Читать книгу Wild Guide Österreich - Hansjörg Ransmayr - Страница 19
ОглавлениеNiederösterreich
Groß und namensstiftend
Lange Zeit galt: „Dieses Niederösterreich ist kein Land, es ist ein in vier Viertel zerrissenes Etwas mit einem Loch in der Mitte. Dieses Loch namens Wien war und ist noch immer verhasst, vor allem weil man davon abhängig ist.“ (O. Pink in „Die Presse“) Dabei wurde das flächenmäßig größte Bundesland der Republik bereits 996 als Ostarrichi, aus dem später der Name Österreich hervorging, erstmals urkundlich erwähnt. Unter den Habsburgern wurde es offiziell zum Erzherzogtum „unter der Enns“, im inoffiziellen Sprachgebrauch zu Niederösterreich.
1920 wurde Niederösterreich ohne das Gebiet der Stadt Wien, welches es komplett umschließt, als eigenes Bundesland konstituiert, es erhielt 1986 mit St. Pölten eine eigene Landeshauptstadt (vorher war es Wien) und damit eine deutliche Aufwertung. Landschaftlich gliedert sich das Bundesland in vier Viertel, deren Namen sich an der jeweils vorherrschenden Nutzung und dem Erwerb orientieren und noch aus der Monarchie stammen.
Wald- und Weinviertel liegen nördlich, Most- und Industrieviertel hingegen südlich der Donau. Naturräumlich besteht Niederösterreich von Nord nach Süd aus dem Böhmischen Granit- und Gneishochland, dem daran anschließenden Niederösterreichischen Alpenvorland, den Niederösterreichischen Vor- und Kalkalpen und dem östlich gelegenen Wiener Becken. Als einziges Bundesland besitzt Niederösterreich zwei Nationalparks. Mit nur 13,3 Quadratkilometern ist der im Grenzgebiet zur Tschechischen Republik gelegene Nationalpark Thayatal Österreichs kleinster Nationalpark. Er beherbergt die Hälfte aller im Land vorkommenden Pflanzenarten und hat sich besonders um die Wiederansiedlung von Wildkatzen verdient gemacht. Von Wien bis zur Mündung der March erstreckt sich der Nationalpark Donau-Auen, der mit einer Länge von 38 Kilometern eine der größten, weitgehend intakten Auenlandschaften Mitteleuropas ist.
In der Wachau, dem zwischen Krems und Melk gelegenen, 35 Kilometer langen Donau-Durchbruchtal, reifen nicht nur köstliche Marillen, sondern auch hervorragende Weißweine, während das Marchfeld für sein Gemüse und vor allem den köstlichen Marchfelder Spargel bekannt ist. Insgesamt hat Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass vier Viertel letztlich doch ein liebenswertes Ganzes ergeben.