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1.
ОглавлениеDer Himmel war dunkelblau und wolkenlos. Die kühle Morgenluft war gesättigt vom Geruch kochenden Rotkohls, der, in weiße Dampfschwaden gehüllt, aus der Küche des Bauernhauses drang und sich über der ganzen Wiese ausbreitete bis hin zum nahen Waldrand. Man hätte meinen können, es wäre Weinmond, doch das war es nicht.
Nelli setzte ihren Korb mit feuchter Wäsche bei den beiden Pfosten ab, zwischen denen eine Leine gespannt war. Sie griff nach dem obersten Wäschestück, schlug es ein paarmal laut klatschend aus und legte es dann sorgsam über das Wäscheseil. Aus ihrer Schürze nahm sie zwei Klammern, deren obere Enden zu Kugeln gedrechselt waren, sodass sie an kleine, dickbäuchige Männchen mit langen Beinen erinnerten. Nelli steckte die Klammern auf das Seil, klemmte damit das Kleidungsstück fest und griff erneut in ihren Korb. Schon bald saß eine ganze Schar hölzerner Männchen auf der Leine.
Zwischen zwei Hemden sah Nelli ihren Schwager Kinnwolf aus dem Stall treten. Sie wunderte sich, da sie in dem Glauben gewesen war, er sei zusammen mit seinem Bruder aufs Feld gegangen. Wahrscheinlich war er unbemerkt zurückgekehrt, um etwas zu holen, was die beiden vergessen hatten, dachte sie. Nelli wollte ihn nicht danach fragen, und Kinnwolf sah es wie immer als unnötig an, ihr von selbst eine Erklärung zu geben. Wortlos und grimmig schritt er an ihr vorbei in die Richtung, in die vor einer Weile Adalbrand verschwunden war. Im Vorbeigehen warf er seiner Schwägerin einen jener heimlichen Blicke zu, von denen Nelli noch immer nicht wusste, wie sie sie deuten sollte. Neugier war offensichtlich nicht der Grund, warum Kinnwolf sie mitunter mit gesenktem Gesicht unter seinen buschigen Augenbrauen hervor musterte. Auch nicht Bewunderung, Lüsternheit oder gar Zuneigung. Manchmal kam es Nelli fast so vor, als wolle er sich überzeugen, dass sie noch da war und nicht beabsichtigte, ihn und seinen Bruder zu verlassen. Vielleicht war sein Verhalten nur Ausdruck brüderlicher Sorge.
Adalbrand hatte ihr vor ihrer Hochzeit erzählt, dass er und Kinnwolf all die Jahre seit dem Tod ihrer Eltern ganz allein auf dem abgelegenen Waldbauernhof gelebt hatten. Keiner von beiden war je verheiratet oder wenigstens verlobt gewesen. Nicht einmal entfernt hatte die Aussicht darauf bestanden. Jedenfalls nicht bis zu dem Abend, als beide Brüder gemeinsam beschlossen hatten, es sei nun an der Zeit, dass wenigstens einer von ihnen sich vereheliche.
Sie hatten mit Hölzchen ausgelost, wer es sein solle, hatte ihr Adalbrand scheu gestanden.
Nelli hatte diesem schwerwiegenden Mangel an Romantik nicht viel Bedeutung beigemessen. Ihre Eltern hatten ihr keine große Mitgift hinterlassen. Eifriges Sparen hatte zwar das Geerbte vermehrt, doch hatte sie mit ihren mittlerweile schon über dreißig Jahren in großer Sorge gelebt, als alte Jungfer zu enden. Zudem schätzte sie sich wegen ihrer roten Haare als nicht sonderlich ansehnlich ein. Deswegen hatte sie nicht lange gezögert, als ihr der ernste, etwas linkische Mann einen Antrag gemacht und sie zu seinem Hof in der Wildnis geführt hatte. Tatsächlich war ihr die Begegnung mit ihm wie ein Zeichen erschienen, denn noch einen Mond zuvor hätte sie den besagten Abend mit Großmutter verbracht. Nicht ihrer eigenen, an die sich Nelli kaum erinnerte, sondern einer mütterlichen Freundin, die von jedem so genannt wurde und außerhalb der Stadt wohnte. Sie war jedoch kürzlich verstorben, aufgefressen von einem Leiden, das die Heilenden Frauen als Wolf bezeichneten. Mittlerweile lebte Nelli bereits fünf Wochen unter Adalbrands Dach. Sie war überwiegend zufrieden und zuversichtlich, dass alles, was noch nicht gut war, irgendwann gut werden würde.
