Читать книгу Der Zeiten Tanz - Natascha Skierka - Страница 7
Kapitel 2
ОглавлениеKaum hatte Marlena aufgelegt, war sie nach oben geeilt, um zwei ihrer vielen Gästezimmer vorzubereiten. Wie sie ihren Bruder kannte, würde er binnen kürzester Zeit hier auftauchen. Blieb nur die Frage, ob Melissa freiwillig mitkam oder er sie herschleifte, dachte sie, während sie seine unangemessene Frage bewusst beiseiteschob. In jedem Fall aber wusste sie, dass Melissa definitiv nicht in einem Raum mit ihm schlafen würde.
Sie hatte gerade Isas Bett fertig bezogen und wollte sich um Arthurs Zimmer kümmern, als sie seine Anwesenheit spürte. Seufzend holte sie tief Luft und machte sich auf den Weg nach unten. Das war ja schneller als gedacht, fuhr es ihr durch den Kopf und somit durfte er sich sein Bett nun selbst beziehen. Als sie ihren Bruder, samt Melissa auf den Händen tragend, erblickte, warf sie ihm einen missbilligenden Blick zu. „Sag nichts“, warnte sie ihn und deutete nach oben, “bring sie ins blaue Zimmer und dann erklärst du mir in aller Ruhe, was passiert ist.“
Arthur, der wusste, wozu seine Schwester in der Lage sein konnte, hielt nun wohlweislich den Mund und steuerte, mit seiner wertvollen Fracht nach oben, während sie in die Küche ging.
Sie brauchte jetzt erst einmal einen starken Kaffee, um einen kühlen Kopf bewahren zu können. Schließlich würde es niemanden von ihnen etwas bringen, wenn sie sich zu sehr in die Probleme ihres Bruders einmischte. Selbst dann wenn er Isa seine wahre Identität und damit gleichzeitig auch die der ganzen Familie preisgegeben hatte.
Sie setzte sich an den Küchentisch, blickte zum Fenster hinaus, welches halb geöffnet, das Aroma der sie umgebenden Lavendelfelder, hinein ließ.
Sie schloss die Augen und öffnete sie erst wieder als Arthurs Schritte sich der Küche näherten. Fragend blickte sie ihn an, während er sich ebenfalls eine Tasse Kaffee eingoss. „Willst du mir zeigen, was geschehen ist?“ Arthur setzte sich ihr gegenüber, trank einen Schluck und ergriff ihre Hände. Sofort strömten Bilder über sie hinweg, wie ihr Bruder und Isa sehr spät zu Mittag gegessen hatten. „Was ist“, wollte er wissen und Isa sah ihn wie ein gehetztes Tier an, bevor sie sich endlich räusperte. Isa hatte seine Hand ergriffen und warf ihm einen undurchdringlichen Blick zu. „Ich bin nicht die, für die du mich hältst“, begann sie. „Oh“, unterbrach er sie, „ich weiß schon lange das du Heidin bist.“ Fassungslos und erstaunt blickte Isa ihn an, während er spürte, wie sie sich versteifte. „Seit wann“, wollte sie wissen und fügte hinzu: „und sag jetzt bloß nicht, das sei nicht wichtig.“ „Seit Anfang an“, erwiderte er nach einer unendlich langen Sekunde. Isa wurde ziemlich blass und schien nicht zu hören, was er gesagt hatte. Den Kopf schüttelnd sah sie ihn an. „Was hast du gesagt?“ „Nur“, erwiderte er, „das ich ebenfalls nicht der bin, für den du mich hältst.“ „Ach,“ brach es aus ihr heraus, „und wer bist du dann?“ „Ich bin Arthur Grimaldo und meine Familie gehört zu den Hütern der alten Magie.“ Ohne ein weiteres Wort stand Isa auf und eilte aus dem Raum. Flatternd öffnete Marlena ihre Augen, als das Bild von ihm und Isa in ihrem Foyer auftauchte. „Was für eine Bredouille“, murmelte sie und Arthur nickte zustimmend. „Das kannst du laut sagen.“ „Wir sollten die Familie informieren, dass sie endlich weiß, wer wir sind.“ Arthur holte tief Luft und nickte. „Dann lass es uns hinter uns bringen.“ Gegen ihren Willen musste sie lachen. „Zumindest,“ versuchte sie ihn aufzumuntern, „werden sie dich nicht mit dem Inventar bewerfen.“ Er warf ihr einen vernichtenden Blick zu und lachend erhob sie sich, um nach unten in ihre „Kommandobrücke“ zu verschwinden. Dafür ging sie zum Schrank hinüber, dessen Intarsien eine Jagdszene nachstellten, die verdächtig an die Wilde Jagd erinnerte, wenn man ein wenig genauer hinblickte. Marlena berührte die Hörner von einem der vielen Hirsche, drückte sie in den Schrank hinein und die Wand daneben öffnete sich.
