Читать книгу Vergiss mein nicht! - Kasie West - Страница 5

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1.

Hinterhalt, der – sich ein Opfer suchen (mich) und abwarten, bis man zuschlagen kann

Pass auf«, rief eine laute Stimme von rechts. Ich konnte gerade noch rechtzeitig meinen Kopf heben, um den Football zu sehen, bevor er mir direkt zwischen die Augen knallte.

Ich hab nie wirklich kapiert, warum es Pass auf heißt. Runter oder Vorsicht oder Achtung, Wurfgeschoss oder sogar Augen zu wären als Warnung wesentlich sinnvoller. Ich liege auf dem Rücken, Buch fest an die Brust gepresst, und starre auf den lila-gold gestreiften Himmel – die Illusionisten wärmten sich wohl schon für das Spiel heute Abend auf. Als ob die über den Himmel geklatschten Farben der Schule uns motivieren würden, zum Ticketschalter zu rennen.

Bestandscheck. Der Football hatte mich auf Beton niedergestreckt, erfreulicherweise war also schon mal kein Schlamm im Spiel. Ich hatte bloß dreißig Sekunden verloren, höchstens, ich würde also immer noch pünktlich zur ersten Stunde kommen. Mir ging’s gut. Okay, das war doch schon mal ganz in Ordnung.

Ein bekanntes Gesicht mit blondem Wuschelhaar und einem breiten Grinsen tauchte über mir auf. »Tut mir leid. Ich hab doch ›Pass auf‹ gesagt.«

Von wegen leidtun, er grinste so, als ob er das Ganze eher lustig fände.

Und ich hab aufgepasst, wollte ich entgegnen, aber stattdessen ignorierte ich seine ausgestreckte Hand und rappelte mich vom Boden auf. »Ja, ich hab’s mitbekommen, Duke.« Ich klopfte meine Klamotten ab und ging weiter. Die Stelle, an der mich der Football getroffen hatte, pochte. Ich tastete sie ab. Bestimmt hatte ich schon eine grauenhafte rote Beule.

Vermutlich hätte ich heute Morgen doch mal ein paar Stunden ausloten sollen, dann hätte ich das hier vielleicht vermeiden können. Ich lotete eben nicht alle meine Alternativen aus – nur die besonders wichtigen. Ich hatte es so oder so schon mit genug Realitäten zu tun und manchmal wurde es schwierig, die Übersicht zu behalten, welche ich tatsächlich erlebt hatte und welche die Alternative gewesen wäre, die ich verworfen hatte.

Und trotzdem war ich heute Morgen, als ich mich aus dem Bett gequält und den Nebel durch das Fenster entdeckt hatte, schwer versucht gewesen nachzusehen, was passieren würde. Einmal, wenn ich zu Hause bleiben würde, und einmal, wenn ich zur Schule ginge. Meine Mom nahm mir die Entscheidung ab, als sie meine Zimmertür öffnete und sagte: »Addie, ich bringe dich heute Morgen. Ich möchte nicht, dass du im Nebel fährst.«

»Okay, danke.« Ich widersprach natürlich nicht. Meine Mutter konnte überzeugen. Das war ihre Gabe. In dieser Hinsicht war ich wirklich zu bemitleiden. Meine Eltern hatten die schlimmsten Gaben, die man als Teenager-Eltern nur haben konnte. Wer wollte schon eine Mom, die einen dazu bringen konnte, alles zu tun, was sie sich wünschte? Meine Mutter behauptete, dass sie ihr Talent nur einsetzte, wenn es wirklich drauf ankam, aber ich hatte da meine Zweifel.

Mein Vater war ein Lügendetektor in Menschengestalt – auch wenn meine Mom es überhaupt nicht mochte, wenn ich ihn so nannte; sie bevorzugte den Fachausdruck Erkenner. Er wusste sofort, wenn ich log. Er behauptete, er könne es mir sogar ansehen, wenn ich vorhatte zu lügen. Echt lästig.