Als nächstes Kleidungsstück nahm Nelli ein Schnürleibchen aus dem Korb. Sie stutzte und hielt es mit ausgestreckten Armen vor sich, um es von beiden Seiten zu betrachten. Es war mit gestickten Blüten in etwas dunklerem Garn verziert, die jedoch nicht mehr ganz heil waren. Nelli hatte das Leibchen noch nie gesehen. Es war keines der ihren. Sie legte es über den Rand ihres Korbes und hängte den Rest der Wäsche auf. Als sie damit fertig war, stopfte sie das unbekannte Leibchen in die Tasche ihrer Schürze, trug den Korb zum Haus und lehnte ihn gegen die Wand, damit er trocknen konnte.
Aufmerksam blickte sie zum Wald. Als sie niemanden entdecken konnte, rannte Nelli zum Stall. Vor seiner Tür verharrte sie und sah sich erneut um, um sich zu vergewissern, dass sie noch immer unbeobachtet war. Vorsichtshalber ließ sie mehrere Augenblicke verstreichen, während derer die kühle Feuchtigkeit des fremden Wäschestücks durch den Stoff ihres Rocks drang. Als Nelli sich endlich sicher wähnte, öffnete sie geschwind die Tür und schlüpfte in den Stall.
Die Kuh hob den Kopf und beobachtete sie mit einer Mischung aus Neugier und Langeweile. Nelli tätschelte ihre Nase und ging zu einer größeren Ansammlung von Steinguttöpfen. Sie waren für Salzgurken und eingelegtes Gemüse bestimmt, aber gegenwärtig leer. Nelli rückte den größten Topf so weit von der Stallwand ab, dass sie dahinter greifen konnte, und zog nacheinander ein Unterkleid, eine Bluse und einen einzelnen Strumpf hervor. Sie breitete alles über den Töpfen aus und legte das Leibchen dazu. Von der Größe her passte kein Kleidungsstück zum andern! Und da keines enger gemacht oder ausgelassen worden war, mussten ihre Trägerinnen von unterschiedlichem Körperbau gewesen sein. Drei Kleidungsstücke, drei Frauen. Ob der Strumpf einer von ihnen gehört hatte, ließ sich nicht sagen.
Nelli bereute schon lange, dass sie nicht gleich beim ersten Mal zu Adalbrand gegangen war, als sie noch gedacht hatte, übrig gebliebene Kleidung seiner Mutter sei versehentlich in ihre Wäsche geraten. Sie hatte es damals unterlassen, eine einfache Frage zu stellen, auf die es sicher auch eine einfache Antwort gab. Die Frage war inzwischen nicht mehr ganz so einfach, denn mittlerweile waren aus dem einen fremden Kleidungsstück vier geworden! Jetzt würde es so aussehen, als habe sie klammheimlich gesammelt, als habe sie ... Beweise ... zusammengetragen. Beweise für was auch immer! Für etwas Dunkles, Düsteres, unangenehm Riechendes, das das Licht des Tages scheute ... Es wäre eine Misstrauensbekundung, von der sich ihre junge Ehe schwer, vielleicht auch nie erholen würde. Und das wegen etwas, für das es doch sicher eine Erklärung gab! Nelli fühlte sich schuldig.
Womöglich hatte die Tür, die sie nicht öffnen durfte, damit zu tun, dachte sie.
