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Meine erste Seewache
ОглавлениеIn meiner Story von den 3 Tassen ist mir ein kleiner Fehler unterlaufen. - Die allererste Reise von M/S “ELFRIEDE” führte uns nicht von Kiel / Kanal nach Dünkirchen, sondern von der Werft, den Kieler Howaldtswerken, nach Dänemark; genauer gesagt nach Vejle und Aarhus.
Als Moses zum ersten Mal auf einem Schiff hat man besonders viel von dem, was man an der Küste gerne mit: „Null Ahnung“ bezeichnet. - Ich machte da keine Ausnahme; das schon mal vorweg.
Es war Anfang Januar 1956, wir liefen abends aus. - Über der Kieler Bucht lag feuchter Nebel, es war kalt, windstill und die See war glatt wie ein Brett. - Man hatte mich für die Abendwache 20.00 bis 24.00 Uhr zusammen mit dem I.O., dem Bootsmann und einem der Matrosen eingeteilt und da stand ich nun in der Backbord Brückennock und starrte in den Nebel. - Das Vorschiff war kaum zu erkennen. - Plötzlich riss mich eine Stimme aus den Gedanken: “Peter, Du gehst auf die Back, hältst Ausguck nach Lichtern und Tonnen und machst Meldung.” - Das die Back vorne ist, wusste ich immerhin schon ~ kam ja direkt von der “Mosesfabrik” dem PRIWALL ~ also krächzte ich mein “Jawohl Ausguck und marschierte in Richtung Vorschiff. - Jetzt verschwand hinter mir die Brücke im Nebel und ich stand zum ersten Mal ganz alleine vorne auf unserem Zossen und war mir der Wichtigkeit meines Auftrags bewusst. - Außer dem Nebel gab es nichts zu sehen. Zu hören war nur das leise Rauschen der Bugwelle die M/S “ELFRIEDE” bei langsamer Fahrt voraus verursachte und von Zeit zu Zeit das laute Dröhnen von unserem Nebelhorn. - Von See kamen manchmal sonderbare Geräusche, die ich mir nicht erklären konnte.
So stand ich da eisern im Nebel und in der Kälte und die Stunden vergingen. - Achtern waren jetzt ab und an Stimmen zu hören, die wie’s mir schien von weit her kamen. - Geräusche und vereinzelte, schwache Lichtstrahlen und Gepolter so als würden Schotten dicht geschlagen. Das ging eine ganze Zeit so, interessierte mich aber wenig, denn mein Blick ging nach vorn, das war mein Auftrag. - Dann kam jemand zu mir hoch getappt auf die Back und brüllte mich an: “Hier steckst Du, Du Blödmann”! - Es war einer unserer Matrosen und ich war völlig von den Socken. - Ja man hatte mich doch als Ausguck nach vorne geschickt. - “Wer”, fragte der Matrose, “Weiß nicht, war einer von der Brücke” - “Los komm mit aber pronto”. - Als ich nach achtern kam wurde ich giftig empfangen, es war nach Mitternacht und die ganze Besatzung auf den Beinen. - Überall auf und im Dampfer war man herumgekrochen und hatte den dämlichen Schiffsjungen gesucht in der Annahme, er sei über Bord gegangen. - Natürlich “schleppte” man mich sofort auf die Brücke und da stand ich dem Mann gegenüber der mich auf die Back geschickt hatte. - Es war unser Kapitän und ich sagte ihm, dass es doch er gewesen sei der mich nach vorne geschickt hatte. - Ja und dann - “Gut gemacht hast Du das Junge, ein Mann bleibt auf seinem Posten, bis man ihn abruft”! - Damit war die Sache für ihn erledigt, die Freiwache von Deck und Maschine, die Küche und das Bedienungspersonal hatten zu verschwinden. - Die Wahrheit war, man hatte mich einfach vergessen.
Er hat sich das nie anmerken lassen, aber ich hatte das Gefühl, von da an hatte ich so etwas wie einen “Stein im Brett” bei unserem Alten und das sollte schon etwas heißen. - Es war nämlich einer der letzten großen Segelschiffskapitäne und Cap Hornier, dessen schnelle Reisen mit den Laeisz Seglern PRIWALL, PADUA und PAMIR noch heute Legende sind. - Dieser Kapitän war gut, ich habe es in den darauf folgenden Monaten oft genug erfahren. - Man braucht es jetzt aber nicht meiner unmaßgeblichen Meinung zu glauben, man kann es in Büchern nachlesen, die von Leuten geschrieben wurden, die von der Seefahrt viel mehr mehr verstanden haben als ich. - Tatsache ist aber, dass ich heute, nach über 60 Jahren noch große Hochachtung vor diesem Mann habe.
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