Ich ließ mich auf meinen Platz fallen, gerade noch rechtzeitig vor dem zweiten Klingeln. Meine beste Freundin Laila hatte nicht so viel Glück. Wie immer kam sie gute fünf Minuten später durch die Tür. Ihr Lächeln hatte etwas Herausforderndes, ihr knallroter Lippenstift in dem blassen Gesicht betonte das noch. Wir waren ein ungleiches Paar – auf einer Skala, die das maß, was einen normalen Teenager ausmachte, war sie eine Zehn und ich eine Eins. Mit allem, was sie tat, fiel sie auf, sorgte dafür, dass sie beachtet wurde, ich dagegen wollte einfach nur mit dem Strom schwimmen.

»Laila, was muss ich tun, damit du pünktlich zum Unterricht kommst?«, fragte Mr Caston.

»Die Gebäude näher zusammenlegen?«

»Sehr lustig, Ms Stader. Heute noch eine Verwarnung. Morgen nachsitzen während der Mittagspause. Ein bisschen mehr Tempo, wenn ich bitten darf.«

Sie ließ sich auf den Platz neben mich fallen und verdrehte die Augen. Ich lächelte.

»Okay«, sagte Mr Caston. Die Lampen wurden gedimmt und unsere Pultmonitore leuchteten auf. Auf dem Bildschirm erschienen Aufgaben und ich schrieb sie sorgfältig in mein Heft ab.

»Ist das dein Ernst, Addie?«, fragte Laila und deutete mit ihrem Kopf auf mein Heft.

Ich schnaubte und schrieb weiter. Die Schulcomputer waren schon seit über zwanzig Jahren nicht mehr abgestürzt, aber sich auf das Schlimmste gefasst zu machen, schadete ja nicht.

»Heute ist die letzte Stunde im Partnerprojekt«, sagte Mr Caston. »Und nicht vergessen, bitte keine Talente einsetzen; benutzt einfach nur euer Hirn.«

»Wir benutzen immer unser Hirn«, sagte Bobby von ganz vorne.

»Den anderen Teil eures Gehirns. Nicht der, der eure Gabe beherbergt.«

Alle stöhnten auf. Aber wir waren alle mit der Regel vertraut: Fächer, die für das Überleben in der Außenwelt wichtig waren, mussten auf herkömmliche Weise erlernt werden.

»Bringt mich nicht dazu, die Talentblockade im Raum einzuschalten. Ich unterrichte hier schließlich keine Mittelstufe. Und Leute, schaltet eure Handys aus.«

Ein weiteres allgemeines Aufstöhnen.

Mit einem verschwörerischen Lächeln hielt mir Laila kurz ihr Handy hin. Ein Football mit einem Barcode füllte den Bildschirm aus. »Diesmal kommst du mit mir zum Spiel, ja?«

»Du hast dir eine Eintrittskarte gekauft? Die Aktion am Himmel hat bei dir gewirkt?«

»Was? Nein!«, sagte sie, als würde schon allein die Andeutung, sie ließe sich durch Manipulationstechniken beeinflussen, sie aufs Tiefste beleidigen.

»Ich wollte sowieso hin. Das hatte überhaupt nichts mit – Moment mal, was hast du denn mit deiner Stirn gemacht?«

Ich tastete wieder nach meiner Beule. »Dukes Football.«

»Du hast mit Duke gesprochen?«

»Nicht wirklich, aber sein Football und ich sind echt gute Freunde.«

Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie Bobby herankam. Er lehnte sich gegen mein Pult und in meinem Magen bildete sich ein Knoten. Ich versuchte, ihn zu ignorieren.

»Was willst du?«, fragte Laila. Egal, wie oft ich schon probiert hatte, sie vom Gegenteil zu überzeugen, hielt sie sich immer noch für meinen Bodyguard.

»Ich will mit Addie reden.«

Ich beugte mich nach unten, wühlte in meinem Rucksack und hoffte, dass er den Hinweis kapieren würde. Tat er aber nicht. Ich zog einen gelben Textmarker heraus und legte ihn auf mein Pult. Bobby blieb stehen. Irgendwann blickte ich mit einem Seufzer auf. »Bobby, bitte, lass mich einfach in Ruhe.«

»Ich dachte bloß, dass du jetzt, nachdem der Ball vorbei ist, mir mal erklärst, warum du in der Sekunde, in der ich dich gefragt habe, von freundschaftlich auf eiskalt umgeschaltet hast.«

»Nein.«

»Genau! Also verschwinde«, fügte Laila hinzu.

