Wien
Weit mehr als nur Urban Swimming
21 Wienerberg Teich
Schon die Römer nutzten die am Wienerberg vorhandenen Lehmvorkommen. Unter Maria Theresia entstand hier eine erste Ziegelei, die um 1820 herum als die größte Europas galt und später vielen Zugewanderten aus den Kronländern Arbeit gab. Als um 1950 herum der Lehmabbau unrentabel wurde, blieb ein Brachland mit Tümpeln und Lehmgruben zurück, das anfänglich als Müllhalde genutzt wurde. Erst um 1970 herum wurden Pläne für die neue Nutzung geschmiedet, und 1995 erfolgte die Widmung zum geschützten Landschaftsteil und Naherholungsgebiet. Mit seinen 120 ha, von denen immerhin 14 ha Wasserflächen und 14 km Wegenetz sind, eignet sich der Grüngürtel ideal zum Walken, Joggen und (geduldetem) Schwimmen. Offiziell ist der Wienerbergteich nämlich trotz guter Wasserqualität kein Badegewässer. Schließlich bräuchte es für eine derartige Widmung Aufsicht, Infrastruktur, Logistik und Rettungseinrichtungen. Für den, der das alles nicht sucht und braucht, gibt es am Ufer mehrere kleinere Liegewiesen und abgeschiedene Buchten, in die man sich zurückziehen kann. So hat hier das Baden mit dem unmittelbaren natürlichen Umfeld und dem Ausblick auf die urbane Skyline seinen eigenen, ganz besonderen Reiz. In schneereichen Wintern wird im Wienerbergpark außerdem sogar eine Langlaufloipe gespurt.
GPS: Teich – 48.16182, 16.3522 Parkplatz – 48.1590641, 16.34449
Anfahrt: A2 Richtung Wien, Ausfahrt Zentrum/Gürtel, B17, rechts ab auf Otto-Probstg., links ab auf Grohnergasse, bei Nr. 10 parken.
Golfen im Volkspark
22 Volkspark Laaer Berg, Disc Golf
Ursprünglich wurde am weitestgehend waldfreien Laaer Berg intensive Weidewirtschaft betrieben. Auf den offenen Steppenflächen entwickelte sich eine für Wien einzigartige pannonische Flora, die durch den Mix aus Trockenrasen und Feuchtbiotopen entlang der Ziegelteiche einen außergewöhnlichen Artenreichtum zeigte. 1953 entstand bei der Stadtverwaltung der Plan, zur Verschönerung des Grüngürtels hier die 230 ha Wald aufzuforsten. Wegen der speziellen geologischen Beschaffenheit waren jedoch drei Jahre nach Projektbeginn nur noch ein Zehntel der Bäume am Leben. Mit einer, aus heutiger Sicht eher fatalen Beharrlichkeit wurde das Vorhaben unter Einsatz von schwerem Gerät und massiven Erdbewegungen durchgezogen und der „neue“ Wald 1982 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Seitdem präsentiert sich der Volkspark Laaer Berg als etwa 22 000 m2 großer Landschaftspark mit mächtigen Trauerweiden, schattigen Waldstücken, Teichen, Spiel- und Sportplätzen sowie einer von Maitre Leherb gestalteten Keramikstele namens „Tag und Nacht“. Hier finden nicht nur Wanderer und Jogger, sondern auch Petrijünger hervorragende Voraussetzungen für die Ausübung ihrer Hobbys. Außerdem entstand im Park der zweite Wiener Disc-Golf-Parcours, der als Par-27/9-Korb-Parcours für Anfänger – auch mit herkömmlichen Frisbees – etwas leichter bespielbar ist als sein 18-Korb-Pendant im Prater. Allerdings nur, wenn man seine eigenen Frisbees mitbringt …
GPS: 48.1565, 16.38879
Anfahrt: Vom Stadtzentrum U-Bahnlinie U1, Station Altes Landgut.
„Klagemauer“ eines armen Schluckers
23 Lainzer Tiergarten
Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Wald am Lainzer Berg von den Babenbergern für große Jagden genutzt. Aufgrund der Nähe zu besiedeltem Gebiet, massiven Flurschäden und Verbiss in den Weingärten wurde schon um 1561 das Areal mit einem, wie sich später herausstellen sollte, ineffizienten Holzzaun umgeben. Schließlich wurde unter Kaiser Joseph II. die Errichtung einer 24 km langen Steinmauer geplant und der Baumeister Philipp Schlucker zu einem Fixpreis damit beauftragt. Dieser vertat sich jedoch bei seiner Kalkulation ziemlich schwer und musste den Zaun weit unter seinen tatsächlichen Entstehungskosten fertigstellen, was ihm im Volksmund rasch den Beinamen „der arme Schlucker“ bescherte.
Heute ist das öffentlich zugängliche, 2450 ha große Naturschutzgebiet ein Eldorado für Erholungssuchende, Wanderer und Naturfreunde. Es ist insofern ein Tiergarten geblieben, da sich der immer noch enorme Wildbestand innerhalb des weitläufigen Waldgebiets frei bewegen kann. Beim Umherstreifen können einem also durchaus Wildschweine, Hirsche oder Rehe über den Weg laufen, und mit etwas Glück sieht man auch Salamander, Reiher, Spechte und anderes Getier. Besondere Ausflugsziele im Areal sind der nur im Rahmen von Führungen begehbare Urwald am Johannser Kogel und die Hubertuswarte. Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt liegt der romantische Lainzer Teich mit altem Baumbestand.
