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Batrallen-Kamm, Pogran, 2.Juli 2.325, 11.Stunde

„Herein, herein, werter Papperlapapp. Wie schlicht eure Aufmachung. Nun, ich bin ja auch kein Ausbund an modischer Eleganz. Sagt guten Tag zu Klappel.“

Nulbo Papperlapapp lächelte höflich und schüttelte dem dicken Mann im rosablau quergestreiften Gewand die fleischigen, beringten Finger, beugte sich zu dem blauen Fuwupp-Mupp mit den gelben Punkten herab und streckte auch dem Tier die Hand entgegen.

Klappel schnüffelte und streckte dann sein gelbgepunktetes blaues Händchen aus, seine grünen Augen musterten den schlanken schwarzhäutigen Mann neugierig.

Das Fuwupp-Mupp gluckste und stieß ein energisches „Mupp!“ hervor. Mit dem anderen Händchen sammelte es ein dickes Blatt Papier vom Boden auf und zeigte stolz seine Künste. In Lesagaux hätte das Tierchen mit seinen Wachsstiftgemälden sicherlich eine Ausstellung bekommen. Wie peinlich, wenn man entdeckt hätte, dass die wunderbaren Werke den Patschegriffeln eines Tieres entstammten. Eine Idee für einen neuen Sketch? Nulbo machte sich eine geistige Notiz.

„Schönes Bild, Klappel. Du bist begabt, keine Frage.“

Klappel warf sich in die kleine Brust.

„Wupp, Fupp, Mupp, Mupp!“

„Zweifellos.“

Zufrieden wandte sich das Fuwupp-Mupp wieder seinen Wachsmalstiften zu, die Menschen ignorierend. Wären Menschen nur so unschuldig und gutartig wie Fuwupp-Mupps, dachte der Komödiant und seufzte.

Sein Gastgeber hatte ihn lächelnd beobachtet, während er mit Klappel sprach. Jetzt machte er eine einladende Geste hinüber zum Tisch am anderen Ende des Saales.

Zwischen Tür und Tisch hinten am Panoramafenster, das einen atemberaubenden Blick auf die Gipfel des Batrallen-Kamms gewährte, erstreckten sich Modellbäume, Berge und Flüsse auf dem Boden, dazwischen hölzerne Gebäudemodelle. Nulbo erkannte das Baxa in Targomua, den Turm der Freiheit in Taru-Vempp, den Maharani-Palast zu Adohya und andere weltberühmte Bauwerke.

Das Hobby des Gastgebers war es, in diesem Saal ein Miniaturterklora zu bauen. Pogranische Freizeitbeschäftigungen zeichneten sich gewöhnlich durch friedliche Beschaulichkeit aus, und Braat Wild-Wechsels, des großen Streichholzmagnaten, Spielerei war da keine Ausnahme. Einem Mann mit solchem Hobby konnte Nulbo trauen.

Auf dem Tisch, zu dem der Schwarze sich nun, vorbei an Minifarnwäldern, Festungen und berühmten Bauwerken, über winzige Saurierherden und stabdünne Überlandstraßen steigend, seinen Weg suchte, bemerkte er das halbfertige Modell des Lorntempels zu Zakunthi, älteste Kultstätte des phallokratischen Gottes im Lande der großen Krieger und Frauenzähmer.

Idioten allesamt, dachte Nulbo, ohne die und die genauso verrückten Weiber aus Fenlora wären wir die größten Sorgen los.

Braat Wild-Wechsel, das schüttere graue Haar in mehrere Richtungen stehend, hellgrüne Pantoffeln mit orangen Quasten an den Füßen, das blaurosa Gewand in den Augen schmerzend, ganz der verschrobene, gutmütige Märchenonkel, hatte bereits in einem ledernen, weißrot karierten Sessel hinter seiner Bastelstätte Platz genommen.

Nulbo musterte den Sessel vor dem Tische, sicherlich war er bequem und aus feinsten Materialien, allein, sich auf etwas zu setzen, das quittegelb und metallicgrau quergestreift war, bereitete dem Gysanier fast körperliche Schmerzen.

Andere Länder, andere Sitten. Die Pograner nannten nun einmal einen äußerst eigentümlichen, um nicht zu sagen, entsetzlichen Farbgeschmack ihr Eigen.

Der Sessel war tatsächlich sehr bequem, und Nulbo lehnte sich zurück, schlug die Beine in der blauen, schlichten Jeanhose übereinander und schenkte Wild-Wechsel eines seiner berühmten, zahnintensiven Bühnenlächeln.