Er ging, drehte sich dabei aber noch einmal um. Sein Blick war ganz eindeutig: Er dachte nicht daran aufzugeben. Ich hoffte, dass mein Blick genauso klare Worte sprach: Du musst aber. Und auch so etwas wie Ich kann dich nicht leiden, aber solange wenigstens eine der beiden Botschaften rüberkam, war ich ja schon zufrieden.

»Addie, du kannst nicht jemanden bestrafen, nur weil du ihn ausgelotet hast. Er hat doch keine Ahnung, was er falsch gemacht hat.«

»Ist ja nicht meine Schuld, dass er seine Zunge in meinen Rachen geschoben hätte und seine Hände unter mein Kleid, wenn ich mit ihm zum Ball gegangen wäre«, flüsterte ich.

»Ich weiß und ich bin total froh, dass du nicht mit ihm hingegangen bist. Aber eigentlich hat er es ja nicht getan.«

»Aber er hätte.« Ich schubste den Textmarker an. Er rollte über die Glasoberfläche meiner beleuchteten Tastatur und bewegte sich langsam auf die Kante meines Pults zu, bevor er wieder zurückrollte. »So ist er nun mal und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, habe ich die Alternative vor Augen.«

»Möchtest du, dass ich sie lösche?«

»Habe ich dich je zuvor gebeten, etwas zu löschen?« Immer wenn sie mir vorschlug, eine Erinnerung zu löschen, stellte ich ihr diese Frage.

Und immer gab sie mir dieselbe Antwort: »Falls du’s getan hättest, würde ich es dir nicht sagen.«

Ich schnitt ihr eine Grimasse. »Du bist ein Miststück.«

Sie fing an, sich ihre Nägel mit einem schwarzen Edding anzumalen. »Und, soll ich?«

»Nein. Nachher vergesse ich noch, wozu er fähig ist, und lasse mich von seinem treuen Hundeblick dazu bringen, mit ihm auszugehen.«

Ich schüttelte mich. Wie war ich je auf den Gedanken gekommen, seine fettigen braunen Haare und löchrigen Jeans wären ein Hinweis darauf, dass er von der Welt missverstanden wurde? Aber ohne die Erinnerungen – da war ich mir wiederum sicher – könnte ich mir vielleicht einbilden, sein gruseliges Aussehen würde sich mit einem guten Shampoo wegwaschen lassen.

»Das stimmt.«

»Hey, kannst du mich heute nach Hause fahren?«, fragte ich, erpicht darauf, das Bobby-Thema abzuhaken.

»Klar, ist dein Auto heute Morgen nicht angesprungen?«

Ich scrollte über die Diagramme auf meinem Monitor, bis ich unsere aktuelle Aufgabe gefunden hatte. »Nein, der Nebel.«

»Ach, war ja klar.« Sie brauchte keine näheren Erklärungen. Meine Mom und ihre Überängstlichkeit hatten schon ganz andere Pläne durchkreuzt.

Laila drehte sich wieder zu ihrem Monitor um, weil Mr Caston begann, durch die Reihen zu schlendern. Auf ihrem Bildschirm war das Innenleben eines Frosches zu sehen. »Wo liegen nun die Nieren?«, fragte sie.

Ich zeigte ihr die Stelle, und als die Wärme meines Fingers mit der Bildschirmoberfläche in Berührung kam, wurde das bohnenförmige Organ dunkel. Mr Caston kam an unseren Pulten vorbei.

»Also, zurück zu Duke«, flüsterte Laila, als er außer Hörweite war. »In allen Einzelheiten.«

»Da gibt’s nichts zu erzählen. Sein Football hat mich plattgemacht. Er hat sich entschuldigt.«

»Und was hast du gesagt?«

Ich dachte nach. »Ich hab gesagt: Ja, ich hab’s mitbekommen, Duke.«

In ihrem Gesichtsausdruck spiegelte sich totales Entsetzen und ich wand mich unter dem Blick.