Ein Flur wurde sichtbar sowie eine geschwungene Treppe, die nach unten führte. Gemälde hingen an der Wand, allesamt originalgetreue Kopien, der wohl berühmtesten Maler der Menschheitsgeschichte, die eine Verbeugung an diese sowie dem Autor war, der sie wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gebracht hatte. Schließlich trugen seine Bücher dazu bei, dass die Menschen sich wieder erinnerten und die notwendigen Fragen stellten, die ihnen dann keine Ruhe mehr ließen, bis sie sich auf die Suche nach den Antworten gemacht hatten. Antworten, die nicht mehr allzu lange darauf warteten, das sie ans Tageslicht, beziehungsweise in das Bewusstsein der Menschen, zurückkehren würden. Schließlich handelte es sich dabei um Dinge, die die Menschen tief in ihren Inneren schon längst kannten, die aber bloß eine lange Zeit verschüttet waren, in den tiefsten Gefilden des eigenen Unterbewusstseins, welches immer mehr vom Bewusstsein und den aufgezwungenen Denkmustern der verschiedensten Zeitepochen unterjocht und verschüttet war. Sie blickte hinauf in Richtung des Zimmers, wo Melissa friedlich schlief und wusste, dass auch sie zu diesem Schluss gekommen war. Bloß war sie immer noch irgendwie ein Opfer dieser Denkmuster und glaubte trotz all ihres inneren Wissens, das alles was diese veränderte, Teil irgendeiner Gehirnwäsche waren. Selbst dann, wenn sie selbst es war, die sie veränderte.
Sie holte tief Luft und eilte ins Untergeschoss hinunter, um ihren Bruder Timon, sowie Onkel Ludwig, Tante Solange und dessen Sohn und ihren Cousin Valentin zu kontaktieren. Dieser würde wahrscheinlich mal wieder nur mit seinem Astralkörper erscheinen, weil es in Australien gerade mitten in der Nacht war. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht und sie betrat den Konferenzraum, der eine seltsam anmutende Mischung aus der Brücke eines Raumschiffes, einer mittelalterlichen Königshalle und Stonehenge war. Sie setzte sich an den runden Tisch, während alte und neue Symbole um sie herum schwebten, wie in einer ständigen Erinnerung an all das wofür die Menschen und das Universum standen, bevor sie die Augen schloss und ihre Familie einberief.
***
Was für einen seltsamen Traum sie hatte, fuhr es ihr durch den Kopf, während sie durch Marlenas Haus, indem sie bisher erst zweimal gewesen war, schwebte. Es erschien ihr irgendwie größer, als sie es in Erinnerung hatte. Aber selbst wenn schon, dachte sie, dass hier war schließlich ihr Traum und in diesem konnte sie tun und lassen, was sie wollte. Sie schwebte die Treppe hinunter, blickte in das ein oder andere Zimmer und kam schließlich in die Küche. Das halb offene Fenster gab den Blick auf scheinbar endlose Lavendelfelder frei, während zwei halb leere noch dampfende Tassen Kaffee auf dem mit einer lavendelfarbenen Tischdecke versehenen Küchentisch standen. Mit der Stirn runzelnd schwebte sie auf den Tisch zu und ihr Blick blieb an der weit geöffneten Wand, neben dem kunstvoll verzierten Schrank hängen. Neugierig wandte sie sich dorthin. Eine Treppe führte hinunter, und obwohl sie mehr als ein wenig überrascht war, erinnerte sie sich daran, dass das hier ein Traum war. Ihr Traum, um genauer zu sein und warum sollten sich dann keine Treppen hinter irgendwelchen Wänden befinden. Im Traum wurde schließlich sämtliche Logik aufgehoben und es konnte alles oder auch nichts passieren. Blieb nur die Frage, was sie unten vorfinden würde, fuhr es ihr durch den Kopf, bevor sie die Treppe nach unten glitt.