Im Haus gab es nämlich ein Zimmer, das sie noch nie von innen gesehen hatte. Adalbrand hatte ihr erklärt, dass der Boden oder die Decke beschädigt seien – ganz genau erinnerte sich Nelli nicht mehr –, sodass sie es unter keinen Umständen betreten dürfe. Es sei zu gefährlich! Vor Wintereinbruch fände er jedoch keine Zeit, den Schaden zu beheben.
Vielleicht stimmte das nicht. Vielleicht stimmte einiges nicht, was er ihr erzählt hatte. Vielleicht hatten die Brüder einst eine Schwester gehabt, die unter solch schmerzlichen Umständen ihr Leben verloren hatte, dass sie lieber so taten, als hätte es sie nie gegeben, statt sich ihrer zu erinnern. Vielleicht hatte die Kleidung ihr gehört, und hinter der verbotenen Tür wartete weder ein eingesackter Fußboden noch ein löchriges Dach, sondern das unberührte Zimmer eines jungen Mädchens? Vielleicht, vielleicht ...
Vielleicht war selbst Kinnwolf nicht immer so düster und in sich gekehrt gewesen. Vielleicht hatte es Jahre gegeben, in denen er fröhlich und zuversichtlich gewesen war. Jahre, in denen sein Herz einer Frau gehörte, mit der er sein Leben geteilt hatte. Bis sie gestorben war ... im Kindbett ... zusammen mit dem Neugeborenen ... in einem Zimmer, das seither verschlossen war. Vielleicht ...
Nelli war ratlos. Sie verbarg die Kleidungsstücke am alten Ort, rückte den Topf wieder an die Wand und verließ den Stall. Der Himmel über ihr und der Himmel in ihr waren nun nicht mehr wolkenlos.
Pünktlich zu Mittag kamen Adalbrand und Kinnwolf nach Hause. Sie setzten sich, so wie sie waren, an den Tisch und begannen zu essen. Beide rochen nach Erde. Nelli liebte diesen Geruch. Während des Essens fiel kein einziges Wort. Das Eintauchen der Löffel in die Suppe, das Schlürfen und das gelegentliche Brechen des Brotes waren die einzigen Geräusche. Erst als die Brüder wieder zu ihrer Arbeit aufbrachen, fielen wenigstens ein paar Worte.
»Es wird regnen«, sagte Adalbrand und deutete mahnend zur Wäscheleine.
Als Nelli wieder allein war, spülte sie das Geschirr und ging ihren vielfältigen Aufgaben und Pflichten nach. In immer kürzeren Abständen verließ sie das Haus, um nach der Wäsche zu sehen. Wie Adalbrand angekündigt hatte, zog sich der Himmel zu. Es würde noch regnen, wahrscheinlich sogar schütten.
Irgendwann wurde Nelli jedoch bewusst, dass ihre Sorge überhaupt nicht der Wäsche galt. Eigentlich hielt sie nur Ausschau.
Sie wollte diese nagende Ungewissheit beenden. Adalbrand und Kinnwolf würden heimkehren, sobald es zu regnen begann, doch keinen Augenblick früher. Sie hatte also genügend Zeit, um zu handeln, aber nicht genug, um sie zu vertrödeln.
Atemlos vor Aufregung öffnete Nelli die Tür zu dem Flur, der von der Küche zu Kinnwolfs Kammer führte. Auf seiner halben Länge befand sich die verbotene Tür. Sie erschien Nelli übergroß, obwohl sie genau wusste, dass sie etwas niedriger war als die anderen. Entschlossen ging sie auf sie zu, wischte sich die Hände an der Schürze sauber und drückte die Klinke. Doch nichts geschah. Die Tür bewegte sich nicht.
Ein fassungsloser Augenblick verstrich, bis Nelli verstand, dass die Tür abgeschlossen war. Keine andere Tür im ganzen Haus war abschließbar, und auch dort, wo sie früher gelebt hatte, waren Türen mit Schlössern nicht üblich gewesen. Ein weiterer Augenblick verging, bis Nelli begriff, dass sie einen Schlüssel benötigte. Sie schwankte kurz, ob sie das unerwartete Hindernis als Zeichen ansehen sollte, ihr Vorhaben abzubrechen, doch dann ging sie ins Schlafzimmer und suchte unter der Matratze, hinter dem Bett, zwischen den Leinentüchern und in jedem einzelnen von Adalbrands Kleidungsstücken. Nichts, nichts, nichts!