„Meine Güte, ihr seht wirklich so aus wie auf den Plakaten. Meine Nichte sah Euch letzte Woche in Delmengu. Schreiend komisch sollt ihr gewesen sein. Ich hatte erwartet, Euch heute ebenfalls in der roten Haarbürste zu sehen, die ihr auf den Plakaten zur Schau stellt. Es überrascht mich, dass es nur eine Perücke ist.“

Nulbo, den Kopf kahl wie ein Ei, ließ sein Lächeln verschwinden.

„Privat bin ich ein zurückhaltender Mann, der seine Privatsphäre schätzt. Auf Tournee hier in Pogran ist es erträglich, daheim in Gysanien jedoch kennt jeder Nulbo Papperlapapp, den dauerschwätzenden Neger mit dem roten Bürstenhaar. Ich bleibe lieber unerkannt, wenn ich im Restaurant speisen will und dergleichen.“

„Ich verstehe. Nun, natürlich ist es auch von Vorteil, hier unbekannt zu bleiben. Eure Verbindung zu FREIHEIT FÜR ALLE ist geheim, sagte man mir?“

„Und so soll es bleiben.“

„Seid unbesorgt, niemand weiß von eurem Besuch bei mir. Auch was wir besprechen, bleibt unter uns Beiden und Klappel. Er kann sehr verschwiegen sein.“

„Mir will scheinen, ich bin nicht der einzige Komödiant im Heimeligen Haus.“

Heimeliges Haus – Domizul Schnuddelib – nannte Wild-Wechsel sein Märchenschloss am Fuß des Batrallenkammes, nahe seiner großen Schwefelminen, die ihn zum Streichholzkönig gemacht hatten. Zumindest in den Phallokratien und egalistischen Staaten des Westens kam man – oder frau – an Streichholzschachteln mit den zwei roten Ws nicht vorbei. Ob zum entzünden von Lampen, Kochfeuern oder Zigaretten, die DoppelW-Streichhölzer mussten es sein.

„Ihr schmeichelt mir, lieber Papperlapapp.“

„Nennt mich doch Nulbo. Dieser andere Name bezieht sich auf den grinsenden Spaßmacher, ich bin jedoch hier als der Mann, der als Kind vom heimischen Dorf in Ovambo in gysanische Sklaverei verschleppt wurde.“

„Ah, ich sehe, ihr kommt rasch zur Sache. Ich fürchte, wie stets steht es nicht gut um unser gemeinsames Anliegen. Das Sklavereigeschäft blüht und gedeiht, in welches Land man auch blickt. Mehr, als Demonstrationen organisieren und Spenden sammeln, um soviel Unglückliche wie möglich wieder freizukaufen, bleibt uns nicht zu tun. Auch in Eurem Land haben die Tierschützer stärkeren Zulauf als die Gegner von Sklaverei und Menschenhandel. Hier in Pogran zumindest ist das Los der Sklaven besser als in vielen anderen Gegenden. Doch kein Oplu-Grand wird die Sklaverei abschaffen, nur weil ich oder andere ihm ins Gewissen zu reden versuchen.“

Ja, die Oplu-Grands, Großfürsten des Oplu Unido Pogran, des pogranischen Reiches, dachten, wie alle Mächtigen, lediglich an Erhaltung des Status Quo und ihrer Macht. Die sozialen und ökonomischen Verwerfungen, die eine allgemeine Abschaffung der Sklaverei mit sich gebracht hätten, wollte beim besten Willen niemand auf sich nehmen. Dabei waren Zahl und wirtschaftliche Bedeutung der Sklaven in Pogran noch relativ gering.

Anders in Ländern wie Terkonnia oder Fenlora. Sämtliche Männer Fenloras, über 30 Millionen Menschen, waren Sklaven, und jede zweite Frau im erzphallokratischen Terkonnia hatte jedem Wort und Wink eines Maastors zu gehorchen. Die Terkonnier hatten die ganze verabscheuenswerte Institution gar mit einem religiösen Überbau versehen. Lorn, ihr großer Gott, war nicht nur mächtiger Krieger, sondern auch Sklavenherr. Seinem Willen folgend, suchten die terkonnischen Recken die Matriarchate der Welt zu bezwingen und die Bewohnerinnen in fügsame Sklavinnen zu verwandeln. Willkommen, Genderkrieg. Wenig überraschend, wollten sich das die Frauen nicht einfach gefallen lassen. Hallo, EWIGER Genderkrieg. Es schien keinen Weg zu geben, diesen Konflikt, der Terklora prägte, zu beenden. Oder nein, es gab einen Weg. Eine der beiden Seiten konnte den Krieg gewinnen und die andere auslöschen.

