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Die Regina-Kirche in Drensteinfurt

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Am 18. Februar 1782 fand im Steinfurter Hof zu Münster eine Besprechung statt, an der Engelbert von Landsberg und neun weitere Herren teilnahmen, darunter Pastor Böger und Vikar Wiesmann. Verhandelt wurde über den Neubau der Reginakirche in Drensteinfurt und die Finanzierung. In einem vierseitigen Protokoll hielt Notar Niedick aus Münster fest, dass den Häusern Steinfurt und Venne die „Direction dieses Baues“ – unter Beteiligung des Vikars Wiesmann – aufgetragen worden sei. Man veranschlagte 4376 Taler für das Projekt, alle Grundeigentümer sollten einen finanziellen Beitrag leisten und das Bauholz kostenlos zur Verfügung stellen. Vorgesehen waren eine Kollekte im Bistum Münster, eine Sondersteuer, Hand- und Spanndienste der Eingesessenen.

Vor dem Abbruch der alten Kirche 1783 legte Wiesmann ein Verzeichnis der Grabstätten auf dem Chor an; in einer zweiten Liste hielt er fest, wer Sitzplätze besaß oder „in Heuer“ (gepachtet) hatte. Aus diesen und anderen Dokumenten geht hervor, dass die alte Kirche einschiffig war, Chor, Sakristei und einen vorgestellten Turm hatte. An drei Seiten befanden sich Emporen mit zusätzlichen Plätzen für das längst zu klein gewordene Gotteshaus.

1311 Taler brachte die Kollekte ein, 900 Taler steuerten die Grundherren bei, 1751 Taler stiftete die Kirchengemeinde, wohltätige Spenden ergaben 1327 Taler, der Verkauf des nicht verwertbaren Abbruchmaterials betrug 1211 Taler. Während das Kirchenschiff ganz abgerissen wurde, ließ man die Sakristei und den unteren Teil des Chores stehen. Der Sandstein aus dem Abbruch fand Verwendung im Sockel der neuen Kirche, auf dem die Ziegelsteinmauern ruhen. Überreste alter Bauteile erkennt man in der Außenwand des Chores, u. a. ein Bauhüttenzeichen, das die Gestalt eines liegenden Doppelkreuzes hat. Zuerst war der Turm fertig, aus dem Jahr 1785 liegt eine von Wiesmann beschriftete Zeichnung des Dachstuhls vor. Vier Eichenbalken tragen die gesamte Last. Über der flachen Kuppel erheben sich acht Holzstützen, die mit der abschließenden Haube die „Laterne“ bilden. Auch die neue, im frühklassizistischen Stil errichtete Kirche war einschiffig, hatte einen eingezogenen Turm. Kräftige Hohlkehlen leiteten von den Wänden zur flachen, unverputzten Holzdecke über. Die Fenster, auf jeder Längsseite vier, waren rundbogig und ohne Maßwerk. Sparsam im Dekor war die sandsteinverblendete Fassade, vier Lisenen betonten die Senkrechte, ein umlaufendes Kranzgesims die Horizontale.

1788 erfolgte die Abrechnung der Baukosten, in einer Schlussbesprechung dankten die Herren von Landsberg und Venne allen, die am Bau mitgewirkt hatten. Den Architekten nennen die Akten nicht; nach Drensteinfurter Überlieferung soll Wiesmann die Pläne gezeichnet haben. Es fehlen zwar eindeutige Beweise, aber manches spricht für diese These. Unter anderem hat der Vikar 1808 auch Pläne zum Neubau der Drensteinfurter Küsterei angefertigt; sie kamen jedoch nicht zur Ausführung und befinden sich heute im Staatsarchiv Münster. Zur Gründerzeit wurde die Reginakirche stark verändert, indem man zwei Seitenschiffe anbauen ließ, eine Kassettendecke aus Zinkguss einziehen und die Wände bemalen, teilweise sogar bunt kacheln ließ. Die Wiederherstellung des klassizistischen Interieurs, zu dem Altar und Orgel gehören, erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zwei Taler für den Pastor, siebzehn Schilling für den Lehrer

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