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Das «Wort vom Kreuz» wird in Korinth «angenommen»

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Das «Wort vom Kreuz» (1. Korinther 1,18) ist für Paulus die Richtschnur nicht nur dafür gewesen, was zu verkündigen sei als Evangelium, sondern auch in der Art, wie es weiterzugeben |29| sei: Man könnte es «kreuzweise» nennen. «Ich kam in Schwachheit und mit Furcht und Zittern zu euch, und meine Rede und meine Verkündigung baute nicht auf kluge Überredungskunst» (2,3–4). Starpredigertum, geniale Rhetorik und glänzende Auftritte sieht Paulus im Widerspruch zum «Wort vom Kreuz». Schliesslich hat Paulus selbst nur «empfangen» (15,3), was er verkündigt. Und die in Korinth haben es «angenommen», «stehen in ihm fest» und sollen es nun auch in Zukunft «genau so festhalten, wie ich [Paulus] es euch verkündigt habe» (15,1–2).

Zu diesem «Annehmen» der Botschaft gehört die Taufe. Sie bedeutet «abgewaschen», «geheiligt» und «gerecht gemacht worden [sein] durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes» (6,11). Paulus betont, er selbst habe in Korinth nur wenige getauft: «[…] niemanden von euch […] ausser Krispus und Gaius – so kann niemand sagen, ihr wärt auf meinen Namen getauft worden. Das Haus des Stephanas habe ich zwar auch noch getauft, im Übrigen aber wüsste ich nicht, dass ich noch jemanden getauft hätte. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen» (1,14–17). So sind sie in Korinth nicht vereinzelte Menschen, die für sich im Glauben sagen: «Herr ist Jesus!» (12,3), sondern es ist dort «die Gemeinde Gottes» aus «in Christus Jesus Geheiligten» und «zu Heiligen Berufenen» (1,2). Diese Christuswirklichkeit verbindet sie stärker als alle anderen kulturellen, sozialen und geschichtlichen Wirklichkeiten ihres bisherigen Lebens. «Denn durch einen Geist wurden wir ja alle in einen Leib hineingetauft» (12,13). Von diesem Geist (griechisch pneuma), in dem Christus in der Gemeinde lebendig ist, lebt die Gemeinde. Es ist «ein und derselbe Geist, der jedem auf besondere Weise zuteilt, wie er es will» (12,11).

|30| Genau dieses «Zuteilen» von Geistesgaben (griechisch charismata), die bei der Gemeinde in Korinth hoch im Kurs stehen, wird von Paulus kritisch beleuchtet. «Jene Gemeinde damals in Korinth war keine kümmerlich dahinvegetierende oder gar tote Gemeinde, sondern eine nach unsern Vorstellungen bis in die unerhört bewegte und leidenschaftliche Atmosphäre ihrer Gottesdienste hinein höchst lebendige Gemeinde mit ihren Gruppen der Gnostiker und Ekstatiker, mit den eindrucksvollen Erscheinungen von Zungenrede, mit der Bereitschaft zu wirklichen Opfern, ja zum Martyrium» (Günter Jacob, 103). Für Paulus bleiben noch einige Fragezeichen; die Weise, wie das Christentum in Korinth floriert, ist ihm unheimlich. Dieses «Unheimliche» sieht Paulus im Defizit an Agape, Liebe.

Ohne Liebe - nichts

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