***
Pentagramme schwebten direkt neben Kreuzen, keltischen Knoten, nordischen Runen und ägyptischen Hieroglyphen sowie einigen anderen Symbolen, die gleichzeitig für bestimmte Teile der Welt standen, während sie diese symbolisierten. Zumindest glaubten die Menschen das, weil sie es glauben wollten und weil sie einfach nicht anders konnten, als alles in eine Schublade zu stecken, anstatt den universellen Charakter all dessen zu erkennen, was sie so unverkennbar umgab. Er holte tief Luft und sah seinen Bruder Timon, seinen Cousin Valentin sowie Onkel Ludwig und Tante Solange an, die ihn alle mit den unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken musterten. „Also“, meinte Timon und die Augen seines jüngeren Bruders sprühten vor Belustigung, „warum hat uns der große König Artus an die Tafelrunde rufen lassen.“ „Sehr witzig“, murmelte Arthur und warf ihm einen vernichtenden Blick zu, bevor er die Bombe platzen ließ. „Isa weiß wer ich und wir alle sind“, teilte er ihnen ohne weitere Umschweife mit. „Und wie hat sie darauf reagiert?“, wollte Solange als Erste von ihnen wissen. Tief Luft holend zeigte er ihnen ebenso wie seiner Schwester zuvor, was geschehen war. Ludwig warf seinen Neffen einen leicht mitleidigen Blick zu, bevor er mit einer Stimme, die sich immer ein wenig wie das Knurren eines Hundes anhörte sagte: „Was für eine Bredouille.“ „Wenn sie sich erst einmal beruhigt hat, wird sie schon verstehen, warum ich ihr nicht von mir und uns sagen konnte.“ Sein Onkel lachte und Valentin warf ihm einen skeptisch amüsierten Blick zu. „Dann wünsche ich dir viel Glück dabei“, meinte er und über seiner Handfläche erschien das Hologramm seiner ersten großen Liebe Eva Poiret. „Du kannst die beiden nicht miteinander vergleichen“, wandte Arthur ein und Evas Hologramm verpuffte ebenso schnell, wie es gekommen war. „Da stimme ich dir zu,“ nickte Valentin, „aber sollte sie es nicht verstehen, so wie du hoffst und sich dazu entschließen dir den Laufpass zu geben, müssen wir ihre Erinnerung an die vergangenen Jahre löschen und du wirst sie nie wieder sehen können.“ Ein Stich fuhr Arthur durchs Herz und sosehr er auch Mitgefühl für Valentin empfand, hoffte er dennoch, dass Isa keine zweite Eva Poiret war, die ihr Geheimnis beinahe der ganzen Welt mitgeteilt hätte, um Profit daraus zu schlagen. „Ich weiß, dass Isa es verstehen wird“, versicherte er ihnen allen und blickte Valentin durchdringend an, „ebenso wie ich weiß, dass irgendwo deine andere Hälfte auf dich wartet.“ Valentin senkte für einen Moment den Blick, bevor er ihn wieder ansah. „Da bist du optimistischer als ich,“ gab er zu und sein Astralkörper flackerte und kehrte seinen inneren Aufruhr dadurch nach außen. „Dennoch wünsche ich dir das du recht behältst und sie wirklich so verständnisvoll ist, wie du glaubst, dass sie ist. Denn im Moment sieht sie alles andere als das aus.“ Arthur wechselte einen verständnislosen Blick mit ihm und das leise Stimmengewirr seiner Familie, glich einem entfernten Donner, dass sich immer näher an ihn heranpirschte. Ebenso wie der Astralkörper seiner schlafenden Partnerin, deren Erscheinung ihn für den Bruchteil einer Sekunde, aus der Fassung brachte. Seine Familie verstummte und einzig, das leise amüsierte Lachen seiner Schwester erfüllte den Raum, während sich Isas Aufmerksamkeit einzig und alleine auf ihn richtete. „Ich verlange eine Erklärung“, forderte sie. „Na dann leg mal los“, hörte er Marlena flüstern und er warf ihr einen leicht indignierten Blick zu, während Isa ihn mit vor Feuer sprühenden Augen anblickte. „Ich höre“, meinte sie bloß, verschränkte die Arme ineinander und Arthur setzte sich endlich, bevor er die Augen schloss und ihr auf gleicher Ebene mit seinem Astralkörper begegnete. „Wir sind keine Newager“, begann er und deutete mit seinen Händen, auf seine Familie, die sie nur mit einem kurzen Blick bedachte, bevor sie ihn wieder ansah. „Sondern?