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KULTUR AUS DEM NICHTS

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Vor etwas mehr als hundert Jahren hatten Geschichtsforscher noch keine Ahnung von der prähistorischen Felsbildkunst im Val Camonica – ganz zu schweigen von den Urhebern. Heute wissen wir, es waren die Camuni (auch Camunni, Camunen oder Camunier genannt), die uns den Großteil dieser bebilderten Wunderwelt hinterlassen haben.

Ihr Machtbereich war regional begrenzt. Im Norden versperren noch heute hohe Gebirgsketten den Weg aus dem Tal. Und im unteren Teil des früher moorähnlichen Tales liegt der landschaftlich zwar bezaubernde Iseosee, der aber für den damaligen Verkehr doch recht hinderlich gewesen sein dürfte. Dennoch müssen die Camuni schon früh Handelskontakte mit der Außenwelt gehabt haben. Die Art der im Val Camonica verwendeten und bildhaft dargestellten Webstühle ist mit jenen aus dem antiken Griechenland identisch. Umgekehrt wurden im griechischen Mykene Waffen gefunden, die genau den Abbildern auf Felsplatten im Val Camonica entsprechen.

Das wirft viele Fragen auf. Das beginnt schon mit der Ungewissheit, wer die Camuni waren und woher ihre Kultur stammt. Vermutet wird, dass sie wie andere Völker in mehreren Etappen in die Alpen einwanderten, sich im Val Camonica ansiedelten und sich dann mit anderen alpinen Stämmen vermischten. Bis 16 v. Chr. beherrschten sie die Region und gaben dem Tal seinen Namen. Obwohl bereits Jahrtausende zuvor ihre Vorfahren, die Proto-Camuni, erstaunliche Schaffenskraft bewiesen hatten, waren die neuen Immigranten der Bronzezeit, und noch deutlicher jene der Eisenzeit, am fleißigsten.


Woher kamen die Camuni?


Das Monument „Tropaeum Alpium“ liefert den Schriftbeleg zum Alpenvolk der Camuni.

Belegt ist, dass im 3. Jahrtausend v. Chr. mit der Metallgewinnung und -bearbeitung neue Innovationen ins Land kamen, die die geniale Kreativität der Camuni beflügelten. Erst die Römer stoppten den regen Schaffenseifer. Als Legionäre die lombardischen Täler eroberten und ins Römische Reich eingliederten, übernahmen die Camuni die neue Kultur offenbar kampflos. Ihre schöpferische Leistung verlor allmählich an Bedeutung, bis sie schließlich ganz erlosch und in Vergessenheit geriet.

Vom „Camuni-Volk“ blieb fast 2.000 Jahre lang nur ein spärlicher Hinweis durch die Erwähnung bei römischen Gelehrten und einer Inschrift auf dem Siegesdenkmal zu Ehren Kaiser Augustus’. Die Überreste dieses 35 Meter hohen Monuments, genannt „Tropaeum Alpium“, sind in der französischen Gemeinde La Turbie (in unmittelbarer Grenznähe zum Fürstentum Monaco) zu besichtigen. Einer der Steine des Turms, die Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.) transkribierte, enthielt die Namen von 45 alpinen Völkern, die dem Römischen Reich unterworfen wurden – darunter der Stamm der Camuni. Es ließen sich keine beweiskräftigen Spuren ihrer einstigen Existenz finden – bis eben zur Entdeckung der Felsbilder im Val Camonica!

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