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Regionale Konflikte und die Formierung des Ost-West-Konflikts
ОглавлениеEine Reihe von zum Teil lokalen, zum Teil regionalen Konflikten hatte bereits während der Potsdamer Konferenz zu großem Misstrauen gegenüber expansionistischen Motivationen zwischen den Alliierten geführt. Großbritannien und die Sowjetunion hatten starke Interessengegensätze in Bezug auf Südosteuropa und den Nahen und Mittleren Osten. Der Sowjetunion schwebte eine Aufteilung in Interessensphären in Europa vor, und sie beanspruchte einen Teil Libyens (Tripolitanien). Diesen Anspruch lehnte Großbritannien mit Blick auf die strategische Bedeutung der Region für das Empire vehement ab. Vor allem die Iran-, die Griechenland- und die Türkeikrisen verschärften die feindlichen Wahrnehmungen zwischen Großbritannien und der UdSSR. In Asien waren es der Vietnam-Krieg, der Sieg der kommunistischen Bewegung in China unter Mao Tse-tung und der Korea-Krieg, die in den USA große Befürchtungen weckten, dass es zu einer rapiden Ausbreitung kommunistischer Systeme kommen könnte. Beide Regierungen reagierten darauf mit Strategien der politischen und militärischen Eindämmung der Sowjetunion.
Konflikt | Ereignisse | Ergebnis |
Libyen-Krise (1945) | Konflikt zwischen Großbritannien und der Sowjetunion um Tripolitanien (Libyen) als ehemaliger italienischer Kolonie | Libyen bleibt in westlicher Interessensphäre |
Iran-Krise (1946) | Konflikt um Abzug sowjetischer Truppen aus Iran nach alliierter Besetzung (zur Organisation kriegswichtiger Güter, Erdöl) während des Zweiten WeltkriegZweiter Weltkriegs und sowjetische Unterstützung von Unabhängigkeitsbewegungen im Iran | Abzug sowjetischer Truppen auf Druck der USA |
Türkei-Krise (1946–1947) | Konflikt um Forderung der Sowjetunion nach Abtretung von Gebieten der Türkei an Georgien und Armenien sowie um internationale Verwaltung des Bosporus und der Dardanellen als strategischem Meereszugang für Sowjetunion (Sowjetunion strebt Revision des Vertrags von Montreux 1936 an) | US-Unterstützung im Rahmen der Truman-Doktrin sichert türkische Souveränität |
Griechenland-Krise (1944–1947) | Konflikt um Regierungskontrolle nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Griechenland zwischen Royalisten und Kommunisten | Großbritannien muss sich 1947 zurückziehen;USA und Sowjetunion treten in Stellvertreterkrieg ein |
Vietnamkrieg (1946–1954) | Rückzug Großbritanniens als Verwalter Südvietnams führt zu Dekolonisationskrieg unter Führung Ho Chi Minhs zur Wiedervereinigung Vietnams | vertragswidrige Wiederbesetzung des Südens nach britischem Abzug durch Frankreich endet in französischer Niederlage bei Dien Bien Phu;Unterstützung der USA für Frankreich ab 1954 führt zu Stellvertreterkrieg mit China und Sowjetunion bis 1975 |
Ende des chinesischen Bürgerkriegs (1949) | Wiederaufflammen des Bürgerkriegs zwischen Kommunisten und Nationalisten nach Niederlage Japans 1945;Kuomintang flieht nach Taiwan und gründet dort einen neuen Staat | Sieg der Kommunisten unter Führung Mao Tse-tungs über die nationalistische Kuomintang;Etablierung diplomatischer Beziehungen zwischen China und Sowjetunion beschwört im Westen die „Rote Gefahr“ herauf |
Koreakrieg (1950–1953) | Angriff Nordkoreas auf Südkorea mit Unterstützung Chinas und der Sowjetunion | von den Vereinten Nationen mandatierter Einsatz militärischer Truppen sichert Südkoreas Unabhängigkeit;Teilung entlang des 38. Breitengrades wird beibehalten |
Regionale Krisen und die Herausbildung des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts
Allen Krisen war gemeinsam, dass sie sich in strategisch wichtigen Regionen ereigneten, in denen britische direkt auf sowjetische Interessen trafen. Die Krisen hatten große Relevanz für die Herausbildung des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts, weil sie eine Annäherung zwischen den USA und Großbritannien anzeigten, die ansonsten größere Interessenkonflikte über den weltpolitischen Machtanspruch Großbritanniens hatten (Young/Kent 2013: 38). Ab 1946/47 verhärteten sich die jeweiligen Positionen zwischen den westlichen Alliierten und der UdSSR, mit Rückwirkungen auf eine europäische Friedensordnung.