Und das Schlimme war, dass die Weltlage genau darauf zusteuerte. Die Zarija Alura Maslov, Herrscherin Fenloras, bereitete ihr Land zielstrebig auf den großen Endkampf mit dem terkonnischen Erzfeind vor. Auch in Terkonnia wusste man, was die Stunde geschlagen hatte, die stolzen Herren der Schöpfung rangen lediglich noch darum, welchem ihrer Oberholzköpfe die Ehre gebührte, sie in die glorreiche Schlacht zu führen.

Der Krieg kam, nicht eine der ständigen kleinen Metzeleien, die Hobbys von Fenloras und Terkonniern zu sein schienen, nein, der große, der entscheidende Krieg. Glaubte eine Seite im Ernst, die andere völlig besiegen und versklaven zu können? War ihnen nicht klar, dass weder stolze fenlorische Frauen noch selbstbewusste terkonnische Supermänner jemals aufgeben, sich dem anderen Geschlecht beugen würden? Lang und blutig würde es werden, und die humanitären und wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe würden die ganze Welt erschüttern.

Schlimmer noch als die Sklaverei war dies, und deswegen war er hier, beim prominentesten Vertreter von FREIHEIT FÜR ALLE in Pogran, einem zwar phallokratischen, aber neutralem und wohltuend pazifistischen Land.

„Die Sklaverei ist nicht das einzige Problem auf den Schultern der Welt. Der Genderkrieg und seine drohende Verschärfung beunruhigen mich persönlich zur Zeit mehr.“

„Wohl gesprochen, lieber Nulbo. Allein, was sollen wir tun, Privatmänner nur, wenn auch Vermögende?“

„Mir sang ein Plappatacka, ihr pflegtet gute Kontakte zum lavendrischen Geheimdienst.“

Braats Miene zeigte Verblüffung.

„Ich? Wie kommt ihr auf derlei verschrobene Ideen?“

„Möchtet ihr die Streichholzproduktion an den Nagel hängen und an meinem Haus anfangen? Schauspielerisches Talent Eurer Klasse ist selbst in Lesagaux selten.“

Nulbos zweites Standbein, und seine wahre Liebe, neben den komödiantischen

Auftritten, die ihn reich und berühmt gemacht hatten, war ein kleines Theater, dessen Stücke er selbst schrieb und produzierte.

„Es scheint schwer, Euch zu täuschen. Darf ich Euch umgekehrt eine Anstellung als Rechnungsprüfer in MEINEM Haus anbieten?“

„Zurück zum lavendrischen Geheimdienst.“

„Natürlich. Tatsächlich hält man mich von dort auf dem Laufenden. Meine Gegenleistung besteht in gewissen finanziellen Zuwendungen und anderen materiellen Elementen.“

„Ich verstehe. Ich frage Euch nicht, was die Lavendrer von der Lage halten, denn dies ist mehr als offensichtlich.“

Lavendra, egalistisch, also in Geschlechterfragen dem Prinzip der Gleichberechtigung folgend, lag südlich Gromiens und war Zentrum des Intergenderhandels, ermöglichte also Terkonnia und Fenlora, über den Umweg neutrales Lavendra, miteinander zu handeln. Dieser ökonomischen Rolle verdankte das kleine und militärisch schwache Land seine fortgesetzte Existenz. Der Intergenderhandel war übrigens beträchtlich, vor allem der Sklavenhandel. Obwohl der Gleichberechtigung huldigend lehnten die LavenderInnen die Sklaverei keineswegs ab, folgten lediglich auch hier rigoros der Gleichbehandlung der Geschlechter.

Besonders grotesk war, dass die bitteren ideologischen Feinde Phallokratien und Matriarchate ihre VerbrecherInnen und andere Unerwünschte gerne als SklavInnen über Lavendra an die Gegenseite verschacherten.

Zugegeben, auch der Freikauf von Männer und Frauen aus der Sklaverei im jeweils anderen System lief vor allem über Lavendra.