Ihr nächster Schritt kostete sie weniger Überwindung. Er führte sie geradewegs in Kinnwolfs Zimmer. Es war ordentlich aufgeräumt, aber so karg ausgestattet, als gehöre es einem einfachen Knecht. Ein schmales Bett, ein Schrank mit einer breiten Schublade ganz unten und drei Kleiderhaken an den halbwegs frisch gekalkten Wänden - das war fast alles. Auch hier fand Nelli keinen Schlüssel. Sie dachte nach.
Die verbotene Tür war nicht nur die einzige mit einem Schloss, sondern sah auch sonst anders aus als alle anderen. Sie bestand nicht nur aus mit der Klinge glatt gezogenen Brettern, sondern war eine Kassettentür aus Wurzelholz, dessen prächtige Maserung Wolken auf sie zauberte. Fugen ließen sich nicht einmal erfühlen, sondern nur erahnen. Sie erweckte den Anschein, als habe sie ursprünglich in ein anderes, erheblich älteres Haus gehört. Eines, das vielleicht abgebrannt oder eingestürzt und von dem sonst nichts Nützliches übrig geblieben war als diese einzelne Tür. Adalbrand, sein Vater oder sein Großvater hatten sie vielleicht zufällig gefunden, es als Sünde und Verschwendung angesehen, sie verrotten zu lassen, und sie daher zu ihrem eigenen Haus mitgenommen.
Nelli kam plötzlich der Gedanke, dass es zu der Tür aus genau diesen Gründen vielleicht überhaupt nie einen Schlüssel gegeben hatte und sie womöglich nur klemmte. Angetrieben von dieser schwachen Hoffnung, kehrte sie zu der verbotenen Tür zurück. Sie presste ihren Körper dagegen, um die anfallenden Geräusche abzudämpfen, hob sie an und rüttelte an ihr. Doch auch damit hatte sie keinen Erfolg. Die Tür wollte sich einfach nicht rühren!
»Sie ist nicht da«, erklang plötzlich eine vertraute Stimme aus der Küche.
»Wahrscheinlich ist sie noch einmal zurück zum Weiher gegangen«, erwiderte eine ebensolche. »Oder sie pflückt Würzgräser oder sucht wilde Zwiebeln fürs Abendmahl.« Schwere Schritte untermalten diese Worte.
Nelli begann am ganzen Leib zu zittern. Sie war ertappt worden! Kinnwolf und Adalbrand waren früher zurückgekehrt, als sie erwartet hatte.
Ängstlich blickte sie zur Tür am Ende des Flurs, hinter der die Küche lag. Sie war zwar zu ihrem Glück geschlossen, mochte sich aber jeden Augenblick öffnen. Und dann ...
Urplötzlich schwappte eine Woge der Erleichterung über sie hinweg. Wie töricht sie doch war! Es gab unzählige Gründe, die ihr Hiersein rechtfertigten. Sie war schließlich die Herrin des Hauses und kein Eindringling! So lange sie nicht dabei überrascht wurde, wie sie Kleidung durchwühlte und sich an der verbotenen Tür zu schaffen machte, war nichts verloren. Sie musste nur einen Besen holen und kehren. So leicht war das. Zu putzen gab es in diesem Haus immer etwas.
Doch Kinnwolfs nächste Worte versperrten diesen Ausweg gründlicher, als sich Nelli hätte träumen lassen.
»Das Leibchen hängt nicht auf der Leine. Es ist ihr also aufgefallen. Wahrscheinlich hat sie es bei dem anderen Plunder im Stall versteckt.« Er lachte.
»Du sollst nicht mit ihr spielen«, tadelte ihn Adalbrand.
»Katzen spielen auch mit Mäusen. Das regt ihren Appetit an«, belehrte ihn sein Bruder gackernd.
