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Kapitel 4

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Emery

»Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?«

Emery warf Robin, Avas Bruder und einer seiner besten Freunde, einen scharfen Blick zu. »Wenn du mich das noch ein einziges Mal fragst, erwürge ich dich mit diesem grauenhaften Schlips, den du dir um den Hals gewickelt hast.«

Ava zog eine Augenbraue hoch. Wie immer trug sie schwarze Jeans und ein schwarzes T-Shirt. Die dunklen Locken fielen ihr auf die Schultern. »Oh ja, es geht ihm gut«, sagte sie und sah ihren Bruder bedeutungsvoll an.

Niemand in ihrer Gruppe wirkte sehr überzeugt davon. Sie umringten Emery, der in Avas Wohnzimmer auf dem Sofa saß, wo er die Nacht verbracht hatte. »Emery«, sagte Dair, Robins Freund, geduldig. »Du hast gestern Nacht die Hölle durchgemacht. Es ist vollkommen normal, wenn es dir nicht gut geht.«

Emery wusste natürlich, dass Dair als ehemaliger Marine nachempfinden konnte, wie er sich fühlte. Dair kannte vermutlich mehr als genug Veteranen, die unter PTBS litten. Trotzdem hätte Emery am liebsten laut geschrien, weil er es kaum noch ertragen konnte, von einer ganzen Horde gut meinender Freunde belagert und umsorgt zu werden.

Es war alles nur seine Schuld. Er wusste, er hatte die Aufmerksamkeit dieses Spinners selbst auf sich gezogen. Wenn er nicht so wäre, wie er war – wie er geboren worden war –, würde ihn nicht ständig jemand umbringen wollen. Seine besorgten Freunde erinnerten ihn nur daran, dass er schon seit seiner Geburt ein Problem war.

Emery wollte das alles nur noch vergessen. Ava hatte gesagt, er könnte bei ihr unterkommen, so lange er wollte. Aber Emery musste in einigen Tagen eine Geschäftsreise antreten und würde die Stadt deshalb sowieso verlassen. Die Polizei hatte die Spurensicherung in seine Wohnung geschickt – trotz Emerys Protest – und sie nach Fingerabdrücken abgesucht. Er musste nur noch überprüfen, ob etwas gestohlen worden war. Detective Padilla, die für den Fall zuständig war, hatte ihm versichert, dass es dem Eindringling nicht gelungen wäre, den Safe zu knacken.

Emerys Laptop, die Videoausrüstung, sein Schmuck und das Bargeld, das er dort für Notfälle aufbewahrte, waren also nicht angetastet worden. Und – was noch wichtiger war – er und Sonic waren dem Kerl unbeschadet entkommen. Mehr oder weniger. Sein Kopf schmerzte immer noch, wenn er ihn berührte. Alles andere war unwichtig und konnte gereinigt, repariert oder ersetzt werden.

Die Aufregung ging ihm auf die Nerven. Er konnte selbst auf sich aufpassen. Um ehrlich zu sein, könnte er jetzt vor allem ein gutes Essen, laute Musik und literweise Schnaps gebrauchen.

»Alasdair«, verkündete er und fiel seinen Freunden ins Wort, die gerade darüber diskutierten, ob sie in Emerys Wohnung fahren sollten, um ihm Kleidung und andere Notwendigkeiten zu besorgen. Es war lieb gemeint, doch Emery hatte sich heute früh schon selbst darum gekümmert und die wichtigsten Dinge in Avas Wohnung bringen lassen – vor allem einen Ersatzkäfig für Sonic, der ein so tapferer kleiner Kerl gewesen war und fast den ganzen Tag auf Emerys Schoß gelegen und geschlafen hatte.

Dair sah ihn blinzelnd an. »Ja?«

»Würdest du uns für heute Abend grünes Curry kochen, wenn ich dich ganz lieb darum bitte? Nach dem Rezept mit den Süßkartoffeln?«

Dair warf einen kurzen Blick auf Robin. Die beiden waren seit Robin und Emerys Klassentreffen vor zwei Monaten ein Paar und verbrachten den größten Teil ihrer Zeit in Pine Cove. Sie wollten demnächst von Seattle hierher umziehen, nachdem Robin sich mit einer kleinen Firma für Software und Internetsicherheit selbstständig gemacht und Dair in Pine Cove einen Job als Automechaniker gefunden hatte. Sie mussten nur noch eine Wohnung finden und kamen jetzt mit Smudge, ihrem süßen kleinen Hund, oft in die Stadt.