“ „Sondern“, fuhr er fort, „wir bewahren das Wissen lange verloren gegangener Zivilisationen, Götter, Göttinnen und sammeln alles, was einen Hinweis auf die wirkliche Geschichte der Welt wiedergibt.“ Wenig imponiert sah sie ihn an und wippte tonlos und immer noch sehr wütend mit einem Fuß, auf dem Boden. „Und warum ist das Ganze ein ach so großes Geheimnis?“ Ihre Stimme hatte einen leicht sarkastischen Unterton angenommen. „Weil dieses Wissen“, erklärte er ruhiger als er sich fühlte, „das Gesicht der Welt nicht nur für immer verändern könnte, sondern auch das Leben wie die Menschheit es jetzt kennt.“ „Und was soll daran so schlecht sein“, wollte sie wissen, während ein kalter Schauer ihm über dem Rücken lief und er Valentins Blick in selbigen spürte. „An sich nichts,“ gab er zu und hörte, wie seine Familie hinter ihm die Luft anhielt, „aber der Großteil der Menschheit würde nichts von dem glauben und nichts würde sich wirklich verändern.“ „So etwas wie den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht“, murmelte sie und näherte sich ihm. „Ich hoffe für dich, dass dein reales Ebenbild in der Wirklichkeit, eine bessere Erklärung für all das hat, als dieses Traumbild von dir.“ Geschockt blickte er sie an und für einen Moment verschlug es ihm die Sprache. Sie denkt sie träumt, dachte er und fuhr ohne zu überlegen mit der Hand nach ihr aus. Plötzlich wurde er von der sie umgebenden und wie Schlangen zischenden, Energie ergriffen. Nein, dachte er, die Energie griff nach ihnen beiden, während Funken knisternd sprühten und ihre Astralkörper ohne Vorwarnung gleichzeitig überall und nirgends hingezogen wurden bevor sie sich in einem Raum, einer Kammer gleich, wiederfanden, wo sie nicht mehr zu existieren schienen und stillstanden, während unter ihnen die Ströme der Zeit, wie Flüsse vor sich hin plätscherten, stetig vor sich hin fließend. Mit nur einem Ziel vor Augen: diese Kammer, wo sich alle wie im Tanz vereinten, um niemals wieder zu vergehen.
Ohne eigenes Dazutun wurden sie vorangezogen. Die Ströme um sie herum flossen immer schneller, und kurz bevor sie in den tosenden Strudel hineingezogen wurden, kamen sie erneut zum stehen. All dies faszinierte ihn, aber so sehr er sich auch vom Strudel angezogen fühlte, zwang er sich dazu zu Isa hinüberzublicken. Furcht und Faszination lagen in ihren Augen und noch, bevor er wusste, was geschah, löste sich ihre Hand von ihm. Sie wurde direkt in die Mitte der Quelle gezogen, wo die Ströme sogleich Besitz von ihrem Körper ergriffen und sich in schillernd weiße Schlangen verwandelten.
Er war fasziniert von ihrem Anblick, während sie sie binnen Sekunden wie eine Mumie einwickelten und sich mit ihrer eigenen inneren Schlange verbanden, die sich um ihr Rückgrat wand, wie um den Äskulapstab. Sie hielt still und hob nur ein wenig den Kopf um ihn anzublicken. Ihre Augen leuchteten und strahlten von innen heraus, wie tausend Sonnen und Millionen von Sternen. Sie schloss sie und Arthur ließ sie nicht aus den Augen, während sie sich mit den Zeiten verband und die Schlangen sich immer mehr um ihren Körper wickelten. Isa hob die Arme leicht an, während die kosmischen Schlangen immer höher und höher glitten. Mittlerweile hielt er den Atem an, während Isa wirkte als wäre sie in eine tiefe Trance gefallen. Die Schlangen erreichten ihren Kopf und verbanden sich mit ihren Haar, während sie nur noch ihr Gesicht freiließen. Sie war ein schöner strahlender Anblick, dachte er. Wie eine Göttin aus längst vergangenen Tagen oder sogar wie die Frau die mit der Sonne bekleidet war.
