Читать книгу Soziokratie 3.0 – Der Roman - Jef Cumps - Страница 14
7 DER NEUE GESCHÄFTSFÜHRER
ОглавлениеEs ist Mittwochnachmittag und ich warte unruhig auf Pauls Anruf. Er wollte mich anrufen, sobald die Vorstandssitzung vorbei ist.
Als ich ihm heute morgen erzählt habe, dass ich bereit wäre, die Geschäftsführerrolle zu übernehmen, schien er sehr glücklich zu sein. Und trotz der drastischen Veränderungen, die ich vorgeschlagen hatte, versprach Paul mir, seinen Platz im Vorstand zu behalten und mich nach Kräften zu unterstützen. Da wurde mir klar, wie sehr ihn die Arbeitsweise und die Ergebnisse meiner Teams beeindruckt haben mussten. Ich frage mich, warum er dazu bisher nie etwas gesagt hat.
Schließlich klingelt mein Telefon.
»Hallo Paul, wie lief es?«, frage ich neugierig.
»Angesichts der Umstände ganz gut«, antwortet Paul. »Es gab natürlich große Besorgnis wegen der verpassten Deadline. Die neue Version unseres Produktes soll deshalb so schnell wie möglich ausgeliefert werden, um unsere größten Kunden und den Markt zu beruhigen. Mit der dann folgenden Version wollen wir verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.«
»Klingt logisch«, sage ich.
»Ja, aber wir wissen nicht, welche Auswirkungen die verspätete Lieferung der Version 4.0 hat«, seufzt Paul. »Hoffen wir mal, dass unsere großen Kunden sie trotz der Verspätung immer noch kaufen wollen. Ansonsten würde der Druck auf unser Unternehmen noch größer werden.«
»Wie haben sie auf deinen Rücktritt reagiert?«, frage ich.
»Ich habe ihnen erklärt, warum ich zurücktrete und warum ich glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Die Reaktionen waren gemischt, was auch nicht überraschend war. Niemand hatte den Eindruck, dass der Druck so groß wäre, dass ich zurücktreten müsste. Aber sie haben verstanden, dass echte Veränderungen notwendig sind und dass ein neuer Geschäftsführer dabei helfen kann. Zumindest wäre es ein Signal für die Kunden und den Markt – und für das Unternehmen selbst. Daher haben sie meinen Rücktritt akzeptiert, wenn ich noch sicherstelle, dass die aktuelle Version unseres Produktes so schnell und erfolgreich wie möglich ausgeliefert wird. Ich glaube, das ist eine gute Idee. Damit kannst du dich auf die Änderungen bei HRS konzentrieren und auf die Version 5.0.«
»Das bedeutet …«, traue ich mich kaum zu fragen.
»Ja, herzlichen Glückwunsch, Chris! Die wirst in Kürze neuer Geschäftsführer bei HRS. Der Vorstand hat meinem Vorschlag zugestimmt, dass du die Geschäftsführerposition übernimmst. Und sie waren sogar deinen Plänen gegenüber aufgeschlossen. Das sieht also alles gut aus.«
Ich schlucke, glücklich und gleichzeitig angespannt.
»Wow, danke Paul.« In dem Moment weiß ich nicht, was ich sonst noch sagen soll.
Paul lacht und bestätigt noch mal: »Ich werde dich so weit wie möglich unterstützen, Chris. Ich habe mit dem Vorstand vereinbart, dass ich dich von der Seitenlinie aus für einige Monate unterstützen werde – das betrifft vor allem praktische Details der Geschäftsführerarbeit –, und zwar so lange, bis du es ohne mich gut hinkriegst. Und auf jeden Fall werde ich zusammen mit den Projektleitungen dafür sorgen, dass wir Version 4.0 so schnell wie möglich ausliefern. Das wird dir den Freiraum geben, um in deiner Geschwindigkeit in die neue Rolle hineinzuwachsen und die notwendigen Änderungen herbeizuführen. Ich werde im Vorstand bleiben und dich von dort aus natürlich weiter unterstützen. Was meinst du dazu?«
»Das ist wirklich großartig, Paul«, seufze ich erleichtert und spüre, wie eine tonnenschwere Last von meinen Schultern weicht. Ich hatte mich nicht darauf gefreut, mich um die Probleme der aktuellen Version zu kümmern. »Das wird mir unglaublich helfen. Vielen Dank dafür.«
»Gerne, Chris. Ich freue mich darauf, dich als Geschäftsführer in Aktion zu sehen. HRS braucht die Veränderungen, die du mir heute Morgen in unserem Telefonat beschrieben hast. Ich bin wirklich gespannt, was in den kommenden Monaten passieren wird.«