Emery freute sich sehr, dass Robin mit seinem charmanten Freund nach Pine Cove zurückkam und sie sich wieder öfter sehen würden. Er arbeitete allerdings immer noch daran, die richtigen Umgangsformen zu finden. Sie einfach um das zu bitten, was er wollte, schien ihm ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

»Äh, ja«, sagte Dair glücklich. »Was immer du willst.«

»Wenn das so ist, will ich mit dem Hündchen schmusen. Robin, bring mir das Smudgie-Monster. Und Ava… Ich weiß genau, dass du noch eine Flasche Wodka im Kühlschrank hast. Ich habe sie selbst reingestellt.«

Die drei sahen ihn mit zusammengekniffenen Augen an. Offensichtlich waren sie von seinem Lösungsvorschlag nicht sehr angetan. Aber genau so wollte Emery das Problem bewältigen, dass sein Leben so unangekündigt einfach auf den Kopf gestellt worden war.

»Passt auf«, sagte er geduldig. »Wenn ich hier rumsitze und heule, hat dieses Arschloch gewonnen. Wenn ich in Todesangst ausbreche und keinen Fuß mehr vor die Tür setze, hat er auch gewonnen. Ich weiß nicht, wer dieser Mensch ist und was er will. Vielleicht ist es derselbe Idiot, der mir diese Nachrichten geschickt und gedroht hat, mich umzubringen. Ich werde ihn nicht gewinnen lassen. Ich werde nicht zulassen, dass er mich terrorisiert und ich nicht mehr der Mensch sein kann, der ich sein will. Und ich bin fabelhaft. Also will ich Schnaps, will lachen und will jemanden knuddeln – ob Mensch oder Hund. Ist das okay?«

Robins Unterlippe zitterte, als er sich zu Emery aufs Sofa setzte und vorsichtig die Arme um ihn legte, um den schlafenden Sonic nicht stören. »Wir wollen doch nur, dass es dir gut geht«, murmelte er in das T-Shirt, das Emery sich von Ava ausgeliehen hatte.

Emery drückte ihn seufzend an sich. »Ich weiß, mein Süßer. Und ihr macht das ganz wunderbar. Aber das ist jetzt das Beste für mich, das verspreche ich dir. Tut mir den Gefallen, meine Lieblinge. Vergesst den bösen Mann.«

Dair rollte mit den Augen, beugte sich lächelnd vor und drückte ihm die Schulter. »Ich fahre kurz einkaufen und besorge die Zutaten für das Curry. Ich bringe auch Saft für den Wodka mit.«

»Ich hole Smudge«, sagte Robin, drückte Emery einen Kuss auf die Wange und stand auf. »Er liegt vermutlich unter Avas Bett und knabbert an ihren Schuhen.«

»Schon wieder«, jammerte Ava, doch Emery wusste, dass es gespielt war. Sie hatte alles vor Smudge in Sicherheit gebracht, woran ihr wirklich lag. Ein Blick in ihre Augen sagte ihm allerdings, dass sie etwas auf dem Herzen hatte.

Robin schien es auch bemerkt zu haben, denn sobald er Smudge aufs Sofa gesetzt hatte, verkündete er, dass er Dair zum Einkaufen begleiten würde. Smudge beschnüffelte Sonic, der sich auf dem kleinen Kissen, das Emery sich auf den Schoß gelegt hatte, hin und her wand. Ava setzte sich auf die andere Seite von Smudge, streichelte dem Hündchen über das goldene Fell und sah Emery ernst an.

»Was ist los?«, fragte er leise, als sich die Tür hinter Dair und Robin geschlossen hatte.