Was nun den Genderkrieg anging, hatten die EgalistInnen einerseits ein Interesse daran, dass er fortbestand. Nicht auszudenken die Folgen für das wohlhabende kleine Reich, sollten Fenlora und Terkonnia direkt miteinander zu handeln beginnen. Zum anderen jedoch konnte ein totaler Krieg ebenso wenig die LavenderInnen erfreuen. In dem Augenblick, da beide Seiten aufs Ganze gingen, wurde aus dem unbehelligten, bequemen Handelsplatz eine strategische und ökonomische Position, deren Eroberung für Recken wie Amazonen von immensem Vorteil sein musste. Die Aussicht, fenlorische Legionen und terkonnische Regimenter um die Trümmer ihrer Städte kämpfen zu sehen, musste schwerer noch wiegen als das Schreckgespenst eines wirklichen Friedens.

„Ihr wollt wissen, was Lavendra zu tun gedenkt.“

„Ja.“

Ein vernehmliches Rappeln ließ Nulbo kurz nach rechts blicken. Klappel, der anstrengenden Kunst der Malerei vorerst überdrüssig, wandte sich mit ähnlichem Eifer der Architektur zu. Er hatte unter dem Tisch seines Herrchens einen Kasten mit quietschbunten – dies hier war Pogran - Bauklötzen hervorgeholt und schickte sich an, in neue architektonische Bereiche vorzudringen, in denen noch nie ein Fuwupp-Mupp gewesen war. Nulbo lächelte warm.

„Der gute Ruf des lavendrischen Dienstes bezieht sich bekanntlich auf die Beschaffung von Informationen, nicht auf Aktionen, die den Lauf der Welt ändern. Sie sind nicht der TKM.“

Der TKM, Tadoka Kespenaiumon, war der Geheimdienst des Zarijats Fenlora, dessen weltweite Intrigen geradezu sprichwörtlich waren. Angeblich, zumindest wenn man der terkonnischen Propaganda glaubte, bestieg keine neue Herrscherin den Thron irgendeines Matriarchats außerhalb Fenloras gegen den Willen des TKM.

„Sie werden also nichts unternehmen.“

„Allein ein Diodarchor aus dem Clan Halikarnassia, zeitgleich mit einer Revolution des Kauffrauenordens Shakeshumon im Zarijat, vermöchte das Kommende zu verhindern. Und Lavendra wird das nicht zuwege bringen.“

„Ich weiß.“

„Wohlan, was erwartet ihr dann? Das Galaan herabsteigt und sie alle mit Liebe erfüllt?“

„Zynismus hätte ich von einem Philanthropen Eures Ranges nicht erwartet, Signol Wild-Wechsel.“

„Es ist Verzweiflung und Gram, die einen alten Mann bitter werden lassen.“

„Vielleicht müssen wir selbst etwas tun. Am Ende fällt ein Mann immer auf seine eigenen Fähigkeiten zurück.“

„Ist das aus einem Eurer Programme, mein Lieber? Der lornfürchtige terkonnische Holzkopf von nebenan?“

„Verzeiht, ich hätte sagen sollen, ein Mensch. Aber ansonsten meine ich es so. Man – oder frau – muss das Richtige tun, nicht, sich auf Andere verlassen.“

„Mupp, Fupp, Mupp!“

„Klappel scheint meiner Meinung. Ein kluger und aufrechter Bursche.“

„Klappel ist nicht objektiv. Ihr mochtet seine Bilder. Allein, ihr habt wohl Recht. Doch woran dachtet ihr? Alle anderen Clansherren durch einen Eurer Auftritte in tödliche Lachkrämpfe zu versetzen, damit der Weg für den Halikarnassier frei ist?“

„Ihr und ich, wir haben Möglichkeiten, andere, mehr geübt in der gefährlichen Tat, unseren Willen vollziehen zu lassen.“

„Doch was ist unser Wille? Wo ist der realistische Ansatz, mein Guter?“

„Kommen wir zurück auf Lavendra. Ein Krieger bin ich gewiss nicht, doch weiß ich wohl, dass Information eine der tödlichsten dem Menschen bekannten Waffen ist. Was wissen die Lavendrer denn, deren Netz man wie frau so rühmt?“

„Sie wissen viel, vermuten noch mehr. Es bedürfte viel Zeit, alles zu sichten und der Analyse zu unterwerfen.“

„Fupp, fupp, Mupp, Wuuuppp!“

„War das eine Freiwilligenmeldung?“

„Denkbar, Klappel ist sehr eifrig. Die Informationen existieren jedoch in schriftlicher Form, und das Alphabet hat er bislang noch nicht gemeistert.“

„Bedauerlich. Seine Integrität steht außer Frage.“

„Jemandem, der ihm die Haut poliert, würde er seine Mutter verkaufen.“

„Verstehe. Im Ernst, ich bin bereit, erhebliche Zeit und Mühen aufzuwenden, Material zu sichten, das ihr mir überlasst.“

„Das ließe sich wohl einrichten. Solange es die LavenderInnen nicht erfahren.“

„Gewiss nicht von mir.“

Beide schauten zu Klappel.