»Addison Marie Coleman. Da hattest du die einmalige Gelegenheit, mit Duke Rivers zu flirten, und du lässt ihn laufen? So viele Jahre sind wir beste Freundinnen und du hast immer noch nichts gelernt. Das war deine Chance. Du hättest so tun können, als hätte er dich verletzt, und ihn bitten sollen, dich ins Zimmer der Schulkrankenschwester zu bringen.«

»Aber er hat mich verletzt! Und noch mehr habe ich mich über ihn aufgeregt. Er hat es zugelassen, dass sein Football mich trifft.«

»Woher weißt du, dass er es mit Absicht getan hat?«

»Hallo? Weil er ein Telekinet ist. Er hätte ihn locker an mir vorbeischießen können.«

»Komm schon, Addie. Er kann seine Gabe doch nicht ständig benutzen. Sei ein bisschen nachsichtig mit ihm.«

»Er hat es zugelassen«, wiederholte ich langsam.

»Okay, okay, vielleicht ist er ja nicht der rücksichtsvollste Mensch der Welt, aber er ist Duke! Er hat das nicht nötig.«

Ich stöhnte auf. »Laila, gleich gibt’s Verletzte. Es sind doch Mädchen wie du, die Typen wie Duke so was durchgehen lassen.«

Sie lachte. »Erstens. Zu den Verletzten: Das möchte ich gern sehen, wie du das anstellst, Miss Haut-und-Knochen. Und zweitens, wenn ich mit Duke zusammen wäre, würde ich ihm in null Komma nichts zeigen, wo’s langgeht.« Sie lehnte sich zurück und seufzte verträumt, als schwebte ihr ein Bild von Duke mit ihr zusammen vor. »Hexy.«

»Was?«

»Eine Kombination aus heiß und sexy. Im Lexikon wäre der Begriff als Substantiv aufgeführt und bräuchte nicht mal eine Definition, bloß ein Foto von Duke Rivers.«

»Ach bitte. Es gibt jede Menge echte Begriffe im Lexikon, wo Dukes Foto abgebildet ist ... angeberisch, egoistisch, arrogant. Und außerdem«, lächelte ich, »wäre hexy ein Adjektiv.«

»Mädels«, sagte Mr Caston. »Ich glaube nicht, dass bei euch da in der Ecke sehr viel gelernt wird.«

Laila zeigte auf den Monitor. »Wir haben die Nieren gefunden, Mr Caston.«

Als ich nach Hause kam, waren meine Eltern im Wohnzimmer. Sie saßen auf getrennten Sofas, hatten ihre Hände im Schoß gefaltet, die Mienen düster. Meine Wangen fühlten sich plötzlich ganz taub an, als alles Blut aus ihnen wich.

Unser Haus war das, was Laila immer als gemütlich-altmodisch beschrieb – dick gepolsterte Möbel, die nicht zusammenpassten, Plüschteppich, honigfarbene Wände. Die Art von Haus, in dem man sich einigeln und wohlfühlen konnte. Im Moment war allerdings das Gegenteil der Fall und ich spürte, wie sich meine Schultern anspannten.

»Ist mit Oma alles in Ordnung?«, fragte ich. Es war der einzige Grund, der mir einfiel, warum beide mitten am Tag zu Hause waren und so trübsinnig aussahen.

Das Lächeln, das auf dem Gesicht meiner Mutter erschien, wirkte kühl und ich war augenblicklich auf der Hut. »Ja, Liebes, Oma geht’s gut. Allen geht’s gut. Räum doch deinen Rucksack eben weg und setz dich dann zu uns. Wir müssen reden.«

Ich ging in mein Zimmer und fragte mich, was passieren würde, wenn ich mich hier verbarrikadierte. Mein Blick streifte ernsthaft das hohe Bücherregal neben der Tür. Wenn ich nie mehr aus meinem Zimmer käme, würde ich auch nie erfahren, was sie mir sagen wollten – und was der Grund für ihre besorgte Miene war. Ich lief ein paar Minuten lang auf und ab und ließ mir die verschiedenen Möglichkeiten durch den Kopf gehen, verwarf den Gedanken, Alternativen auszuloten, und ging dann doch wieder nach unten. Meine Mom zeigte auf den Soffel (so genannt, weil er kleiner als ein Sofa war, aber größer als ein Sessel). Ich setzte mich an die Wand zwischen die beiden Sofas und schob meine Hände unter die Schenkel, damit ich nicht auf meinen Nägeln herumkauen konnte.