GPS: 48.16686, 16.25686
Anfahrt: Hermesstr. 78, 1130 Wien
Ein familien- und bikerfreundliches Refugium
24 Maurerwald/Pappelteich
Am südwestlichen Stadtrand von Wien liegt das etwa 4 km2 große Ausflugsgebiet des Maurerwaldes, eingebettet zwischen dem bereits zu Niederösterreich gehörenden Naturpark Föhrenberg und dem Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten. Im Maurerwald fühlen sich besonders naturliebende, unternehmungslustige Familien und bewegungshungrige Mountainbiker wohl. Das bestens ausgeschilderte Wegenetz lässt keine Wünsche offen, südlich des Wilden Berges lädt das äußerst beliebte, empfehlenswerte Gasthaus „Zur Schießstätte“ zur Einkehr, und an zwei gut ausgestatteten Waldspielplätzen können sich die Kleinen richtig austoben.
Historisch interessant ist dabei der Spielplatz am Pappelteich. Der Teich wurde einst als Schwimmbecken zur körperlichen Ertüchtigung der Rekruten einer hier ansässigen Kaserne angelegt. Leider versandete das Becken immer mehr und wurde zwischenzeitlich von wild konzertierenden Laubfröschen in Beschlag genommen. Von diesem überreichlichen Nahrungsangebot angelockt, kann man daher am Pappelteich oft Graureiher beobachten, die sich den Bauch vollschlagen. Bekannt ist die Umgebung rund um den Waldspielplatz auch für seine Hirschkäferpopulation, deren Vertreter es hier zu ganz beachtlicher Größe bringen. In schneereichen Wintern wird rund um den Pappelteich sogar eine Langlaufloipe gespurt und der Abhang unterhalb der Hundezone als Rodelstrecke genutzt.
GPS: Pappelteich – 48.14541, 16.24704 Parkplatz – 48.15057, 16.25261
Anfahrt: Maurer Lange Gasse, 1230 Wien
Einst angefeindet, heute Architekturikone
25 Wotrubakirche
Die Kirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg im 23. Wiener Gemeindebezirk ist eigentlich der imposante Rest eines einstmals hier geplanten Karmeliterinnenklosters. Nachdem der Plan wegen zu hoher Kosten gescheitert war, bemühte sich die Erzdiözese Wien unter Kardinal Franz König zumindest um die Realisierung der Klosterkirche. Für deren künstlerischen Entwurf wurde der bis dahin nur als Bildhauer und Bühnenbildner bekannte Künstler Fritz Wotruba gewonnen. Anfänglich wollte dieser seine kühnen Vorstellungen mit Blöcken aus gelbem Marmor umsetzen. Der ihm zur Seite stehende Architekt Fritz Gerhard Mayr überzeugte ihn jedoch von den Vorzügen von Sichtbeton für dieses Vorhaben. So wurden in der 13-jährigen, von vielen kritischen Misstönen begleiteten Baugeschichte 152 unverkleidete Betonblöcke zu einem bildhauerischen Architektur-Statement geschichtet, das weit über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen sorgte.
Eingeweiht wurde die Kirche am 24. Oktober 1976, mehr als ein Jahr nach dem Tod des Künstlers Fritz Wotruba. Fast zeitgleich mit der Eröffnung verstummte auch die Kritik am markanten Erscheinungsbild des Gotteshauses. Vor allem die lichtdurchflutete, großzügige und helle Gestaltung des Innenraums nahm all jenen (Architektur-)Kritikern den Wind aus den Segeln, die bis dahin naserümpfend von einer „begehbaren Skulptur“ gesprochen hatten.
Heute gilt die abseits großer Besucherströme gelegene Wotrubakirche jedenfalls als eines der ikonischen Architekturdenkmäler Wiens.
GPS: 48.14763, 16.25341
Anfahrt: Maurer Lange Gasse, 1230 Wien
Das Stonehenge Wiens
26 Sterngarten
Auf Initiative von Prof. Hermann Mucke und mit Unterstützung des Wiener Astrovereins entstand am Rande des Maurerwalds ein hektargroßes Freiluftplanetarium. Seit 1997 veranschaulicht diese Anlage der Horizontastronomie die scheinbare Drehung des Sternhimmels und soll besonders den jahreszeitlichen Verlauf der Sonnenbahn und die zwischen acht und 16 Stunden veränderlichen Tageslängen bewusst und sichtbar machen. In der Mitte der Plattform stehend zeigt der hohe Südmast den Höchststand der Sonne zum „astronomischen Mittag“ am Beginn der vier Jahreszeiten. Der Nordmast trägt eine Lochscheibe, die den Himmelspol und die kleine 24-Stunden-Bahn des Polarsterns markiert. Von der Plattformmitte gesehen stellen sechs Sonnensäulen die jahreszeitlichen Auf- und Untergangs-punkte der Sonne dar.
Die Anlage ist nicht nur tagsüber frei zugänglich und kostenlos nutzbar, nachts sieht man an diesem dunklen Platz mit bis zu 1000 Sternen vier- bis fünfmal mehr als in der Stadt. Für Interessierte veranstaltet der Astroverein auch immer wieder Führungen, Vorträge und Himmelsbeobachtungen.
GPS: 48.14664, 16.25243
Anfahrt: Maurer Lange Gasse, 1230 Wien