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1.3.2 Dorische Posse, Phlyakenposse
ОглавлениеAls dem Theater der würdigen Rhapsoden geradezu entgegengesetzte Theaterform gelten kleine ausgelassene Dialogszenen, die in Griechenland zuerst auf der Peleponnes aufgeführt worden sein sollen. Die dorischen Possenreisser kostümierten sich wohl auch als dionysische Dämonen, als Silene und Satyrn. Gleichzeitig werden in Attika an den ländlichen Festen der kleinen Dionysien heitere Lieder im Chor gesungen. Die attischen Spottchöre nehmen von Anfang an die mannigfaltigsten Verkleidungen an. Die Kenntnis dieser Elemente macht sich die altattische Komödie zunutze, doch die Elemente gehen nicht in ihr auf, sie existieren neben ihr weiter. Die dorische Posse erreicht von Sparta aus Attika und Böotien, vor allem aber soll sie mit den dorischen Kolonisten nach Sizilien und Unteritalien gelangt sein.58 Für das 4. Jahrhundert v. Chr. ist dort die griechische Phlyakenposse durch zahlreiche Kratere gut dokumentiert.59
Mehrere Formen komischen Theaters koexistieren und gehen ineinander über. [<< 46]
Mimus | literarische Tradition | |
Mimos | dorische Posse(Peloponnes, 6. Jh. v. Chr.; korinthische Vasen) | Alte KomödieAristophanes (um 445 – um 386 v. Chr.) |
um 400 v. Chr. auch als lit. GattungSophron aus Syrakus | Phlyakenposse(gräzisiertes Unteritalien; Kratere) | Neue KomödieMenander (um 342 – 292 v. Chr.) |
Rom | ||
seit 238 v. Chr. röm. Mimus-Aufführungen an den eigens geschaffenen „Ludi floralia“, seit 173 jährlich 28.4.–2.5. | AtellaneStadt Atella bei Capua, ab 338 v. Chr. römischab ca. 100 v. Chr. auch eine lit. Variante: Lucius Pomponius aus Bologna; Novius | Palliata(griech. Komödie, nach: pallium, Obergewand)Plautus (um 250 – 184 v. Chr.) Terenz (um 190 – 159 v. Chr.) |
Togata(röm. Komödie, nach: toga, offiz. Tracht)Titinius und Quinctius Atta †77 v. Chr.; 70 Titel bekannt; Begriff Togata später für jedes heitere oder ernste Stück mit römischem Stoff | ||
Palliata, Togata und Atellane lösen sich um 46 v. Chr. im Mimus auf | ||
Mimus | Pantomimuszu Tanz und Gebärdenspiel singt ein Chor den Text |
Die griechische Phlyakenposse, dargeboten von Berufsschauspielern mit Maske, verspottete nicht nur den Mythos mit seinen Heroen und Göttergestalten, sondern auch die Tragödie, die ihre Stoffe dem Mythos entlehnte. Die ältere Forschung hat insbesondere an Merkmalen der Kleidung versucht, die unterschiedlichen Varianten des Mimus zu unterscheiden. Das Trikot der Phlyaken „zeigt außer dekorativen Querstreifen häufig Falten, Längsnähte und Randsäume. Sie tragen darüber oft ein eng anliegendes, wohl ledernes Wams, auf das Brustwarzen und Nabel gemalt sind. Darüber wird dann die Tracht des täglichen Lebens, Chiton, Exomis oder Mantel, angelegt, immer in zu kurzer Form, sodass der Phallos sichtbar bleibt.“60 Die Phlyaken – wiederum ein Begriff für Spieler und Spiel – agierten auf dem Markt auf einer neutralen Podestbühne von etwa eineinhalb bis zwei Metern Höhe, dahinter ein Vorhang oder eine hölzerne Rückwand mit Tür und Fenster. [<< 47]
Abb 3 Die grob gezimmerte Bühne wird von vier Pfosten getragen; im Hintergrund hängt eine Kopfbinde. Eine Frau ist in die Kniee gesunken. Sie wird von zwei Männern gefasst und mit gezückten Schwertern bedroht. Krater aus Ruvo, apulisch, Höhe 28 cm, zweites Viertel 4. Jh. v. Chr., Sammlung Jatta. (Quelle)