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Die Affen des Baobab-Hotels

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Einmal erlebte ich eine besonders nette Geschichte. Ein Pavian machte es sich auf einem Liegestuhl bequem und betrachtete versonnen die Welt. Plötzlich tauchte ein Tourist auf. Er ging laut schreiend auf den Pavian zu und brüllte das Tier an. »Verschwinde, das ist meine Liege.« Der Pavian drehte sich gemächlich um, schaute den Tourist an, setzte sich vielleicht in zwei Metern Abstand ins Gras und betrachtete wieder in Ruhe seine schöne Heimat.

Aber in diesem Resort haben die Affen auch Freunde, nämlich Anna und ihren Mann Jerzy Axer, Professor für Artes Liberales an der Universität Warschau. Ein berühmter Wissenschaftler mit viel Liebe für Tiere. Wann immer es ihm möglich ist, besuchen er und seine Frau die Affen in Kenia. Allein im Hotelbereich leben vier Arten: Colobus, Meerkatzen, Paviane und ihre geliebten Sykes. Zu allen vier Arten haben die beiden eine Beziehung aufgebaut.

Am Anfang haben sie die Tiere mit Bananen gefüttert. Im Laufe der Zeit war Futter nicht mehr notwendig. Die Affen besuchten die beiden Freunde auch ohne Futter. Sie hatten zu den Menschen Vertrauen gefasst. Frühmorgens, kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, saß schon eine kleine Horde auf ihrem Balkon und schaute, was die menschlichen Freunde taten. Das war für Anna und Jerzy der Startschuss, sich auf den Balkon zu setzen.

Was ich dann viele Male erlebte, konnte ich kaum glauben. Die Affen spielten bei ihnen auf dem Balkon. Sie hatten jede Scheu verloren, und ihre Neugier war geweckt. Sie untersuchten die Kamera, mit der Jerzy fotogafierte. Und als sie die Gegenstände, die auf dem Balkon waren, untersucht hatten, waren Anna und Jerzy dran. Besonders interessant war Annas Haut. In Affenmanier gingen sie ganz vorsichtig und zart vor. Mit ihren spitzen Fingernägeln drückten sie ihr Pickel aus. Sie untersuchten alle möglichen Körperteile. Auch die Nasenlöcher und Ohreingänge waren interessant für sie. Besonders das Ohrenschmalz – sie hatten es an ihren Fingern und rochen intensiv an ihm. So wie Hunde, wenn sie eine Spur aufgenommen haben. Sie schüttelten den Kopf und rieben sich die Hände. Sie wollten den Duft loswerden. Keine Frage, Ohrenschmalz von Menschen ist nicht ihr Parfüm.

Die Sykes-Affen waren die Pioniere der Beziehung, gefolgt von Pavianen und Meerkatzen. Es ist mir ein Rätsel, wie so eine innige Beziehung zwischen dem Menschen und drei verschiedenen Affenarten möglich ist. Sie hatten tiefstes Vertrauen zu den beiden. In diesem Hotel sind viele Personen zu Gast, aber ich habe in all den Jahren nie beobachtet, dass die Affen zu anderen Touristen eine Beziehung aufbauten.

Selbst ein Busch-Baby – eine Halbaffenart – suchte am Abend die beiden Tierfreunde auf und setzte sich auf ihren Schoß.

Im Laufe der Jahre verbindet meine Frau und mich eine tiefe Freundschaft mit Jerzy und Anna, wir tauschen unsere Erlebnisse mit Tieren gegenseitig aus. Wir diskutieren heftig darüber, was in den Köpfen der Affen vor sich geht. Ein Ergebnis unserer Diskussion ist, dass wir sicher sind, dass manche Wildtiere den Kontakt zum Menschen ganz bewusst suchen. Vorausgesetzt, er ist ihnen freundlich gesinnt. Aber auch andere Wildtiere suchen den Kontakt zum Menschen. Wieder einmal durfte ich Zeuge sein.


In der Hotelanlage des Baobab-Hotels treffen Affen und Menschen aufeinander.


Olin, die Delfindame, suchte sich den Fischer Abdul als Spielkameraden aus.

Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier

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