Sie neigte den Kopf, ohne ihn aus den Augen zu lassen. »Kannst du dich erinnern, dass ich dir vorgeschlagen hatte, einen privaten Sicherheitsdienst zu kontaktieren, nachdem du die Morddrohungen nicht dem FBI melden wolltest, wie jeder vernünftige Mensch es getan hätte?«

Emery seufzte. »Ava«, sagte er. »Daran bin ich immer noch nicht interessiert. Ich warte ab, was die Polizei herausfindet, und rede mit der Hausverwaltung über die Sicherheit der Türen. Sie sollten Videoaufnahmen aus dem Hausflur und der Umgebung des Hauses haben. Ich bin sicher, wenn wir herausfinden, wie der Mann eindringen konnte, können wir verhindern, dass es in Zukunft wieder passiert.«

»Das ist ja alles schön und gut«, erwiderte Ava ungerührt. »Aber ich habe bereits eine Sicherheitsfirma engagiert, um die Vorfälle unter die Lupe zu nehmen. In fünfzehn Minuten hast du einen Termin mit deinem neuen Leibwächter.«

»Wie bitte?«, schrie Emery so laut, dass der arme Smudge erschrocken vom Sofa sprang und sich unterm Couchtisch verkroch. Emery wollte ihn vom Boden aufheben und trösten, konnte aber vor lauter Wut keinen klaren Gedanken fassen. »Ava, dazu hattest du kein Recht! Ich will das nicht! Ich spiele da nicht mit!«

Ava ließ seinen Wutausbruch über sich ergehen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Sie sah ihn nur an. »Buhu. Ist ja gut, Prinzessin. Und jetzt lass das Theater, damit wir auf dich aufpassen können und dir nichts passiert. Was ist mit der Nachricht, die du heute früh bekommen hast? Oder war das gelogen?«

Emery biss die Zähnen zusammen und starrte sie an. Er bedauerte, Ava in einem schwachen Moment seine Verletzlichkeit gezeigt zu haben. Allerdings hatte er tatsächlich wieder eine Nachricht von demselben anonymen Konto bekommen, das ihm die Morddrohungen geschickt hatte. Er blockierte das Konto nach jeder Nachricht, doch es tauchte immer wieder auf – nur mit einer neuen Nummer am Ende. Erst ekleinhater1, dann ekleinhater2 und so weiter.

Wie geht es deinem Kopf?, hatte ekleinhater23 heute früh gefragt. Und das bewies eindeutig, dass der Absender mit dem Eindringling identisch sein musste, der gestern mit dem Gefäß nach Emery geworfen hatte.

Er knurrte und ließ sich wieder aufs Sofa fallen. »Na guuut«, zog er das Wort in die Länge. »Ich treffe mich mit diesem Schwachkopf. Aber ich behalte mir das Recht vor, ihn jederzeit zu feuern, wenn er sich als Arschloch herausstellt. Was er tun wird.«

Avas rechter Mundwinkel zuckte. »Braver Junge. Und jetzt bekommst du zur Belohnung deinen Wodka.«

Emery seufzte, als sie ihn allein ließ und in die Küche ging. Dann lockte er erfolgreich Smudge wieder aufs Sofa zurück. Er kam sich ein bisschen wie eine Disney-Prinzessin vor, die von ihren tierischen Gefährten umgeben war.

Er hoffte nur, dass er auch sein Happy End erleben würde.

Mist. Er könnte Ava erwürgen. Er wusste, sie wollte ihm nur helfen. Aber allein bei dem Gedanken, mit einem heterosexuellen Macho über sein Leben und seine Probleme zu sprechen, schüttelte er sich vor Scham.

Seit seiner Geburt hatte es immer Menschen gegeben, die ihm schaden wollten. Er war ein launisches Kind gewesen, verträumt, fantasievoll und effeminiert. Es hatte nie einen Zweifel darüber gegeben, dass er nicht nur schwul war, sondern einer von diesen Schwulen. Das Stereotyp des Schwulen, dessen sich alle Schwulen schämten, die als heterosexuell durchgehen konnten. Emery wusste genau, was die Menschen über ihn dachten, sogar seine Freunde, die ihn von Herzen liebten.

Es war ihm so verdammt egal. Er war fabelhaft und er war effeminiert, und daran war absolut nichts verkehrt. Diese Versuche, ihn in eine bestimmte Ecke zu drängen, führten sogar eher dazu, dass er seine Natur noch stärker betonte. Wenn man ihn für zu laut hielt, wurde er noch lauter. Wenn man ihn für peinlich hielt, packte er die Konfettikanone aus und stolzierte durchs Zimmer wie Barbra Streisand höchstpersönlich.

Er ließ sich nicht in die Parade fahren. Von niemandem. Nicht von irgendwelchen homophoben Rednecks, die kaum ihren Namen buchstabieren konnten. Nicht von irgendeinem verklemmten Leibwächter. Selbst von sich selbst nicht.