»Sagt mir mal jemand, was hier los ist?« Ich sah meinen Dad an. Hoffentlich würde er mir antworten. Egal, um welche Nachrichten es sich handelte, mein Dad konnte sie wesentlich sanfter vermitteln. Er akzeptierte, dass es so etwas wie Gefühle gab. Im Gegensatz zu meiner Mom, die anscheinend der Überzeugung war, Menschen wären nichts anderes als eines ihrer Programme: leicht neu zu konfigurieren, wenn sie sich nicht so verhielten wie gewünscht.

Erst wurde ich nicht schlau aus Dads Gesichtsausdruck, aber dann wurden seine Züge weich und mitleidig. Kein gutes Zeichen.

Aber meine Mutter war diejenige, die sprach. »Addie, nachdem wir jetzt viele Jahre lang versucht haben, uns irgendwie zusammenzuraufen, haben dein Vater und ich beschlossen, getrennte Wege zu gehen.«

Ich hatte das Gefühl, als knallten mir Hunderte von Footbällen an die Stirn. Meine Beule pochte und meine Hand wanderte automatisch wieder an die Stelle. Ich versuchte zu begreifen, was meine Mutter eben gesagt hatte, aber das Einzige, was es bedeuten konnte, ergab keinen Sinn. Meine Eltern verstanden sich ganz gut. Warum würde einer von ihnen gehen wollen? »Du meinst doch nicht, dass ihr euch scheiden lassen wollt?«

»Doch, Süße.« Anscheinend hatte ihre direkte Herangehensweise nicht die gewünschte Reaktion hervorgerufen. Also schaltete sie jetzt auf ihre Schau-doch-wie-mitfühlendich-sein-kann-Stimme um. »Es hat nichts mit dir zu tun. Wir haben Probleme, die wir einfach nicht in den Griff kriegen. Das hier war das Letzte, was wir wollten – die Familie auseinanderreißen. Aber egal, was wir versucht haben, es hat nicht funktioniert.«

Sie senkte ihren Kopf und kniff die Augen zu. Versuchte sie etwa, ein trauriges Gesicht zu machen? Es sah gekünstelt aus. »Wir hatten gedacht, dass du es vielleicht hättest kommen sehen. Hast du in letzter Zeit keine Alternativen ausgelotet?« Sie legte bei diesen Worten ihre Hand auf meinen Arm, ich sah sie, aber im Bruchteil einer Sekunde war sie bereits weitergewandert, um ein Staubkörnchen von der Sofalehne zu entfernen, bevor sie sich wieder zu ihrer anderen Hand in ihrem Schoß gesellte.

Ich brauchte eine Weile, bis mir klar wurde, dass sie mir eine Frage gestellt hatte.

»Nein, habe ich nicht.« Ich hatte das letzte Mal in der vorletzten Woche meine Alternativen ausgelotet und das hatte sich nur auf die Zeit bis zum Homecoming-Ball bezogen, der Freitag stattgefunden hatte. Hätte ich bloß ein paar Tage weiter nach vorne geschaut, hätte ich das hier vorausgesehen.

»Ich kapier’s nicht. Warum wollt ihr euch scheiden lassen?« Das Wort hinterließ einen schlechten Geschmack im Mund.

»Weil wir wie Fremde sind, die im selben Haus leben. Wir sind uns so gleichgültig geworden, dass wir nicht einmal mehr streiten.«

Ich wartete darauf, dass mein Dad das Wort ergreifen würde, um das Gegenteil zu behaupten, aber er nickte zustimmend. »Tut mir leid, Baby. Es stimmt.«

»Aber ihr beide seid mir nicht gleichgültig. Das könnt ihr nicht machen.«

»Unsere Entscheidung steht bereits fest«, sagte meine Mom. »Du bist die Einzige, die noch eine Entscheidung treffen muss.«

»Ich entscheide mich dafür, dass ihr zusammenbleibt.«

Meine Mom besaß die Frechheit zu lachen. Okay, es war nicht unbedingt ein Lachen, eher ein Zucken um die Mundwinkel, aber trotzdem. »Darüber hast du nicht zu entscheiden, Addie. Deine Entscheidung ist: Bei wem möchtest du leben?«

Vergiss mein nicht!

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