Leise drang eine Melodie an seine Ohren, aber er konnte nicht genau lokalisieren, wo sie herkam, denn sie schien von allen Seiten gleichzeitig zu kommen. Gleichzeitig wurde die Kammer von ineinander wirbelnden Regenbögen erfasst, die um sie beide herum tanzten, als befänden sie sich in einer großen unendlichen Seifenblase. Er hörte sie nach Luft schnappen, beinahe so als könnte sie nicht glauben, was sie da gerade sah und hörte und am eigenen Leib, an der eigenen Seele, erlebte. Arthur blickte sie wieder an und ihr Gesicht war eingetaucht in reinste Verzückung. Er widerstand dem Drang sie zu berühren, während Tränen über ihre Wangen liefen und sich ihre Augen wieder öffneten. Sie waren so voller Lebendigkeit, Freude und Liebe, dass ihm beinahe das Herz vor derselben überlief.
Isa gab einen ekstatischen Laut von sich und sein Körper wurde von Schauern ergriffen, als wollte er ihr antworten. Ihr Kopf bewegte sich in seine Richtung und ihre Lippen bewegten sich flüsternd. Zunächst hatte er Schwierigkeiten sie zu verstehen, aber als er endlich verstand, was sie sagte, blieb ihm beinahe das Herz stehen. „Arthur“, flüsterte sie. „Arthur, die Zeit ist gekommen, um die Zeit zu verwandeln und die Träume wieder zu vereinen.“ Ohne Vorwarnung lösten sich die Schlangen wieder von Isas Körper und kehrten zurück zur Quelle der Zeit, während Isa langsam wieder zu Bewusstsein kam.
Sie schwankte und noch bevor sie zu Boden sank, ergriff er sie. Ihre Haut war noch warm und feucht von der Berührung der kosmischen Schlangen, während ihre Augen fiebrig glänzten. Dankbar sah sie ihn an und lächelte, während sein Herz sich zusammenzog. Er wusste sie hielt das alles nur für einen Traum. Aber was war schon Traum und was war schon Wirklichkeit? Isa hörte ebenso den Ruf der Sterne, von denen sie alle abstammten, wie er es tat. Aber war sie auch bereit dazu ihm wieder zu vertrauen und zusammen mit ihm dieses Rätsel zu lösen. Denn eines wusste er mit absoluter Sicherheit, egal was auch immer sich dahinter verbarg, ohne den jeweils anderen, würden sie es nicht lösen können. Nicht weil er ein Mann und sie eine Frau war, dass vielleicht auch, aber vor allen Dingen, weil ihre Liebe ein wenig wie die indische Göttin Kali war. Erschaffend und zerstörend zugleich. Isa blickte ihn an und ihre Augen schienen in sämtlichen Farben zu schillern und ihn gefangen zu nehmen. Seine Hand hob sich und legte sich auf ihre Wange. Isa schmiegte sich hinein und schloss die Augen, während sein Gesicht sich ihrem näherte und er ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte, während sich seine Augen, wie ein Vorhang schlossen. Ein kalter Hauch wirbelte um sie beide herum und er spürte, wie sie sich wieder von ihm zurückzog, als wenn ihr Verstand über ihr Herz hinweg rollte und es zum Verstummen brachte.
Er schloss die Augen, und als er sie wieder öffnete, befanden sie sich beide wieder in dem Raum unter dem Haus seiner Schwester in der Bretagne. Seine Familie sah ihn erleichtert an und Isa ließ seine Hand los und schüttelte den Kopf. „Das ist der seltsamste Traum, den ich jemals hatte“, murmelte sie und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum, um in ihren Körper zurückzukehren. Seufzend hielt er einen Moment inne, während er ihr nachsah, bevor er schließlich ebenfalls in seinen Körper zurückkehrte, um seiner Familie von dem gerade erlebten zu berichten.