»Du bist keine Katze, Kinnwolf. Noch nicht einmal ein Kater!«
»Aber ich bin hungrig. Wie lange willst du noch warten? Du wirst doch bei der Rotmütze nicht etwa weich werden wollen?«
Adalbrand schnaubte. »Gewiss nicht! Du glaubst nicht, wie oft ich nachts wach liege, sie betrachte und mir vorstelle, meine Zähne in ihr weiches Fleisch zu schlagen. Der Speichel läuft mir davon im Mund zusammen. Manchmal wacht sie sogar auf. Meistens schnurrt sie nur und schläft wieder ein. Aber nicht immer! Du ahnst gar nicht, wie hart es ist, wenn man gerade noch ans Essen dachte und dann plötzlich ran soll.«
»So genau wollte ich das gar nicht wissen!«, fuhr ihn sein Bruder an. »Kein Wort mehr. Das ist ja widerlich!«
»Du hast gut reden!«, brummte Adalbrand. »Allerdings kann sie meiner Meinung nach ruhig noch ein bisschen mehr auf den Rippen vertragen, bis sie dran ist. So mager wird das Fleisch gern fad und zäh. Zudem riecht sie noch nach Stadt. Das schmeckt durch.«
Nelli wurde ganz schwindelig und schwach in den Beinen. War das ein Spaß? War es Ernst? Sollte das die Strafe für ihre Heimlichtuereien sein? Sie mochte es gern glauben, konnte es aber nicht, da die unheimliche Unterhaltung unbarmherzig fortgesetzt wurde.
»Ich wünschte, sie würde noch Gürkchen einmachen, bevor wir sie rannehmen. Ich esse gerne eingelegte Gürkchen dazu. Senfgürkchen, Salzgürkchen, das ist mir einerlei. Ich mag beides. Am besten schlage ich es ihr gleich heute Abend vor.«
»Wenn du schon dabei bist«, warf Kinnwolf ein, »dann könntest du auch noch Kürbisschnitze in Auftrag geben. Du weißt schon, mit Essig, Zucker und Holunderbeeren.«
»Das trifft zwar nicht ganz meinen Geschmack«, erwiderte Adalbrand, »aber ... ah! Zwiebelchen!«
Nelli fühlte sich wie im Griff einer stählernen Faust, die sich immer weiter schloss und sie erdrückte und zerquetschte. Nein, das waren keine Scherze! Das war die Strafe für ihren dummen Leichtsinn. Was wusste sie schon über diese beiden Männer? Nur das, was ihr Adalbrand erzählt hatte, aber nichts, was irgendjemand außer ihm bestätigt hatte. Wenn jedoch seine Worte Lügen waren, was blieb dann übrig von der Geschichte zweier schlichter Brüder, die friedlich und eins mit der Natur auf dem Hof ihrer Eltern lebten, denen es manchmal etwas einsam wurde und die sich langsam sorgten, dass im Alter niemand für sie da wäre, keiner, dem sie die Früchte ihres Lebens anvertrauen könnten, wenn nicht wenigstens einer von ihnen bald eine Familie gründete? Was blieb übrig außer einem Fremden, dem sie wegen leerer Worte in die Wildnis gefolgt war, wo es weit und breit keine Nachbarn gab, wo sie niemand hörte, wenn sie schrie, um Hilfe rief oder um ihr Leben bettelte? Was blieb übrig? Niemand außer ihr und ihren Mördern. Zwei Menschenfressern!
Ein unbeabsichtigter, verzweifelter Schluchzer entschlüpfte ihrer Kehle. Als könne sie ihn noch nachträglich einfangen, schlug Nelli rasch die Hand vor den Mund. Doch das kam viel zu spät, denn der Schluchzer floh längst den Gang hinunter bis zur Küchentür, die ihm ebenfalls keinen Einhalt gebot und einen Augenblick später aufgerissen wurde. Kinnwolf füllte ihren Rahmen aus.
»Das Miststück hat alles gehört!«, sagte er ruhig.