„Vielleicht zum Anfang ein grober Überblick, etwas Besonderes, aus der Reihe Fallendes.“

„Nun, Diodarchor Raliras denkt über Rücktritt nach. Er hatte letztes Jahr einen Herzanfall, und nur magische Hilfsmittel halten ihn vital. Der Person des Nachfolgers kommt entscheidende Bedeutung zu. Turon von Zakunthi und Dorn von Blektron streben nach dem Amt, im Moment sieht es jedoch danach aus, dass die anderen Clans einen Kompromisskandidaten vorziehen. Das dürfte Jasperas von Galveka sein. Ein besonnener Mann, auf Ausgleich bedacht. Er jedenfalls wird nicht von selbst den Krieg beginnen.“

„Der Zakunthier auch nicht. Für einen Holzkopf ist er erstaunlich klug. Er wird Zeit gewinnen wollen, Zeit für die Reformen, die sein Reich braucht. Am Schlimmsten wäre Dorn.“

„Ja. Ein sadistischer Berserker, der sofort ausziehen würde, möglichst viele Fenloras zu pfählen. Aber ich glaube, dazu kommt es nicht. Zum Glück für uns alle.“

„Was hört man aus dem Zarijat?“

„Alura soll noch immer schäumen wegen der Niederlage, die der Zakunthier ihr als Lordcenturion vor zwei Jahren in Gromien zugefügt hat. Alle wissen, dass sie den Krieg will, doch die Hohen Orden sträuben sich, vor allem die Shakeshumon. Die Händlerinnen fürchten die ökonomischen Schäden, und ihre Macht wächst bekanntlich. Da sie es sind, bei denen die anderen Orden und letztendlich auch das Zarijat verschuldet sind, wirken sie noch als Bremse. Die Zarija ist noch nicht bereit für eine Kraftprobe. Wenn sie jedoch, gegen die Interessen der anderen Orden, den Shakeshas ein gutes Angebot macht, dass ihre politische Macht der wirtschaftlichen annähert, kann der Krieg morgen da sein.

Da fällt mir ein, gerade in diesem Zusammenhang las ich erst gestern eine beunruhigende Nachricht. Das Zarijat soll in Verhandlungen mit Yoltekucza stehen, ein Handelsvertrag ist in Vorbereitung, fenlorische Genussmittel, vor allem Zigaretten, gegen yoltekisches Gold.“

„Das ist sehr überraschend, in der Tat. Wenn die Zarija auf diese Weise sich finanziell von den Shakeshas emanzipiert…

Aber wie kommen die Yolteken plötzlich dazu? Ist nicht ihre Politik seit jeher gewesen, mit den Bleichhäuten sowenig Kontakt wie möglich zu pflegen und ihr Gold zu hegen? Verbietet nicht gar ihr Echsengott, das Gold außer Landes zu bringen?“

„Anscheinend hat der große Echsengott, oder besser, die Priesterschaft, sich eines Besseren besonnen.“

„Schneiden sie dort in den Tempeln armen Menschen immer noch die Herzen heraus?“

„Ich fürchte, mehr denn je.“

„Von allen finsteren Orten Terkloras ist dies wohl der Finsterste.“

„So schlimm die Menschenopfer dort sind, bedenklicher scheint mir aber, wenn ihr Gold, dass sie bekanntlich im Überfluss haben, in den Wirtschaftskreislauf des Zentralkontinents gelangt und der Vorbereitung des Krieges hier dient.“

„Nur allzu wahr. Wie zu erwarten, ist die Angelegenheit äußerst komplex.“

„Wollt ihr immer noch die Informationen durcharbeiten?“

„Mehr denn je, Signol Wild-Wechsel.“

„Gut. Ich werde Euch bei Eurer Abreise einen Koffer mit dem Material aushändigen lassen. Ihr werdet als Nächstes in Kleshegu auftreten?“

„Ja. Ich kann diese Tournee nicht abbrechen, mein Agent würde zu körperlicher Gewalt schreiten.“

„Ihr werdet doch noch mit mir speisen?“

„Kocht ihr selbst?“

„Natürlich, ich bin Pograner.“

„Verzeiht.“

Die vier Heiligtümer des pogranisches Mannes an sich waren schöne Frauen, Kinder, Geld und gute Soßen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Jikaila, Die Splitter der Erinnerung I

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