Ava war seine beste Freundin, weil sie ihn mit Himbeerwodka und Limonade versorgte, ihm an den Arm boxte und dann wieder in der Küche verschwand, um ihn allein zu lassen. Sie legte sogar Britney Spears auf und drehte die Musik extra laut. Emery seufzte und nippte an seinem Drink. Der Alkohol stieg ihm zu Kopf und eine Träne oder zwei quollen aus seinen geschlossenen Augen. Nur, weil er über den Überfall nicht reden wollte, hatte er ihn noch lange nicht verdaut. Er durfte sich einen Moment der Schwäche erlauben.

Es war dumm und verrückt, aber für einen kurzen Augenblick musste Emery an den gut aussehenden Gentleman von gestern Abend denken. Wenn dieser Mann so kämpfte, wie er fickte, würde er Emery wirklich vor jedem Schaden bewahren können. Und… verdammt. Emery würde es ihm wahrscheinlich sogar erlauben.

Was eine verdammt dumme Idee war. Emery konnte seine eigenen Schlachten schlagen. Er brauchte niemanden, und schon gar keinen großen starken Mann. Er war selbst groß und stark, wenn auch auf andere Weise. Und – was noch wichtiger war – er hatte in seiner Jugend Destiny's Child gehört. Er war ein gottverdammt unabhängiges, selbstständiges Mädel, das für sich selbst einstehen konnte – komme, was da wolle.

Na ja, allzu wörtlich sollte man das vielleicht nicht verstehen.

Als es an der Tür klopfte, ließ Emery den Kopf nach hinten fallen und schmollte, obwohl niemand im Zimmer war und ihn sehen konnte. »Avaaa!«, rief er jammernd. »Tüüür!«

Ein Protestgeräusch mischte sich in die Musik Madonnas, die jetzt aus der Küche zu hören war. Emery grinste. Er wusste, das war Avas Art, ihm zu sagen, dass sie ihn liebte. Außerdem mussten es entweder Dair und Robin sein, die von ihrem Einkauf zurückkamen, oder…

Als der Leibwächter ins Wohnzimmer kam, sah er auf den ersten Blick genauso aus, wie Emery ihn sich vorgestellt hatte. Er trug einen Anzug und war gut eins achtzig groß – nicht allzu groß, aber etwas größer als Emery selbst. Er war muskulös gebaut und konnte wahrscheinlich einiges an Gewicht stemmen. Emery war sich nicht ganz sicher, glaubte aber, unter der Jacke ein Schulterholster zu erkennen. Es machte ihn nervös, war aber nicht anders zu erwarten gewesen.

Nur… Mein Gott, war das ein Prachtkerl. Er stand da – mit breiten Beinen und die Hände vor sich ineinandergelegt – und strahlte Macht aus. Und dieser Geruch… oweia. Das würzige Aftershave erinnerte Emery ans Meer. Es schrie Mann auf eine Weise, die ihn normalerweise abstoßen würde, doch in diesem Fall lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Die Haare des Manns waren dunkelbraun und gerade lang genug, um sich daran festzuklammern. Und so einschüchternd er auch wirkte, der Blick seiner grünen Augen war freundlich. Doch das war vielleicht nur Einbildung und lag daran, dass sich Emery im Moment so zerbrechlich fühlte.

Und war es auch nur Einbildung, dass ihm der Mann bekannt vorkam? Vermutlich. Er hatte wahrscheinlich nur eines dieser Gesichter, die in Emerys Erinnerung immer zusammenflossen. Andererseits sah der Mann Emery auch irgendwie merkwürdig an. Vielleicht hatte er Emery schon im Internet gesehen und fragte sich jetzt, wer diese zierliche, erschöpft aussehende Gestalt eigentlich war. Emery hatte sich nämlich in der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr ohne Glitzer und Lipgloss gezeigt.

Ava, die dem Mann ins Wohnzimmer gefolgt war, warf Emery einen warnenden Blick zu. Emery hatte sich allerdings schon vorgenommen, vorübergehend höflich zu sein. Schließlich war er nicht der Einzige, der den Mann beurteilen musste.

»Guten Tag, Mr. Klein«, sagte der Anzugträger. Dann verstummte er wieder und schaute auf das kleine Fellknäuel, das auf ihn zugesprungen kam.

