Читать книгу Das edle Herz - Karmapa Dorje Ogyen Trinley - Страница 11
Sich mit der Wirklichkeit verbinden
ОглавлениеWenn Sie Ihre Lebenswirklichkeit aus der Perspektive von Leerheit und wechselseitiger Abhängigkeit betrachten, kann daraus eine veränderte Sicht auf Ihr Leben erwachsen. Meine Hoffnung ist, dass diese Veränderung Ihnen ganz praktisch helfen kann. Indem Sie ein neues Verständnis davon entwickeln, welche Kräfte in Ihrem Leben wirken, können Sie erste Schritte unternehmen, eine positive Beziehung zu ihnen zu entwickeln. Es ist nicht meine Absicht, ein angstbesetztes Bild von der Realität zu zeichnen. Ich habe festgestellt, dass einige Menschen nicht gut damit umgehen können, wenn sie hören, dass Veränderung ein fundamentaler Teil des Lebens ist und dass nichts bleibt, wie es ist. Unbeständigkeit ist nun einmal die Grundlage unserer Existenz, und Unbeständigkeit ist an sich zunächst weder gut noch schlecht. Es hilft ganz sicher nicht, sie zu verneinen. Wenn wir mit dem Fakt der Unbeständigkeit weise umgehen, können wir zu ihr als unserer Lebensrealität eine konstruktivere Beziehung entwickeln. Wir können lernen, entspannter angesichts unerwarteter Veränderungen zu sein und uns auf neue Situationen besser einzustellen.
Das Gleiche gilt für die wechselseitige Abhängigkeit. Das Leben aus dieser Perspektive zu betrachten kann uns helfen, der Wirklichkeit konstruktiver zu begegnen. Doch das bloße Wissen, dass wir alle voneinander abhängen, bedeutet noch nicht, sich damit auch wohlzufühlen. Für manche Menschen birgt die Vorstellung von wechselseitiger Abhängigkeit das ungute Gefühl von Hilflosigkeit und Gefangensein in sich. Doch sollten wir sie uns nicht wie eine Abhängigkeit von einem Arbeitgeber vorstellen, den wir uns nicht ausgesucht haben. Es ist nicht hilfreich, sie sich als eine erzwungene und nur widerwillig zu akzeptierende Realität vorzustellen. Das würde uns nur unzufrieden machen und ein Gefühl des Unwohlseins nähren sowie das Fundament für positive Beziehungen untergraben.
Wechselseitige Abhängigkeit ist unsere Realität, ob wir das nun akzeptieren oder nicht. Um ein produktives Leben im Rahmen einer solchen Wirklichkeit zu führen, ist es besser, sie mit offenem Herzen und ohne Widerstand anzuerkennen. Dabei spielen Liebe und Mitgefühl eine besondere Rolle. Liebe lässt uns unsere Verbundenheit mit anderen spüren und umarmen, sodass wir freiwillig an den Beziehungen mitwirken, die durch unsere wechselseitige Abhängigkeit entstanden sind. Liebe lässt unsere Abwehr bröckeln und unsere schmerzhaften Gefühle von Isolation schwinden. Freundschaft und Liebe wohnen eine Wärme inne, die uns einfach anerkennen lässt, dass unser Glück direkt mit dem Glück anderer Menschen verbunden ist. Je mehr wir in der Lage sind, andere zu lieben, umso glücklicher und zufriedener können wir in wechselseitiger Abhängigkeit leben. Sie ist ein natürlicher Teil unseres Lebens.