»Oh nein!«, rief Ava. »Sitz, Smudge! Es tut mir leid.«

Der Anzugträger lächelte nur und bückte sich, um den übereifrigen Smudge zu streicheln. »So ist brav«, murmelte er. Seine tiefe Stimme fuhr Emery durch den ganzen Leib und bis in den Schwanz. Gottverdammter Mist aber auch. Das war nicht sehr anziehend. Nein, das war es nicht. Na gut, vielleicht doch. Aber der Mann war eindeutig nicht schwul und sollte für Emery arbeiten. Er musste sich also zusammenreißen. »Hi, Smudge. Ist Mr. Klein dein Herrchen?«

»Emery reicht«, korrigierte ihn Emery. »Meine Freundin Ava hat Sie kontaktiert, nicht ich. Und der Hund gehört leider nicht mir. Aber meine Freundin wird sich freuen, dass Sie ihn mögen.« Er lächelte zurückhaltend. Schließlich gab es keinen Grund, sich wie ein komplettes Arschloch aufzuführen.

Der Anzugträger nickte. »Und dazu hatte Ms. Coal auch allen Grund. Es tut mir leid, dass Sie diese Probleme haben. Oakley Security ist gerne bereit, jederzeit für Ihre Sicherheit zu sorgen. Wenn es Ihnen recht ist, können wir die Details heute Abend diskutieren. Mein Name ist übrigens Scout Duffy.«

»Wir sind heute Abend schon zum Essen verabredet und…«, fing Emery an, wurde aber sofort von Ava unterbrochen.

»… Sie sind natürlich ebenfalls herzlich eingeladen.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah Emery mit zusammengekniffenen Augen an. »Emery möchte um die Sache kein Aufhebens machen und die Eingriffe in seinen normalen Tagesablauf auf ein Minimum beschränken. Zum Abendessen also, ja?«

Emery warf ihr einen grimmigen Blick zu. Was soll die Scheiße? Nein, er wollte diesen verdammten Scout Duffy heute Abend nicht sehen. Er wollte mit seinen Freunden zusammensitzen, sich von dem Schreck erholen und Dampf ablassen. Und warum sah ihn dieser Duffy eigentlich immer noch an, als würde er gleich hochspringen und einen Stepptanz aufführen?

Wie auch immer, Emery war nicht dumm. Wenn der Kerl auf Sicherheit spezialisiert war, sollten sie sich vielleicht wirklich darüber unterhalten, wie er Emery am besten beschützen konnte, bis die Bullen den Eindringling endlich geschnappt hatten. Vielleicht war es gar keine so schlechte Idee, diesen Duffy noch etwas länger zu ertragen.

Es spielte keine Rolle, dass Smudge ihn mochte… oder dass er nett zu Smudge war. Es ging hier nur ums Geschäft. Emery konnte sich nicht leisten, einfach zu ignorieren, dass ein Mann wie dieser ihn nie verstehen würde und im schlimmsten Fall sogar verachtete oder hasste. Solange er bezahlt wurde, würde er seine Vorurteile hoffentlich im Zaum halten.

Also sollte Emery ihm seine Portion Curry vielleicht gönnen. Dann war aber auch Schluss. Er musste zu diesem verklemmten Kerl nicht nett sein und behielt sich das Recht vor, ihn sofort wieder aus Avas Wohnung rauszuwerfen, sobald sie ihre Besprechung beendet hatten.

Eine verräterische kleine Stimme in seinem Kopf flüsterte Emery zu, dass er den Mann wohl nicht so schnell aus seinem Bett werfen würde, aber solche Gedanken waren im Moment nicht sehr hilfreich. Jemand wie Duffy würde ihm wahrscheinlich eher einen Kinnhaken versetzen, als ihn zu küssen. Es war eine Schande.

Emery beschloss, hier und heute wahre Größe zu zeigen. Er wollte diesem Duffy beweisen, dass ein schwuler kleiner Junge nicht nur Manieren hatte, sondern auch mehr Grips, als sein Lipgloss vermuten ließ. Er wollte ihm beweisen, dass er ein Kämpfer war. Wollte diesem Duffy zuhören und von seinen Vorschlägen lernen.

Und dann wollte er sich aus dem Staub machen. Er konnte darauf verzichten, sich von ihm vorverurteilen zu lassen. Und mit Sicherheit konnte er darauf verzichten, was dieser Kerl mit seinem armen, verwirrten Schwanz anstellte.

Troubled Waters

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